Gesetz und Gewalt im Kino

Projektleitung: Prof. Dr. Angela Keppler und Prof. Dr. Martin Seel

Die Darstellung von Gewalt war von Anfang an ein Leitmotiv des Kinos. In unterschiedlichen Genres nimmt diese sehr unterschiedliche Funktionen ein. Einen wichtigen Strang aber bildet in den Erzählungen des Kinos seit jeher die Frage nach dem Recht der Gewalt und der Gewalt des Rechts. Viele Spielfilme, die von Akten, Ereignissen und Zuständen offener oder latenter Gewalt erzählen, stellen durch die Art ihrer Erzählung die Frage nach der Legitimität der sozialen Ordnungen, in denen Gewalt entsteht und vergeht. Sie handeln von der Intimität von Gesetz und Gewalt.

Im Ausgang von exemplarischen Filmen verschiedener Genres – vor allem des Westerns, des Film Noir, des Polizei- und des Kriegsfilms – wurde untersucht, wie die Verzahnung von Recht, Gesetz und Gewalt in ihrer künstlerischen Behandlung dramatisiert wird. Die Analyse dieser Genres wurde von der These geleitet, dass das Kino den Zusammenhang zwischen Gesetz und Gewalt in einer mehrfachen Perspektive imaginiert: Es erzählt ebenso von der Genese normativer Ordnungen aus Erfahrungen von Gewalt und Unrecht sowie von den unterschiedlichen Formen der Gewalt, die mit der – einmaligen – Einsetzung und – sich dauerhaft wiederholenden – Durchsetzung dieser Ordnungen verbunden sind.

Am Medium des Films wurde untersucht, wie filmische Fiktionen normative Perspektiven auf soziale und politische Konflikte in unterschiedlichen Kombinationen darstellen, befragen, brechen und selbst entwerfen. Dabei wurde diese ästhetische Reflexionsleistung des Kinos theoretisch fruchtbar gemacht, um einen nicht-illusionären Blick auf normative Ordnungen und ihren dialektischen Zusammenhang mit der Gewalt, die sie oft vergeblich zu bändigen versuchen, zu gewinnen. Leitbegriffe des Clusters – allen voran derjenige des „Rechtfertigungsnarrativs“ – wurden aus einer medientheoretischen Perspektive beleuchtet.

Basis des Projekts waren philosophische und soziologische Analysen zur Dialektik von Gesetz und Gewalt wie sie von Spielfilmen ästhetisch ausagiert wird. Ein zentrales Format der Forschungen waren zudem interdisziplinäre Vorlesungsreihen und Workshops, in denen Vortragende aus verschiedenen Disziplinen die Thematik an ausgewählten Beispielen aus jeweils ihrer Perspektive behandelt haben.
Ein zentrales Ergebnis unserer Untersuchungen lautet, dass die Innenansichten aus dem Leben normativer Ordnungen, wie sie von Spielfilmen präsentiert werden, von einem Oszillieren zwischen Rechtfertigung und Infragestellung, Legitimation und De-Legitimation geprägt sind, das nur selten eindeutig aufgelöst wird.

Die wichtigsten Veranstaltungen in diesem Projekt:

Vorlesungsreihe: Verbrechen und Strafe im Kino (Vorlesungsreihe „Kino“ des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“),  Goethe-Universität und MMK, Frankfurt am Main, Sommersemester 2015.

Vorlesungsreihe: Gesetz und Gewalt im Kino (Vorlesungsreihe „Kino“ des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“), Goethe-Universität und MMK, Frankfurt am Main, Wintersemester 2013/14 und Sommersemester 2014.

Workshop: Rechtfertigungsnarrative. Terror und Krieg im Kino, Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“, Goethe-Universität Frankfurt am Main, 14.–15. April, 2014.

Panel: „Dimensions of Violence and Legitimation in Cinema“, im Rahmen der internationalen Film-Philosophie Konferenz Beyond Film (organisiert von Frederike Popp und Jochen Schuff), Amsterdam, 10.–12. Juli 2013.

Panel: „Kritik auf der Leinwand“, im Rahmen der Nachwuchstagung 2013 des Exzellenzclusters Praktiken der Kritik (organisiert von Frederike Popp und Jochen Schuff), Dezember 2013.

Die wichtigsten Publikationen in diesem Projekt:

Seel, Martin: „Hollywood“ ignorieren. Vom Kino, Frankfurt am Main: Fischer, 2017.

Schuff, Jochen und Seel, Martin (Hg.): Erzählungen und Gegenerzählungen. Terror und Krieg im Kino des 21. Jahrhunderts (Normative Orders Bd. 16), Frankfurt am Main: Campus, 2016.

Keppler, Angela/Popp, Frederike/Seel, Martin (Hg.): Gesetz und Gewalt im Kino(Normative Orders Bd. 14), Frankfurt am Main: Campus, 2015.

Personen in diesem Projekt:

Projektleitung / Ansprechpartner

Keppler, Angela, Prof. Dr.

Seel, Martin, Prof. Dr.

Projektmitarbeiter

Popp, Frederike

Aktuelles aus dem Forschungszentrum

Veranstaltung
10.02.2027 | Frankfurt am Main

Shifting Visions of Peace and Security

Podiumsdiskussion, Ringvorlesungen

Podiumsdiskussion im Rahmen der Ringvorlesung “Peace and Security in Post-Liberal Times” mit Lisbeth Zimmermann (Goethe University/Normative Orders), Antonia Witt (PRIF), Siddarth Tripathi (University of Erfurt). Moderation: Jonas Wolff (Goethe University/PRIF/Normative Orders).

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Veranstaltung
03.02.2027 | Frankfurt am Main

AI, War, and Big Tech

Ringvorlesungen, Vortrag

Vortrag von Ingvild Bode (University of Southern Denmark)im Rahmen der Ringvorlesung “Peace and Security in Post-Liberal Times”.

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16.12.2026 | Frankfurt am Main

International arms control in a world of uncertainties

Ringvorlesungen, Vortrag

Vortrag von Malte Göttsche (TU Darmstadt/PRIF) im Rahmen der Ringvorlesung “Peace and Security in Post-Liberal Times”.

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02.12.2026 | Frankfurt am Main

Enabling Authoritarianism: UN Peacekeeping and the Politics of Authoritarianism

Ringvorlesungen, Vortrag

Vortrag von Sarah von Billerbeck (University of Reading) im Rahmen der Ringvorlesung “Peace and Security in Post-Liberal Times”.

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Veranstaltung
25.11.2026 | Frankfurt

Deterrence in “Post-Liberal Times“

Ringvorlesungen, Vortrag

Vortrag von Maria Mälksoo (Copenhagen University) (Goethe-Universität/PRIF/Normative Orders) im Rahmen der Ringvorlesung “Peace and Security in Post-Liberal Times”.

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Veranstaltung
18.11.2026 | Frankfurt am Main

The Case for (Neo)colonialism: Neotrusteeship in International Relations as the ‘Imperial Mind’ of the ‘Colonial Present’

Ringvorlesungen, Vortrag

Vortrag von Nick Lemay-Hébert (Manchester University) im Rahmen der Ringvorlesung “Peace and Security in Post-Liberal Times”.

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