Vom Gegenstand her denken: Interdisziplinarität als Praxis und als Ideologie
Der Text argumentiert, dass Interdisziplinarität in den Geistes- und Sozialwissenschaften ursprünglich keine methodische Strategie, sondern eine selbstverständliche Praxis war, die sich aus der Komplexität des jeweiligen Forschungsgegenstands ergab. Anhand von Hegel, W. E. B. Du Bois und Hannah Arendt wird gezeigt, dass diese Denker verschiedene disziplinäre Perspektiven selbstverständlich miteinander verbanden. Die zunehmende Spezialisierung und Abschottung der Disziplinen im 20. Jahrhundert führte hingegen zu einer Verengung wissenschaftlicher Perspektiven. Die heute häufig geforderte Interdisziplinarität bleibt deshalb oft auf organisatorische Kooperationen beschränkt und verkommt zur Ideologie, da eine gemeinsame theoretische Grundlage fehlt. Der Text plädiert dafür, Interdisziplinarität wieder vom Gegenstand her zu denken und bereits in der wissenschaftlichen Ausbildung eine Offenheit für unterschiedliche Perspektiven zu fördern.