Nachhaltige Entwicklung, Global Governance und Gerechtigkeit

Projektleitung: Prof. Dr. Darrel Moellendorf

Bittere Armut, massive soziale Ungleichheiten und der Klimawandel stellen einige der dringlichsten Probleme der Menschheit dar. Milliarden von Menschen leben in großer Armut und sind gleichermaßen von den Krisen des globalen Finanzsystems wie von den Auswirkungen des Klimawandels bedroht. Einer der wichtigsten moralischen Gründe, sich mit dem Klimawandel auseinanderzusetzen, ist seine unmittelbare Bedeutung für Menschen in wirtschaftlicher Not.
Ausgangspunkt des Forschungsprojekts war die Annahme, dass die Eindämmung von sowie die Anpassung an Auswirkungen des Klimawandels und die Armutsbekämpfung nicht als separate politische Ziele betrachtet werden können. Die extremen Entbehrungen und die besondere Betroffenheit der in Armut lebenden Menschen lassen sich nicht mit einer internationalen Ordnung vereinen, der das Konzept der Menschenwürde zugrunde liegt, wie es in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte verstanden wird. Anhaltende Armut, wachsende soziale Ungleichheit und der ansteigende CO2-Ausstoß sind Anzeichen für grobe Fehlentwicklungen im gegenwärtigen System globalen Regierens.
Innerhalb von Forschungsfeld 1 wird die Forschung zu Politik und Institutionen nicht einseitig als Prozess verstanden, in welchem Macht, Herrschaft und Gewalt bzw. langfristig wirkende Strukturen und andere Faktoren, als „externe” Größen wirkend begriffen werden, sondern als Prozess, in dem Normen und normative Orientierungen eine zentrale Rolle spielen. Zahlreiche Fragen, die das Problem des Klimawandels mit sich bringt, boten dabei Anlass, um auch grundlegende moralische Fragen über die mögliche Entstehung einer gerechten internationalen normativen Ordnung zu stellen. Der Begriff „Recht auf Nachhaltige Entwicklung“ kann eine wichtige Rolle in der Argumentation von armen Ländern spielen, wonach die internationale Klimaschutzpolitik nicht ihre legitimen Entwicklungsziele zurücksetzen darf. Es gibt auch eine Art von intergenerationaler normativer Ordnung, die in diesem Kontext besonders dringlich hervortritt. Die Vorstellung, dass Menschen, die jetzt am Leben sind, die moralische Verpflichtung gegenüber künftigen Generationen haben, den Klimawandel zu bekämpfen, rechtfertigt eine Klimaschutzpolitik, bedarf aber auch selbst wiederum spezifischer Formen der Begründung. 
Dieses Forschungsprojekt umfasste sowohl moralphilosophische und politiktheoretische Erörterungen, Analysen internationaler Organisationen und Institutionen, als auch die Untersuchung von geeigneten Handlungsweisen, die einen gesellschaftlichen Wandel bewirken. Die Forschung des PI untersuchte insbesondere den gesellschaftlichen und normativen Zusammenhang von Klimawandel und Armut. Das Dissertationsprojekt des wissenschaftlichen Mitarbeiters Daniel Callies mit dem Titel “Intentionally Manipulating the Climate: The Ethics and Governance of Climate Engineering”, setzte sich insbesondere mit möglichen Argumenten gegen die Klima-Engineering-Forschung auseinander.

Die wichtigsten Veranstaltungen und Vorträge in diesem Projekt:

Vortrag: Progress, Destruction, and the Anthropocene (von Darrel Moellendorf), Universität-Duisburg-Essen, Mai 2017.

Vortrag: Progress, Destruction, and the Anthropocene (von Darrel Moellendorf), Liberty Fund/Social Philosophy and Policy conference, Redondo Beach, Juni 2017.

Workshop: Author-Meets-Critic-Section on his The Moral Challenge of Dangerous Climate Change (von Darrel Moellendorf), ECPR Prague, September 2016.

Präsentation: „Climate Engineering and Playing God” (von Daniel Callies), Warwick Graduate Conference on Political and Legal Theory, University of Warwick, England, Februar 2016.

Präsentation: „Institutional Legitimacy and Solar Radiation Management” (von Daniel Callies),  Science, Technology, and Public Policy Fellows Workshop, Harvard University, November 2016.

Die wichtigsten Publikationen in diesem Projekt:

Moellendorf, Darrel: „Taking UNFCCC Norms Seriously”, in: D. Roser und J. Heyward (Hg.): Climate Change and Non-Ideal Theory, Oxford University Press, 2016, S. 104–124.

Moellendorf, Darrel: „Can Dangerous Climate Change Be Avoided”, Global Justice Theory Practice Rhetoric 8, 2016, [online]  http://publikationen.stub.uni-frankfurt.de/index.php/gjn [05.10.2017].

Moellendorf, Darrel:  „Global Distributive Justice: The Cosmopolitan Point of View,” in: D. Held und P. Maffettone (Hg.): Global Political Theory, London: Polity Press, 2016.

Moellendorf, Darrel und Axel Schaffer: „Equalizing the Intergenerational Burdens of Climate Change–An Alternative to Discounted Utilitarianism”, Midwest Studies in Philosophy XL, 2016, S. 43–62.

