{"id":14266,"date":"2026-08-27T17:32:45","date_gmt":"2026-08-27T15:32:45","guid":{"rendered":"https:\/\/normativeorders.net\/?post_type=press&#038;p=14266"},"modified":"2026-08-27T17:32:46","modified_gmt":"2026-08-27T15:32:46","slug":"der-zivildienst-koennte-zusammenhalt-und-solidaritaet-staerken","status":"publish","type":"press","link":"https:\/\/normativeorders.net\/en\/press\/der-zivildienst-koennte-zusammenhalt-und-solidaritaet-staerken\/","title":{"rendered":"\u00bbDer Zivildienst k\u00f6nnte Zusammenhalt und Solidarit\u00e4t st\u00e4rken\u00ab"},"content":{"rendered":"\n<p>Der Philosoph Rainer Forst h\u00e4lt es f\u00fcr vertretbar, junge Menschen zum Dienst an der Gemeinschaft zu verpflichten \u2013 und erkl\u00e4rt, wie das gelingen kann.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>DIE ZEIT:<\/strong>&nbsp;Herr Forst, wir haben uns daran gew\u00f6hnt, dass wir dem Staat einen Teil unseres Einkommens abgeben, aber kann er verlangen, dass wir ihm auch einen Teil unserer Lebenszeit geben?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Rainer Forst:<\/strong>&nbsp;Die Rede vom \u00bbStaat\u00ab, der etwas \u00bbverlangt\u00ab, klingt mir etwas zu obrigkeitsstaatlich. F\u00fcr mein Demokratieverst\u00e4ndnis ist entscheidend: Jeder Mensch hat ein Recht darauf, dass die politische Gemeinschaft Eingriffe in das Leben ihrer Mitglieder unter prinzipiell Gleichgestellten rechtfertigt. Deshalb lautet die Antwort: Ja, eine demokratische Gemeinschaft kann politisch autonom beschlie\u00dfen, dass alle f\u00fcr eine \u00fcberschaubare Zeit einen sozialen Beitrag leisten, wenn sie diesen Schritt \u00fcberzeugend begr\u00fcnden kann.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ZEIT:<\/strong>&nbsp;Wie k\u00f6nnte das aussehen?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Forst:<\/strong>&nbsp;Die Begr\u00fcndung darf bestehende Privilegien nicht zementieren, also nicht vor allem denen zugutekommen, die ohnehin mehr materielle Mittel, Bildung oder gesellschaftliche Vorteile haben. Sie muss bei den Problemen ansetzen, die unsere Gesellschaft pr\u00e4gen: bei sozialer Not und ungleichen Chancen. Sie muss wirksam gegen den Neofeudalismus angehen, der in der Reproduktion \u00f6konomischen und kulturellen Kapitals zunehmend tiefe Schneisen in die Gesellschaft schneidet.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ZEIT:<\/strong>&nbsp;In der&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/deutschland\/2026-08\/zivildienst-arbeiter-samariter-bund-asb-knut-fleckenstein\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Zivildienst-Debatte<\/a>&nbsp;geht es nun aber um die junge Generation. Ist das also unfair?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Forst:<\/strong>\u00a0Dass vor allem J\u00fcngere betroffen sind, muss nicht automatisch zu einem Generationenkonflikt f\u00fchren, zumal wir sehen m\u00fcssen, wie ungleich Chancen in jeder Generation verteilt sind. Richtig aber ist, dass die J\u00fcngeren \u00fcberzeugt werden m\u00fcssen und so ein Dienst gut ausgestattet sein muss. Aber man sollte dabei nicht zu selbstbezogen denken \u2013 nicht nur werden wir alle einmal \u00e4lter, sondern die Jungen sind mit \u00c4lteren vielfach verbunden, haben vielleicht Familienmitglieder, die Hilfe bed\u00fcrfen. Allerdings m\u00fcssen wir zwischen einer allgemeinen sozialen Pflichtzeit, wie sie Bundespr\u00e4sident Frank-Walter Steinmeier vorgeschlagen hat, und der aktuellen Debatte \u00fcber Wehr- und\u00a0<a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/thema\/zivildienst\">Zivildienst<\/a>\u00a0unterscheiden. Wird der Wehrdienst verpflichtend, was derzeit nicht absehbar ist, muss es auch eine zivile Alternative geben. Die Verweigerung des Dienstes an der Waffe ist ein grundgesetzlich verbrieftes Recht. Ich wei\u00df aus eigener Erfahrung, wie ernst das zu nehmen ist. Ich habe den Wehrdienst verweigert und musste daf\u00fcr Anfang der 1980er-Jahre noch eine Gewissenspr\u00fcfung durchlaufen, keine angenehme Sache.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ZEIT:<\/strong>&nbsp;Okay, aber was ist der h\u00f6here Zweck f\u00fcr einen allgemeinen sozialen Dienst?