02.02.2026

Staatlicher Wettbewerb um Menschen – David Owen über civil geopolitics

Zum vierten Termin der Ringvorlesung „Am Scheidepunkt – Zur Krise der Demokratie“ präsentierte und erläuterte David Owen von der Universität Southampton sein Konzept der civil geopolitics. Bei der „zivilen Geopolitik“ handle es sich um den Wettbewerb von Staaten um Menschen, der über die Schaffung, Werbung und Förderung von Verbindungen innerhalb der Bürgerschaft sowie das Ablehnen und Zurückweisen anderer Verbindungen funktioniere.

Bei civil geopolitics handle es sich um die Konzeptualisierung eines bekannten Phänomens globaler Geopolitik. Dieses habe sich unter anderem im 17. und 18. Jahrhundert gezeigt, als die Immigration von Arbeiterinnen und Arbeitern durch Staaten gefördert oder begrenzt wurde. Erst ab der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts sei diese Art der Politik jedoch zu einem wichtigen Zweig staatlicher Geopolitik geworden, während zuvor der Wettkampf um Territorien die dominantere Rolle eingenommen habe. Mittlerweile sei die Regierung von Bürgerschaft und ziviler Zugehörigkeit ein integraler Bestandteil staatlicher Politik geworden. Individuen und Gruppen seien somit zu einem geopolitischen Projekt geworden, so Owen.

Er erläuterte verschiedene Transformationen, die diese Entwicklungen ermöglicht hätten: der Aufstieg staatlicher Institutionen im Kontakt mit Diaspora-Gemeinschaften, die steigende Toleranz gegenüber doppelter Staatsbürgerschaft sowie die Ausweitung extraterritorialer Wahlrechte. Hinzu kommen neue Kommunikationstechnologien und Reisemöglichkeiten, durch welche Staaten neue Möglichkeiten in der Beziehung zu jenen Personen haben, die das Staatsgebiet verlassen.

Aus diesen Transformationen folgen neue staatliche geopolitische Strategien. So werde die Denationalisierung, also der Entzug der Staatsbürgerschaft vermehrt diskutiert, wenngleich dies in der Realität nur äußerst selten angewendet werde. Auch die vermehrten Möglichkeiten, sich staatliche Zugehörigkeit mit sogenannten „goldenen Pässen“ zu erwerben, die politisch geprägte Vergabe von Staatsbürgerschaften und extraterritorialen Wahlrechten sowie die Vergabe von Staatsbürgerschaft als Reparation zur Kompensation historischer Ungerechtigkeiten seien zu beobachten.

Zum Abschluss der Vorlesung präsentierte der Politikprofessor vier Idealtypen der Staatsbürgerschaft, die sich aus den vorherigen Erwägungen ergeben: die klassische Staatsbürgerschaft auf Basis nationaler Zugehörigkeit, die Zugehörigkeit auf territorialer Basis (zum Beispiel in Neuseeland), sowie kosmopolitische Formen transaktionaler und transnationaler Staatsbürgerschaft. Es komme heute zu einer Mischung mehrerer dieser Idealtypen. Die Frage, was Staatsbürgerschaft heute bedeutet, ist nicht mehr eindeutig zu beantworten, so Owen.

Aktuelles aus dem Forschungszentrum

Veranstaltung
02.06.2026 | Frankfurt

Forensic Truth Regimes

Film, Podiumsdiskussion

The event explores how documentary film and aesthetic investigations can reopen unresolved questions of justice and accountability by revisiting the 1992 killing of two Romanian Roma men at the German-Polish border and examining the counter-forensic potential of visual media to critique legal violence and truth regimes. It is part of the series “Visual Truth Regimes,” organized by Laliv Melamed (Goethe University Frankfurt, TFM), Felix Trautmann (HBK Braunschweig / Institute for Social Research), and Franziska Wildt (Institute for Social Research).

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News
26.05.2026

Neuer Sammelband zu Ehren von Ute Sacksofsky

Der Sammelband „Gerechtigkeit als Thema der Rechtswissenschaft“ bündelt die Beiträge des Ehrensymposiums zum 65. Geburtstag von Prof. Dr. Dr. hc. Ute Sacksofsky und beleuchtet aus intergenerationeller Perspektive zentrale Fragen feministischer Rechtswissenschaft zu Geschlecht, Gerechtigkeit, Gleichheit und juristischen Methoden.

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Veranstaltung
02.06.2026 | Brüssel

Zusammenhalt, Vertrauen und Demokratie in Europa

Podiumsdiskussion, Vortrag

Vertrauen, Zusammenhalt, Demokratie – drei große Begriff, die in Europa derzeit allgegenwärtig sind. Doch wie belastbar sind sie eigentlich und was beschreiben sie? Was genau meinen wir eigentlich, wenn wir von politischem Vertrauen und gesellschaftlichem Zusammenhalt sprechen? Und braucht es – wie häufig behauptet – ein gewisses Maß an sozialer oder kultureller Homogenität, damit Vertrauen wachsen und Zusammenhalt entstehen kann? Diesen Fragen widmen wir uns in der aktuellen Ausgabe der Crisis Talks – auf dem Podium und im Gespräch mit unseren Gästen.

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Veranstaltung
22.06.2026 | Frankfurt am Main

Rechtsextremismus und Polizei - Erscheinungsformen, Umgangsweisen, Perspektiven

Podiumsdiskussion

Die Diskussion knüpft an den Sammelband „Rechtsextremismus als Herausforderung für Polizei und Gesellschaft“ an, der aktuelle Perspektiven aus Wissenschaft, Praxis und Zivilgesellschaft zusammenführt.

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News
18.05.2026

Videopodcast-Reihe „Our Planet, Our Health“ gestartet

Mit „Our Planet, Our Health“ startet eine neue Videopodcast-Reihe zu Fragen globaler Gesundheitsgerechtigkeit. Die Reihe, gehostet von Dr. Romina Rekers, ist eine Initiative des Global Health Justice Postdoctoral Programme (GHJ), gefördert von der Höppschen Stiftung.

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Publikation
12.05.2026 | Onlineartikel

Disinhibited Informalization: Talk Radio, Bro Podcasts and the Aesthetics of Populism

This essay by Johannes Völz is a revised and updated translation of “Enthemmte Informalisierung: Talk Radio, Bro-Podcasts und die Ästhetik des Populismus,” WestEnd: Neue Zeitschrift für Sozialforschung 22.2 (2025): 3–24. It is published here as part of the b2o Review’s “Stop the Right” dossier.

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News
11.05.2026

Gertrud Koch spricht über Kulturindustrie heute

Im Rahmen der Gesprächsreihe Frankfurter Schule hat die Professorin für Filmwissenschaft gemeinsam mit dem Journalisten und Filmkritiker Bert Rebhandl über die Aktualität des Begriffs Kulturindustrie und sein Verständnis im Kontext digitaler und globaler Medien gesprochen.

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Veranstaltung
25./26.06.2026 | Frankfurt

Shifting Regimes, Changing Orders

Konferenz

Conference as part of WDC2026 in collaboration with Deutsche Gesellschaft für Designtheorie und -forschung (DGTF), Kunstgewerbemuseum/Design Campus SKD and Design and Democracy

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Publikation
22.04.2026 | Buchkapitel

Körpergeschlecht und Selbstbestimmung

Britz, Gabriele (2026): "Körpergeschlecht und Selbstbestimmung". In. Mangold, Anna Katharina; Völzmann, Berit (Hrsg.): Gerechtigkeit als Thema der Rechtswissenschaft, Nomos, S. 41-48.

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