01.06.2025
Zeitschriftenartikel

Strafen als Arbeit am Mythos

Abstract

Unter den vielfältigen Wirkungen des Erdbebens von Lissabon im Jahre 1755 jenseits der unzähligen Todesopfer und Zerstörungen befindet sich nicht zuletzt auch die damals in ganz Europa heftig diskutierte Frage nach der Rechtfertigung Gottes angesichts der Übel in der Welt, das Problem der Theodizee. Wie konnte es sein, dass ein gerechter, allmächtiger und allgütiger Gott den Tod so vieler Menschen zuließ, zumal dann, wenn sie gläubige Christen oder sogar noch ohne Sünde waren wie die vielen kleinen Kinder? Solche Fragen insinuieren einen normativen Zusammenhang zwischen dem Erdbebentod eines Menschen und seinem religiösen oder moralischen Lebenswandel. Eine Naturkatastrophe wie ein Erdbeben hat nach dieser Auffassung etwas zu tun mit der moralisch-religiösen Güte oder Verwerflichkeit der Handlungen der Betroffenen. Der Erdbebentod, so lautet die Hypothese, könnte die göttliche Strafe für ein verschuldetes religiös-moralisches Unrecht sein. Erst wenn man diese Hypothese zugrunde legt, wird ein Erdbeben, das überwiegend mehr oder weniger Unschuldige trifft, zum Skandal, zur extremen Herausforderung für eine Theodizee. In der Gegenrichtung bedeutet dies, dass ein verschuldetes Unrecht, mag es durch ein irdisches Gericht gesühnt werden oder nicht, notwendigerweise ein natürliches Übel heraufbeschwört, das den Täter als eine Strafe treffen wird, sei es im Himmel oder auf Erden. 

Aktuelles aus dem Forschungszentrum

News
27.10.2026

Erinnerung als Auftrag: Ehemaliger Staatsanwalt Gerhard Wiese berichtet über den Frankfurter Auschwitz-Prozess

Wie konnte es in der Bundesrepublik der 1960er-Jahre gelingen, die Verbrechen von Auschwitz vor Gericht zu verhandeln? Dr. h. c. Gerhard Wiese, der als junger Staatsanwalt zum Anklägerteam des Frankfurter Auschwitz-Prozesses gehörte, berichtete aus eigener Erfahrung über das Verfahren.

weitere Infos ›
Veranstaltung
13.11.2026 | Frankfurt am Main

When Design Gets Political

Ausstellungen, Konferenz, Podiumsdiskussion, Vortrag, Workshop

Der dritte Tag der Design Policy Days an der Goethe-Universität Frankfurt richtet sich an alle, die Design als politische Kraft denken. Gemeinsam mit dem Deutschen Designtag und der World Design Capital 2026 widmet er sich in Roundtables, Projektpräsentationen, Workshops und Ausstellungen der institutionellen Politik: Wie lässt sich Design methodisch, strukturell und normativ in politische Entscheidungsprozesse integrieren – und wie kann Politik selbst als Gestaltungsfeld verstanden werden?

weitere Infos ›
Publikation
21.09.2026 | Working Paper

Dimensionen wehrhafter Demokratie in unsicheren Zeiten

Abich, Leon; Adams, Cosima; Biebricher, Thomas; Britz, Gabriele; Daase, Christopher; Deitelhoff, Nicole; Dönges, Jan; Krause, Leon; Nitzschner, Patrick; Siebert, Hannes; Siefert, Julian; Stephanblome, Isabelle (2026): "Dimensionen wehrhafter Demokratie in unsicheren Zeiten". DemoReg Working Paper 3.1.

weitere Infos ›
Veranstaltung
10.02.2027 | Frankfurt am Main

Shifting Visions of Peace and Security

Podiumsdiskussion, Ringvorlesungen

Podiumsdiskussion im Rahmen der Ringvorlesung “Peace and Security in Post-Liberal Times” mit Lisbeth Zimmermann (Goethe University/Normative Orders), Antonia Witt (PRIF), Siddarth Tripathi (University of Erfurt). Moderation: Jonas Wolff (Goethe University/PRIF/Normative Orders).

weitere Infos ›
Veranstaltung
03.02.2027 | Frankfurt am Main

AI, War, and Big Tech

Ringvorlesungen, Vortrag

Vortrag von Ingvild Bode (University of Southern Denmark)im Rahmen der Ringvorlesung “Peace and Security in Post-Liberal Times”.

weitere Infos ›
Veranstaltung
16.12.2026 | Frankfurt am Main

International arms control in a world of uncertainties

Ringvorlesungen, Vortrag

Vortrag von Malte Göttsche (TU Darmstadt/PRIF) im Rahmen der Ringvorlesung “Peace and Security in Post-Liberal Times”.

weitere Infos ›