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Forst:<\/strong>\u00a0Das st\u00e4rkste Argument ist: In einer Gesellschaft wie der unseren gibt es nur sehr wenige wirklich egalit\u00e4re Praktiken \u2013 von allen f\u00fcr alle. Einen solchen Dienst m\u00fcssten alle leisten, auch diejenigen, die privilegiert aufgewachsen sind. Und er m\u00fcsste Menschen in Armut, \u00c4lteren, Menschen mit Behinderungen, Obdachlosen oder Gefl\u00fcchteten zugutekommen. Auch f\u00fcr den Umweltschutz w\u00e4re ein Einsatz denkbar \u2013 zumal die \u00f6kologische Frage f\u00fcr J\u00fcngere eine politische Schl\u00fcsselfrage ist. Davon w\u00fcrden nicht nur die unmittelbar Betroffenen profitieren, sondern die Gesellschaft insgesamt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ZEIT:<\/strong>\u00a0Wie denn genau?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Forst:<\/strong>&nbsp;Der Dienst k\u00f6nnte Zusammenhalt und Solidarit\u00e4t st\u00e4rken und bei jungen Menschen einen produktiven Bewusstseinswandel ansto\u00dfen, indem er sie mit sozialen Realit\u00e4ten konfrontiert, die ihnen bislang fremd waren. Dieser Dienst darf allerdings nicht an die Stelle der vielfach gebrauchten Fachkr\u00e4fte in sozialen Berufen treten, deren Situation verbessert werden muss. Gleichwohl denke ich, auch aus eigener Erfahrung, dass so ein Dienst viele Menschen dazu motivieren kann, solche Berufe zu ergreifen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ZEIT:<\/strong>&nbsp;Wenn soziale Not und Ungleichheit systematisch produziert werden, sollte man dann nicht an deren Ursachen ansetzen \u2013 bei Steuern, Erbschaften, Arbeitsmarkt und Sozialpolitik \u2013, statt junge Menschen zum Feuerwehreinsatz zu schicken?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Forst:<\/strong>&nbsp;Das stimmt vollkommen. Eine politische Gemeinschaft, die einen solchen Dienst verlangt, darf unsolidarische Strukturen an anderer Stelle nicht unangetastet lassen. Hier gibt es keine Tauschgesch\u00e4fte.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ZEIT:<\/strong>&nbsp;Selbst dann: Ist das wirklich eine gute Rechtfertigung f\u00fcr einen sozialen Dienst? Die Solidarit\u00e4t w\u00e4re in diesem Fall ja ein Produkt des Zwanges.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Forst:<\/strong>&nbsp;Deshalb sollte man zuvor die Freiwilligendienste besser ausstatten. Freiwilligkeit h\u00e4ngt immer auch von den Bedingungen ab. Wenn junge Menschen sich den Dienst finanziell nicht leisten k\u00f6nnen oder in schlecht ausgestatteten Einrichtungen arbeiten m\u00fcssten, darf man aus der geringen Nachfrage nicht schlie\u00dfen, dass sie grunds\u00e4tzlich unwillig sind.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ZEIT:<\/strong>&nbsp;Bei der Bundeswehr klappt es ja gerade auch nicht&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/gesellschaft\/zeitgeschehen\/2026-08\/kriegsdienstverweigerung-antraege-wehrpflicht-bundesamt-familie-gxe\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">mit der Freiwilligkeit<\/a>&nbsp;&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Forst:<\/strong>&nbsp;Das werden wir sehen. Aber beim Thema Zwang und Freiheit gilt: Gesetze m\u00fcssen, um allgemein befolgt zu werden, ausnahmslos f\u00fcr alle gelten. Wer ihren \u2013 hoffentlich gut begr\u00fcndeten&nbsp;\u2013 Sinn einsieht, wird sie jedoch nicht blo\u00df als Zwang erfahren. Wenn wir Gesetze nur befolgen w\u00fcrden, weil wir sonst Sanktionen f\u00fcrchten, lebten wir in einer dystopischen Gesellschaft. Aber wahr bleibt: Wer eine Norm nicht einsieht, wird sie allein als Zwang empfinden. Gerade deshalb ist eine gute Begr\u00fcndung so wichtig, auch wenn ihr nicht alle folgen. Allerdings k\u00f6nnen Menschen in einer zun\u00e4chst erzwungenen Praxis einen eigenen Sinn entdecken. Bei meinem Zivildienst an einer Schule f\u00fcr Kinder mit Behinderungen etwa wurde ich mit Verantwortungspraktiken konfrontiert, die ich bis dahin nicht kennengelernt hatte. Das war ein Gewinn, auch an Autonomie.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ZEIT:<\/strong>&nbsp;Aber der Staat als moralische Erziehungsanstalt: Bleibt das nicht hochproblematisch, so gut es auch gemeint ist?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Forst:<\/strong>&nbsp;Ein p\u00e4dagogischer Effekt kann auch nicht das Hauptargument sein. Aber grunds\u00e4tzlicher: Freiheit darf nicht nur als Freiheit von sozialen Erwartungen und Verantwortung verstanden werden. Auch die Freiheit von sozialer Not, von Krankheit und von Ausgrenzung wird durch gerechte soziale Institutionen gef\u00f6rdert, und dazu bedarf es bewusster, autonomer gesellschaftlicher Kooperation. