20.11.2025
Zeitschriftenartikel

Einen Schritt vorwärts, zwei Schritte zurück

Der Postkolonialismus und der Westen

Welche Transformationen in „unserem“ kollektiven Gedächtnis, in „unserem“ Verständnis unseres institutionellen Systems und in „unserem“ moralischen Universalismus sind heute erforderlich, um den kolonialen Verbrechen zu begegnen, die von unseren Vorfahren in der Vergangenheit begangen wurden? Dieser Beitrag geht in drei Schritten vor: Erstens wird gezeigt, dass unsere sozialtheoretische Tradition nicht nur einer postkolonialen Relektüre sämtlicher westlicher Klassiker bedarf, sondern auch der Einbeziehung jener Studien und literarischen Werke, die diese Tradition aus der Perspektive kolonialer Erfahrung heraus kritisch infrage gestellt haben. Zweitens erscheint eine radikale Dezentrierung unserer zentralen politik- und geschichtstheoretischen Begriffe notwendig, um jene institutionellen Bedingungen, die die europäischen Staaten einst in den von ihnen kolonisierten Ländern geschaffen haben, als zu „uns“ gehörig oder sogar als von „uns selbst“ hervorgebracht beschreiben zu können. Drittens bedarf es einer Revision unseres moralischen Universalismus, da dieser eine Form des Anthropozentrismus voraussetzt, die aus der Perspektive der Nachkommen der ehemals kolonisierten Menschen nicht akzeptabel erscheint.

Aktuelles aus dem Forschungszentrum

Veranstaltung
24.09.2026 | Frankfurt am Main

Die neuen Warlords. Gewaltdynamiken einhegen / Friedensgutachten 2026

Buchvorstellung

Die imperialistische Großmachtpolitik ändert die Vorzeichen von Krieg, Frieden und Sicherheit. Staaten agieren zunehmend wie Warlords und setzen Krieg als Mittel der Politik ein. Übergänge von Gewaltkonflikten zu Frieden werden als „Deals“ behandelt, Mittelmächte wie die Golfstaaten treten mit neuem Selbstbewusstsein, aber ambivalentem Kurs auf, und technologische Innovation verändert Kriege und erschwert die Regulierung. Zugleich befindet sich die internationale Kooperation in der Friedenssicherung – etwa in der Entwicklungszusammenarbeit oder in den Vereinten Nationen – in ihrer schwersten Krise. Innenpolitisch nehmen auch in Deutschland rassistische Einstellungen zu. Das Friedensgutachten 2026 analysiert Optionen, dennoch Frieden zu fördern.

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News
23.07.2026

Dr. Jonas Heller mit Maria-Weber-Grant ausgezeichnet

Dr. Jonas Heller, assoziiertes Mitglied von Normative Orders, erforscht, wie sich geschichtlicher Wandel als Überwindung geschichtlicher Blockaden verstehen lässt. Hierfür wurde er nun mit einem Preis der Hans-Böckler-Stiftung ausgezeichnet.

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News
16.07.2026

Was verteidigen wir, wenn wir Demokratie verteidigen?

Die Krise der Demokratie stand im Mittelpunkt der diesjährigen Jahreskonferenz. Angesichts des weltweiten Erstarkens autoritärer und populistischer Bewegungen diskutierten internationale Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aktuelle Gefährdungen demokratischer Ordnungen und die grundlegende normative Frage: Was genau verteidigen wir eigentlich, wenn wir Demokratie verteidigen?

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News
15.07.2026

Von der normativen Kraft des Rechts in Zeitenwenden

Erleben wir gegenwärtig den Übergang von einer regelbasierten internationalen Ordnung zu einer Machtordnung? Dieser weitverbreiteten Diagnose widerspricht Hendrik Simon in seinem neuen Buch „Das Recht der Gewalt. Warum Waffen allein keinen Frieden schaffen“, das am 15. Juli im Reclam-Verlag erschienen ist.

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Publikation
15.07.2026 | Monographie

Das Recht der Gewalt. Warum Waffen allein keinen Frieden schaffen

Simon, Hendrik (2026): Das Recht der Gewalt. Warum Waffen allein keinen Frieden schaffen. Ditzingen: Reclam.

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Publikation
10.07.2026 | Sammelband

Schnittstellen im Gesundheitsrecht

Kießling, Andrea (Hrsg.) (2026): „Schnittstellen im Gesundheitsrecht“. Nomos.

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