Stichwort: Kritik der Vulnerabilität
Dass ›Vulnerabilität‹ zu einem Schlüsselkonzept der Gegenwartsdiagnostik geworden ist,
lässt sich kaum bezweifeln: Je krisenhafter die gesellschaftlichen Verhältnisse, umso größer
das sozialwissenschaftliche und gesellschaftstheoretische Interesse an der Erforschung und
Ergründung von Verwundbarkeit. Die jüngste Konjunktur des ebenso sperrigen wie um-
strittenen Begriffs beginnt Mitte des letzten Jahrzehnts, kritisch begleitet unter anderem
durch den für dieses Stichwort wiederentdeckten und ins Deutsche übertragenen Text von
Alyson Cole zur politischen Ambivalenz der Vulnerabilitätskategorie und der mit ihr operie-
renden Vulnerability Studies. Während im deutschsprachigen Publikationsraum bis heute das
Genre der Zusammenschau disziplinärer und interdisziplinärer Perspektiven und Zugriffe
auf das soziale Phänomen und Problem der Verwundbarkeit dominiert (vgl. Burghardt et al.
2017; Dederich und Zirfas 2022; Keul 2023; Maio 2025), beschäftigte sich die englischsprachi-
ge Literatur praktisch von Beginn des aktuellen wissenschaftlichen Diskurses an mit der
Frage nach der (im weiteren Sinne) politischen Dimension der Mobilisierung von Fremd-
und Selbstdiagnostiken der Vulnerabilität (zum Beispiel Ferrarese 2018b; Oliviero 2018; vgl.
aber zuletzt auch Hartmann und Nungesser 2025). Dieser Spur folgt auch der vorliegende
WestEnd-Schwerpunkt. […]