Im Zweifel für den Liberalismus
Aus der Einleitung: Auch wer sich nur sporadisch für die Entwicklung der Weltlage im Allgemeinen und die der politischen Verhältnisse im Besonderen interessiert, dem dürfte kaum entgangen sein, dass der Wind des Zeitgeists dem Liberalismus kräftig ins Gesicht bläst – und zwar nicht nur, weil die FDP ein weiteres Mal den Wiedereinzug in den Bundestag verpasst hat. Die liberale Vorstellungswelt hatte um die Jahrtausendwende einen geradezu globalen Zenit erreicht und die entsprechend hegemoniale Stellung galt nicht nur für ihre Gedankengebäude; auch der real existierende Liberalismus expandierte – wenn auch oftmals mit einer stark neoliberalen Schlagseite. Nicht dass es damals oder jemals in der intellektuellen und realen Geschichte des Liberalismus an seinen Kritikern gemangelt hätte, doch deren Stimmen konnten in jenem aus heutiger Sicht beinahe befremdlich erscheinenden Moment, in dem mit größtmöglichem geschichtsphilosophischem Einsatz das Ende der Geschichte diagnostiziert worden war und alternative Diagnostiken geradezu weltfremd wirkten, auch da, wo ihre Punkte plausibel erschienen, keine größere Wirkmacht erzielen…