Nationale Bildgedächtnisse Europas

Projektleiter: Prof. Dr. Bernhard Jussen

Das Projekt hat die Bedingungen geschaffen, um Formierung, Stabilisierung und Transformation kollektiver politischer Bildgedächtnisse im Europa der Moderne zu untersuchen. Zu diesem, für das Verständnis der aktuellen politischen Kulturen sehr wichtigen Feld, gibt es derzeit praktisch keine Diskussion. Das Projekt geht von der Annahme aus, dass kollektive politische Bildgedächtnisse in der Moderne (19. Jh. bis heute) weitgehend im nationalstaatlichen Rahmen formiert werden und dass die wesentlichen Instanzen der Kanonisierung kollektiven Bildwissens nach wie vor national sind. Dies betrifft die wesentlichen Institutionen der Vermittlung (Schule, Museen, Universitäten, TV) ebenso wie die wesentlichen Produktions- wie Konsumkulturen der Kanonisierung von Bildwissen (Bildagenturen, Buchmarkt, Verlagswesen und -archive, Werbemarkt usw.).

Das Projekt ging von einer kaum zu übersehenden Beobachtung aus: Bilder/Illustrationen mit historischen Themen werden zwar im gesamten Betrieb der Produktion historischen Wissens intensiv eingesetzt, dieser Bildgebrauch wird aber – anders als der Textgebrauch – kaum erkenntnistheoretisch und methodisch ‚überwacht‘. Die Bebilderung von Schulbüchern für den Geschichtsunterricht, von Lehr- und Handbüchern für die Universität wie von populären Geschichtsbüchern ist kaum von Autoren, stattdessen von ökonomischen, rechtlichen oder infrastrukturellen Aspekten (Copyright, Verlagsarchive, Bildagenturen usw.) gesteuert. 

Um diese Art der Wissenskanonisierung und -stabilisierung zu untersuchen, hat das Projekt große Sammlungen angelegt, für Deutschland erschöpfend (Handbücher, Reklamebilder, partiell auch Schulbücher) für andere Länder in ausreichender exemplarischer Auswahl. Deren bebilderte Seiten werden, sobald sie annotiert sind, webbasiert zugänglich gemacht.

Als wesentliches wissenschaftspolitisches Problem hat sich herausgestellt, dass die Erforschung der Kanonisierung von Bildwissen zumeist reflexhaft mit dem Stichwort „Erinnerungsorte“ oder „-kultur“ verbunden ist, also mit einem Forschungsfeld, das inzwischen einen schweren Stand hat. Die Geschichtswissenschaft hat die internationale Entwicklung der Memory Studies nicht mitgemacht, so zunächst einmal ein wissenschaftlicher Kontext für diese Forschung vermittelt werden muss. Weitgehend übersehen ist bislang auch, dass der akademische Umgang mit Bildern („Was erzählt ein Historiker durch seinen Text, was durch seine Bebilderung?“) Teil der Theorie historischer Erkenntnis ist und als solcher ein fester Bestandteil im Nachdenken der Historiker sein sollte – aber lange nicht ist.

Zu den wichtigsten Publikationen im Forschungsprojekt zählen: 
Bernhard Jussen (2011): „Roland“, in: Johannes Fried und Olaf Rader (Hg.), Die Welt des Mittelalters. Erinnerungsorte eines Jahrtausends, München, 396-408
Bernhard Jussen (2009): „Liebig’s Sammelbilder. Weltwissen und Geschichtsvorstellung im Reklamesammelbild“, in: Gerhard Paul (Hg.), Bilderatlas des 20. Jahrhunderts, Göttingen, 132-139
Jussen, Bernhard (2009) (Hg.) Atlas des Historischen Bildwissens 1: Liebig’s Sammelbilder. Vollständige Edition aller 1138 Serien, (3. Auflage) Berlin: Digitale Bibliothek
Jussen, Bernhard (2009) (Hg.), Atlas des Historischen Bildwissens 2: Reklamesammelbilder. Bilder der Jahre 1870 bis 1970 mit historischen Themen, Berlin: Digitale Bibliothek

Zu den Veranstaltungen des Projekts zählen der Workshop „Massen von Bildern. Visuelle Kultur in populären Medien“, Veranstaltung des Forschungsprojekts „Nationale Bildgedächtnisse Europas“, FF2, Frankfurt am Main, Goethe Universität, 18.-19. Februar 2010 sowie die Tagungen „Normative Ordnungen in der Spannung zwischen Partikularität und Universalität“, Veranstaltung des FF2, Frankfurt am Main, Goethe Universität, 19.-20. Juli 2010 und „Fixiert – Sammlung auf Papier“, Veranstaltung des Forschungsprojekts „Nationale Bildgedächtnisse Europas“, FF2, Oktober 2011, Frankfurt am Main, Goethe Universität.

