01.10.2022
Zeitschriftenartikel

Jenseits des Spektakels. Über das Versprechen der Rechtsprechung und andere Sachen

Maschinenräume moderner Demokratien haben eine typische Form: die Sitzung. Parlamente und Verwaltungsbehörden, Bund-Länder-Kommissionen und Gerichte tagen genauso in Sitzungsform wie Rundfunkräte und Hochschulgremien. Und auch wenn die zeitlich begrenzte und hierarchisch strukturierte Form des Versammelns in privatwirtschaftlichen Zusammenhängen zumeist «meeting» genannt wird, kommen sich öffentliche und private Organisationen über die geteilte Form der Sitzung möglicherweise näher als in irgendeiner anderen Hinsicht. Allein das Rechtssprechen und die Gesetzgebung aber finden in Sitzungen ihre paradigmatische Form. So schön sich diese Beobachtung im hellen demokratischen Licht daran erläutern ließe, wie Gesetzgebung und Gesetzanwendung aufeinander bezogen sind, so unergiebig wäre die Erzählung. Denn Rechtssetzung und Rechtsanwendung werden erst in modernen Demokratien, die von der Allgemeinheit des Gesetzes ausgehen, legitimatorisch und gleichzeitig kontrollierend verbunden gedacht. Sitzung als spezielle Form der Versammlung prägt die Gesetzgebung von der attischen Demokratie bis heute in vielen politischen Systemen, aber nicht notwendig. Denn Rechtssetzung kommt auch gut ohne Sitzungen aus, auch Monarchen oder Götter können wunderbar Gesetze geben, ohne sich mit anderen versammelt und beraten zu haben. […]

Aktuelles aus dem Forschungszentrum

Veranstaltung
20.10.2026 | Frankfurt

Dr. h.c. Gerhard Wiese – Wirken als Ankläger im Auschwitz Prozess

Film, Podiumsdiskussion

Der Frankfurter Auschwitz-Prozess von 1963 bis 1965 gilt als ein zentraler Wendepunkt in der juristischen und öffentlichen Auseinandersetzung mit den nationalsozialistischen Verbrechen in der Bundesrepublik Deutschland. Dr. h.c. Gerhard Wiese, der als junger Staatsanwalt zum Anklägerteam des Prozesses gehörte, berichtet aus seiner Perspektive auf die damaligen Ermittlungen und die Hauptverhandlung. Im Gespräch mit der Historikerin Dr. Katharina Rauschenberger (Fritz Bauer Institut) wird die Bedeutung des Prozesses für die strafrechtliche Aufarbeitung der NS-Verbrechen in den Blick genommen.

weitere Infos ›
Publikation
21.09.2026 | Working Paper

Dimensionen wehrhafter Demokratie in unsicheren Zeiten

Abich, Leon; Adams, Cosima; Biebricher, Thomas; Britz, Gabriele; Daase, Christopher; Deitelhoff, Nicole; Dönges, Jan; Krause, Leon; Nitzschner, Patrick; Siebert, Hannes; Siefert, Julian; Stephanblome, Isabelle (2026): "Dimensionen wehrhafter Demokratie in unsicheren Zeiten". DemoReg Working Paper 3.1.

weitere Infos ›
Veranstaltung
10.02.2027 | Frankfurt am Main

Shifting Visions of Peace and Security

Podiumsdiskussion, Ringvorlesungen

Podiumsdiskussion im Rahmen der Ringvorlesung “Peace and Security in Post-Liberal Times” mit Lisbeth Zimmermann (Goethe University/Normative Orders), Antonia Witt (PRIF), Siddarth Tripathi (University of Erfurt). Moderation: Jonas Wolff (Goethe University/PRIF/Normative Orders).

weitere Infos ›
Veranstaltung
03.02.2027 | Frankfurt am Main

AI, War, and Big Tech

Ringvorlesungen, Vortrag

Vortrag von Ingvild Bode (University of Southern Denmark)im Rahmen der Ringvorlesung “Peace and Security in Post-Liberal Times”.

weitere Infos ›
Veranstaltung
16.12.2026 | Frankfurt am Main

International arms control in a world of uncertainties

Ringvorlesungen, Vortrag

Vortrag von Malte Göttsche (TU Darmstadt/PRIF) im Rahmen der Ringvorlesung “Peace and Security in Post-Liberal Times”.

weitere Infos ›
Veranstaltung
02.12.2026 | Frankfurt am Main

Enabling Authoritarianism: UN Peacekeeping and the Politics of Authoritarianism

Ringvorlesungen, Vortrag

Vortrag von Sarah von Billerbeck (University of Reading) im Rahmen der Ringvorlesung “Peace and Security in Post-Liberal Times”.

weitere Infos ›