15.12.2023
Zeitschriftenartikel

Grenzen der Grenzen des Strafrechts – Demokratische Grenzen kriminalpolitischer Leitlinien

Das gegenwärtige Strafrecht ist von Überkriminalisierung und Präventionszielen geprägt. Diese Entwicklungen sind kritisch zu sehen. Die Kritik der deutschen Strafrechtswissenschaft ist von einem Theorienspektrum geprägt, das unter der Bezeichnung gesetzgebungskritische Rechtsgutslehre firmiert. Ausgelöst durch die ablehnende Haltung des Bundesverfassungsgerichts in der Inzest-Entscheidung, wird seit einiger Zeit wieder intensiver darüber debattiert, ob die Kriterien der Rechtsgutslehre geeignet sind, überzeugende Grenzen für die Kriminalisierung zu setzen. Im Fokus stehen dabei die theoretisch-philosophischen und verfassungsrechtlichen Grenzen dieser Begrenzungskriterien. Wenig beachtet wird bislang ein anderer Aspekt: Können und sollen die Begrenzungskriterien als Rationalisierungsstandards einen Beitrag zur demokratischen Willensbildung über Strafgesetze leisten? Viele Rechtsgutsansätze sehen die entwickelten Kriterien nämlich in diesem Sinne als „kriminalpolitische Leitlinien“, die die politische Entscheidung über Strafgesetzgebung rationaler machen sollen.

Dieser Aspekt soll im Folgenden im Mittelpunkt stehen. Zuerst wird geklärt, inwiefern man die entwickelten „kriminalpolitischen Leitlinien“ als Standards für die Rationalisierung der demokratischen Willensbildung über die Strafgesetzgebung verstehen kann (I.). Zweitens werden die Grenzen der Rationalität von (Straf-)Gesetzgebung in einem demokratischen Verfassungsstaat analysiert, die in der „Eigengesetzlichkeit politischen Handelns“ zu finden sind (II.). Vor diesem Hintergrund werden drittens die spezifischen Vorbehalte entwickelt, die gegen wissenschaftlich formulierte Leitlinien für die Rationalisierung der demokratischen Willensbildung über die (Straf-)Gesetzgebung sprechen (III.). Viertens werden aufgrund dieser Problemlage Ansatzpunkte skizziert, mit denen die Willensbildung über Strafgesetzgebung in der Demokratie regeneriert werden könnte (IV.). Der Beitrag schließt mit einem Fazit (V.).

Aktuelles aus dem Forschungszentrum

Publikation
08.01.2026 | Zeitschriftenartikel

The rural-urban divide in Europe

Riera, Pedro; Roßteutscher, Sigrid (Hrsg.) (2025): „The rural-urban divide in Europe: Assessing its impact on political attitudes and voting behavior“. In: Electoral Studies, Special Issue.

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Publikation
08.01.2026 | Zeitschriftenartikel

Gender Differences in Financial Advice

Bucher-Koenen, Tabea; Hackethal, Andreas; Koenen, Johannes; Laudenbach, Christine (2025): „Gender Differences in Financial Advice“. In: American Economic Review, 115 (12), pp. 4218–4252.

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News
05.01.2026

Wir trauern um Thomas M. Schmidt

Mit Thomas M. Schmidt, der am letzten Tag des Jahres 2025 verstorben ist, in dem wir erst wenige Monate zuvor seinen 65. Geburtstag mit einem Symposium begingen, verlieren wir einen der großen Religionsphilosophen unserer Zeit. Sein jäher Tod reißt eine Lücke in die Gemeinschaft der Forschenden, die wie er zu verstehen suchen, was die Rolle der Religion in den säkularen Gesellschaften unserer Zeit ist und sein kann. Zugleich wird er als der wunderbare Mensch fehlen, der er war.

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News
11.12.2025

Jonathan White über Zukunftsdenken in Demokratien

Zum zweiten Termin der Ringvorlesung "Am Scheidepunkt? Zur Krise der Demokratie". Der Politikwissenschaftler White diskutiert Sichtweisen auf die Zukunft in Demokratien. Ein Nachbericht

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News
04.12.2025

Die Krise der Demokratietheorie aus soziologischer Perspektive

Die Soziologin Jenny Brichzin hat mit ihrem Vortrag „Krise der Demokratietheorie? Eine soziologische Intervention“ unsere Ringvorlesung „Am Scheidepunkt? Zur Zukunft der Demokratietheorie“ eröffnet. Die Soziologin kritisiert, gesellschaftliches Zusammenleben werde in der Demokratietheorie bisher unzureichend thematisiert. Ein Nachbericht

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Publikation
03.12.2025 | Zeitschriftenartikel

The Archipelago Capitalism of Citizenship-By-Investment

Džankić, Jelena; Seyfettinoglu, Mira; Shachar, Ayelet; Vink, Maarten; Baaren, Luuk van der (2025): „The Archipelago Capitalism of Citizenship-By-Investment“. In: Comparative Political Studies, OnlineFirst.

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Publikation
01.12.2025

Non-Fiction Cinema in Postwar Europe

Hediger, Vinzenz (2025): „Preface: (Re)Building Europe through Cinema (Studies)”. In: Cesalkova, Lucia, et al. (eds.): Non-Fiction Cinema in Postwar Europe. Visual Culture and the Reconstruction of Public Space. Amsterdam University Press.

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News
21.11.2025

Freiwillig oder verpflichtend? Wehrdienst, Frieden und demokratische Verantwortung

Nachbericht zu den 58. Römerberggesprächen. Das Thema Wehrpflicht und die Frage, was ein demokratischer Staat von seinen Bürgerinnen und Bürgern verlangen darf, standen im Zentrum der 58. Römerberggespräche "Bedingt einsatzbereit? Wehrdienst und die Pflicht zum Dienst am Staat", die am 15. November in Kooperation mit dem Forschungszentrum Normative Ordnungen im Chagallsaal des Schauspiel Frankfurt stattfanden.

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Publikation
21.11.2025 | Buchkapitel

Die Möglichkeiten des Einsatzes von Multi-Party-Computation beim Datenaustausch zwischen Sicherheitsbehörden als Grundlage der Qualitätssicherung von KI-Anwendungen

Müllmann, Dirk; Spiecker gen. Döhmann, Indra (2025): „Die Möglichkeiten des Einsatzes von Multi-Party-Computation beim Datenaustausch zwischen Sicherheitsbehörden als Grundlage der Qualitätssicherung von KI-Anwendungen“. In: Honekamp, Wilfried; Kemme, Stefanie; Struck, Jens: Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz auf die zukünftige Polizeiarbeit. Springer.

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