Der Zorn der Moralisten und die Theorie des Ressentiments. Gegenwartsdiagnose mit/gegen Nietzsche
Vortrag von Prof. Dr. Albrecht Koschorke (Universität Konstanz) am 20.01.2020
Ist der Begriff des Ressentiments geeignet, um kulturelle Spaltungstendenzen in heutigen Gesellschaften zu beschreiben? Als Fremdbeschreibungskategorie, der eine asymmetrische Relation zwischen Beobachtern und Beobachteten herstellt, enthält der Begriff in sozialpsychologischer Verkleidung normative Implikationen. Insofern Ressentiments die Kohäsion der sie kultivierenden Gruppen befördern, steht damit überdies die Frage nach dem Verhältnis zwischen ‚gutem‘ und ‚schlechtem‘ gesellschaftlichem Zusammenhalt im Raum. – Der Vortrag untersucht Reichweite und Grenzen des Ressentiment-Begriffs in einem Durchgang durch einige seiner philosophisch-anthropologischen Konzeptualisierungen. Ein besonderes Augenmerk gilt dabei der Frage nach der spirituellen Dimension sozialmoralischer Protestbewegungen.
Albrecht Koschorke ist Professor für Neuere Deutsche Literatur und Allgemeine Literaturwissenschaft mit Schwerpunkt frühe Neuzeit bis Mitte 18. Jahrhundert. 2003 erhielt er für seine als außergewöhnlich innovativ gelobte Forschung, in der er eine Vielzahl theoretischer und methodischer Ansätze einsetzt, den Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Seit 2013 ist er Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und 2014 wurde er zum ordentlichen Mitglied der Academia Europaea gewählt. Für sein Buch „Hegel und wir“ (Suhrkamp 2015), das aus den Adorno-Vorlesungen in Frankfurt hervorgegangen ist, erhielt er 2016 den Philosophischen Buchpreis.
Albrecht Koschorke ist als Ko-Sprecher des Teilinstituts Konstanz zusammen mit der Goethe-Universität Frankfurt und weiteren neun Standorten an der Gründung des bundesweiten Forschungsinstituts Gesellschaftlicher Zusammenhalt beteiligt.
Veranstalter:
Forschungsverbund „Normative Ordnungen“ der Goethe-Universität Frankfurt am Main in Kooperation mit dem Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt in Gründung
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