Helfen und Reziprozität. Freiwilliges Engagement für Geflüchtete im ländlichen Raum
Freiwillige, die sich im ländlichen Raum in der Unterstützung für Geflüchtete engagieren, verfolgen damit häufig kein politisches transformatives Ziel, sondern wollen vor allem helfen. Aber welche Reziprozitätserwartungen verbinden sich mit dem Helfen? In einer gabentheoretischen Perspektive und auf der Basis qualitativer Daten werden hier Dimensionen von Reziprozität aus den Erzählungen der Freiwilligen rekonstruiert. Hierbei zeigt sich, dass direkte Reziprozität zwischen Freiwilligen und Geflüchteten vor allem auf der symbolischen Ebene stattfindet und mit dem Helfen auch das Bestreben verbunden ist, auf die Überzeugungen der Geflüchteten einzuwirken. Insbesondere die Verbindung von als wohltätig verstandenem Helfen mit Versuchen normativer Beeinflussung birgt die Gefahr einer Missachtung von deren Selbstbestimmung. Möglichkeiten die symbolische Ungleichheit zwischen Freiwilligen und Geflüchteten zu reduzieren, liegen in Formen generalisierter Reziprozität.