Konstituierung und Formwandel von Außenpolitik (in Kooperation mit den Forschungsfeldern 2 und 4) 

Projektleiter: Prof. Dr. Andreas Fahrmeir , Prof. Dr. Gunther Hellmann  und Dr. Miloš Vec

Das Projekt ging von einem konzeptionellen Problem aus. Die Entwicklung des Verständnisses von „internationaler Politik“ ist eng mit der Etablierung dessen verbunden, was in den Internationalen Beziehungen (IB) gemeinhin als „Westfälisches Staatensystem“ bezeichnet wird. Wenn aber die historische Betrachtung von „Außenpolitik“ auf die Eigenarten des Westfälischen Systems bezogen wird, verkürzt sich die Geschichte der Außenpolitik auf die „frühe“ und „späte“ Neuzeit – also auf die Epoche, in der sich „Staaten“ ohne große Mühe identifizieren lassen, und in der das moderne Vokabular der Beschreibung von Außenpolitik in Gebrauch kommt – eine Perspektive, die sowohl „präsentistisch“ als auch „eurozentrisch“ ist.
Das Projekt ging dagegen von der Hypothese aus, dass sich ein Vokabular für die Beschreibung von Außenpolitik entwickeln lässt, das sich auf die Konstruktion einer bestimmten Form von Grenzziehungen konzentriert, die sich in allen Epochen beobachten lassen und die – unabhängig von dem Vokabular, mit dem sie beschrieben werden – als funktionale Äquivalente von Außenpolitik im modernen Sinn behandelt werden können. Ein solches Vokabular zu entwickeln, war das eine Ziel des in der Kooperation zwischen IB, Geschichte und Rechtsgeschichte betriebenen Projekts, das zu diesem Zweck zwei internationale Konferenzen (in Bologna 2011 und in Frankfurt 2012) organisierte.

Parallel dazu wurden in drei Projekten zum 18., 19. und 20. Jahrhundert Kontinuitäten und Zäsuren zwischen unterschiedlichen Formen der Konzeptionalisierung und Gestaltung von „Außenpolitik“ genauer bestimmt, die sich auf multiple Grenzziehungen zwischen „innen“ und „außen“ konzentrierten: auf das „alte“ Reich, auf das „europäische Konzert“ und auf das Mandatssystem nach dem Ersten Weltkrieg.

Die Ergebnisse wurden in einem von den PIs herausgegebener Konferenzband veröffentlicht (Hellmann, Gunther/Fahrmeir, Andreas/Vec, Miloš (2016): The Transformation of Foreign Policy, Oxford University Press) und sind in einen weiteren Sammelband eingegangen (Hellmann, Gunther; Jacobi, Daniel; Stark Urrestarazu, Ursula (Hg.) (2015): „Früher, entschiedener und substantieller“? Die neue Debatte über Deutschlands Außenpolitik, Wiesbaden: Springer-VS).

Zu den wichtigsten Publikationen im Forschungsprojekt zählen außerdem: 
Hellmann, Gunther (2017): „Linking Foreign Policy and Systemic Transformation in Global Politics: Methodized Inquiry in a Deweyan Tradition“, in: Foreign Policy Analysis, Vol. 13, Issue 3. 
Hellmann, Gunther/Stark Urrestarazu, Ursula (2013): „Theories of Foreign Policy”, in: David Armstrong (Hg.), Oxford Bibliographies in International Relations. New York: Oxford University Press. 
Stark Urrestarazu, Ursula (2010): Us and Them. Kultur, Identität und Außenpolitik(Forschungsberichte international Politik, Bd. 41), Münster: LIT-Verlag.
Vec, Miloš (2010): „Intervention/ Nichtintervention. Verrechtlichung der Politik und Politisierung des Völkerrechts im 19. Jahrhundert“, in: Ullrich Lappenküper, Rainer Marcowicz (Hg.): Macht und Recht. Völkerrecht in den internationalen Beziehungen, Paderborn: Schöningh, 135-160.

Im Projekt wurden ein Workshop „The Emergence and Transformation of Foreign Policy“ mit Iver Neumann und Johannes Paulmann, 16. Dezember 2010, Goethe Universität Frankfurt und zwei internationale Konferenzen zu „The Emergence and Transformation of Foreign Policy“ in Bologna, 10.–12. Juni 2011, Johns Hopkins University SAIS Bologna Center und 25.-27. Mai 2012 am Max-Planck-Institut für europäische Rechtsgeschichte, Frankfurt am Main durchgeführt.

