Nach der Normativität. Zum Verhältnis von Politik und Recht unter komputationalen Bedingungen
Ringvorlesung „Ist das Recht am Ende?“ im Wintersemester 2026/2027
Vortrag von Prof. Dr. Sabine Müller-Mall (Frankfurt am Main)
Zur Ringvorlesung „Ist das Recht am Ende?“:
Blickt man auf die gesellschaftspolitischen und globalen Entwicklungen der Gegenwart, so lassen sich die Krisenphänomene und die daraus erwachsenen Verunsicherungen kaum übersehen. Liberale Gesellschaften und Staaten, die lange Zeit für ein rechtlich fundiertes Freiheits- und Zukunftsversprechen standen, für Sicherheit, Wohlstand und politische Teilhabe, geraten angesichts der immensen Herausforderungen zunehmend unter Rechtfertigungsdruck. Die zum Teil vehemente Kritik an deren Problemlösungsfähigkeiten bringen die vielfältigen Beunruhigungspotentiale deutlich zur Sprache.
Das Recht ist von diesen Entwicklungen unmittelbar betroffen, etwa dadurch, dass es sowohl effektive und effiziente als auch nachhaltige Problemlösungen ermöglichen, gleichzeitig, aber auch demokratischen Legitimationsansprüchen genügen soll. Gerät das Recht im Zuge dieser Herausforderungen nun an seine Grenzen oder in Konkurrenz zu alternativen, beispielsweise algorithmischen Ordnungsvorstellungen und Steuerungsformen? Oder werden jetzt erst die Mängel des Rechts offensichtlich, an denen es immer schon laboriert hat?
Nachdem wir uns in einem ersten Teil der Ringvorlesung mit Fragen der Demokratie, des Völkerrechts und der Migration beschäftigt haben, soll sich der zweite Teil weiteren drängenden Problemen zuwenden. Dazu gehören Fragen des Rechts im Anthropozän, Fragen des Rechts im Zeitalter von Algorithmen und vernetzten Systemen, Fragen des Klassismus und Rassismus sowie der Umgang mit Rechtskritik und Rechtsnihilismus.
Organisiert von Klaus Günther und Benno Zabel

