20.04.2026
Bericht

Wider die Ohnmacht. Römerberggespräche: Das Prinzip Trump

Der Impuls ist allzu bekannt: Gerne würde man den Politikstil von Donald Trump, dessen Tempo der Zurschaustellung rücksichtsloser Selbstherrlichkeit von Tag zu Tag zuzunehmen scheint, als Absurdität abtun – um so mit einem Lachen, wie die Psychoanalyse lehrt, Distanz zum Überwältigenden bis Unerträglichen zu schaffen. Doch das Lachen bleibt, ob der Realität der Verrohung, die aktuell um sich greift, im Hals stecken.

Die Frankfurter Römerberggespräche widerstanden am Samstag im Schauspiel Frankfurt dem Abwehrmechanismus und widmeten sich den unbequemen Fragen nach den Gründen des Erfolgs eines Politikstils, der immer unverhohlener Tabubrüche begeht und die Werte- und Rechtsordnung des Westens infrage stellt. Die Frage nach der Anziehungskraft ist deshalb so zwingend, da die Politik Trumps vordergründig von irrationalen Elementen durchsetzt scheint. Auf der Beschreibungsebene der nicht abreißenden Tabubrüche zu verbleiben, berge die Gefahr, dem Irrationalen ohnmächtig gegenüberzustehen. Das Perfide am Prinzip Trump sei, dass es Begründungslogiken außer Kraft setze, die um das Prinzip der Transgression um jeden Preis ersetzt würden.

Insofern versuchte die Veranstaltung einer Ohnmacht entgegenzuwirken, als Gründe ausgearbeitet wurden, wie der von Destruktivität durchdrungene Politikstil verfangen kann. Im Vordergrund der Erklärungsansätze standen Positionen, welche die medialen und die sozialpsychologischen Bedingungen der Verbreitungs-, Verstärkungs- und Wirkungsmechanismen der autoritären Politik ins Licht rückten.

Der Amerikanist Johannes Völz, der an der Goethe-Universität Frankfurt zur Ästhetik des Populismus forscht, brachte die Dynamik der autoritären Verrohung auf den Begriff der „enthemmten Informalisierung“, die ein Prozess mit zwei Gesichtern sei. In der Zunahme der Informalisierung, also einem Abbau von Verhaltenscodes und sozialen Regeln, gäbe es ein Moment der Egalisierung. Durch die Ungezwungenheit scheint eine Kommunikation unter Gleichen ermöglicht. Doch in dem Egalitätsversprechen der Ungezwungenheit sei eine enthemmte Zügellosigkeit angelegt, die sich gegen ein bedrohlich empfundenes Außen richte – wodurch aus einer Ästhetik der Demokratie selbst ein demokratiefeindlicher Prozess entwachse.

Welches Bedürfnis wird durch die Versuchung der Enthemmung gestillt, und warum kann das Angebot sich so gut verbreiten? Mit einem sozialpsychologischen Ansatz stellte Vera King, Frankfurter Soziologin und Direktorin des Sigmund-Freud-Instituts, heraus, wie sehr Phantasmen der Grandiosität die Grundlage autoritären, irrationalen Handelns seien. Sie seien illusionäre Gefühlslagen der Überlegenheit, welche die Funktion haben, Defizitgefühle und überfordernde wie unangenehme Realitäten abzuwehren. Die Verführungskraft einer solchen „phantasmatischen Politik“ liege darin, dass sie autoritär sei, sie sich aber über Euphorisierung und nicht Zwang verbreite. Das könne die realitätsverleugnende Omnipotenzphantasie auslösen.

Natascha Strobl ergänzte dieses Theoriemodell mit einem Blick auf geschlechtsspezifische Identitätsangebote, denen das Phantasma von Natürlichkeit, Stärke und Reinheit zugrunde liege. Lehrreich war bei Strobl vor allem der Blick auf die medialen Verbreitungsformate: In der „Manosphere“ sind es Influencer und Youtuber, die über informelle Themen wie Dating, Gaming oder Kulturvideos („Die zehn schönsten Kirchen“) ihre identitäre Ideologie bei Jugendlichen säen, in der „Womanosphere“ ist es der „Tradwife“-Trend. Dass der digitale Medienwandel entscheidend bei der Verbreitung von autoritären Versuchungen ist, arbeitete der Kölner Medienwissenschaftler Martin Andree heraus. Er führte vor, wie US-Plattformen in ihrer Monopolstellung alle – auch europäischen – Medien absorbieren und trotz der selbständigen Algorithmisierung von Inhalten nicht selbst als Medien gelten, also auch keiner Haftung unterliegen. Mit Blick auf die europäische Debatte machte Andree das Ausmaß der Macht von Plattformen deutlich – wolle man eine Öffentlichkeit herstellen, die wieder von Dialog und Debatte geprägt sei, führe kein Weg an einer rechtlichen Einhegung der Monopole vorbei. Die „Mühen der Ebene“, das Nicht-Kulturkämpferische könne nur dann einen Nährboden haben, wenn der Zerstörung der Öffentlichkeit etwas entgegengesetzt wird.

