14.02.2025

Konferenz Demokratischer Zusammenhalt: Perspektiven für die Zukunft der Demokratie

Die politische Landschaft in vielen Ländern, auch in Deutschland, ist derzeit von Spannungen geprägt, die die Demokratie und den gesellschaftlichen Zusammenhalt belasten. Begriffe wie „Krise“ und „Fragmentierung“ dominieren die politische Rhetorik. In diesem Kontext stellt sich die Frage, was „demokratischer Zusammenhalt“ eigentlich bedeutet und ob dieser tatsächlich als Mittel gegen gesellschaftliche Spaltung wirken kann. Die Antworten darauf sind vielfältig und hängen auch von politischen Strömungen ab, die die öffentliche Diskussion prägen.

Die Konferenz „Demokratischer Zusammenhalt“, die am 11. und 12. Februar 2025 in Frankfurt stattfand, widmete sich diesen Fragen. Sie wurde vom PRIF – Leibniz-Institut für Friedens- und Konfliktforschung mit dem Forschungszentrum Normative Ordnungen und dem hier angesiedelten Frankfurter Standort des Forschungsinstituts Gesellschaftlicher Zusammenhalt sowie der Hessischen Hochschule für öffentliches Management und Sicherheit organisiert. Die Veranstaltung markierte zugleich den Auftakt des Programms „Stärkung der Demokratieforschung Hessen“ des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur.

Zum feierlichen Auftakt der Konferenz in der Frankfurter Paulskirche – einem gerade für die Demokratiegeschichte in Deutschland symbolträchtigen Ort –  sprach der Politikwissenschaftler Prof. Dr. Jan-Werner Müller (Princeton University) über die Normalisierung des Rechtspopulismus in Europa und legte dar, wie rechtsextreme Bewegungen durch die Tolerierung und Zusammenarbeit mit entsprechenden Parteien die politische Landschaft beeinflussen. Müller betonte, dass Demokratie nicht nur durch die Verteidigung von Normen, sondern auch durch aktive Visionen von Freiheit und Gleichheit gestärkt werden müsse.

In der nachfolgenden Podiumsdiskussion mit Prof. Dr. Nicole Deitelhoff, Prof. Dr. Rainer Forst, Staatsminister Gremmels und Müller wurden anschließend insbesondere die Zusammenarbeit von Wissenschaft und Politik sowie die Bedeutung von Kompromissen und Streitkultur in der Demokratie erörtert. Die TeilnehmerInnen diskutierten, wie der demokratische Prozess vor Ort erlebbarer gemacht werden könne und wie Demokratieforschung auf allen Ebenen eingebunden werden könne. Es wurde auch die Notwendigkeit betont, gegen extreme Positionen vorzugehen, indem man beispielsweise die Rechte von Minderheiten stärker schütze und sicherstelle, dass unterschiedliche Vorstellungen von Zusammenhalt nicht gegen demokratische Prinzipien stehen. Unterschiedliche Vorstellungen von Zusammenhalt – Forst sprach beispielsweise auch von „ideologisch fabrizierten Zusammenhalten“ – würden wiederum zu Entfremdung und Frustration führen. Es wurde daher betont, dass Demokratie nur durch kontinuierliche Praxis, politische Verantwortung und Dialog gestärkt werden könne. Gleichzeitig wurde die Notwendigkeit unterstrichen, auf Populismus und antidemokratische Bewegungen zu reagieren, ohne strukturelle Defizite in der Gesellschaft zu ignorieren.

Am Folgetag fand daran anknüpfend die Fachkonferenz an der Goethe-Universität statt, die durch Universitätspräsident Prof. Dr. Enrico Schleiff eröffnet wurde. Drei Panels sowie eine abschließende Podiumsdiskussion befassten sich tiefergehend mit der politischen Polarisierung, Radikalisierung und der Resilienz demokratischer Institutionen. Ein „Markt der Möglichkeiten“, auf dem sich mehr als 20 Initiativen und Demokratieprojekte trafen, darunter Hochschulen, politische Stiftungen, Bildungs- und zivilgesellschaftliche Initiativen, bot praxisnahe Einblicke sowie die Möglichkeit zum Austausch und zur Vernetzung. Auch interaktive Angebote wie Podcast-Stationen, die Escape Bubbles des Forschungsinstuts Gesellschaftlicher Zusammenhalt und ein Demokratie-Quiz ermöglichten es den Besuchern, mehr über die demokratische Arbeit in Hessen zu erfahren.

