Professur des Exzellenzclusters – Praktische Philosophie mit Schwerpunkt Politische Philosophie und Rechtsphilosophie

Prof. Dr. Christoph Menke

Die Forschungstätigkeiten der Professur, die im unmittelbaren Zusammenhang mit dem Forschungsprojekt „Normativität und Subjektivität. 1. Natur – 2. Natur – Geist“  standen, beschäftigten sich vor allem mit der Klärung des Verhältnisses von Geist und (erster, vor allem innerer) Natur im Zusammenhang mit der Dialektik des Formbegriffs. Die Prämisse dabei lautet, dass die generelle Dialektik von Form und Stoff oder Materie Aufschluss darüber geben kann, wie die normativen Ordnungen des Geistes auf vorgeistige, natürliche Ordnungen und Kräftezusammenhänge bezogen sind.

Die Frage nach der Dialektik von Form und Materie ist ein Beitrag zur Klärung des Status normativer Ordnungen, die hier im Verhältnis zum Nicht- und Vornormativen betrachtet werden. Diese Untersuchungen sind interdisziplinär angelegt, weil sie in Auseinandersetzung mit der Rechtstheorie ein Konzept des modernen Rechts (und darin insbesondere der Form subjektiver Rechte) entwickeln.

In der Frage nach der Logik der Form oder der Formierung verknüpfen sich normativtätstheoretische Forschungen der Professur zur Form (der Norm, des Begriffs) mit ästhetiktheoretischen Fragestellungen. Denn v.a. die moderne Kunst ist eine Praxis der Formierung, die die genannte Dialektik von Form und Stoff entfaltet. Von hier aus lassen sich dann auch analoge Formprozesse in anderen Bereichen beobachten. Das ist vor allem für die Rechtsform, genauer: die selbstreflexive Form des modernen Rechts (dem „Recht der Rechte“), untersucht worden. Zudem wurden zahlreiche Promotions- und Habilitationsprojekte betreut, die sich mit Themen der Autonomie, der Subjekttheorie und Rechtstheorie beschäftigten.

Neben den erwähnten Ergebnissen zum kunsttheoretischen Formbegriff (s.o.) hat die Habilitation von Thomas Khurana „Das Leben der Freiheit: Form und Wirklichkeit der Autonomie nach Kant und Hegel“ durch Rekonstruktion eines philosophischen Lebensbegriffs, der von Kant erschlossen und von Hegel systematisch ausgeführt worden ist, ein vertieftes Verständnis praktischer Autonomie gewonnen. Dirk Quadfliegs Habilitation „Vom Geist der Sache. Zur Kritik der Verdinglichung“ hat im Ausgang von Hegel und in Auseinandersetzung mit ethnologischen Theorien gezeigt, wie sich von daher begreifen läßt, dass zu normativen, geistigen Ordnungen wesentlich das Moment ihrer Dinglichkeit und Äußerlichkeit gehört. In den Dissertationen von Judith Mohrmann und Felix Trautmann wurde untersucht, welche Konsequenzen die Dialektik von Norm und Natur, Geist und Leben für die Verfassung politischer Ordnungen hat.

Die wichtigsten Publikationen dieser Professur des Exzellenzclusters:

Menke, Christoph: Die Kraft der Kunst, Berlin: Suhrkamp Verlag, 2013. (Span. Übers.: Santiago de Chile: Metales Pesados, 2017.)

Khurana, Thomas: Das Leben der Freiheit. Form und Wirklichkeit der Autonomie,Berlin: Suhrkamp, 2017.

Mohrmann, Judith: Affekt und Revolution. Politisches Handeln nach Arendt und Kant, Frankfurt a.M.: Campus Verlag, 2015.

Quadflieg, Dirk: Vom Geist der Sache. Zur Kritik der Verdinglichung, Frankfurt a.M./New York: Campus Verlag, 2017 (i.E.)

Sheplyakova, Tatjana: „Das Recht der Klage aus demokratietheoretischer Perspektive“, in: Deutsche Zeitschrift für Philosophie, 64 (2016) 1, pp. 45–67.

Trautmann, Felix: Das Imaginäre der Demokratie. Politische Befreiung und das Rätsel der freiwilligen Knechtschaft, Paderborn: Konstanz University Press, 2017 (i.E.).

Die wichtigsten Veranstaltungen dieser Professur des Exzellenzclusters:

„The Force of Aesthetics: Power, Imagination, Affects: An International Conference”, New School for Social Research, New York, USA, April 28-29, 2014.

“Other Natures. Norm and Nature II.“, Workshop, Université de Montréal, Département de Philosophie, April 30-May 1, 2014.