Aktuelles aus dem Forschungszentrum

Veranstaltung
04.05.2026 | Frankfurt

Meinungsfreiheit, Meinungsvielfalt und Verantwortung für die Demokratie: Wie gestalten Medien neue Räume für Debatten und Teilhabe?

Podiumsdiskussion

Im Rahmen der Woche der Meinungsfreiheit 2026 laden die World Design Capital Frankfurt RheinMain 2026 in Kooperation mit dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels, dem Hessischen Rundfunk, der Stiftung Polytechnische Gesellschaft und dem Forschungszentrum Normative Ordnungen der Goethe-Universität herzlich zu einer Diskussionsveranstaltung am 4. Mai 2026 in den WDC-Hub im Museum Angewandte Kunst Frankfurt ein.

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Veranstaltung
29.04.2026 | Frankfurt am Main

Kulturindustrie heute?

Podiumsdiskussion

Das Gespräch „Kulturindustrie heute?“ widmet sich der Aktualität und Tragfähigkeit eines zentralen Begriffs der Kritischen Theorie. Die Filmwissenschaftlerin Gertrud Koch diskutiert im Rahmen der Gesprächsreihe "Frankfurter Schule" mit dem Filmkritiker Bert Rebhandl die gegenwärtigen Formen kultureller Produktion und Verbreitung vor dem Hintergrund von Digitalisierung, Plattformen und globalen Medienmärkten.

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Veranstaltung
22.04.2026 | Frankfurt am Main

New Directions in Terrorism and Political Violence Research

Lecture Series

Lecture Series mit Vorträgen von Orla Lynch, Leena Malkki und Tore Bjørgo veranstaltet vom Peace Research Institute Frankfurt (PRIF) in Kooperation mit dem Forschungszentrum „Normative Orders“ und der Goethe-Universität Frankfurt

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Veranstaltung
12.05.2026 | Frankfurt am Main

Zwischen Transformation und Abolitionismus

Buchvorstellung

Buchvorstellung mit Christine Graebsch, Katrin Höffler, Jochen Bung & Ronen Steinke

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Veranstaltung
28./29.05.2026 | Frankfurt am Main

Global Health Justice: Principles and Practice

Konferenz

Following the research focus of the Global Health Justice Postdoctoral Programme, funded by Höppsche Stiftung, the "Global Health Justice: Principles and Practice" conference places a particular emphasis on themes such as the human right to health, political activism and health justice issues, and problems of structural injustice and vulnerable populations in health care. Keynote lectures by Jonathan Wolff and Kanchana Mahadevan.

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Veranstaltung
14.07.2026 | Frankfurt am Main

Democracy Over Time and the Climate Crisis

Ringvorlesungen

Vortrag von Anja Karnein (Binghamton). Die Vortragsreihe untersucht Fragen der Klimakrise als Herausforderungen für demokratische Gesellschaften und konzentriert sich auf Themen wie politische Legitimität, Widerstand gegen fossile Brennstoffe und die Interessen künftiger Generationen. Sie wird organisiert von Prof. Dr. Darrel Moellendorf und Dr. Lukas Sparenborg.

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Veranstaltung
10.06.2026 | Frankfurt am Main

Capital Investment, Inequality, and State Power in a Time of Climate Emergency

Ringvorlesungen, Vortrag

Vortrag von MartinO'Neill (University of York). Die Vortragsreihe untersucht Fragen der Klimakrise als Herausforderungen für demokratische Gesellschaften und konzentriert sich auf Themen wie politische Legitimität, Widerstand gegen fossile Brennstoffe und die Interessen künftiger Generationen. Sie wird organisiert von Prof. Dr. Darrel Moellendorf und Dr. Lukas Sparenborg.

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Veranstaltung
13.05.2026 | Frankfurt am Main

Failed States and Cloudy Skies: Tipping Points, Overshoot and Permanent Emergency, after America

Ringvorlesungen

Vortrag von Geoff Mann (Simon Fraser University, Canada). Die Vortragsreihe untersucht Fragen der Klimakrise als Herausforderungen für demokratische Gesellschaften und konzentriert sich auf Themen wie politische Legitimität, Widerstand gegen fossile Brennstoffe und die Interessen künftiger Generationen. Sie wird organisiert von Prof. Dr. Darrel Moellendorf und Dr. Lukas Sparenborg.

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Veranstaltung
22.04.2026 | Frankfurt am Main

Political Legitimacy, Authoritarianism, and Climate Change

Ringvorlesungen, Vortrag

Vortrag von Ross Mittiga (SOAS London). Die Ringvorlesung "Der Klimawandel: Von ökologischen zu demokratischen Kipppunkten?" untersucht Fragen der Klimakrise als Herausforderungen für demokratische Gesellschaften und konzentriert sich auf Themen wie politische Legitimität, Widerstand gegen fossile Brennstoffe und die Interessen künftiger Generationen. Sie wird organisiert von Prof. Dr. Darrel Moellendorf und Dr. Lukas Sparenborg.

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