Gesetz und Gewalt im Kino

2014

Eine Vorlesungsreihe des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ anlässlich des 100-jährigen Jubiläums der Goethe-Universität Frankfurt am Main

Die Darstellung von Gewalt war von Anfang an ein Leitmotiv des Kinos. In unterschiedlichen Genres nimmt diese sehr unterschiedliche Funktionen ein. Einen wichtigen Strang bildet in den Erzählungen des Kinos seit jeher die Frage nach dem Recht der Gewalt und der Gewalt des Rechts. Viele Spielfilme, die von Akten, Ereignissen und Zuständen offener oder latenter Gewalt erzählen, stellen durch die Art ihrer Erzählung die Frage nach der Legitimität der sozialen Ordnungen, in denen Gewalt entsteht und vergeht. Sie handeln von der Intimität von Gesetz und Gewalt. Rechtssetzende Gewalt wird dabei ebenso inszeniert wie Gewalt bei der Durchsetzung oder Anwendung von Recht und Gesetz. Ein weiteres zentrales Motiv ist die scheinbare oder tatsächliche Diffusion der Differenz von gesetzlicher und außergesetzlicher Gewalt im Innern rechtsstaatlich verfasster Gesellschaften. In allen diesen Beziehungen exponiert das Kino die Rolle des Gesetzes als eines instabilen, brüchigen oder nur vorgeblichen Schutzes vor sozialer Gewalt – und damit die Fragilität der normativen Ordnungen, die es jeweils repräsentiert. 

Im Ausgang von exemplarischen Filmen verschiedener Genres und Epochen wird die Vorlesungsreihe erkunden, wie die Verzahnung von Recht, Gesetz und Gewalt in ihrer künstlerischen Behandlung dramatisiert wird – und welches Licht diese auf idealisierende Prämissen und Prinzipien in traditionellen und aktuellen Theorien des Rechts und der Politik wirft. Das Kino erzählt ebenso von der Genese normativer Ordnungen aus Erfahrungen von Gewalt und Unrecht sowie von den unterschiedlichen Formen der Gewalt, die mit der – einmaligen – Einsetzung und – sich dauerhaft wiederholenden – Durchsetzung dieser Ordnungen verbunden sind. Die Innenansichten aus dem Leben normativer Ordnungen sind dabei von einem Oszillieren zwischen Rechtfertigung und Infragestellung, Legitimation und De-Legitimation geprägt, das nur selten eindeutig aufgelöst wird. Diese ästhetische Reflexionsleistung des Kinos erlaubt einen nicht-illusionären Blick auf normative Ordnungen und ihren inneren Zusammenhang mit der Gewalt, die sie oft vergeblich zu bändigen versuchen.

Nach einem einleitenden Vortrag wird der jeweilige Film vorgeführt; anschließend gibt es Gelegenheit zur Diskussion.

Museum für Moderne Kunst
Domstr. 10, 60311 Frankfurt

Programm:

Freitag, 25.4.2014, 19.00 Uhr

Verena Lueken (Frankfurt am Main):
„Babes Behind Bars – Gesetz und Gewalt im Frauengefängnisfilm“
über Caged (John Cromwell, USA 1950)

Freitag, 9.5.2014, 19.00 Uhr

Martin Seel (Frankfurt am Main): 
„Anonyme Ansichten verdeckter Gewalt“
über Caché (Michael Haneke, Frankreich et. al. 2005) 

Freitag, 23.5.2014, 19.00 Uhr

Klaus Günther (Frankfurt am Main): 
„Die Pathologien des Ausnahme-Rechts“
über Zero Dark Thirty (Kathryn Bigelow, USA 2012)

Freitag, 27.6.2014, 19.00 Uhr

Angela Keppler (Mannheim): 
„Eine Travestie der Gewaltverhältnisse innerhalb und außerhalb des Kinos“
über Viva Maria! (Louis Malle, Frankreich-Italien 1965)

Mittwoch, 16.7.2014, 19.00

James Conant (Chicago):
„Die Unsichtbarkeit einer perfekten Regie“
über Psycho (Alfred Hitchcock, USA 1960)

Organisiert von Prof. Dr. Angela Keppler und Prof. Dr. Martin Seel

Veranstalter: Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ mit dem Kulturamt der Stadt Frankfurt am Main

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