01.10.2022
Zeitschriftenartikel

Jenseits des Spektakels. Über das Versprechen der Rechtsprechung und andere Sachen

Maschinenräume moderner Demokratien haben eine typische Form: die Sitzung. Parlamente und Verwaltungsbehörden, Bund-Länder-Kommissionen und Gerichte tagen genauso in Sitzungsform wie Rundfunkräte und Hochschulgremien. Und auch wenn die zeitlich begrenzte und hierarchisch strukturierte Form des Versammelns in privatwirtschaftlichen Zusammenhängen zumeist «meeting» genannt wird, kommen sich öffentliche und private Organisationen über die geteilte Form der Sitzung möglicherweise näher als in irgendeiner anderen Hinsicht. Allein das Rechtssprechen und die Gesetzgebung aber finden in Sitzungen ihre paradigmatische Form. So schön sich diese Beobachtung im hellen demokratischen Licht daran erläutern ließe, wie Gesetzgebung und Gesetzanwendung aufeinander bezogen sind, so unergiebig wäre die Erzählung. Denn Rechtssetzung und Rechtsanwendung werden erst in modernen Demokratien, die von der Allgemeinheit des Gesetzes ausgehen, legitimatorisch und gleichzeitig kontrollierend verbunden gedacht. Sitzung als spezielle Form der Versammlung prägt die Gesetzgebung von der attischen Demokratie bis heute in vielen politischen Systemen, aber nicht notwendig. Denn Rechtssetzung kommt auch gut ohne Sitzungen aus, auch Monarchen oder Götter können wunderbar Gesetze geben, ohne sich mit anderen versammelt und beraten zu haben. […]

Aktuelles aus dem Forschungszentrum

Publikation
14.08.2026 | Buchkapitel

Vom rechtshistorischen Erkenntniswert antiker Tragödiendichtung: Überlegungen anhand Euripides’ Medeia

Pfeifer, Guido (2026): "Vom rechtshistorischen Erkenntniswert antiker Tragödiendichtung: Überlegungen anhand Euripides’ Medeia". In: Gsell, Beate; Rüfner, Thomas; Babusiaux, Ulrike (Hrsg.): Die unverzichtbare Wissenschaft – The Indispensable Science, Mohr Siebeck, S. 663-671.

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Publikation
01.08.2026 | Buchkapitel

"Das Andere in uns selbst" (Marcel Gauchet). Das Ideal gesellschaftlicher Autonomie und die Denkfigur der Alterität

Langner-Pitschmann, Annette (2026): „Das Andere in uns selbst“ (Marcel Gauchet). Das Ideal gesellschaftlicher Autonomie und die Denkfigur der Alterität. In: Schlette, Magnus et. al. (Hrsg.): Ordnung im Übergang Zur Funktion von Transzendenzbezügen in der Konstitution und Transformation politischer Gemeinschaft, Tübingen: Mohr Siebeck, S. 185-205.

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Veranstaltung
24.09.2026 | Frankfurt am Main

Die neuen Warlords. Gewaltdynamiken einhegen / Friedensgutachten 2026

Buchvorstellung

Die imperialistische Großmachtpolitik ändert die Vorzeichen von Krieg, Frieden und Sicherheit. Staaten agieren zunehmend wie Warlords und setzen Krieg als Mittel der Politik ein. Übergänge von Gewaltkonflikten zu Frieden werden als „Deals“ behandelt, Mittelmächte treten mit neuem Selbstbewusstsein, aber ambivalentem Kurs auf, und technologische Innovation verändert Kriege und erschwert die Regulierung. Zugleich befindet sich die internationale Kooperation in der Friedenssicherung in ihrer schwersten Krise. Das Friedensgutachten 2026 analysiert Optionen, dennoch Frieden zu fördern.

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News
23.07.2026

Dr. Jonas Heller mit Maria-Weber-Grant ausgezeichnet

Dr. Jonas Heller, assoziiertes Mitglied von Normative Orders, erforscht, wie sich geschichtlicher Wandel als Überwindung geschichtlicher Blockaden verstehen lässt. Hierfür wurde er nun mit einem Preis der Hans-Böckler-Stiftung ausgezeichnet.

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Publikation
23.07.2026 | Zeitschriftenartikel

Governing the Subject of Populism

Biebricher, Thomas: "Governing the Subject of Populism". In: European Journal of Social Theory, OnlineFirst.

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News
16.07.2026

Was verteidigen wir, wenn wir Demokratie verteidigen?

Die Krise der Demokratie stand im Mittelpunkt der diesjährigen Jahreskonferenz. Angesichts des weltweiten Erstarkens autoritärer und populistischer Bewegungen diskutierten internationale Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aktuelle Gefährdungen demokratischer Ordnungen und die grundlegende normative Frage: Was genau verteidigen wir eigentlich, wenn wir Demokratie verteidigen?

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