01.06.2025
Zeitschriftenartikel

Strafen als Arbeit am Mythos

Abstract

Unter den vielfältigen Wirkungen des Erdbebens von Lissabon im Jahre 1755 jenseits der unzähligen Todesopfer und Zerstörungen befindet sich nicht zuletzt auch die damals in ganz Europa heftig diskutierte Frage nach der Rechtfertigung Gottes angesichts der Übel in der Welt, das Problem der Theodizee. Wie konnte es sein, dass ein gerechter, allmächtiger und allgütiger Gott den Tod so vieler Menschen zuließ, zumal dann, wenn sie gläubige Christen oder sogar noch ohne Sünde waren wie die vielen kleinen Kinder? Solche Fragen insinuieren einen normativen Zusammenhang zwischen dem Erdbebentod eines Menschen und seinem religiösen oder moralischen Lebenswandel. Eine Naturkatastrophe wie ein Erdbeben hat nach dieser Auffassung etwas zu tun mit der moralisch-religiösen Güte oder Verwerflichkeit der Handlungen der Betroffenen. Der Erdbebentod, so lautet die Hypothese, könnte die göttliche Strafe für ein verschuldetes religiös-moralisches Unrecht sein. Erst wenn man diese Hypothese zugrunde legt, wird ein Erdbeben, das überwiegend mehr oder weniger Unschuldige trifft, zum Skandal, zur extremen Herausforderung für eine Theodizee. In der Gegenrichtung bedeutet dies, dass ein verschuldetes Unrecht, mag es durch ein irdisches Gericht gesühnt werden oder nicht, notwendigerweise ein natürliches Übel heraufbeschwört, das den Täter als eine Strafe treffen wird, sei es im Himmel oder auf Erden. 

Aktuelles aus dem Forschungszentrum

Veranstaltung
25./26.06.2026 | Frankfurt

DGTF Conference 2026: Shifting Regimes, Changing Orders

Konferenz

Conference as part of WDC 2026 in collaboration with Deutsche Gesellschaft für Designtheorie und -forschung (DGTF), Kunstgewerbemuseum/Design Campus SKD and Design and Democracy

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Veranstaltung
30.06.2026 | Frankfurt am Main

Recht und Angst in Demokratien

Vortrag

Vortrag von Benno Zabel (Universitätslehrer für Strafecht und Rechtsphilosophie der Goethe-Universität Frankfurt a.M., Forschungszentrum Normative Ordnungen der Goethe-Universität Frankfurt a.M.) im Rahmen der partizipativen Redenreihe "DenkArt_ Im Schmelztiegel der Angst"

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Veranstaltung
09./10.07.2026 | Frankfurt am Main

Democracy: Principles and Practice, Resilience and Innovation

Konferenz

Annual Conference of the Research Program "Zeitenwenden. Normative Ordnungen im Umbruch?" with Arthur Ripstein, Astrid Séville, John McCormick, Nadia Urbinati, Claudia Landwehr, Hubertus Buchstein and Peter Niesen.

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News
19.06.2026

Internationales Symposium würdigt Lebenswerk von Jürgen Habermas

Am Freitag, den 19. Juni 2026, würdigte das Forschungszentrum Normative Orders gemeinsam mit dem Suhrkamp-Verlag den verstorbenen Jürgen Habermas mit einem internationalen Symposium an der Goethe-Universität Frankfurt.

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Veranstaltung
01./03.07.2026 | Frankfurt am Main

Sexual Agency

Konferenz

Die dreitägige Konferenz über Sexual Agency befasst sich mit Fragen von sexueller Handlungsfähigkeit, Autonomie, Verantwortung, Macht, Zustimmung, Lust und Verkörperung. Organisiert von Manon Garcia und Milena Bartholain.

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News
26.05.2026

Neuer Sammelband zu Ehren von Ute Sacksofsky

Der Sammelband „Gerechtigkeit als Thema der Rechtswissenschaft“ bündelt die Beiträge des Ehrensymposiums zum 65. Geburtstag von Prof. Dr. Dr. hc. Ute Sacksofsky und beleuchtet aus intergenerationeller Perspektive zentrale Fragen feministischer Rechtswissenschaft zu Geschlecht, Gerechtigkeit, Gleichheit und juristischen Methoden.

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