Postliberalismus und Religion
In Kreisen eines aufgeklärten politischen Katholizismus herrschte lange die Ansicht vor, dass religiöse Kritik an der liberalen Demokratie ein Privileg des islamistischen Fundamentalismus und eines evangelikalen Biblizismus sei. Die katholische Kirche sei schließlich global, international, multikulturell und schon allein dadurch gefeit gegen die Versuchungen von Nationalismus und Fremdenfeindlichkeit. In den USA ist aber in den letzten Jahren ein Bündnis von postliberaler Rechte und Religion entstanden, das zollfrei nach Europa exportiert wird. Dabei werden zunehmend auch Elemente der katholischen Theologie als Reservoir einer aggressiven Polemik gegen die liberale Demokratie verwendet. Diese Polemik repräsentiert nicht nur eine Sammlung von Ideen, sondern ein höchst wirksames politisches Programm, wie das Beispiel des amerikanischen Vizepräsidenten J.D. Vance zeigt.