Die Wissenschaftskultur der Aufklärung und die Rechtfertigung normativer Ordnungen

Projektleiter: Prof. Dr. Moritz Epple

Die zentrale Fragestellung des Projektes bestand darin zu ermitteln, inwieweit die enzyklopädische Wissensordnung in der französischen Aufklärung vom Denk- zum Handlungsrahmen der philosophes wurde, und inwieweit der Auftritt der modernen Wissenschaften dadurch einen spezifischen Beitrag zur Entwicklung der sozialen und politischen Moderne geleistet hat. Die Fragestellung wurde vor allem ausgehend von Jean Le Rond d’Alemberts „Essai sur les Elements de Philosophie“ behandelt. Der Essai wurde von d’Alembert 1759 nach seiner Aufgabe der Mitherausgeberschaft der Encyclopédie verfasst und später vom Autor durch umfangreiche „Eclaircissements“ ergänzt, und er ist einer der wenigen systematischen Texte des Encyclopédismus. Ziel des Projektes ist die Erarbeitung einer kommentierten Übersetzung und Edition dieses Schlüsselwerkes der Aufklärung.

Die Gründe der marginalen Rezeption des Essai im deutschsprachigen Raum – es gibt nur eine nahezu vergessene zeitgenössische Übersetzung von Joseph Maria Weissegger (Wien 1787) – stellen eine weitere Forschungsfrage des Projektes dar. Während die Neuübersetzung und Kommentierung des Essai weitgehend abgeschlossen sind, wird die übergeordnete Forschungsfrage nach dem Zusammenhang von epistemischer und politischer Revolution in der französischen Aufklärung auch im Anschlussprojekt behandelt und in verschiedenen Richtungen („Die politische Philosophie der Encyclopédie“ und „Der Zusammenhang von exakten Wissenschaften und der Entwicklung der Norm der Gleichheit“) weiter verfolgt.

In den Jahren 2008-2012 wurden unter anderen folgende Publikationen veröffentlicht: Comtesse, Dagmar (2012): Wissensordnung als Kritik. Die Ordnung der menschlichen Kenntnisse nach Jean d’Alembert (Normative Orders Working Paper 01/2012); Comtesse, Dagmar/Epple, Moritz (2013): „Auf dem Weg zu einer Revolution des Geistes? Jean d’Alembert als Testfall“, in: Andreas Fahrmeir/Annette Imhausen (Hg.), Die Vielfalt normativer Ordnungen. Konflikte und Dynamik in historischer und ethnologischer Perspektive (Reihe: Normative Orders Bd. 8), Frankfurt/M.: Campus, 21-47 und Epple, Moritz (2010): “Links and Their Traces: Cultural Strategies, Resources, and Conjunctures of Experimental and Mathematical Practices”, in: Moritz Epple/Claus Zittel (Hg.), “Science as Cultural Practice. Vol. 1: Cultures and Politics of Research from the Early Modern Period to the Age of Extremes”, Berlin: Akademie Verlag, 221-245. 

In den Jahren 2008-2012 wurden folgende Veranstaltungen durchgeführt: Kooperation mit der Groupe d’Alembert (französisches Forschungsnetzwerk zur Neuedition der Œuvres complètes von Jean d’Alembert des CNRS): Workshops in Lyon (Juni/ 2009) und Montpellier (Januar/ 2010); Vortrag Moritz Epple auf der PI-Tagung des Clusters 2009: Geometry and Equality. Some Remarks on the Relation between Enlightenment Science, Politics, and Norms, ca. 1757; 1. Nachwuchskonferenz des Clusters (Oktober 2009): Organisation und Leitung des Panels „Sanktionierte Rechtfertigungen: Zensur und Hegemonie“; 1. Nachwuchsworkshop des Clusters (Juli 2010): Organisation und Vorträge der beiden Mitarbeiterinnen (Dagmar Comtesse/ Marianne Schepers) und PI-Vortragsreihe des Clusters, Vortrag Moritz Epple (Juni 2012): Die Moral der Gleichheit.

Aktuelles aus dem Forschungszentrum

Veranstaltung
18.04.2026 | Frankfurt am Main

Das Prinzip Donald Trump und die Verrohung der Welt

Podiumsdiskussion, Vortrag

Ein neuer Politikstil macht international Karriere. Er ist gekennzeichnet von Vulgarität, Verrohung und erklärter Rechtsfeindschaft. Machtinteressen werden nicht mehr juristisch bemäntelt. Stattdessen wird das angebliche Recht des Stärkeren zur Staatsdoktrin gemacht – innenpolitisch wie außenpolitisch. Treibende Kraft hinter dieser Verrohung der politischen Sitten ist ein US-Präsident, der nicht nur die amerikanische Gesellschaft und Kultur, sondern auch die globale Ordnung nach seinen Vorstellungen und Interessen umgestaltet. Die Römerberggespräche wollen diesen Politikstil verstehen.

