Sicherheitskommunikation in Demokratien

Projektleitung: Prof. Dr. Gunther Hellmann

Die Unabsehbarkeit globaler Sicherheitsdynamiken stellt die Politik vor grundlegende Herausforderungen. Sie muss auf die Fragen antworten wer oder was als Sicherheitsbedrohung gilt, wie dieser begegnet werden soll und welche konkreten Maßnahmen dafür getroffen werden müssen. Das Konzept der Sicherheitskommunikation erlaubt diese Fragen als einen Legitimations- und Ordnungsbildungsprozess zu erforschen. Im Mittelpunkt steht die Frage, welchen Einfluss verschiedene Legitimationstypen auf die Stabilität von Sicherheitsordnungen in (post-)modernen Demokratien haben und ob Sicherheitskommunikation partizipatorisch gestaltet werden kann. Das Projekt beforschte zunächst wie Sicherheit und humanitäre Interventionen medial vermittelt und welche Menschenbilder dabei in Anspruch genommen werden. Zunehmend in den Vordergrund der Forschung rückte die Frage nach der Reflexivität von Sicherheitskommunikation: wie Sicherheitspolitik ihre Rahmenanliegen in einer Demokratie kommunizieren kann und soll.

Indem das Projekt Legitimationstypen innerhalb der Sicherheitskommunikation angesichts aktueller Herausforderungen empirisch analysiert, trägt es wichtige Erkenntnisse über die narrative Beschaffenheit aktueller Sicherheitspolitik in den Forschungsbereich. Die (de-)stabilisierenden Auswirkungen normativer Sicherheitsordnungen stehen in Zusammenhang mit dem Inhalt und der Form ihrer Vermittlung, ihrer Aufnahme in der demokratischen Öffentlichkeit und der Wahrnehmung ihres Möglichkeitshorizonts. Die Formen normativer Begründung von Sicherheitspolitik beeinflussen die Legitimitätsbasis und damit den Spielraum sicherheitspolitischer Entscheidungen. Den Forschungsbereich bereichert das Projekt somit um die wichtige Dimension normativer Legitimierungsstrategien staatlicher Akteure in einem ihrer Kernbereiche.

Während einer Konsolidierungsphase des Projekts im Jahr 2013 wurde das Forschungsfeld in einem Rahmenpapier abgesteckt und im Rahmen eines Workshops sowie auf einer großen internationalen IB-Konferenz vorgestellt. Zudem wurde ein Autorenkreis für einen Sammelband gewonnen. Die Erforschung der Sicherheitskommunikation widmete sich ihrer medialen Vermittlung. Im Verlauf der Untersuchung verschob sich der Fokus auf Referenzobjekte der Sicherheitskommunikation. Die Ergebnisse dieses Teilprojekts sollen zum einen in einem englischsprachigen Sammelband publiziert werden, der in Rücksprache mit und auf Aufforderung des fachverantwortlichen Editors gegen Ende des Jahre 2017 bei Cambridge University Press zur Begutachtung eingereicht werden wird. Forschungsergebnisse zur Reflexivität von Sicherheitskommunikation wurden auf zahlreichen Tagungen vorgestellt. Abschließend widmete sich der Projektmitarbeiter Daniel Jacobi dem Abfassen einer Monographie, die die wichtigsten Aspekte demokratischer Sicherheitskommunikation zusammenfasst.

Zunächst wurden die mediale Repräsentation von Sicherheitspolitik sowie die von der Sicherheitspolitik in der Legitimation von Sicherheitspolitik bemühten Referenzpunkte untersucht. Im Hinblick auf das Forschungsfeld konnte vor allem herausgearbeitet werden, wie stark hierbei mit kommunikativen Formen gearbeitet wird, die komplexe Sachverhalte auf ein an spezifischen Menschenbildern ausgerichtetes Vokabular herunterbrechen. Vor dem Hintergrund der Diskrepanz zwischen der Komplexität weltpolitischer Sicherheitslagen und der verhältnismäßigen Einfachheit dieser Begrifflichkeiten rückte dann zunehmend die Frage nach der Reflexivität von Sicherheitskommunikation in den Vordergrund. Das heißt, die Frage inwiefern sicherheitspolitische Entscheidungsträger auf ihr eigenes Vokabular sowie die Form der Präsentation sicherheitspolitischer Sachverhalte reflektieren. Die sich parallel in der deutschen Außen- und Sicherheitspolitik entfaltende Diskussion um eine Veränderung deutscher Außenpolitik produzierte diesbezüglich zahlreiche bedeutende Dokumente (z.B. „Review 2014“ und ein Weißbuch des Außenministeriums), an denen diese Fragen empirisch behandelt wurden. Es zeigte sich dabei, dass insbesondere die ’strukturelle Reflexivität‘, d.h. die logischen Denkformen, die diesen Prozessen zugrunde liegen, nicht mehr den Herausforderungen gegenwärtiger Sicherheitspolitik entsprechen, da ihnen die Fähigkeit, bereits gelegte Denkvoraussetzungen (Begrifflichkeiten, Unter- sowie Entscheidungsformeln) zu hinterfragen und ggf. auszutauschen, fehlt.

