Ius naturale und Lex naturalis bei Autoren der „Schule von Salamanca”
Der Artikel behandelt unterschiedliche Deutungen der Be
griffe des natürlichen Rechts (ius naturale) und des natürlichen Gesetzes (lex na
turalis) in der „Schule von Salamanca“ bei Vitoria, Soto, Suárez und Vásquez. In
Vitorias Kommentar zu Thomas von Aquin lassen sich weiterführende Einsichten
in die Besonderheiten des Rechts (ius), in die Unterscheidung von ius und lex und in
eine gegenüber Thomas von Aquin veränderte Bestimmung des ius naturale auf
weisen. Bei Soto, Suárez und Vásquez wird das ius naturale in Beziehung zur lex
naturalis gebracht. Diese Autoren bestimmen das Recht als Objekt der Gerechtig
keit, treten aber je für ein anderes Verhältnis zwischen ius naturale und lex na
turalis ein. Soto weitet den Bereich des Naturgesetzes auf die gesamte Schöpfung
aus und betont die Unterschiede zwischen natürlichem Recht und natürlichem
Gesetz. Die bei Soto angelegten Problemstellungen spitzen sich bei Suárez und
Vásquez zu einem Disput über Wesen und Verpflichtungskraft des natürlichen
Gesetzes zu.