Aufzeichnung der Auftaktveranstaltung in der Frankfurter Paulskirche:

Aufzeichnung der Fachkonferenz an der Goethe-Universität Frankfurt:

Aktuelles aus dem Forschungszentrum

Veranstaltung
18.04.2026 | Frankfurt am Main

Das Prinzip Donald Trump und die Verrohung der Welt

Podiumsdiskussion, Vortrag

Ein neuer Politikstil macht international Karriere. Er ist gekennzeichnet von Vulgarität, Verrohung und erklärter Rechtsfeindschaft. Machtinteressen werden nicht mehr juristisch bemäntelt. Stattdessen wird das angebliche Recht des Stärkeren zur Staatsdoktrin gemacht – innenpolitisch wie außenpolitisch. Treibende Kraft hinter dieser Verrohung der politischen Sitten ist ein US-Präsident, der nicht nur die amerikanische Gesellschaft und Kultur, sondern auch die globale Ordnung nach seinen Vorstellungen und Interessen umgestaltet. Die Römerberggespräche wollen diesen Politikstil verstehen.

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Veranstaltung
29.04.2026 | Frankfurt am Main

Kulturindustrie heute?

Podiumsdiskussion

Das Gespräch „Kulturindustrie heute?“ widmet sich der Aktualität und Tragfähigkeit eines zentralen Begriffs der Kritischen Theorie. Die Filmwissenschaftlerin Gertrud Koch diskutiert im Rahmen der Gesprächsreihe "Frankfurter Schule" mit dem Filmkritiker Bert Rebhandl die gegenwärtigen Formen kultureller Produktion und Verbreitung vor dem Hintergrund von Digitalisierung, Plattformen und globalen Medienmärkten.

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News
19.02.2026

Call for Applications – Postdoctoral Fellowships

Am Forschungszentrum Normative Ordnungen sind für das akademische Jahr 2026/2027 mehrere Postdoctoral Fellowships mit einer Laufzeit von 10 Monaten (Beginn: 1. Oktober 2026) ausgeschrieben. Bewerbungsschluss für alle Programme ist der 15. März 2026.

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Veranstaltung
20.03.2026 | Frankfurt am Main

40 Jahre Schengen-Raum

Kolloqium

Der 1984 geschlossene Schengen-Vertrag schuf einen heute 29 Staaten umfassenden Raum ohne Binnengrenzen, doch Migration über die Außengrenzen führte zuletzt zur Wiedereinführung von Kontrollen, auch durch die Bundesregierung ab 8. Mai 2025. Das Walter Hallstein-Kolloquium diskutiert die rechtliche Zulässigkeit, wirtschaftliche Folgen insbesondere für Arbeitsmigration und Arbeitsmarkt sowie die Zukunft des Schengen-Raums.

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News
12.02.2026

Satanistische Politik und der Niedergang der Vernunft in liberalen Demokratien

Ein letztes Mal im Wintersemester 2025/26 lud das Forschungszentrum zur Ringvorlesung „Am Scheidepunkt. Zur Krise der Demokratie“. Zum Abschluss hat der Philosoph Michael Rosen von der Harvard University sein Konzept der „satanic politics“ als eine Variante der politischen Deutung der Welt vorgestellt.

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News
09.02.2026

Zur Aktualität des Gewaltbegriffs anhand von Camus und Derrida

Prof. Dr. Christine Abbt von der Universität St. Gallen hat im Rahmen der Ringvorlesung „Am Scheidepunkt? Zur Krise der Demokratie“ einen Vortrag über Demokratien und den Gewaltbegriff gehalten. Unter dem Titel „Demokratien verteidigen. Zur Aktualität des Gewaltbegriffs bei Camus und Derrida“ besprach die Philosophin Formen von Gewalt und Revolte und ordnete diese im Hinblick auf ein demokratisches Setting ein.

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Publikation
04.02.2026 | Zeitschriftenartikel

New Perspectives on Trust in International Conflicts

Wille, Tobias; Simon, Hendrik; Daase, Christopher; Deitelhoff, Nicole; Wheeler, Nicholas J.; Holmes, Marcus; Rathbun, Brian C.; Acharya, Amitav; Mitzen, Jennifer (2026): „New Perspectives on Trust in International Conflicts“. In: International Studies Review 28 (1), viaf027. 

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News
02.02.2026

Staatlicher Wettbewerb um Menschen – David Owen über civil geopolitics

Im Rahmen der Ringvorlesung „Am Scheidepunkt – Zur Zukunft der Demokratie“ präsentierte David Owen von der Universität Southampton sein Konzept der civil geopolitics.

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News
20.01.2026

Christine Hentschel über Neuorientierungen in katastrophischen Zeiten

Im Rahmen der Ringvorlesung „Am Scheidepunkt? Zur Krise der Demokratie“ sprach die Soziologin über das Leben in und den Umgang mit katastrophischen Zeiten. Vor dem Hintergrund der Zerstörung der Lebensbedingungen, Kriegen, dauerhafter Krisenhaftigkeit sowie der Bedrohungen der Demokratie widmete sich Hentschel dem Einsickern des Katastrophischen in den gesellschaftlichen Alltag und einem sich verändernden aktivistischen und literarischen Umgang mit der Zukunft.

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