Aktuelles aus dem Forschungszentrum

Veranstaltung
20.04.2026 | Brüssel

Militärische KI verantwortungsvoll nutzen und Regulierung neu denken

Podiumsdiskussion, Vortrag

Künstliche Intelligenz findet im Militär immer breiteren Einsatz, von Logistik und Training über Missionsplanung und Zielidentifikation bis hin zu autonomen Waffensystemen. Gleichzeitig wächst die Bedeutung von Mikroprozessoren immer stärker, der Zugang zu seltenen Erden und Chips wird zur zentralen Ressource. KI kann das Kampfgeschehen beschleunigen und damit destabilisierend wirken. Der Wettlauf um neue Fähigkeiten birgt jedoch auch Eskalationsrisiken. Wir laden Sie ein, diese Themen im nächsten Crisis Talk gemeinsam mit unseren hochkarätigen Podiumsgästen zu diskutieren.

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Veranstaltung
28./29.05.2026 | Frankfurt am Main

Global Health Justice: Principles and Practice

Konferenz

Following the research focus of the Global Health Justice Postdoctoral Programme, the "Global Health Justice: Principles and Practice" conference places a particular emphasis on themes such as the human right to health, political activism and health justice issues, and problems of structural injustice and vulnerable populations in health care. Keynote lectures by Jonathan Wolff and Kanchana Mahadevan.

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Publikation
26.03.2026 | Monographie

The Cambridge History of Latin American Law in Global Perspective

Duve, Thomas; Herzog, Tamar (eds.): The Cambridge History of Latin American Law in Global Perspective, Cambridge: Cambridge University Press, 2024 (portugiesisch 2025; spanisch 2026).

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Publikation
26.03.2026 | Monographie

Rechtsgeschichte des frühneuzeitlichen Hispanoamerika

Duve, Thomas; Egío, José Luis  (2023): Rechtsgeschichte des frühneuzeitlichen Hispanoamerika, Berlin: De Gruyter, 2023.

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Veranstaltung
18.04.2026 | Frankfurt am Main

Das Prinzip Donald Trump und die Verrohung der Welt

Podiumsdiskussion, Vortrag

Ein neuer Politikstil macht international Karriere. Er ist gekennzeichnet von Vulgarität, Verrohung und erklärter Rechtsfeindschaft. Machtinteressen werden nicht mehr juristisch bemäntelt. Stattdessen wird das angebliche Recht des Stärkeren zur Staatsdoktrin gemacht – innenpolitisch wie außenpolitisch. Treibende Kraft hinter dieser Verrohung der politischen Sitten ist ein US-Präsident, der nicht nur die amerikanische Gesellschaft und Kultur, sondern auch die globale Ordnung nach seinen Vorstellungen und Interessen umgestaltet. Die Römerberggespräche wollen diesen Politikstil verstehen.

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Veranstaltung
14.07.2026 | Frankfurt am Main

Democracy Over Time and the Climate Crisis

Ringvorlesungen

Vortrag von Anja Karnein (Binghamton). Die Vortragsreihe untersucht Fragen der Klimakrise als Herausforderungen für demokratische Gesellschaften und konzentriert sich auf Themen wie politische Legitimität, Widerstand gegen fossile Brennstoffe und die Interessen künftiger Generationen. Sie wird organisiert von Prof. Dr. Darrel Moellendorf und Dr. Lukas Sparenborg.

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Veranstaltung
10.06.2026 | Frankfurt am Main

Capital Investment, Inequality, and State Power in a Time of Climate Emergency

Ringvorlesungen, Vortrag

Vortrag von MartinO'Neill (University of York). Die Vortragsreihe untersucht Fragen der Klimakrise als Herausforderungen für demokratische Gesellschaften und konzentriert sich auf Themen wie politische Legitimität, Widerstand gegen fossile Brennstoffe und die Interessen künftiger Generationen. Sie wird organisiert von Prof. Dr. Darrel Moellendorf und Dr. Lukas Sparenborg.

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Veranstaltung
13.05.2026 | Frankfurt am Main

Failed States and Cloudy Skies: Tipping Points, Overshoot and Permanent Emergency, after America

Ringvorlesungen

Vortrag von Geoff Mann (Simon Fraser University, Canada). Die Vortragsreihe untersucht Fragen der Klimakrise als Herausforderungen für demokratische Gesellschaften und konzentriert sich auf Themen wie politische Legitimität, Widerstand gegen fossile Brennstoffe und die Interessen künftiger Generationen. Sie wird organisiert von Prof. Dr. Darrel Moellendorf und Dr. Lukas Sparenborg.

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Veranstaltung
22.04.2026 | Frankfurt am Main

Political Legitimacy, Authoritarianism, and Climate Change

Ringvorlesungen, Vortrag

Vortrag von Ross Mittiga (SOAS London). Die Ringvorlesung "Der Klimawandel: Von ökologischen zu demokratischen Kipppunkten?" untersucht Fragen der Klimakrise als Herausforderungen für demokratische Gesellschaften und konzentriert sich auf Themen wie politische Legitimität, Widerstand gegen fossile Brennstoffe und die Interessen künftiger Generationen. Sie wird organisiert von Prof. Dr. Darrel Moellendorf und Dr. Lukas Sparenborg.

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