„Die Rezeptivität des Urteilens. Norm und Natur III.“ Workshop, Goethe-Universität Frankfurt, May 23-25, 2014.

„Prozeduralisierung des Rechts.“ International Workshop, Goethe-Universität Frankfurt, organized by Tatjana Sheplyakova in the context of her project funded by the DFG, additionally funded by the Goethe University and in cooperation with the Cluster of Excellence “The Formation of Normative Orders”, May 3, 2015.

„Die Kunst der Zweiten Natur.“ Workshop, Goethe University. July 1-2, 2016.

Aktuelles aus dem Forschungszentrum

News
12.02.2026

Satanistische Politik und der Niedergang der Vernunft in liberalen Demokratien

Ein letztes Mal im Wintersemester 2025/26 lud das Forschungszentrum zur Ringvorlesung „Am Scheidepunkt. Zur Krise der Demokratie“. Zum Abschluss hat der Philosoph Michael Rosen von der Harvard University sein Konzept der „satanic politics“ als eine Variante der politischen Deutung der Welt vorgestellt.

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News
09.02.2026

Zur Aktualität des Gewaltbegriffs anhand von Camus und Derrida

Prof. Dr. Christine Abbt von der Universität St. Gallen hat im Rahmen der Ringvorlesung „Am Scheidepunkt? Zur Krise der Demokratie“ einen Vortrag über Demokratien und den Gewaltbegriff gehalten. Unter dem Titel „Demokratien verteidigen. Zur Aktualität des Gewaltbegriffs bei Camus und Derrida“ besprach die Philosophin Formen von Gewalt und Revolte und ordnete diese im Hinblick auf ein demokratisches Setting ein.

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Publikation
04.02.2026 | Zeitschriftenartikel

New Perspectives on Trust in International Conflicts

Wille, Tobias; Simon, Hendrik; Daase, Christopher; Deitelhoff, Nicole; Wheeler, Nicholas J.; Holmes, Marcus; Rathbun, Brian C.; Acharya, Amitav; Mitzen, Jennifer (2026): „New Perspectives on Trust in International Conflicts“. In: International Studies Review 28 (1), viaf027. 

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News
02.02.2026

Staatlicher Wettbewerb um Menschen – David Owen über civil geopolitics

Im Rahmen der Ringvorlesung „Am Scheidepunkt – Zur Zukunft der Demokratie“ präsentierte David Owen von der Universität Southampton sein Konzept der civil geopolitics.

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News
20.01.2026

Christine Hentschel über Neuorientierungen in katastrophischen Zeiten

Im Rahmen der Ringvorlesung „Am Scheidepunkt? Zur Krise der Demokratie“ sprach die Soziologin über das Leben in und den Umgang mit katastrophischen Zeiten. Vor dem Hintergrund der Zerstörung der Lebensbedingungen, Kriegen, dauerhafter Krisenhaftigkeit sowie der Bedrohungen der Demokratie widmete sich Hentschel dem Einsickern des Katastrophischen in den gesellschaftlichen Alltag und einem sich verändernden aktivistischen und literarischen Umgang mit der Zukunft.

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News
05.01.2026

Wir trauern um Thomas M. Schmidt

Mit Thomas M. Schmidt, der am letzten Tag des Jahres 2025 verstorben ist, in dem wir erst wenige Monate zuvor seinen 65. Geburtstag mit einem Symposium begingen, verlieren wir einen der großen Religionsphilosophen unserer Zeit. Sein jäher Tod reißt eine Lücke in die Gemeinschaft der Forschenden, die wie er zu verstehen suchen, was die Rolle der Religion in den säkularen Gesellschaften unserer Zeit ist und sein kann. Zugleich wird er als der wunderbare Mensch fehlen, der er war.

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Publikation
19.12.2025 | Sammelband

Faszination und Freiheit 

Günther, Klaus; Zabel, Benno (Hrsg.) (2025): Faszination und Freiheit - Gegenwartsdiagnosen im Anschluss an Christoph Menkes Theorie der Befreiung, Weilerswist (Velbrück Wissenschaft).

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Publikation
12.12.2025 | Sammelband

Zwischen Transformation und Abolitionismus. Das Strafrecht und die Vielfalt der Alternativen

Tobias Singelnstein, Christoph Burchard (2025)

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Publikation
12.12.2025 | Buchkapitel

Was bleibt von der Verantwortung jenseits der Strafe übrig?

Günther, Klaus (2025): „Was bleibt von der Verantwortung jenseits der Strafe übrig?“. In: Zabel Benno; Singelnstein; Tobias und Burchard, Christoph (Hrsg.): Zwischen Transformation und Abolitionismus. Das Strafrecht und die Vielfalt der Alternativen. Velbrück Wissenschaft, S. 207-241.

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