Aktuelles aus dem Forschungszentrum

Veranstaltung
20.04.2026 | Brüssel

Militärische KI verantwortungsvoll nutzen und Regulierung neu denken

Podiumsdiskussion, Vortrag

Künstliche Intelligenz findet im Militär immer breiteren Einsatz, von Logistik und Training über Missionsplanung und Zielidentifikation bis hin zu autonomen Waffensystemen. Gleichzeitig wächst die Bedeutung von Mikroprozessoren immer stärker, der Zugang zu seltenen Erden und Chips wird zur zentralen Ressource. KI kann das Kampfgeschehen beschleunigen und damit destabilisierend wirken. Der Wettlauf um neue Fähigkeiten birgt jedoch auch Eskalationsrisiken. Wir laden Sie ein, diese Themen im nächsten Crisis Talk gemeinsam mit unseren hochkarätigen Podiumsgästen zu diskutieren.

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Veranstaltung
28./29.05.2026 | Frankfurt am Main

Global Health Justice: Principles and Practice

Konferenz

Following the research focus of the Global Health Justice Postdoctoral Programme, the "Global Health Justice: Principles and Practice" conference places a particular emphasis on themes such as the human right to health, political activism and health justice issues, and problems of structural injustice and vulnerable populations in health care. Keynote lectures by Jonathan Wolff and Kanchana Mahadevan.

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Publikation
26.03.2026 | Monographie

The Cambridge History of Latin American Law in Global Perspective

Duve, Thomas; Herzog, Tamar (eds.): The Cambridge History of Latin American Law in Global Perspective, Cambridge: Cambridge University Press, 2024 (portugiesisch 2025; spanisch 2026).

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Publikation
26.03.2026 | Monographie

Rechtsgeschichte des frühneuzeitlichen Hispanoamerika

Duve, Thomas; Egío, José Luis  (2023): Rechtsgeschichte des frühneuzeitlichen Hispanoamerika, Berlin: De Gruyter, 2023.

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Veranstaltung
18.04.2026 | Frankfurt am Main

Das Prinzip Donald Trump und die Verrohung der Welt

Podiumsdiskussion, Vortrag

Ein neuer Politikstil macht international Karriere. Er ist gekennzeichnet von Vulgarität, Verrohung und erklärter Rechtsfeindschaft. Machtinteressen werden nicht mehr juristisch bemäntelt. Stattdessen wird das angebliche Recht des Stärkeren zur Staatsdoktrin gemacht – innenpolitisch wie außenpolitisch. Treibende Kraft hinter dieser Verrohung der politischen Sitten ist ein US-Präsident, der nicht nur die amerikanische Gesellschaft und Kultur, sondern auch die globale Ordnung nach seinen Vorstellungen und Interessen umgestaltet. Die Römerberggespräche wollen diesen Politikstil verstehen.

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Veranstaltung
14.07.2026 | Frankfurt am Main

Democracy Over Time and the Climate Crisis

Ringvorlesungen

Vortrag von Anja Karnein (Binghamton). Die Vortragsreihe untersucht Fragen der Klimakrise als Herausforderungen für demokratische Gesellschaften und konzentriert sich auf Themen wie politische Legitimität, Widerstand gegen fossile Brennstoffe und die Interessen künftiger Generationen. Sie wird organisiert von Prof. Dr. Darrel Moellendorf und Dr. Lukas Sparenborg.

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Veranstaltung
10.06.2026 | Frankfurt am Main

Capital Investment, Inequality, and State Power in a Time of Climate Emergency

Ringvorlesungen, Vortrag

Vortrag von MartinO'Neill (University of York). Die Vortragsreihe untersucht Fragen der Klimakrise als Herausforderungen für demokratische Gesellschaften und konzentriert sich auf Themen wie politische Legitimität, Widerstand gegen fossile Brennstoffe und die Interessen künftiger Generationen. Sie wird organisiert von Prof. Dr. Darrel Moellendorf und Dr. Lukas Sparenborg.

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Veranstaltung
13.05.2026 | Frankfurt am Main

Failed States and Cloudy Skies: Tipping Points, Overshoot and Permanent Emergency, after America

Ringvorlesungen

Vortrag von Geoff Mann (Simon Fraser University, Canada). Die Vortragsreihe untersucht Fragen der Klimakrise als Herausforderungen für demokratische Gesellschaften und konzentriert sich auf Themen wie politische Legitimität, Widerstand gegen fossile Brennstoffe und die Interessen künftiger Generationen. Sie wird organisiert von Prof. Dr. Darrel Moellendorf und Dr. Lukas Sparenborg.

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Veranstaltung
22.04.2026 | Frankfurt am Main

Political Legitimacy, Authoritarianism, and Climate Change

Ringvorlesungen, Vortrag

Vortrag von Ross Mittiga (SOAS London). Die Ringvorlesung "Der Klimawandel: Von ökologischen zu demokratischen Kipppunkten?" untersucht Fragen der Klimakrise als Herausforderungen für demokratische Gesellschaften und konzentriert sich auf Themen wie politische Legitimität, Widerstand gegen fossile Brennstoffe und die Interessen künftiger Generationen. Sie wird organisiert von Prof. Dr. Darrel Moellendorf und Dr. Lukas Sparenborg.

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