Mitleid und Krise. Zur Aufnahme von Flüchtlingen in der Bundesrepublik
Ende 1978 flog der niedersächsische CDU-Chef und Minister für Bundesangelegenheiten Wilfried Hasselmann nach Malaysia. Den »Marschbefehl« hatte er vom damaligen Ministerpräsidenten Ernst Albrecht erhalten (vgl. Der Spiegel 1978). Wilfried Hasselmann sollte sich ein Bild von der Lage vor Ort machen und mit den Behörden sprechen. Denn in Malaysia waren zahlreiche vietnamesische Flüchtlinge angekommen und in Lagern untergebracht. Nachdem die Truppen der Vereinigten Staaten aus Vietnam abgezogen waren, kapitulierte Südvietnam im Sommer 1975. Bald darauf entstand die Sozialistische Republik Vietnam. Immer mehr Menschen flohen vor dem kommunistischen Regime (Oltmer 2016: 105). Seit 1978 begaben sich viele Flüchtlinge auf das Südchinesische Meer, um nach Malaysia, Singapur, Indonesien oder auf die Philippinen zu gelangen, unzählige Menschen ertranken dabei: »Die Bilder der ›Boatpeople‹ mit ihren primitiven Schiffen, die für keine weiten Strecken und Stürme auf hoher See ausgestattet waren, gingen um die Welt.« (Ther 2017: 256) In den folgenden Jahren sollten vietnamesische Flüchtlinge per Flugzeug und auf Schiffen nach Deutschland gelangen. Knapp 40 000 Vietnames_innen kamen in den späten 70er und frühen 80er Jahren als »humanitäre Flüchtlinge« nach Westdeutschland (Beuchling 2003: 51). […]