Nach dem Eurozentrismus. Das Neudenken Europas hat erst begonnen

Internationale Autorenworkshops

Projektverantwortlicher: Prof. Dr. Bernhard Jussen

Projektbeschreibung

Seit dem Ende des Kalten Krieges ist die Diskussion – im Prinzip – allgegenwärtig: Lateineuropa oder „der Westen“ können nicht länger globale Deutungshoheit beanspruchen, Provincializing Europe ist – wiederum: im Prinzip – die intellektuelle wie politische Herausforderung. „Die Moderne“ gilt nur mehr als eine unter multiple modernities im Rahmen einer Welt-Neuordnung, für die sich nach dem Ende des Kalten Krieges in rasantem Tempo das Programmwort post colonial durchgesetzt hat. Auch das zutiefst in der sogenannten „Aufklärung“ verwurzelte Säkularisierungsparadigma, also die zur Selbstverständlichkeit gewordene Hypothese der immer weiter fortschreitenden Säkularisierung, gilt längst als – selbst für den „Westen“ – nicht mehr brauchbare Prognose. Kurz, der Denkrahmen, der fast alle historischen und kulturellen – damit auch politischen und ökonomischen – Deutungen gesteuert hat, ist dysfunktional geworden. Weder Wissenschaft noch Politik bezweifeln, dass wir die fundamentale Neuorganisation jener Welt erleben, die seit dem Beginn der europäischen Expansion im 16. Jahrhundert global durchgesetzt worden ist. Ihre aktuelle Transformation in eine post-eurozentrische (oder postwestliche) Ordnung ist der klassische Fall eines Paradigmenwechsels.

Soweit der Konsens. Aber was bedeutet diese prinzipiell breit geteilte Einsicht im Einzelnen? Wie steht es um die Arbeit an den praktischen und – für die Wissenschaft vornehmlich – konzeptuellen Konsequenzen? Welche Wissensareale sind betroffen, wie werden sie reorganisiert?
In einigen Feldern ist die Neukonzeption inzwischen ein breites öffentliches Thema – so in der Diskussion um Restitution von Kulturgütern aus ehemaligen Kolonien, um die Revision des westlichen Kunstbegriffs, um die zum globalen Prinzip gemachten westlichen Formate des Politischen. In vielen anderen Feldern sind Neukonzeptionen aber noch Randerscheinungen, so etwa bei der Deutung der Geschichte des lateinischen Europa, mithin auch bei der universitären Organisation von Forschung und Studium in den Geisteswissenschaften. Wenn man Geschichte, Germanistik oder Kunstgeschichte studiert, zum Beispiel des „Mittelalters“, muss dann tatsächlich die Geschichte des „Europa als Weltprovinz“ anders aussehen als jene Geschichte Europas, die noch unserer Lehrer für selbstverständlich hielten? Natürlich muss sie anders aussehen. Aber bislang kommen Studierende problemlos durch, ohne mit den fundamentalen Erkenntnisproblemen post-eurozentrischer Humanities in Berührung zu kommen. Wie kann das sein – eine ganze Generation nach dem Ende des Kalten Krieges?

Ziel des Projektes „Nach dem Eurozentrismus“ ist – zunächst mit Blick auf den Gegenstand „Europa“ – eine systematische Zusammenschau der in den Geistes- und Sozialwissenschaften betroffenen Wissensfelder und Deutungskategorien, des jeweiligen Diskussionsstandes und des Standes der institutionellen Reorganisation (Denominationen, Curricula, Umgang mit Museumssammlungen usw.). Es geht dabei um die Argumentationsgrundlage für wissenschafts-, erziehungs-, kulturpolitische Interventionen.

Autorenworkshops

Workshop
Posteurozentrismus
8. November 2019, Frankfurt am Main

Aktuelles aus dem Forschungszentrum

Publikation
12.05.2026 | Onlineartikel

Disinhibited Informalization: Talk Radio, Bro Podcasts and the Aesthetics of Populism

This essay by Johannes Völz is a revised and updated translation of “Enthemmte Informalisierung: Talk Radio, Bro-Podcasts und die Ästhetik des Populismus,” WestEnd: Neue Zeitschrift für Sozialforschung 22.2 (2025): 3–24. It is published here as part of the b2o Review’s “Stop the Right” dossier.

