Fellow (ehemalig)

Prof. Dr. Andrew Norris

Associate Professor of Political Science and Affiliated Professor of Philosophy, University of California, Santa Barbara

Forschungsprojekt:
Ordinary Language and Second Nature: Returning to Ourselves in Hegel and Cavell

Am Exzellenzcluster verfolgt Andrew Norris ein Forschungsprojekt, das im Bezug auf Hegel und Cavell die soziale Seinsweise normativer Ordnungen untersucht. Hegel und Cavell teilen die Vorstellung, dass normative Ordnungen nicht primär in der Form des Sollens, also nicht in der Gestalt von Forderungen oder Vorschriften existieren, sondern als Regeln, die soziale Praktiken konstituieren. Zugleich gehört zu sozialen Praktiken nach Hegel und Cavell wesentlich ein Moment des Nichtbewussten, Vorreflexiven, Inerten. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, wie Subjekte sich zugleich so auf die Praktiken, deren Teil sie sind, beziehen können, dass sie deren normativen Gehalt gegen seine bloß eingelebte, übliche und darin selbstverständlich scheinende soziale Gestalt zur Geltung bringen können.
Norris’ These lautet, dass Hegel dieses Problem zwar deutlich gestellt, aber nicht überzeugend gelöst hat. Und er sucht in Cavells immer wieder neuen Anläufen dazu, ein freies Verhältnis zum Gewöhnlichen zu denken, Potentiale für eine überzeugende Theoretisierung gelingender Prozesse der Subjektivierung, von denen zugleich die Transformation normativer Gehalte aus ihrer bloß eingewöhnten Alltäglichkeit in eine freie, reflexive und damit auch kritikbegründende Form abhängt.

Veranstaltungen:

23. bis 25. Oktober 2014
Internationale Tagung des Exzellenzclusters Die Rezeptivität des Urteilens
Receiving Autonomy: On Cavell’s Perfectionism
Ort: Goethe-Universität Frankfurt am Main, Gebäude „Normative Ordnungen“

5. November 2014, 18 Uhr
Vortrag
Skepticism as Practical Philosophy in the Work of Stanley Cavell
Ort: Goethe-Universität Frankfurt am Main, Gebäude „Normative Ordnungen“

2. Dezember 2014, 14.30 Uhr
Paper Presentation
Ort: Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe-Universität Frankfurt am Main

  • Biografische Angaben

    Andrew Norris lehrt Politikwissenschaften und Philosophie an der University of California, Santa Barbara.  Er ist der Herausgeber von The Claim to Community (Stanford University Press 2006), Politics, Metaphysics, and Death: Essays on Giorgio Agamben’s „Homo Sacer“ (Duke University Press 2005) und Mitherausgeber von Truth and Democracy (University of Pennsylvania Press 2012). Gegenwärtig arbeitet er an einer Monographie über Stanley Cavells Beiträge zur praktischen Philosophie.

  • Publikationen

    Andrew Norris, „On Public Action: Rhetoric, Opinion, and Glory in Hannah Arendt’s The Human Condition“, Critical Horizons 14:2 (2013), S. 200-224.

    Andrew Norris, „‚How Can It Not Know What It Is?‘ Self and Other in Ridley Scott’s Blade Runner“, Film-Philosophy 17:1 (2013), S. 19-50.

    Andrew Norris, „The Disappearance of the French Revolution in Hegel’s Phenomenology of Spirit“, The Owl of Minerva 44:1/2 (2013), S. 37-66.

    Andrew Norris/Jeremy Elkins (Hg.), Truth and Democracy, University of Pennsylvania Press 2012.

    Andrew Norris, „Das Politische als das Metaphysische und das Alltägliche“, in: G. Gebauer/F. Goppelsröder/J. Volbers (Hg.), Wittgenstein: Philosophie als ‚Arbeit an Einem selbst’, München: Wilhelm Fink Verlag 2009.

    Andrew Norris, „Sovereignty, Exception, and Norm“, Journal of Law and Society 34:1 (2007), S. 31-45.

    Andrew Norris (Hg.), The Claim to Community: Essays on Stanley Cavell and Political Philosophy, Stanford University Press 2006.

Aktuelles aus dem Forschungszentrum

Publikation
14.08.2026 | Buchkapitel

Vom rechtshistorischen Erkenntniswert antiker Tragödiendichtung: Überlegungen anhand Euripides’ Medeia

Pfeifer, Guido (2026): "Vom rechtshistorischen Erkenntniswert antiker Tragödiendichtung: Überlegungen anhand Euripides’ Medeia". In: Gsell, Beate; Rüfner, Thomas; Babusiaux, Ulrike (Hrsg.): Die unverzichtbare Wissenschaft – The Indispensable Science, Mohr Siebeck, S. 663-671.

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Publikation
01.08.2026 | Buchkapitel

"Das Andere in uns selbst" (Marcel Gauchet). Das Ideal gesellschaftlicher Autonomie und die Denkfigur der Alterität

Langner-Pitschmann, Annette (2026): „Das Andere in uns selbst“ (Marcel Gauchet). Das Ideal gesellschaftlicher Autonomie und die Denkfigur der Alterität. In: Schlette, Magnus et. al. (Hrsg.): Ordnung im Übergang Zur Funktion von Transzendenzbezügen in der Konstitution und Transformation politischer Gemeinschaft, Tübingen: Mohr Siebeck, S. 185-205.

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Veranstaltung
24.09.2026 | Frankfurt am Main

Die neuen Warlords. Gewaltdynamiken einhegen / Friedensgutachten 2026

Buchvorstellung

Die imperialistische Großmachtpolitik ändert die Vorzeichen von Krieg, Frieden und Sicherheit. Staaten agieren zunehmend wie Warlords und setzen Krieg als Mittel der Politik ein. Übergänge von Gewaltkonflikten zu Frieden werden als „Deals“ behandelt, Mittelmächte treten mit neuem Selbstbewusstsein, aber ambivalentem Kurs auf, und technologische Innovation verändert Kriege und erschwert die Regulierung. Zugleich befindet sich die internationale Kooperation in der Friedenssicherung in ihrer schwersten Krise. Das Friedensgutachten 2026 analysiert Optionen, dennoch Frieden zu fördern.

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News
23.07.2026

Dr. Jonas Heller mit Maria-Weber-Grant ausgezeichnet

Dr. Jonas Heller, assoziiertes Mitglied von Normative Orders, erforscht, wie sich geschichtlicher Wandel als Überwindung geschichtlicher Blockaden verstehen lässt. Hierfür wurde er nun mit einem Preis der Hans-Böckler-Stiftung ausgezeichnet.

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Publikation
23.07.2026 | Zeitschriftenartikel

Governing the Subject of Populism

Biebricher, Thomas: "Governing the Subject of Populism". In: European Journal of Social Theory, OnlineFirst.

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News
16.07.2026

Was verteidigen wir, wenn wir Demokratie verteidigen?

Die Krise der Demokratie stand im Mittelpunkt der diesjährigen Jahreskonferenz. Angesichts des weltweiten Erstarkens autoritärer und populistischer Bewegungen diskutierten internationale Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aktuelle Gefährdungen demokratischer Ordnungen und die grundlegende normative Frage: Was genau verteidigen wir eigentlich, wenn wir Demokratie verteidigen?

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