Die wichtigsten Veranstaltungen im Forschungsprojekt:

Präsentationen auf allen Jahreskonferenzen der International Studies Association, von Gunther Hellmann und Daniel Jacobi.

Workshop: Communicating Security, SAIS John’s Hopkins University Europe, Bologna (Italien), 26.–29. Oktober 2016.

Workshop: Security Communication in Democracies: Security, Order, and Legitimacy in World Politics, Bad Homburg, 05.–07. November 2015.

Vortrag: “Shaping Powers and Leadership Challenges in Contemporary Europe: Germany and its Partners in a World out of Joint, von Gunther Hellmann im Rahmen des Symposiums Germany as Model. Germany as Partner. Global Germany, Georgetown University, BMW Center for German and European Studies, Washington D.C., 13.–14. Dezember 2015.

Keynote: Normative Powers and European Foreign Policy in a Minilateralist World, von Gunther Hellmann, 36th Annual Conference of the European Union Studies Association-Japan, Kansai University, Osaka, 21. November 2015. 

Die wichtigsten Publikationen in diesem Projekt:

*Hellmann, Gunther und Morten Valbjørn: „The Forum: Problematizing Global Challenges: Recalibrating the ‚Inter’ in IR-Theory“, in: International Studies Review ‚The Forum‘, darin: „Introduction“ (zusammen mit Morten Valbjørn) sowie der Essay „Interpreting International Relations“, 2017.

*Jacobi, Daniel: „Über die Beobachtung von Souveränität und Sicherheit“, in: Volk, Christian und Friederike Kuntz, (Hg.), Der Begriff der Souveränität in der transnationalen Konstellation, Baden-Baden: Nomos, 2015.

*Hellmann, Gunther/Daniel Jacobi/Ursula Stark Urrestarazu (Hg.): Früher, entschiedener und substantieller? Die neue Debatte über Deutschlands Außenpolitik, Wiesbaden: Springer-VS, 2015.

*Jacobi, Daniel und Annette Freyberg-Inan (Hg.): Human Beings in International Relations, Cambridge: Cambridge University Press, 2015.

*Jacobi, Daniel: Sicherheitskommunikation in Demokratien, Monographie, i.E.

Personen in diesem Projekt:

Projektleitung / Ansprechpartner

Hellmann, Gunther, Prof. Dr.

Projektmitarbeiter

Jacobi, Daniel, M.A.

Aktuelles aus dem Forschungszentrum

Veranstaltung
20.10.2026 | Frankfurt

Dr. h.c. Gerhard Wiese – Wirken als Ankläger im Auschwitz Prozess

Film, Podiumsdiskussion

Der Frankfurter Auschwitz-Prozess von 1963 bis 1965 gilt als ein zentraler Wendepunkt in der juristischen und öffentlichen Auseinandersetzung mit den nationalsozialistischen Verbrechen in der Bundesrepublik Deutschland. Dr. h.c. Gerhard Wiese, der als junger Staatsanwalt zum Anklägerteam des Prozesses gehörte, berichtet aus seiner Perspektive auf die damaligen Ermittlungen und die Hauptverhandlung. Im Gespräch mit der Historikerin Dr. Katharina Rauschenberger (Fritz Bauer Institut) wird die Bedeutung des Prozesses für die strafrechtliche Aufarbeitung der NS-Verbrechen in den Blick genommen.

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Publikation
21.09.2026 | Working Paper

Dimensionen wehrhafter Demokratie in unsicheren Zeiten

Abich, Leon; Adams, Cosima; Biebricher, Thomas; Britz, Gabriele; Daase, Christopher; Deitelhoff, Nicole; Dönges, Jan; Krause, Leon; Nitzschner, Patrick; Siebert, Hannes; Siefert, Julian; Stephanblome, Isabelle (2026): "Dimensionen wehrhafter Demokratie in unsicheren Zeiten". DemoReg Working Paper 3.1.

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10.02.2027 | Frankfurt am Main

Shifting Visions of Peace and Security

Podiumsdiskussion, Ringvorlesungen

Podiumsdiskussion im Rahmen der Ringvorlesung “Peace and Security in Post-Liberal Times” mit Lisbeth Zimmermann (Goethe University/Normative Orders), Antonia Witt (PRIF), Siddarth Tripathi (University of Erfurt). Moderation: Jonas Wolff (Goethe University/PRIF/Normative Orders).

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03.02.2027 | Frankfurt am Main

AI, War, and Big Tech

Ringvorlesungen, Vortrag

Vortrag von Ingvild Bode (University of Southern Denmark)im Rahmen der Ringvorlesung “Peace and Security in Post-Liberal Times”.

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16.12.2026 | Frankfurt am Main

International arms control in a world of uncertainties

Ringvorlesungen, Vortrag

Vortrag von Malte Göttsche (TU Darmstadt/PRIF) im Rahmen der Ringvorlesung “Peace and Security in Post-Liberal Times”.

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Veranstaltung
02.12.2026 | Frankfurt am Main

Enabling Authoritarianism: UN Peacekeeping and the Politics of Authoritarianism

Ringvorlesungen, Vortrag

Vortrag von Sarah von Billerbeck (University of Reading) im Rahmen der Ringvorlesung “Peace and Security in Post-Liberal Times”.

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