Professur des Exzellenzclusters – Internationale Beziehungen und Theorien globaler Ordnung

Prof. Dr. Nicole Deitelhoff

Die Clusterprofessur „Internationale Beziehungen und Theorien globaler Ordnungen” analysiert Formen und Praktiken von Widerstand innerhalb normativer Ordnungen und untersucht, wie Ordnungen auf diese reagieren und mit ihnen zusammenhängen. Die Forschungsprojekte an der Professur fokussieren darauf, wie sich Herrschaft in normativen Ordnungen konstituiert und wandelt und welche Rolle Widerstand dabei spielt. Konkrete Projektschwerpunkte liegen auf Formen der Sicherheitsprivatisierung als spezifische Herrschaftsstrategie und zugleich Herausforderung für Herrschaftsordnungen, (2) auf Konflikten über internationalen Normen und Institutionen und (3) Radikalisierungsprozessen in ihrem Zusammenhang mit Herrschaftsausübung.

(1) Die Privatisierung von Sicherheitsgewährleistung hat über die letzten Jahrzehnte stetig zugenommen, so dass inzwischen von einer vielfaltigen Sicherheitsgovernance gesprochen wird, die zunehmend in Co-Produktion privater und hoheitlicher Akteure vonstattengeht. Daraus haben sich grundsätzliche Legitimations- und Legitimitätsprobleme ergeben, die die Forschungsprojekte an der Professur thematisiert haben. Im Vergleich der Sicherheitsprivatisierung zwischen Deutschland und den USA einerseits, schwachen und starken Staaten andererseits ließ sich zeigen, dass starke Staaten  bzw. ihre Regierungen Sicherheitsprivatisierung vor allem als eine Herrschaftstechnik anwenden, um mehr Autonomie gegenüber Parlamenten und Öffentlichkeiten zu gewinnen, während schwache Staaten oftmals kaum andere Optionen haben als zu privatisieren. Entsprechend sind die Konsequenzen sowohl mit Blick auf die Legitimität  als auch Effektivität von Sicherheitspolitik in schwachen Staaten weit negativer als in starken Staaten. Aus diesem Forschungsschwerpunkt sind sowohl eine Expertise für das Forschungsforum „Öffentliche Sicherheit” des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) hervorgegangen als auch zahlreiche Publikationen.
(2) Konflikte über internationale Normen und Institutionen werden seit Jahren kontrovers diskutiert unter der Frage, wann solche Konflikte bzw. konkret Kontestation zu einer Schwächung von Normen führen und wann sie sie gegebenenfalls sogar stärken können. In diesem Forschungsschwerpunkt wurden über empirische Fallstudien zu stark umstrittenen Normen (darunter etwa das Folterverbot, das Verbot kommerziellen Walfangs, die Internationale Schutzverantwortung oder die Kaperschifffahrt) die Hypothese geprüft, dass der Effekt auf die Robustheit von Normen von der Art der Kontestation abhängt. Dabei konnten wir zeigen, dass Anwendungskontestation kaum negative Effekte auf die Robustheit von Normen hat, während Begründungskontestation mit hoher Wahrscheinlichkeit schwächende Effekte zeitigt. Momentan liegt ein internationales special issue im Begutachtungsverfahren bei einem führenden IB-Journal. Weitere Publikationen sind bereits erschienen. Zusätzlich ist aus dem Forschungszusammenhang der Impetus für die Gründung einer Themengruppe „Normenforschung” in der Deutschen Vereinigung für Politikwissenschaft (DVPW) entstanden, die im März 2017 mit einem ersten Workshop im Exzellenzcluster die Arbeit aufgenommen hat.

