Normativität und Subjektivität: 1. Natur – 2. Natur – Geist

Projektleitung: Prof. Dr. Christoph Menke

Das Projekt geht von der Annahme aus, dass Normativität Subjektivität ebenso voraussetzt wie hervorbringt. Subjektivität wird darin als das Ensemble der Fähigkeiten zur Orientierung an normativen Gesichtspunkten verstanden. Das Projekt fragt daher nach den Formen der Subjektivität, die mit (bestimmten) Strukturen der Normativität verbunden sind. Dabei geht es um eine doppelte Perspektive: Es wird untersucht, wie sich normative Ordnungen durch die Ausbildung von Subjektstrukturen verwirklichen und dadurch zugleich allererst hervorgebracht werden. Die Untersuchung des Zusammenhangs von Normativität und Subjektivität zielt daher auf eine Prozessualisierung des Begriffs der Normativität: Normativität gibt es nur durch Prozesse der Subjektivierung. Das Ziel des Projekts ist ein genealogischer Begriff der Normativität. 

Die Verbindung zum Forschungsprojekt des Clusters ist dabei eine doppelte. Erstens stellt das Projekt die Frage nach der Herausbildung normativer Ordnungen ins Zentrum. Die Frage lautet, wie Normativität, in ihrer Seinsweise und ihrer Struktur, verstanden werden muss, wenn sie durch Subjektivierungsprozesse gebildet worden ist. Zweitens unternimmt das Projekt die Untersuchung von Subjektivierungsformen, die normative Ordnungen hervorbringen, in einer interdisziplinären Perspektive.

Die Projektforschung hatte zwei Schwerpunkte. Der erste Schwerpunkt war die Untersuchung der Bildung von Subjektivität und ihrer Konsequenzen für den Begriff der Normativität; dabei stand der Begriff der Freiheit, als Befreiung, im Zentrum. Der zweite Schwerpunkt lag in der Untersuchung der Normativitätsstruktur des modernen Rechts; die Frage richtete sich dabei auf die spezifische Weise rechtlicher Subjektivierung in der Form „subjektiver Rechte“.

Die Untersuchungen zum ersten Schwerpunkt haben gezeigt, dass die Genese von Subjektivität als der Prozess der Transformation eines bloß natürlichen in ein normatives oder geistiges Wesen zu verstehen ist. Der Begriff der Subjektivität ist daher durch das (prozessuale und prozessierende) Verhältnis von Natur und Geist bestimmt. Dieses Verhältnis bestimmt den Begriff der Freiheit, die darin prozessual, als Prozess der Befreiung verstanden wird. In seiner Dissertation zum jungen Hegel hat Oliver Brokel im Rahmen des Projektes gezeigt, dass die Freiheit des Subjekts deshalb in einer unauflöslichen Spannung zu den normativen Ordnungen steht, die sie hervorbringt. Die Untersuchungen zum zweiten Schwerpunkt haben zu einer Theorie der Form subjektiver Rechte geführt, die für die moderne Ordnung des Rechts eine schlechthin grundlegende Rolle spielt. Dabei steht die These im Zentrum, dass sich in der Form der Rechte eine Selbstreflexion des Rechts vollzieht, die die Differenz von Norm und Natur in die Verfassung der Norm selbst einträgt. Die weitere Analyse gilt der Frage, wie und mit welchen gesellschaftlichen und politischen Konsequenzen das moderne Recht seine Selbstreflexion als „Ermächtigung“ (Weber) des Subjekts organisiert. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen sind in der Monographie Kritik der Rechte(Berlin: Suhrkamp 2015) publiziert.

Die wichtigsten Publikationen in diesem Projekt:

Menke, Christoph: Kritik der Rechte, Berlin: Suhrkamp, 2015.

Menke, Christoph: „Hegels Theorie der Befreiung. Gesetz, Freiheit, Geschichte, Gesellschaft“, in: A. Honneth und G. Hindrichs (Hg.): Freiheit. Internationaler Hegelkongress 2011, Frankfurt am Main: Klostermann, 2013, S. 301–320. Wiederabgedruckt in: Christian Schmidt (Hg.): Können wir der Geschichte entkommen? Geschichtsphilosophie am Beginn des 21. Jahrhunderts, Frankfurt am Main/New York: Campus 2013, S. 60–81. Englische Übersetzung: „Hegel’s Theory of Liberation: Law, Freedom, History, Society“, in: Symposium. Canadian Journal of Continental Philosophy 17(1), 2013, S. 10-30.

Khurana, Thomas: „Paradoxes of Autonomy: On the Dialectics of Freedom and Normativity“, in: Symposium. Canadian Journal of Continental Philosophy 17(1), 2013, S. 50–74.

Personen in diesem Projekt:

Projektleitung / Ansprechpartner

Menke, Christoph, Prof. Dr.

Projektmitarbeiter

Brokel, Oliver

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Lecture Series mit Vorträgen von Orla Lynch, Leena Malkki und Tore Bjørgo veranstaltet vom Peace Research Institute Frankfurt (PRIF) in Kooperation mit dem Forschungszentrum „Normative Orders“ und der Goethe-Universität Frankfurt

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12.05.2026 | Frankfurt am Main

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28./29.05.2026 | Frankfurt am Main

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Following the research focus of the Global Health Justice Postdoctoral Programme, funded by Höppsche Stiftung, the "Global Health Justice: Principles and Practice" conference places a particular emphasis on themes such as the human right to health, political activism and health justice issues, and problems of structural injustice and vulnerable populations in health care. Keynote lectures by Jonathan Wolff and Kanchana Mahadevan.

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Vortrag von MartinO'Neill (University of York). Die Vortragsreihe untersucht Fragen der Klimakrise als Herausforderungen für demokratische Gesellschaften und konzentriert sich auf Themen wie politische Legitimität, Widerstand gegen fossile Brennstoffe und die Interessen künftiger Generationen. Sie wird organisiert von Prof. Dr. Darrel Moellendorf und Dr. Lukas Sparenborg.

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Failed States and Cloudy Skies: Tipping Points, Overshoot and Permanent Emergency, after America

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Kommunikative Vernunft. Zum Tod von Jürgen Habermas

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23.06.2026 | Frankfurt am Main

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Im Mittelpunkt des Abends steht die Frage, ob und unter welchen verfassungsrechtlichen, politischen und gesellschaftlichen Voraussetzungen ein Verbot einer demokratisch gewählten, rechtsnational ausgerichteten Partei als legitimes Mittel in Betracht gezogen werden kann oder nicht. Ausgehend von den normativen Grundlagen des Parteienverbots im Grundgesetz, möchten wir die hohen rechtlichen Hürden und demokratietheoretischen Spannungsfelder dieser Maßnahme erörtern – zwischen Pluralismus und Selbstverteidigung, zwischen Meinungsfreiheit und Schutz der freiheitlichen demokratischen Grundordnung.

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