Prioritätenkonflikte, Sowohl-als-Auch-Politik und diePraxis (und Erforschung) deutscher Außenpolitik
Helga Haftendorn zählt zu den prägenden Figuren der deutschen Forschung in den Internationalen Beziehungen (IB) der Nachkriegszeit. Insbesondere ihre Beiträge zur Außenpolitikforschung im Allgemeinen und zur deutschen Außen- und Sicherheitspolitik im Besonderen haben die deutsche IB-Forschung stark geprägt. Ihre Verbindung von quellenbasierter historischer Forschung einerseits und theoretischer Fundierung sowie begrifflicher Präzision anderseits eröffneten neue Blicke auf außenpolitische Entscheidungen als soziales Handeln, das sowohl die Zwänge politischer Entscheidungsfindung wie auch ihre breitere Einbettung in internationales Verflechtungssystem besser nachvollziehbar machten. Dieser Beitrag diskutiert zudem wie sich der Ertrag ihrer Forschung mit einer breiteren Konzeptualisierung von Außenpolitik verbinden lässt, die die Trennung zwischen systemischer und subsystemischer Forschung auflöst und stärker auf die grenzbildenden Effekte von Außenpolitik, etwa hinsichtlich der Formierung neuer außenpolitischer Akteure eingeht