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Veranstaltung
29.04.2026 | Frankfurt am Main

Kulturindustrie heute?

Podiumsdiskussion

Das Gespräch „Kulturindustrie heute?“ widmet sich der Aktualität und Tragfähigkeit eines zentralen Begriffs der Kritischen Theorie. Die Filmwissenschaftlerin Gertrud Koch diskutiert im Rahmen der Gesprächsreihe "Frankfurter Schule" mit dem Filmkritiker Bert Rebhandl die gegenwärtigen Formen kultureller Produktion und Verbreitung vor dem Hintergrund von Digitalisierung, Plattformen und globalen Medienmärkten.

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News
19.02.2026

Call for Applications – Postdoctoral Fellowships

Am Forschungszentrum Normative Ordnungen sind für das akademische Jahr 2026/2027 mehrere Postdoctoral Fellowships mit einer Laufzeit von 10 Monaten (Beginn: 1. Oktober 2026) ausgeschrieben. Bewerbungsschluss für alle Programme ist der 15. März 2026.

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Veranstaltung
20.03.2026 | Frankfurt am Main

40 Jahre Schengen-Raum

Kolloqium

Der 1984 geschlossene Schengen-Vertrag schuf einen heute 29 Staaten umfassenden Raum ohne Binnengrenzen, doch Migration über die Außengrenzen führte zuletzt zur Wiedereinführung von Kontrollen, auch durch die Bundesregierung ab 8. Mai 2025. Das Walter Hallstein-Kolloquium diskutiert die rechtliche Zulässigkeit, wirtschaftliche Folgen insbesondere für Arbeitsmigration und Arbeitsmarkt sowie die Zukunft des Schengen-Raums.

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News
12.02.2026

Satanistische Politik und der Niedergang der Vernunft in liberalen Demokratien

Ein letztes Mal im Wintersemester 2025/26 lud das Forschungszentrum zur Ringvorlesung „Am Scheidepunkt. Zur Krise der Demokratie“. Zum Abschluss hat der Philosoph Michael Rosen von der Harvard University sein Konzept der „satanic politics“ als eine Variante der politischen Deutung der Welt vorgestellt.

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News
09.02.2026

Zur Aktualität des Gewaltbegriffs anhand von Camus und Derrida

Prof. Dr. Christine Abbt von der Universität St. Gallen hat im Rahmen der Ringvorlesung „Am Scheidepunkt? Zur Krise der Demokratie“ einen Vortrag über Demokratien und den Gewaltbegriff gehalten. Unter dem Titel „Demokratien verteidigen. Zur Aktualität des Gewaltbegriffs bei Camus und Derrida“ besprach die Philosophin Formen von Gewalt und Revolte und ordnete diese im Hinblick auf ein demokratisches Setting ein.

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Publikation
04.02.2026 | Zeitschriftenartikel

New Perspectives on Trust in International Conflicts

Wille, Tobias; Simon, Hendrik; Daase, Christopher; Deitelhoff, Nicole; Wheeler, Nicholas J.; Holmes, Marcus; Rathbun, Brian C.; Acharya, Amitav; Mitzen, Jennifer (2026): „New Perspectives on Trust in International Conflicts“. In: International Studies Review 28 (1), viaf027. 

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News
02.02.2026

Staatlicher Wettbewerb um Menschen – David Owen über civil geopolitics

Im Rahmen der Ringvorlesung „Am Scheidepunkt – Zur Zukunft der Demokratie“ präsentierte David Owen von der Universität Southampton sein Konzept der civil geopolitics.

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News
20.01.2026

Christine Hentschel über Neuorientierungen in katastrophischen Zeiten

Im Rahmen der Ringvorlesung „Am Scheidepunkt? Zur Krise der Demokratie“ sprach die Soziologin über das Leben in und den Umgang mit katastrophischen Zeiten. Vor dem Hintergrund der Zerstörung der Lebensbedingungen, Kriegen, dauerhafter Krisenhaftigkeit sowie der Bedrohungen der Demokratie widmete sich Hentschel dem Einsickern des Katastrophischen in den gesellschaftlichen Alltag und einem sich verändernden aktivistischen und literarischen Umgang mit der Zukunft.

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