Moellendorf, Darrel:  „The Moral Challenge of Dangerous Climate Change: Values, Poverty, and Policy”, Cambridge: Cambridge University Press, 2014.

Personen in diesem Projekt:

Projektleitung / Ansprechpartner

Moellendorf, Darrel, Prof. Dr.

Projektmitarbeiter

Visak, Tatjana

Aktuelles aus dem Forschungszentrum

Veranstaltung
18.04.2026 | Frankfurt am Main

Das Prinzip Donald Trump und die Verrohung der Welt

Podiumsdiskussion, Vortrag

Ein neuer Politikstil macht international Karriere. Er ist gekennzeichnet von Vulgarität, Verrohung und erklärter Rechtsfeindschaft. Machtinteressen werden nicht mehr juristisch bemäntelt. Stattdessen wird das angebliche Recht des Stärkeren zur Staatsdoktrin gemacht – innenpolitisch wie außenpolitisch. Treibende Kraft hinter dieser Verrohung der politischen Sitten ist ein US-Präsident, der nicht nur die amerikanische Gesellschaft und Kultur, sondern auch die globale Ordnung nach seinen Vorstellungen und Interessen umgestaltet. Die Römerberggespräche wollen diesen Politikstil verstehen.

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Veranstaltung
29.04.2026 | Frankfurt am Main

Kulturindustrie heute?

Podiumsdiskussion

Das Gespräch „Kulturindustrie heute?“ widmet sich der Aktualität und Tragfähigkeit eines zentralen Begriffs der Kritischen Theorie. Die Filmwissenschaftlerin Gertrud Koch diskutiert im Rahmen der Gesprächsreihe "Frankfurter Schule" mit dem Filmkritiker Bert Rebhandl die gegenwärtigen Formen kultureller Produktion und Verbreitung vor dem Hintergrund von Digitalisierung, Plattformen und globalen Medienmärkten.

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News
19.02.2026

Call for Applications – Postdoctoral Fellowships

Am Forschungszentrum Normative Ordnungen sind für das akademische Jahr 2026/2027 mehrere Postdoctoral Fellowships mit einer Laufzeit von 10 Monaten (Beginn: 1. Oktober 2026) ausgeschrieben. Bewerbungsschluss für alle Programme ist der 15. März 2026.

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Veranstaltung
20.03.2026 | Frankfurt am Main

40 Jahre Schengen-Raum

Kolloqium

Der 1984 geschlossene Schengen-Vertrag schuf einen heute 29 Staaten umfassenden Raum ohne Binnengrenzen, doch Migration über die Außengrenzen führte zuletzt zur Wiedereinführung von Kontrollen, auch durch die Bundesregierung ab 8. Mai 2025. Das Walter Hallstein-Kolloquium diskutiert die rechtliche Zulässigkeit, wirtschaftliche Folgen insbesondere für Arbeitsmigration und Arbeitsmarkt sowie die Zukunft des Schengen-Raums.

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News
12.02.2026

Satanistische Politik und der Niedergang der Vernunft in liberalen Demokratien

Ein letztes Mal im Wintersemester 2025/26 lud das Forschungszentrum zur Ringvorlesung „Am Scheidepunkt. Zur Krise der Demokratie“. Zum Abschluss hat der Philosoph Michael Rosen von der Harvard University sein Konzept der „satanic politics“ als eine Variante der politischen Deutung der Welt vorgestellt.

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News
09.02.2026

Zur Aktualität des Gewaltbegriffs anhand von Camus und Derrida

Prof. Dr. Christine Abbt von der Universität St. Gallen hat im Rahmen der Ringvorlesung „Am Scheidepunkt? Zur Krise der Demokratie“ einen Vortrag über Demokratien und den Gewaltbegriff gehalten. Unter dem Titel „Demokratien verteidigen. Zur Aktualität des Gewaltbegriffs bei Camus und Derrida“ besprach die Philosophin Formen von Gewalt und Revolte und ordnete diese im Hinblick auf ein demokratisches Setting ein.

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Publikation
04.02.2026 | Zeitschriftenartikel

New Perspectives on Trust in International Conflicts

Wille, Tobias; Simon, Hendrik; Daase, Christopher; Deitelhoff, Nicole; Wheeler, Nicholas J.; Holmes, Marcus; Rathbun, Brian C.; Acharya, Amitav; Mitzen, Jennifer (2026): „New Perspectives on Trust in International Conflicts“. In: International Studies Review 28 (1), viaf027. 

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News
02.02.2026

Staatlicher Wettbewerb um Menschen – David Owen über civil geopolitics

Im Rahmen der Ringvorlesung „Am Scheidepunkt – Zur Zukunft der Demokratie“ präsentierte David Owen von der Universität Southampton sein Konzept der civil geopolitics.

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News
20.01.2026

Christine Hentschel über Neuorientierungen in katastrophischen Zeiten

Im Rahmen der Ringvorlesung „Am Scheidepunkt? Zur Krise der Demokratie“ sprach die Soziologin über das Leben in und den Umgang mit katastrophischen Zeiten. Vor dem Hintergrund der Zerstörung der Lebensbedingungen, Kriegen, dauerhafter Krisenhaftigkeit sowie der Bedrohungen der Demokratie widmete sich Hentschel dem Einsickern des Katastrophischen in den gesellschaftlichen Alltag und einem sich verändernden aktivistischen und literarischen Umgang mit der Zukunft.

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