Die Formierung transnationaler Strafrechtsregime in der Moderne

Projektleitung: Prof. Dr. Thomas Duve

Das Projekt untersucht die Formierung transnationaler Strafrechtsregime im 18. und 19. Jahrhundert, die sich in internationalen Verträgen, nationalem Strafrecht, internationalen Expertendiskursen und unterschiedlichen Staatspraktiken manifestierten. Ein wesentliches Ziel besteht darin, die Interdependenzen zwischen transnationalen und nationalen Normen, tatsächlicher Staatspraxis und internationalen Diskursen, Konferenzen und Organisationen zu analysieren. Von besonderem Interesse ist dabei die Untersuchung politischer Verbrechen, die als grenzübergreifende Sicherheitsbedrohungen wahrgenommen wurden und als Narrativ fungierten, um die Entwicklung transnationaler Strafrechtsregime voranzutreiben.

Das Teilprojekt bereichert den Forschungsbereich um wertvolles empirisches und historisches Material zur Entwicklung transnationaler Rechtsordnungen in der Moderne.  Es rekonstruiert die Formierung transnationaler Strafrechtsregime im 18. und 19. Jahrhundert. Durch den Fokus auf spezifische Felder transnationaler rechtlicher Interaktionen – Auslieferung, politisches Asyl, Rechtshilfe und Polizeikooperation – und auf eine Vielzahl unterschiedlicher staatlicher und nicht-staatlicher Akteure, von den europäischen Mächten bis zu Staaten in Lateinamerika und Asien, wird den Interdependenzen von transnationalen Sicherheits- und Strafrechtsregimen und (internationalen) normativen Ordnungen nachgegangen, um die Entstehung von Rechtspluralismus, Fragmentierung und Regimekollisionen erklären zu können.

Wichtige Fragenkreise wurden im Rahmen von zwei Dissertationsvorhaben vertieft. Conrad Tyrichter analysierte „Politische Kriminalität und transnationale Strafrechtsregime im 19. Jahrhundert am Beispiel des Deutschen Bundes“, Tina Hannappel arbeitete über  „Transnationale Strafrechtsregime von 1871-1914. Die Reaktionen der deutschen und europäischen Rechtssysteme auf politische Kriminalität“. Aus einem Workshop im Jahr 2014 ging ein Sammelband hervor, der 2017 erscheinen soll; der Arbeitstitel lautet: „International Security, Political Crime, and Resistance: The Transnationalisation of Normative Orders and the Formation of Criminal Law Regimes in the 19th and 20th Century”. Zudem hat das Projekt seine Kooperationen mit dem ERC research project in Leiden (B. de Graaf) und dem SFB „Dynamiken der Sicherheit“ in Marburg/Gießen ausgebaut.

Die Untersuchung politischer Kriminalität bzw. politischer Konflikte – von politischer Dissidenz, Flüchtlingen und Exilanten bis zu Aufständen, Attentaten und anderen Formen politischer Gewalt –, die als grenzübergreifende Sicherheitsbedrohungen wahrgenommen oder kriminalisiert wurden, unterstreicht im Hinblick auf die Entstehung normativer Ordnungen die Bedeutung von Rechtfertigungsnarrativen. Sie zeigt, inwieweit dabei beobachtbare Prozesse der Versicherheitlichung und Entsicherheitlichung sowie der Ver- und Entrechtlichung zu einer dauerhafteren normativen Ordnung transnationaler Sicherheits- und Strafrechtsregime und damit zu einer „transnational governance of violence, crime and security“ beitrugen.

Die wichtigsten Publikationen in diesem Projekt:

Härter, Karl/Tina Hannappel/Conrad Tyrichter (Hg.): International Security, Political Crime, and Resistance: The Transnationalisation of Normative Orders and the Formation of Criminal Law Regimes in the 19th and 20th Century, i.E.

Härter, Karl: „Security and Transnational Policing of Political Subversion and International Crime in Central Europe after 1815”, in: B. de Graaf/I. de Haan/B. Vick (Hg.): Securing Europe. 1815 and the new European security culture, i.E.

Härter, Karl: „Attentatsbilder in populären Druckmedien: Politische Attentate und strafrechtlich-polizeiliche Reaktionen in Europa zwischen Aufklärung, Revolution und Vormärz (1757–1820)“, in: T. Haug/A. Krischer (Hg.): Höllische Ingenieure. Attentate und Verschwörungen als politische Delinquenz, ca. 1300–1850, i.E.

Hannappel, Tina: „‚Doch konnten bis jetzt keine Thatsachen constatirt werden‘: Attentatsfurcht und Strafrechtspraxis am Beispiel Duchesne-Poncelet 1873–76“, in: T. Haug/A. Krischer (Hg.): Höllische Ingenieure. Attentate und Verschwörungen als politische Delinquenz, ca. 1300–1850, i.E.

Tyrichter, Conrad: „Das Attentat auf König Louis-Philippe I. am 28. Juli 1835 und die Formierung transnationaler Sicherheitsregime in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts“, in: T. Haug/A. Krischer (Hg.): Höllische Ingenieure. Attentate und Verschwörungen als politische Delinquenz, ca. 1300–1850, i.E.

Personen in diesem Projekt:

Projektleitung / Ansprechpartner

Duve, Thomas, Prof. Dr.

Projektmitarbeiter

Hannappel, Tina

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Im Rahmen der Ringvorlesung „Am Scheidepunkt – Zur Zukunft der Demokratie“ präsentierte David Owen von der Universität Southampton sein Konzept der civil geopolitics.

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Zum zweiten Termin der Ringvorlesung "Am Scheidepunkt? Zur Krise der Demokratie". Der Politikwissenschaftler White diskutiert Sichtweisen auf die Zukunft in Demokratien. Ein Nachbericht

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