(3) Der übergreifende Fokus der Professur liegt vor allem auf der Analyse des Zusammenspiels von Widerstand und Herrschaft. In den vergangenen Jahren wurde in Zusammenarbeit mit der Clusterprofessur „Internationale Organisationen” eine Forschungsgruppe „Internationale Dissidenz” aufgebaut, die fünf Drittmittelprojekte, die zu diesem Zusammenhang forschen, ebenso zusammenbringt, wie eine ganze Reihe von Promovierenden und PostDocs, die einen ähnlichen Forschungsfokus teilen. Die Forschungsgruppe hat eine kontinuierliche Vortragsreihe etabliert (Protest – Widerstand  – Aufstand. Streit um politische Ordnung), mehrere nationale und internationale Konferenzen und Workshops organisiert, die inzwischen auch mehrere Publikationen hervorgebracht haben und noch bringen werden. Ebenso sind in diesem Zusammenhang auch neue Drittmittelinitiativen entstanden.

Die wichtigsten Publikationen dieser Professur des Exzellenzclusters:

Deitelhoff, Nicole: „Billiges Gerede und leeres Geschwätz? Was ist eigentlich geblieben von der ZIB-Debatte?“ in: Zeitschrift für Internationale Beziehungen 24: 1, 2017, forthcoming

Deitelhoff, Nicole/ Priska Daphi/Dieter Rucht/ Simon Teune (eds.): „Protest und Bewegungen im Wandel?“, Sonderheft: Leviathan, Baden-Baden: Nomos, 2017, forthcoming.

*Deitelhoff, Nicole/Christopher Daase/Ben Kamis/ Jannik Pfister/Philip Wallmeier (eds.): Herrschaft in den Internationalen Beziehungen, Wiesbaden: Springer, 2017.

*Deitelhoff, Nicole & Christopher Daase: “Jenseits der Anarchie: Widerstand und Herrschaft im internationalen System“,in: Politische Vierteljahresschrift 56: 2,2015, 299-318.

*Deitelhoff, Nicole & Michael Zürn, “Internationalization and the State. Sovereignty as the External Side of Modern Statehood”, in: S. Leibfried/E. Huber/M. Lange/ J.D. Levy/J.D. Stephens (eds.): The Oxford Handbook of Transformations of the State, Oxford: Oxford University Press, 2015.

Deitelhoff, Nicole & Christopher Daase: Privatisierung der Sicherheit. Eine sozialwissenschaftliche Studie, Schriftenreihe Sicherheit Nr. 11, Berlin: Freie Universität Berlin, 2013-09.

Die wichtigsten Veranstaltungen dieser Professur des Exzellenzclusters:

„Begriff und Phänomen der Norm“: Workshop of the newly founded working  group (Themengruppe) „IB-Normenforschung“  of the German Political Science Association (GPSA) at the Cluster of Excellence, „The Formation of Normative Orders“, March 29-30, 2017.

International Conference: „International Dissidence. Rule and Resistance in a globalized world“,  Goethe-University Frankfurt, March  2-4, 2017.

Lecture Series: „Protest – Widerstand – Aufstand. Streit um politische Ordnungen“, November 2015 – July 2017, (co-organized with Christopher Daase)

Three panels organized by the Research Group “Internationale Dissidenz” at the  4th Global International Studies Conference of the World International Studies Committee (WISC),  August 6– 9, 2014, Frankfurt/M.

“IPA (International Public Authority) Meets Dissidenz“, interdisciplinary workshop with Armin von Bogdandy, Goethe University, Building „Normative Orders, April 4, 2014.

Aktuelles aus dem Forschungszentrum

Veranstaltung
02.06.2026 | Brüssel

Zusammenhalt, Vertrauen und Demokratie in Europa

Podiumsdiskussion, Vortrag

Vertrauen, Zusammenhalt, Demokratie – drei große Begriff, die in Europa derzeit allgegenwärtig sind. Doch wie belastbar sind sie eigentlich und was beschreiben sie? Was genau meinen wir eigentlich, wenn wir von politischem Vertrauen und gesellschaftlichem Zusammenhalt sprechen? Und braucht es – wie häufig behauptet – ein gewisses Maß an sozialer oder kultureller Homogenität, damit Vertrauen wachsen und Zusammenhalt entstehen kann? Diesen Fragen widmen wir uns in der aktuellen Ausgabe der Crisis Talks – auf dem Podium und im Gespräch mit unseren Gästen.