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Veranstaltung
20.05.2026 | Frankfurt am Main

Von der Selbstermächtigung zum sozialen Widerstand

Vortrag

Vortrag von Prof. Dr. Axel Honneth (Frankfurt am Main / New York Columbia University) mit anschließender Diskussion im Rahmen des Rechtstheoretischen Mittwochsseminars von Klaus Günther, Dan Wielsch und Benno Zabel.

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News
11.05.2026

Gertrud Koch spricht über Kulturindustrie heute

Im Rahmen der Gesprächsreihe Frankfurter Schule hat die Professorin für Filmwissenschaft gemeinsam mit dem Journalisten und Filmkritiker Bert Rebhandl über die Aktualität des Begriffs Kulturindustrie und sein Verständnis im Kontext digitaler und globaler Medien gesprochen.

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Veranstaltung
19.05.2026 | Frankfurt

Speculative Truth Regimes

Podiumsdiskussion

Event with Adam Kahlil (New Red Order) and Toby Lee (NYU) as part of the Series Visual Truth Regimes, organized by Laliv Melamed (Goethe University Frankfurt, Normative Orders), Felix Trautmann (Institut für Sozialforschung; HBK Braunschweig) and Franziska Wildt (Institut für Sozialforschung).

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Veranstaltung
25./26.06.2026 | Frankfurt

Shifting Regimes, Changing Orders

Konferenz

Conference as part of WDC2026 in collaboration with Deutsche Gesellschaft für Designtheorie und -forschung (DGTF), Kunstgewerbemuseum/Design Campus SKD and Design and Democracy

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Veranstaltung
28./29.05.2026 | Frankfurt am Main

Global Health Justice: Principles and Practice

Konferenz

Following the research focus of the Global Health Justice Postdoctoral Programme, funded by Höppsche Stiftung, the "Global Health Justice: Principles and Practice" conference places a particular emphasis on themes such as the human right to health, political activism and health justice issues, and problems of structural injustice and vulnerable populations in health care. Keynote lectures by Jonathan Wolff and Kanchana Mahadevan. The Global Health Justice Programme and this conference are supported by the Höppsche Stiftung in Villmar.

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Veranstaltung
14.07.2026 | Frankfurt am Main

Democracy Over Time and the Climate Crisis

Ringvorlesungen

Vortrag von Anja Karnein (Binghamton). Die Vortragsreihe untersucht Fragen der Klimakrise als Herausforderungen für demokratische Gesellschaften und konzentriert sich auf Themen wie politische Legitimität, Widerstand gegen fossile Brennstoffe und die Interessen künftiger Generationen. Sie wird organisiert von Prof. Dr. Darrel Moellendorf und Dr. Lukas Sparenborg.

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Veranstaltung
10.06.2026 | Frankfurt am Main

Capital Investment, Inequality, and State Power in a Time of Climate Emergency

Ringvorlesungen, Vortrag

Vortrag von MartinO'Neill (University of York). Die Vortragsreihe untersucht Fragen der Klimakrise als Herausforderungen für demokratische Gesellschaften und konzentriert sich auf Themen wie politische Legitimität, Widerstand gegen fossile Brennstoffe und die Interessen künftiger Generationen. Sie wird organisiert von Prof. Dr. Darrel Moellendorf und Dr. Lukas Sparenborg.

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Veranstaltung
13.05.2026 | Frankfurt am Main

Failed States and Cloudy Skies: Tipping Points, Overshoot and Permanent Emergency, after America

Ringvorlesungen

Vortrag von Geoff Mann (Simon Fraser University, Canada). Die Vortragsreihe untersucht Fragen der Klimakrise als Herausforderungen für demokratische Gesellschaften und konzentriert sich auf Themen wie politische Legitimität, Widerstand gegen fossile Brennstoffe und die Interessen künftiger Generationen. Sie wird organisiert von Prof. Dr. Darrel Moellendorf und Dr. Lukas Sparenborg.

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