Zeitenwenden. Normative Ordnungen im Umbruch?

Seit dem Angriff Russlands auf die Ukraine 2022 und dem Gebrauch des Begriffs „Zeitwende“ durch Bundeskanzler Scholz in der Begründung der Reaktion darauf ist der Begriff in aller Munde und wird vielfach verwendet. Auch andernorts ist die Rede von einer neuen Zeit, die angebrochen ist; sie wird markiert durch eine Infragestellung der regelgeleiteten Weltordnung, durch eine tiefe Krise der Demokratie und den Aufstieg rechtspopulistischer Parteien, durch die Diagnose starker Polarisierung in westlichen Gesellschaften und darüber hinaus, durch den Aufstieg und die Stabilisierung autoritärer Regime an vielen Orten der Welt. Die Neuausrichtung der US-amerikanischen Politik steht exemplarisch für die neue Zeit, die gerade in Europa als bedrohlich wahrgenommen wird.


Mit dem pluralisierten Titel „Zeitwenden“ will das Forschungsprogramm, das mit Hilfe des Stiftungsfonds der Commerzbank am Forschungszentrum Normative Ordnungen der Goethe-Universität realisiert wird, diese Themen aufgreifen und zugleich anzeigen, dass dies differenziert und aus wissenschaftlicher Distanz geschehen soll: Worin genau besteht der Charakter der neuen Zeit, die angebrochen ist; lässt sich die Vielfalt der Entwicklungen der Gegenwart eindeutig auf einen einzigen Begriff beziehen, und wo liegen die tieferen Ursachen für entsprechende Dynamiken des Umbruchs normativer Ordnungen?

Ringvorlesung im Sommersemester 2026
Der Klimawandel: Von ökologischen zu demokratischen Kipppunkten?

 

Ringvorlesung im Wintersemester 2025/2026
Am Scheidepunkt? Zur Krise der Demokratie.

Die erste Gastprofessur im Wintersemester 2025/2026 hatte der renommierte politische Philosoph Prof. Michael Rosen von der Harvard University inne. Im Rahmen seiner Tätigkeit hielt er ein Seminar zur aktuellen Krise der Demokratie sowie einen öffentlichen Vortrag.

Im Rahmen des Forschungsprojekt werden pro Jahr zwei Fellowships für Postdoktorand*innen ermöglicht.

 

Die Fellows der ersten Kohorte sind Yasmin Afshar und David Rischel

Projektleitung
Prof. Dr. Rainer Forst
Prof. Dr. Nicole Deitelhoff


Gefördert durch den


Laufzeit
Oktober 2025 bis September 2030


Schwerpunkte

1. Krise und Zukunft der Demokratie
2. Weltordnung im Wandel
3. Toleranz und Freiheit
4. Perspektiven der Nachhaltigkeit
5. (tbd)

Aktuelles aus dem Forschungszentrum

Publikation
19.08.2026 | Sammelband

Sokrates revised and revisited

Bohl, Judith K.; Brandis, Veronika; Pfeifer, Guido (Hrsg.) (2026): „Sokrates revised and revisited. Überlieferung, Diskurs, Inszenierung“. Heidelberg: Propylaeum. 

weitere Infos ›
Publikation
14.08.2026 | Buchkapitel

Vom rechtshistorischen Erkenntniswert antiker Tragödiendichtung: Überlegungen anhand Euripides’ Medeia

Pfeifer, Guido (2026): "Vom rechtshistorischen Erkenntniswert antiker Tragödiendichtung: Überlegungen anhand Euripides’ Medeia". In: Gsell, Beate; Rüfner, Thomas; Babusiaux, Ulrike (Hrsg.): Die unverzichtbare Wissenschaft – The Indispensable Science, Mohr Siebeck, S. 663-671.

weitere Infos ›
Publikation
01.08.2026 | Buchkapitel

"Das Andere in uns selbst" (Marcel Gauchet). Das Ideal gesellschaftlicher Autonomie und die Denkfigur der Alterität

Langner-Pitschmann, Annette (2026): „Das Andere in uns selbst“ (Marcel Gauchet). Das Ideal gesellschaftlicher Autonomie und die Denkfigur der Alterität. In: Schlette, Magnus et. al. (Hrsg.): Ordnung im Übergang Zur Funktion von Transzendenzbezügen in der Konstitution und Transformation politischer Gemeinschaft, Tübingen: Mohr Siebeck, S. 185-205.

weitere Infos ›
Veranstaltung
24.09.2026 | Frankfurt am Main

Die neuen Warlords. Gewaltdynamiken einhegen / Friedensgutachten 2026

Buchvorstellung

Die imperialistische Großmachtpolitik ändert die Vorzeichen von Krieg, Frieden und Sicherheit. Staaten agieren zunehmend wie Warlords und setzen Krieg als Mittel der Politik ein. Übergänge von Gewaltkonflikten zu Frieden werden als „Deals“ behandelt, Mittelmächte treten mit neuem Selbstbewusstsein, aber ambivalentem Kurs auf, und technologische Innovation verändert Kriege und erschwert die Regulierung. Zugleich befindet sich die internationale Kooperation in der Friedenssicherung in ihrer schwersten Krise. Das Friedensgutachten 2026 analysiert Optionen, dennoch Frieden zu fördern.

weitere Infos ›
News
23.07.2026

Dr. Jonas Heller mit Maria-Weber-Grant ausgezeichnet

Dr. Jonas Heller, assoziiertes Mitglied von Normative Orders, erforscht, wie sich geschichtlicher Wandel als Überwindung geschichtlicher Blockaden verstehen lässt. Hierfür wurde er nun mit einem Preis der Hans-Böckler-Stiftung ausgezeichnet.

weitere Infos ›
Publikation
23.07.2026 | Zeitschriftenartikel

Governing the Subject of Populism

Biebricher, Thomas: "Governing the Subject of Populism". In: European Journal of Social Theory, OnlineFirst.

weitere Infos ›