Menschenwürde in der Frühen Neuzeit

Projektleiter: Prof. Dr. Dr. Matthias Lutz-Bachmann und Prof. Dr. Luise Schorn-Schütte

Beim Teilprojekt „Menschenwürde/Menschenrechte in der Frühen Neuzeit“ bildeten sowohl der Begriff der Menschenwürde als auch der der Menschenrechte zentrale Bezugspunkte normativer Legitimation, auf die aus (rechts-) philosophischer, ethischer, juristischer, (ideen-) geschichtlicher und politischer Perspektive Bezug genommen wurde. Zumeist knüpfen heutige Lesarten an das von Kant in spezifischer Zusammenführung stoischer, christlicher, humanistischer und aufklärerischer Traditionen entwickelte Konzept der Menschenwürde an. Die teilweise in der Forschungslandschaft zu beobachtende Stilisierung der „Moderne“ als Epochenbruch verklärt dabei nicht nur die sich bei Kant konzentrierende Aufklärung, sondern leugnet auch die Geschichtlichkeit, d.h. die räumliche und zeitliche Situiertheit der Herausbildung normativer Konzepte.

Das in Kooperation von Geschichtswissenschaft und Philosophie betriebene Projekt verfolgte das Ziel, die ideengeschichtlichen Vorläufer, besonders im Umfeld der auf die Kolonialerfahrung des 16. und 17. Jahrhunderts reagierenden spanischen Spätscholastik, zu untersuchen und auf ihren systematischen Beitrag zu Menschenrechts-Debatten hin zu überprüfen.

Die Schule von Salamanca sticht dadurch hervor, dass sie mit einem universalen weltumspannenden Herrschaftssystem konfrontiert war. Die spanisch-habsburgische Monarchie stieß gleichermaßen an ihren Rändern und im Innern an die Grenzen ihres Herrschaftsanspruchs. Das Verhältnis von nationalen Monarchien und Kirche wurde in Frage gestellt. Die Rechte des Einzelnen innerhalb und außerhalb dieser Gemeinschaften waren gleichfalls bedroht. Die Theoretiker der spanischen Spätscholastik betrachteten diese Fragen in ihrer Verzahnung.

Über die religiös-konfessionellen Fragmentierungen hinweg treten vergleichbare Argumentationsmuster in den europäischen Ständedebatten auf, die sich auf Rechtfertigungsmuster des Rechts der Not- und Gegenwehr (Naturrecht, römisches Recht, altes Herkommen), aber auch auf das Gewissen als einen politisch-theologisch umstrittenen Begriff beziehen. Die Religion kann nicht gewaltsam aufgezwungen werden, das war im 16./17. Jahrhundert Konfliktpunkt und ein einschlägiges Argument innerhalb aller europäischen Herrschaftssysteme, aber auch gegenüber den Kolonialvölkern. Es stellt das Ferment der neuzeitlichen Konzeption der Menschenrechte dar. Zur wichtigsten Veranstaltung in diesem Projekt zählte: „Human Rights, Human Dignity and Cosmopolitan Ideals“, Gästehaus der Goethe-Universität in Frankfurt am Main vom 6.-7. Mai 2011.

Aktuelles aus dem Forschungszentrum

Veranstaltung
25./26.06.2026 | Frankfurt

DGTF Conference 2026: Shifting Regimes, Changing Orders

Konferenz

Conference as part of WDC 2026 in collaboration with Deutsche Gesellschaft für Designtheorie und -forschung (DGTF), Kunstgewerbemuseum/Design Campus SKD and Design and Democracy

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Veranstaltung
30.06.2026 | Frankfurt am Main

Recht und Angst in Demokratien

Vortrag

Vortrag von Benno Zabel (Universitätslehrer für Strafecht und Rechtsphilosophie der Goethe-Universität Frankfurt a.M., Forschungszentrum Normative Ordnungen der Goethe-Universität Frankfurt a.M.) im Rahmen der partizipativen Redenreihe "DenkArt_ Im Schmelztiegel der Angst"

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Veranstaltung
09./10.07.2026 | Frankfurt am Main

Democracy: Principles and Practice, Resilience and Innovation

Konferenz

Annual Conference of the Research Program "Zeitenwenden. Normative Ordnungen im Umbruch?" with Arthur Ripstein, Astrid Séville, John McCormick, Nadia Urbinati, Claudia Landwehr, Hubertus Buchstein and Peter Niesen.

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News
19.06.2026

Internationales Symposium würdigt Lebenswerk von Jürgen Habermas

Am Freitag, den 19. Juni 2026, würdigte das Forschungszentrum Normative Orders gemeinsam mit dem Suhrkamp-Verlag den verstorbenen Jürgen Habermas mit einem internationalen Symposium an der Goethe-Universität Frankfurt.

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Veranstaltung
01./03.07.2026 | Frankfurt am Main

Sexual Agency

Konferenz

Die dreitägige Konferenz über Sexual Agency befasst sich mit Fragen von sexueller Handlungsfähigkeit, Autonomie, Verantwortung, Macht, Zustimmung, Lust und Verkörperung. Organisiert von Manon Garcia und Milena Bartholain.

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News
26.05.2026

Neuer Sammelband zu Ehren von Ute Sacksofsky

Der Sammelband „Gerechtigkeit als Thema der Rechtswissenschaft“ bündelt die Beiträge des Ehrensymposiums zum 65. Geburtstag von Prof. Dr. Dr. hc. Ute Sacksofsky und beleuchtet aus intergenerationeller Perspektive zentrale Fragen feministischer Rechtswissenschaft zu Geschlecht, Gerechtigkeit, Gleichheit und juristischen Methoden.

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News
18.05.2026

Videopodcast-Reihe „Our Planet, Our Health“ gestartet

Mit „Our Planet, Our Health“ startet eine neue Videopodcast-Reihe zu Fragen globaler Gesundheitsgerechtigkeit. Die Reihe, gehostet von Dr. Romina Rekers, ist eine Initiative des Global Health Justice Postdoctoral Programme (GHJ), gefördert von der Höppschen Stiftung.

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Publikation
12.05.2026 | Onlineartikel

Disinhibited Informalization: Talk Radio, Bro Podcasts and the Aesthetics of Populism

Völz, Johannes (2026): "Disinhibited Informalization: Talk Radio, Bro Podcasts and the Aesthetics of Populism". In: b2o - boundary 2 online.

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News
11.05.2026

Gertrud Koch spricht über Kulturindustrie heute

Im Rahmen der Gesprächsreihe Frankfurter Schule hat die Professorin für Filmwissenschaft gemeinsam mit dem Journalisten und Filmkritiker Bert Rebhandl über die Aktualität des Begriffs Kulturindustrie und sein Verständnis im Kontext digitaler und globaler Medien gesprochen.

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