19.06.2026

Internationales Symposium würdigt Lebenswerk von Jürgen Habermas

Mit Jürgen Habermas verstarb im Frühjahr 2026 ein Gelehrter und engagierter Intellektueller, der die Geistes- und Sozialwissenschaften über viele Jahrzehnte weltweit geprägt hat. Am Freitag, den 19. Juni 2026, würdigte das Forschungszentrum Normative Orders gemeinsam mit dem Suhrkamp-Verlag sein Schaffen mit einem internationalen Symposium an der Goethe-Universität Frankfurt.


Unter dem Titel und Habermas-Zitat „Dass niemand wirklich frei ist, bevor es nicht alle sind“ wurden in zwei Podiumsdiskussionen und einer abschließenden Keynote Habermas‘ Denken sowie die Zukunft der Kritischen Theorie diskutiert. Der Präsident der Goethe-Universität, Prof. Dr. Enrico Schleiff, hob in seiner Eröffnungsrede hervor, dass Habermas die Entwicklung der Universität entscheidend geprägt und sich sein Leben lang für eine kritische Wissenschaft, die ihrer gesellschaftlichen Verantwortung im Einsatz für eine demokratische Gesellschaft gerecht wird, engagiert habe. Auch Timon Gremmels, Hessischer Minister für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur, unterstrich den großen Einfluss Habermas‘ auf die politischen und wissenschaftlichen Debatten der letzten Jahrzehnte und plädierte dafür, im Anschluss an Habermas den offenen Diskurs, den wissenschaftlichen Streit und die Wissenschaftsfreiheit an den Hochschulen zu verteidigen.


Anschließend erinnerte Prof. Dr. Rainer Forst, Direktor des Forschungszentrums Normative Orders und Mitorganisator des Symposiums, an Habermas‘ Vortrag „Noch einmal: Zum Verhältnis von Moralität und Sittlichkeit“, den er exakt sieben Jahre zuvor anlässlich seines 90. Geburtstags an der Goethe-Universität gehalten hatte, und an sein Wirken als dialektischer Denker, als origineller Philosoph und Sozialwissenschaftler, als öffentlicher Intellektueller sowie als zugewandter Lehrer und Mentor. Das erste Panel des Symposiums richtete dann mit Beiträgen von Prof. Dr. Simone Chambers (UC Irvine), Prof. Dr. Peter Gordon (Harvard University) und Prof. Dr. Michael Zürn (Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung) unter dem Titel „Democracy in Times of Authoritarianism“ einen gesellschaftskritischen Blick auf die gegenwärtigen Herausforderungen, vor denen Demokratien angesichts des weltweiten Aufstiegs des Autoritarismus stehen.


Das zweite Panel „The Communicative Turn in Philosophy and Sociology“ widmete sich im Anschluss mit Beiträgen von Prof. Dr. Seyla Benhabib (Yale University/Columbia University), Prof. Dr. Hauke Brunkhorst (Europa-Universität Flensburg) und Prof. Dr. Vera King (Goethe-Universität/Sigmund-Freud-Institut) der Bedeutung und den Auswirkungen des Paradigmenwechsels durch die kommunikative Wende, im Zuge derer Habermas Philosophie und Soziologie auf neue Bahnen gelenkt hat. Den Abschluss der Veranstaltung bildete die Keynote „Der normative Eigensinn des Anderen. Habermas im Dialog mit Adorno“ des Sozialphilosophen Prof. Dr. Axel Honneth (Goethe-Universität/Columbia University), in der er sich mit der Frage beschäftigte, was das Denken von Jürgen Habermas und Theodor W. Adorno eint und an welchen Stellen sie unterschiedliche gedankliche Pfade eingeschlagen haben.


Das Symposium wurde von Prof. Dr. Rainer Forst und Prof. Dr. Klaus Günther (Goethe-Universität) sowie Prof. Dr. Peter Niesen (Universität Hamburg) organisiert und moderiert. Es ergänzte die Gedenkfeier für Jürgen Habermas in der Paulskirche am selben Tag, zu der die Stadt Frankfurt in Kooperation mit der Goethe-Universität und dem Suhrkamp-Verlag eingeladen hatte. Dort hielt Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Gedenkrede, der Historiker Prof. Dr. Norbert Frei sprach über Jürgen Habermas‘ Wirken als Intellektueller in der Bundesrepublik und die Philosophin Prof. Dr. Cristina Lafont hielt einen Vortrag über sein philosophisches Erbe. Zudem gab es Grußworte von Mike Josef, Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt, Prof. Dr. Enrico Schleiff und Jonathan Landgrebe, Vorstandsvorsitzender des Suhrkamp Verlages.

Aktuelles aus dem Forschungszentrum

Veranstaltung
20.10.2026 | Frankfurt

Dr. h.c. Gerhard Wiese – Wirken als Ankläger im Auschwitz Prozess

Film, Podiumsdiskussion

Der Frankfurter Auschwitz-Prozess von 1963 bis 1965 gilt als ein zentraler Wendepunkt in der juristischen und öffentlichen Auseinandersetzung mit den nationalsozialistischen Verbrechen in der Bundesrepublik Deutschland. Dr. h.c. Gerhard Wiese, der als junger Staatsanwalt zum Anklägerteam des Prozesses gehörte, berichtet aus seiner Perspektive auf die damaligen Ermittlungen und die Hauptverhandlung. Im Gespräch mit der Historikerin Dr. Katharina Rauschenberger (Fritz Bauer Institut) wird die Bedeutung des Prozesses für die strafrechtliche Aufarbeitung der NS-Verbrechen in den Blick genommen.

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Publikation
21.09.2026 | Working Paper

Dimensionen wehrhafter Demokratie in unsicheren Zeiten

Abich, Leon; Adams, Cosima; Biebricher, Thomas; Britz, Gabriele; Daase, Christopher; Deitelhoff, Nicole; Dönges, Jan; Krause, Leon; Nitzschner, Patrick; Siebert, Hannes; Siefert, Julian; Stephanblome, Isabelle (2026): "Dimensionen wehrhafter Demokratie in unsicheren Zeiten". DemoReg Working Paper 3.1.

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Veranstaltung
10.02.2027 | Frankfurt am Main

Shifting Visions of Peace and Security

Podiumsdiskussion, Ringvorlesungen

Podiumsdiskussion im Rahmen der Ringvorlesung “Peace and Security in Post-Liberal Times” mit Lisbeth Zimmermann (Goethe University/Normative Orders), Antonia Witt (PRIF), Siddarth Tripathi (University of Erfurt). Moderation: Jonas Wolff (Goethe University/PRIF/Normative Orders).

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Veranstaltung
03.02.2027 | Frankfurt am Main

AI, War, and Big Tech

Ringvorlesungen, Vortrag

Vortrag von Ingvild Bode (University of Southern Denmark)im Rahmen der Ringvorlesung “Peace and Security in Post-Liberal Times”.

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Veranstaltung
16.12.2026 | Frankfurt am Main

International arms control in a world of uncertainties

Ringvorlesungen, Vortrag

Vortrag von Malte Göttsche (TU Darmstadt/PRIF) im Rahmen der Ringvorlesung “Peace and Security in Post-Liberal Times”.

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Veranstaltung
02.12.2026 | Frankfurt am Main

Enabling Authoritarianism: UN Peacekeeping and the Politics of Authoritarianism

Ringvorlesungen, Vortrag

Vortrag von Sarah von Billerbeck (University of Reading) im Rahmen der Ringvorlesung “Peace and Security in Post-Liberal Times”.

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