Kaiserliche Politik und Räume der Religionen im 3. Jahrhundert

Projektleitung: Prof. Dr. Hartmut Leppin

Das Projekt stellt einen Beitrag zum neuen Forschungsschwerpunkt „Post/Säkularismus“ dar. Die Fragen, die die Postsäkularismus-Debatte aufwirft, erscheinen auch für die Alte Geschichte aufschließend, obgleich die Diskussion von den Gegenwartsgesellschaften ausgeht. Denn sie reflektiert das Problem des Verhältnisses von Religion und öffentlichem Raum und dessen Wandel, das eine epochenübergreifende Bedeutung besitzt. 
Mit dem Projekt wurden Forschungen des Principal Investigators Hartmut Leppin zu der eben durch die Postsäkularismus-Debatte inspirierten These, dass die Ausbreitung des Christentums eine Neutralisierung bestimmter Räume generierte, fortgesetzt.

Das Projekt fragte danach, wie im Römischen Reich mit religiöser Vielfalt umgegangen wurde, nachdem mit dem Christentum eine Religion prominent geworden war, die sowohl einen Anspruch auf universale Gültigkeit als auch auf exklusive Wahrheit erhob. Die Frage nach der Rolle von Rechtfertigungsnarrativen bei der Herausbildung einer neuen normativen Ordnung hat sich als außerordentlich fruchtbar erwiesen, vor allem im Hinblick auf die Bedeutung christlicher Narrative für die Etablierung eines Kaisertums, das im christlichen Diskurs nicht vorgesehen war. Ferner hat das Projekt zur vergleichenden Perspektive beigetragen, insbesondere dazu, bestimmte Schlüsselbegriffe des Clusters, namentlich Toleranz, Anerkennung und Post-Säkularismus, kritisch zu reflektieren.

Die Arbeit erfolgte einerseits durch übergreifende Tätigkeiten des Projektleiters, andererseits durch eine Reihe von Spezialstudien teils durch den Projektleiter selbst, teils durch (assoziierte) Mitarbeiter. Unter ihnen war das Projekt der Mitarbeiterin Sophie Röder am wichtigsten: Es untersuchte die Regierungspraxis römischer Kaiser während der Jahre 253-268. Anhand von Gesetzeserlassen wurden die Reaktionen der Herrscher auf die Ausbreitung des Christentums behandelt, wodurch wichtige Erkenntnisse über die Wirkung religiöser Vielfalt auf normative Ordnungen gewonnen werden konnten. Die Arbeit wurde im Januar 2017 eingereicht.

Frau Röders Forschungen zogen die verbreitete These in Zweifel, derzufolge Verordnungen von Valerian (253-260) und Gallienus (253-268) die ersten systematischen Christenverfolgungen auslösten. Sie konnte überzeugend darlegen, dass diese Perspektive der christlichen Überlieferung der Quellen entspringt. Besonders wichtig innerhalb der Forschungen von Hartmut Leppin ist die Beobachtung, dass durch eine Politik der religiösen Neutralisierung bestimmter Bereiche eine zeitweilige Beruhigung erreicht werden konnte und dass in diesem Kontext Rechtfertigungsnarrative entstanden, die für moderne Ohren den Klang von Toleranz haben.

Die wichtigsten Veranstaltungen in diesem Projekt:

Podiumsdiskussion: Im Namen Gottes? Monotheismus und Gewalt, Prof. Dr. Mouhanad Khorchide im Gespräch mit Prof. Dr. Harmut Leppin (in der Reihe Stadtgespräch des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“), Historisches Museum, Frankfurt am Main, 19. April 2017.

Vorlesungsreihe: Modelling Transformation (Ringvorlesung des Exzellenzclusters “Die Herausbildung normativer Ordnungen”), mit Vorträgen von Prof. Dr. Wolfgang Knöbl, Prof. Dr. Rudolf Stichweh, Prof. Dr. Eva Geulen, Prof. Dr. Andrew Abbott, Prof. Dr. Lorraine Daston, Goethe-Universität, Frankfurt am Main, Sommersemester 2016.

Frankfurt-Birmingham Study Day: Contesting the Sacred – Contexts of Greek and Roman Religion, University of Birmingham, 4. December 2015.

Internationaler Nachwuchsworkshop: Religiöse Differenzierungen im Übergang von Kaiserzeit zur Spätantike, Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“, Goethe-Universität, Frankfurt am Main, 29.–30. November 2013.

Die wichtigsten Publikationen in diesem Projekt:

*Leppin, Hartmut: „Christianity and the Discovery of Religious Freedom”, Rechtsgeschichte / Legal History 22, S. 62–78. (French translation: „Le christianisme et la découverte de la liberté religieuse”, in: T. Itgenshorst und Ph. Le Doze (Hg.): La norme sous la République et le Haut-Empire romains (Scripta antiqua 96), Bordeaux, 2017, S. 217–237.

*Leppin, Hartmut: „Aspects of the Christianisation of Foreign Policy in Late Antiquity: The Impact of Religious Universalism”, in: G. Hellmann/A. Fahrmeir/M. Vec (Hg.): The Transformation of Foreign Policy. Drawing and Managing Boundaries from Antiquity to the Present, Oxford: Oxford University Press, 2016, S. 105–124.

Leppin, Hartmut: „Religiöse Vielfalt und öffentlicher Raum in der Spätantike“, in: M. Lutz-Bachmann (Hg.): Postsäkularismus (Normative Orders Bd. 7), Frankfurt am Main: Campus, 2015, S. 335–360.

