Religion als Option. Der Markt der Weltanschauungen
Vortrag von Prof. Dr. Thomas M. Schmidt am 9. November 2016 in der Reihe Goethe Lectures Offenbach
Religion wurde lange als ethischer Klebstoff betrachtet, der eine Gesellschaft zusammenhält, die immer stärker unter den ökonomischen Druck von Konkurrenz und Vereinzelung gerät. Religion wurde als eine Quelle gesellschaftlicher Solidarität betrachtet. Die Prognose der Säkularisierung, die Rede vom Verschwinden der Religion, hat deshalb bisweilen selbst nicht-religiösen Menschen Sorge bereitet. In den letzten Jahren wird Religion mehr und mehr als Störfaktor, als Quelle sozialen Unfriedens wahrgenommen. Viele Konflikte, die andere Ursachen besitzen, werden der Religion als Auslöser zugeschrieben. Die Rede von der „Rückkehr der Religion“ beunruhigt daher viele, die befürchten, dass die mit der Säkularisierung errungenen Rechte und Freiheiten zunehmend bedroht werden.
Was bedeutet es also, wenn im Anschluss an Jürgen Habermas häufig der Ausdruck „postsäkulare Gesellschaft“ verwendet wird? Erlebt Religion wirklich eine Stärkung als gesellschaftliche Kraft oder hat sich nur ihre öffentliche Wahrnehmung und Sichtbarkeit verändert? Der Ausdruck „postsäkular“ besagt auch, dass sich eine Religion, die sich unter säkularen Bedingungen behauptet, an diese Bedingungen erfolgreich angepasst hat. Dazu gehört auch die Einsicht, dass eine bestimmte religiöse Tradition ein Angebot neben anderen auf dem Markt der Weltanschauungen darstellt. Dies ist die Einsicht, „Glaube als Option“ (Hans Joas), als eine legitime Möglichkeit neben anderen zu verstehen.
Veranstalter:
Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ in Kooperation mit der Stadt Offenbach, Amt für Wirtschaftsförderung und dem Klingspor Museum
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