Religion als Option. Der Markt der Weltanschauungen

Vortrag von Prof. Dr. Thomas M. Schmidt am 9. November 2016 in der Reihe Goethe Lectures Offenbach

Religion wurde lange als ethischer Klebstoff betrachtet, der eine Gesellschaft zusammenhält, die immer stärker unter den ökonomischen Druck von Konkurrenz und Vereinzelung gerät. Religion wurde als eine Quelle gesellschaftlicher Solidarität betrachtet. Die Prognose der Säkularisierung, die Rede vom Verschwinden der Religion, hat deshalb bisweilen selbst nicht-religiösen Menschen Sorge bereitet. In den letzten Jahren wird Religion mehr und mehr als Störfaktor, als Quelle sozialen Unfriedens wahrgenommen. Viele Konflikte, die andere Ursachen besitzen, werden der Religion als Auslöser zugeschrieben. Die Rede von der „Rückkehr der Religion“ beunruhigt daher viele, die befürchten, dass die mit der Säkularisierung errungenen Rechte und Freiheiten zunehmend bedroht werden.

Was bedeutet es also, wenn im Anschluss an Jürgen Habermas häufig der Ausdruck „postsäkulare Gesellschaft“ verwendet wird? Erlebt Religion wirklich eine Stärkung als gesellschaftliche Kraft oder hat sich nur ihre öffentliche Wahrnehmung und Sichtbarkeit verändert? Der Ausdruck „postsäkular“ besagt auch, dass sich eine Religion, die sich unter säkularen Bedingungen behauptet, an diese Bedingungen erfolgreich angepasst hat. Dazu gehört auch die Einsicht, dass eine bestimmte religiöse Tradition ein Angebot neben anderen auf dem Markt der Weltanschauungen darstellt. Dies ist die Einsicht, „Glaube als Option“ (Hans Joas), als eine legitime Möglichkeit neben anderen zu verstehen.

 

Veranstalter:
Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ in Kooperation mit der Stadt Offenbach, Amt für Wirtschaftsförderung und dem Klingspor Museum

Aktuelles aus dem Forschungszentrum

Veranstaltung
24.09.2026 | Frankfurt am Main

Die neuen Warlords. Gewaltdynamiken einhegen / Friedensgutachten 2026

Buchvorstellung

Die imperialistische Großmachtpolitik ändert die Vorzeichen von Krieg, Frieden und Sicherheit. Staaten agieren zunehmend wie Warlords und setzen Krieg als Mittel der Politik ein. Übergänge von Gewaltkonflikten zu Frieden werden als „Deals“ behandelt, Mittelmächte wie die Golfstaaten treten mit neuem Selbstbewusstsein, aber ambivalentem Kurs auf, und technologische Innovation verändert Kriege und erschwert die Regulierung. Zugleich befindet sich die internationale Kooperation in der Friedenssicherung – etwa in der Entwicklungszusammenarbeit oder in den Vereinten Nationen – in ihrer schwersten Krise. Innenpolitisch nehmen auch in Deutschland rassistische Einstellungen zu. Das Friedensgutachten 2026 analysiert Optionen, dennoch Frieden zu fördern.

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Dr. Jonas Heller, assoziiertes Mitglied von Normative Orders, erforscht, wie sich geschichtlicher Wandel als Überwindung geschichtlicher Blockaden verstehen lässt. Hierfür wurde er nun mit einem Preis der Hans-Böckler-Stiftung ausgezeichnet.

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Erleben wir gegenwärtig den Übergang von einer regelbasierten internationalen Ordnung zu einer Machtordnung? Dieser weitverbreiteten Diagnose widerspricht Hendrik Simon in seinem neuen Buch „Das Recht der Gewalt. Warum Waffen allein keinen Frieden schaffen“, das am 15. Juli im Reclam-Verlag erschienen ist.

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Publikation
15.07.2026 | Monographie

Das Recht der Gewalt. Warum Waffen allein keinen Frieden schaffen

Simon, Hendrik (2026): Das Recht der Gewalt. Warum Waffen allein keinen Frieden schaffen. Ditzingen: Reclam.

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Publikation
10.07.2026 | Sammelband

Schnittstellen im Gesundheitsrecht

Kießling, Andrea (Hrsg.) (2026): „Schnittstellen im Gesundheitsrecht“. Nomos.

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