*Leppin, Hartmut: „Überlegungen zum Umgang mit Anhängern von Bürgerkriegsgegnern in der Spätantike“, in: K. Harter-Uibopuu und F. Mitthof (Hg.): Vergeben und Vergessen? Amnestie in der Antike. Beiträge zum ersten Wiener Kolloquium zur Antiken Rechtsgeschichte (Wiener Kolloquien zur Antiken Rechtsgeschichte 1), Wien, 2013, S. 337–358; erweiterte englische Fassung: “Coping with the Tyrant’s Faction: Civil War Amnesties and Christian Discourses in the Fourth Century AD“, in: J. Wienand (Hg.): Contested Monarchy. Integrating the Roman Empire in the 4th Century AD, Oxford: Oxford University Press, 2015, S. 198–214.

Leppin, Hartmut: „Kaisertum und Christentum in der Spätantike: Überlegungen zu einer unwahrscheinlichen Synthese“, in: A. Fahrmeir und A. Imhausen (Hg.): Die Vielfalt normativer Ordnungen. Konflikte und Dynamik in historischer und ethnologischer Perspektive (Normative Orders Bd. 8), Frankfurt am Main, Campus, 2013, S. 197–223.

Personen in diesem Projekt:

Projektleitung / Ansprechpartner

Leppin, Hartmut, Prof. Dr.

Projektmitarbeiter

Röder, Sophie

Aktuelles aus dem Forschungszentrum

Veranstaltung
25./26.06.2026 | Frankfurt

Shifting Regimes, Changing Orders

Konferenz

Conference as part of WDC2026 in collaboration with Deutsche Gesellschaft für Designtheorie und -forschung (DGTF), Kunstgewerbemuseum/Design Campus SKD and Design and Democracy

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Veranstaltung
06./07.05.2026 | Frankfurt am Main

Liberalism and the Masses: Revisiting José Ortega y Gasset’s Political Thought

Konferenz

Two-day Conference with Keynotes by Alan Kahan (University of Versailles/St. Quentin) and Javier Zamora Bonilla (Complutense University of Madrid)

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Veranstaltung
04.05.2026 | Frankfurt

Meinungsfreiheit, Meinungsvielfalt und Verantwortung für die Demokratie: Wie gestalten Medien neue Räume für Debatten und Teilhabe?

Podiumsdiskussion

Im Rahmen der Woche der Meinungsfreiheit 2026 laden die World Design Capital Frankfurt RheinMain 2026 in Kooperation mit dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels, dem Hessischen Rundfunk, der Stiftung Polytechnische Gesellschaft und dem Forschungszentrum Normative Ordnungen der Goethe-Universität herzlich zu einer Diskussionsveranstaltung am 4. Mai 2026 in den WDC-Hub im Museum Angewandte Kunst Frankfurt ein.

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Veranstaltung
29.04.2026 | Frankfurt am Main

Kulturindustrie heute?

Podiumsdiskussion

Das Gespräch „Kulturindustrie heute?“ widmet sich der Aktualität und Tragfähigkeit eines zentralen Begriffs der Kritischen Theorie. Die Filmwissenschaftlerin Gertrud Koch diskutiert im Rahmen der Gesprächsreihe "Frankfurter Schule" mit dem Filmkritiker Bert Rebhandl die gegenwärtigen Formen kultureller Produktion und Verbreitung vor dem Hintergrund von Digitalisierung, Plattformen und globalen Medienmärkten.

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Veranstaltung
12.05.2026 | Frankfurt am Main

Zwischen Transformation und Abolitionismus

Buchvorstellung

Buchvorstellung mit Christine Graebsch, Katrin Höffler, Jochen Bung & Ronen Steinke

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Veranstaltung
28./29.05.2026 | Frankfurt am Main

Global Health Justice: Principles and Practice

Konferenz

Following the research focus of the Global Health Justice Postdoctoral Programme, funded by Höppsche Stiftung, the "Global Health Justice: Principles and Practice" conference places a particular emphasis on themes such as the human right to health, political activism and health justice issues, and problems of structural injustice and vulnerable populations in health care. Keynote lectures by Jonathan Wolff and Kanchana Mahadevan. The Global Health Justice Programme and this conference are supported by the Höppsche Stiftung in Villmar.

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Veranstaltung
14.07.2026 | Frankfurt am Main

Democracy Over Time and the Climate Crisis

Ringvorlesungen

Vortrag von Anja Karnein (Binghamton). Die Vortragsreihe untersucht Fragen der Klimakrise als Herausforderungen für demokratische Gesellschaften und konzentriert sich auf Themen wie politische Legitimität, Widerstand gegen fossile Brennstoffe und die Interessen künftiger Generationen. Sie wird organisiert von Prof. Dr. Darrel Moellendorf und Dr. Lukas Sparenborg.

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Veranstaltung
10.06.2026 | Frankfurt am Main

Capital Investment, Inequality, and State Power in a Time of Climate Emergency

Ringvorlesungen, Vortrag

Vortrag von MartinO'Neill (University of York). Die Vortragsreihe untersucht Fragen der Klimakrise als Herausforderungen für demokratische Gesellschaften und konzentriert sich auf Themen wie politische Legitimität, Widerstand gegen fossile Brennstoffe und die Interessen künftiger Generationen. Sie wird organisiert von Prof. Dr. Darrel Moellendorf und Dr. Lukas Sparenborg.

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Veranstaltung
13.05.2026 | Frankfurt am Main

Failed States and Cloudy Skies: Tipping Points, Overshoot and Permanent Emergency, after America

Ringvorlesungen

Vortrag von Geoff Mann (Simon Fraser University, Canada). Die Vortragsreihe untersucht Fragen der Klimakrise als Herausforderungen für demokratische Gesellschaften und konzentriert sich auf Themen wie politische Legitimität, Widerstand gegen fossile Brennstoffe und die Interessen künftiger Generationen. Sie wird organisiert von Prof. Dr. Darrel Moellendorf und Dr. Lukas Sparenborg.

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