DemoReg – Herausforderungen der Demokratie in Zeiten ihrer Regression: Zeiten, Räume und Diskurse

Bereits Ralf Dahrendorf warnte 1998 vor einem möglichen „Jahrhundert des Autoritarismus“. Neuere Erkenntnisse deuten in der Tat auf eine solche Entwicklung hin. Selbst stabile Demokratien scheinen einer demokratischen Regression zu unterliegen – einem Rückschritt, der ihre Existenz gefährden kann. Parteien und Bewegungen, die daran beteiligt sind, berufen sich dabei oft selbst auf den Begriff der Demokratie.


Der Forschungsverbund „DemoReg“ will diese Entwicklung kritisch und empirisch untersuchen. Drei zentrale Fragen stehen im Mittelpunkt:


1. Was genau sagt die Diagnose demokratischer Regression aus und wie lässt sie sich empirisch belegen?

2. Welche Erklärungen lassen sich für einen solchen Befund anführen?

3. Welche Strategien können entwickelt werden, um regressiven Tendenzen entgegenzuwirken?


DemoReg ist inter- und transdisziplinär angelegt und verbindet theoretische, empirische und praxisorientierte Forschung. Ziel ist es, langfristig eine nachhaltige Demokratieforschung in Hessen zu etablieren – unter anderem durch den Aufbau eines hessenweiten Zentrums für Demokratieforschung, das den Austausch zwischen Wissenschaft und Zivilgesellschaft fördern soll.

    Sprecher*innen

    Prof. Dr. Ursula Birsl (Philipps-Universität Marburg)

    Prof. Dr. Thomas Biebricher (Goethe-Universität Frankfurt, Normative Ordnungen)


    Teil des Programms „Stärkung der Demokratieforschung Hessen“
    vom Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur, welches zum „Sofort-Programm 11+1“ der hessischen Landesregierung gehört und durch das Ministerium gefördert wird.

    (1) Erstes Ziel ist es, strukturelle Defizite in politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen der Demokratie zu identifizieren sowie dadurch Potenziale für die Stärkung von Demokratie. Diese Analyse soll dazu dienen, Gefährdungen für die Demokratie zu verstehen.

     

    (2) Ein weiteres Ziel ist eine Bestimmung konkreter Faktoren, die in Strukturen, historischen Pfadabhängigkeiten und begrifflich-kommunikativen Verhältnissen lokaler sozialer Räume verankert sind und demokratische Prozesse und Einstellungen beeinflussen. In diesem Zusammenhang interessieren auch systematische Unterschiede zwischen Raum- und Siedlungstypen.

     

    (3) Ein drittes Ziel ist es, die Untersuchung demokratischer Räume mit einer Analyse der Zeitlichkeit der Demokratie zu verbinden. Sie kommt ohne einen progressiven Zukunftsbezug nicht aus, der auch institutionell abzusichern ist, zugleich wird dieser in regressiven Zeiten an das Ideal einer wiederherzustellenden Vergangenheit geknüpft, die demokratischen Grundsätzen widerspricht.

     

    (4) Viertens sollen über eine öffentlichen Demokratieforschung mit politischen und gesellschaftlichen Akteur*innen Handlungsperspektiven gegen eine demokratische Regression und für eine Stärkung der Demokratie bzw. für demokratischen Fortschritt auf lokaler und nationaler Ebene weiterentwickelt werden. Jedoch sollen krisen- und konflikthafte Transformationsprozesse, die auf die lokalen Räume und deren politische Kulturen wirken, auch in ihrer nationalen und globalen Verflechtung bewertet werden.

     

    Das Gesamtziel ist es, langfristig eine Demokratieforschung zu etablieren, die in historisch-informierter Perspektive sowohl Erklärungen demokratischer Regression als auch Spielräume sowie Handlungsmöglichkeiten demokratischer Bewältigung herausarbeitet.



    Gemeinsam verantwortlich sind die Philipps-Universität Marburg und die Goethe-Universität Frankfurt. Weiterhin beteiligt sind die Universität Kassel, die Technische Universität Darmstadt, die Frankfurt University of Applied Sciences, die Hochschule Darmstadt, das Institut für Sozialforschung Frankfurt am Main, das Sigmund-Freud-Institut Frankfurt am Main und das Demokratiezentrum Hessen. Das Forschungszentrum Normative Ordnungen ist personell beteiligt.

    Aktuelles aus dem Forschungszentrum

    Veranstaltung
    24.09.2026 | Frankfurt am Main

    Die neuen Warlords. Gewaltdynamiken einhegen / Friedensgutachten 2026

    Buchvorstellung

    Die imperialistische Großmachtpolitik ändert die Vorzeichen von Krieg, Frieden und Sicherheit. Staaten agieren zunehmend wie Warlords und setzen Krieg als Mittel der Politik ein. Übergänge von Gewaltkonflikten zu Frieden werden als „Deals“ behandelt, Mittelmächte treten mit neuem Selbstbewusstsein, aber ambivalentem Kurs auf, und technologische Innovation verändert Kriege und erschwert die Regulierung. Zugleich befindet sich die internationale Kooperation in der Friedenssicherung in ihrer schwersten Krise. Das Friedensgutachten 2026 analysiert Optionen, dennoch Frieden zu fördern.

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    News
    23.07.2026

    Dr. Jonas Heller mit Maria-Weber-Grant ausgezeichnet

    Dr. Jonas Heller, assoziiertes Mitglied von Normative Orders, erforscht, wie sich geschichtlicher Wandel als Überwindung geschichtlicher Blockaden verstehen lässt. Hierfür wurde er nun mit einem Preis der Hans-Böckler-Stiftung ausgezeichnet.

    weitere Infos ›
    Publikation
    23.07.2026 | Zeitschriftenartikel

    Governing the Subject of Populism

    Biebricher, Thomas: "Governing the Subject of Populism". In: European Journal of Social Theory, OnlineFirst.

    weitere Infos ›
    News
    16.07.2026

    Was verteidigen wir, wenn wir Demokratie verteidigen?

    Die Krise der Demokratie stand im Mittelpunkt der diesjährigen Jahreskonferenz. Angesichts des weltweiten Erstarkens autoritärer und populistischer Bewegungen diskutierten internationale Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aktuelle Gefährdungen demokratischer Ordnungen und die grundlegende normative Frage: Was genau verteidigen wir eigentlich, wenn wir Demokratie verteidigen?

    weitere Infos ›
    News
    15.07.2026

    Von der normativen Kraft des Rechts in Zeitenwenden

    Erleben wir gegenwärtig den Übergang von einer regelbasierten internationalen Ordnung zu einer Machtordnung? Dieser weitverbreiteten Diagnose widerspricht Hendrik Simon in seinem neuen Buch „Das Recht der Gewalt. Warum Waffen allein keinen Frieden schaffen“, das am 15. Juli im Reclam-Verlag erschienen ist.

    weitere Infos ›
    Publikation
    15.07.2026 | Monographie

    Das Recht der Gewalt. Warum Waffen allein keinen Frieden schaffen

    Simon, Hendrik (2026): Das Recht der Gewalt. Warum Waffen allein keinen Frieden schaffen. Ditzingen: Reclam.

    weitere Infos ›