Problematisierte polizeiliche Gewaltanwendungen und ihre Aufarbeitung
Die Polizei ist unter bestimmten Voraussetzungen befugt, ausnahmsweise Gewalt anzuwenden, um polizeiliche Maßnahmen durchzusetzen. Dabei kann es zu Fehlern, Überschreitung der rechtlichen Grenzen und Missbrauch kommen. Gleichzeitig ist die aus dieser Gewaltbefugnis folgende Praxis gesellschaftlich durchaus umstritten. Vor diesem Hintergrund werden konkrete polizeiliche Gewaltanwendungen von Betroffenen und in der öffentlichen Debatte immer wieder problematisiert. Der Beitrag geht der Frage nach, wie dabei Diskrepanzen in der Wahrnehmung und Bewertung des Geschehens durch die verschiedenen Beteiligten entstehen und wie diese damit umgehen. Außerdem wird ein Blick auf die Aufarbeitung einschlägiger Vorwürfe insbesondere in folgenden Strafverfahren geworfen. Der Vortrag stützt sich auf die Ergebnisse des DFG-Forschungsprojekts „Körperverletzung im Amt durch Polizeibeamt:innen“ (https://kviapol.uni-frankfurt.de).
Der Vortragende: Tobias Singelnstein ist Professor für Kriminologie und Strafrecht am Fachbereich Rechtswissenschaft der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Zuvor war er von 2017 bis 2022 Inhaber des Lehrstuhls für Kriminologie an der Ruhr-Universität Bochum. Seine Arbeitsschwerpunkte liegen in der Kriminologie (u.a. soziale Kontrolle und Gesellschaft, Polizei und Justiz, Sicherheitsforschung) sowie im Strafrecht und Strafprozessrecht (u.a. Ermittlungsmaßnahmen und Beweisrecht, Datenverarbeitung im Strafverfahren, Strafrecht und Digitalisierung). Neben mehr als 60 Beiträgen in Fachpublikationen hat er verschiedene Monografien zu Themen aus diesen Bereichen verfasst und eine Reihe von Sammelbänden herausgegeben. 2022 ist sein gemeinsam mit Benjamin Derin verfasstes Sachbuch „Die Polizei. Helfer, Gegner, Staatsgewalt“ bei Econ/Ullstein erschienen.
News from the research center
Das Prinzip Donald Trump und die Verrohung der Welt
Ein neuer Politikstil macht international Karriere. Er ist gekennzeichnet von Vulgarität, Verrohung und erklärter Rechtsfeindschaft. Machtinteressen werden nicht mehr juristisch bemäntelt. Stattdessen wird das angebliche Recht des Stärkeren zur Staatsdoktrin gemacht – innenpolitisch wie außenpolitisch. Treibende Kraft hinter dieser Verrohung der politischen Sitten ist ein US-Präsident, der nicht nur die amerikanische Gesellschaft und Kultur, sondern auch die globale Ordnung nach seinen Vorstellungen und Interessen umgestaltet. Die Römerberggespräche wollen diesen Politikstil verstehen.
more information ›Kulturindustrie heute?
Das Gespräch „Kulturindustrie heute?“ widmet sich der Aktualität und Tragfähigkeit eines zentralen Begriffs der Kritischen Theorie. Die Filmwissenschaftlerin Gertrud Koch diskutiert im Rahmen der Gesprächsreihe "Frankfurter Schule" mit dem Filmkritiker Bert Rebhandl die gegenwärtigen Formen kultureller Produktion und Verbreitung vor dem Hintergrund von Digitalisierung, Plattformen und globalen Medienmärkten.
more information ›40 Jahre Schengen-Raum
Der 1984 geschlossene Schengen-Vertrag schuf einen heute 29 Staaten umfassenden Raum ohne Binnengrenzen, doch Migration über die Außengrenzen führte zuletzt zur Wiedereinführung von Kontrollen, auch durch die Bundesregierung ab 8. Mai 2025. Das Walter Hallstein-Kolloquium diskutiert die rechtliche Zulässigkeit, wirtschaftliche Folgen insbesondere für Arbeitsmigration und Arbeitsmarkt sowie die Zukunft des Schengen-Raums.
more information ›Satanist politics and the decline of reason in liberal democracies
For the last time in the winter semester 2025/26, the Research Center hosted the lecture series "Am Scheidepunkt. On the crisis of democracy". At the end, philosopher Michael Rosen from Harvard University presented his concept of "satanic politics" as a variant of the political interpretation of the world.
more information ›On the topicality of the concept of violence based on Camus and Derrida
Prof. Dr. Christine Abbt from the University of St. Gallen gave a lecture on democracies and the concept of violence as part of the lecture series "At the crossroads? On the crisis of democracy", she gave a lecture on democracies and the concept of violence. Under the title "Defending democracies. On the topicality of the concept of violence in Camus and Derrida", the philosopher discussed forms of violence and revolt and categorized them with regard to a democratic setting.
more information ›New Perspectives on Trust in International Conflicts
Wille, Tobias; Simon, Hendrik; Daase, Christopher; Deitelhoff, Nicole; Wheeler, Nicholas J.; Holmes, Marcus; Rathbun, Brian C.; Acharya, Amitav; Mitzen, Jennifer (2026): „New Perspectives on Trust in International Conflicts“. In: International Studies Review 28 (1), viaf027.
more information ›States competing for people - David Owen on civil geopolitics
As part of the lecture series "At the Crossroads - The Future of Democracy", David Owen from the University of Southampton presented his concept of civil geopolitics.
more information ›Christine Hentschel on reorientation in catastrophic times
As part of the lecture series "At the crossroads? On the crisis of democracy", the sociologist spoke about living in and dealing with catastrophic times. Against the backdrop of the destruction of living conditions, wars, permanent crises and threats to democracy, Hentschel addressed the infiltration of the catastrophic into everyday social life and a changing activist and literary approach to the future.
more information ›Gender Differences in Financial Advice
Bucher-Koenen, Tabea; Hackethal, Andreas; Koenen, Johannes; Laudenbach, Christine (2025): „Gender Differences in Financial Advice“. In: American Economic Review, 115 (12), pp. 4218–4252.
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