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Veranstaltung
22.06.2026 | Frankfurt am Main

Rechtsextremismus und Polizei - Erscheinungsformen, Umgangsweisen, Perspektiven

Podiumsdiskussion

Die Diskussion knüpft an den Sammelband „Rechtsextremismus als Herausforderung für Polizei und Gesellschaft“ an, der aktuelle Perspektiven aus Wissenschaft, Praxis und Zivilgesellschaft zusammenführt.

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News
18.05.2026

Videopodcast-Reihe „Our Planet, Our Health“ gestartet

Mit „Our Planet, Our Health“ startet eine neue Videopodcast-Reihe zu Fragen globaler Gesundheitsgerechtigkeit. Die Reihe, gehostet von Dr. Romina Rekers, ist eine Initiative des Global Health Justice Postdoctoral Programme (GHJ), gefördert von der Höppschen Stiftung.

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Publikation
12.05.2026 | Onlineartikel

Disinhibited Informalization: Talk Radio, Bro Podcasts and the Aesthetics of Populism

This essay by Johannes Völz is a revised and updated translation of “Enthemmte Informalisierung: Talk Radio, Bro-Podcasts und die Ästhetik des Populismus,” WestEnd: Neue Zeitschrift für Sozialforschung 22.2 (2025): 3–24. It is published here as part of the b2o Review’s “Stop the Right” dossier.

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Veranstaltung
27.05.2026 | Frankfurt

Von der Selbstermächtigung zum sozialen Widerstand

Vortrag

Vortrag von Prof. Dr. Axel Honneth (Frankfurt am Main / New York Columbia University) mit anschließender Diskussion im Rahmen des Rechtstheoretischen Mittwochsseminars von Klaus Günther, Dan Wielsch und Benno Zabel.

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News
11.05.2026

Gertrud Koch spricht über Kulturindustrie heute

Im Rahmen der Gesprächsreihe Frankfurter Schule hat die Professorin für Filmwissenschaft gemeinsam mit dem Journalisten und Filmkritiker Bert Rebhandl über die Aktualität des Begriffs Kulturindustrie und sein Verständnis im Kontext digitaler und globaler Medien gesprochen.

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Veranstaltung
25./26.06.2026 | Frankfurt

Shifting Regimes, Changing Orders

Konferenz

Conference as part of WDC2026 in collaboration with Deutsche Gesellschaft für Designtheorie und -forschung (DGTF), Kunstgewerbemuseum/Design Campus SKD and Design and Democracy

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Veranstaltung
28./29.05.2026 | Frankfurt am Main

Global Health Justice: Principles and Practice

Konferenz

Following the research focus of the Global Health Justice Postdoctoral Programme, funded by Höppsche Stiftung, the "Global Health Justice: Principles and Practice" conference places a particular emphasis on themes such as the human right to health, political activism and health justice issues, and problems of structural injustice and vulnerable populations in health care. Keynote lectures by Jonathan Wolff and Kanchana Mahadevan. The Global Health Justice Programme and this conference are supported by the Höppsche Stiftung in Villmar.

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Veranstaltung
14.07.2026 | Frankfurt am Main

Democracy Over Time and the Climate Crisis

Ringvorlesungen

Vortrag von Anja Karnein (Binghamton). Die Vortragsreihe untersucht Fragen der Klimakrise als Herausforderungen für demokratische Gesellschaften und konzentriert sich auf Themen wie politische Legitimität, Widerstand gegen fossile Brennstoffe und die Interessen künftiger Generationen. Sie wird organisiert von Prof. Dr. Darrel Moellendorf und Dr. Lukas Sparenborg.

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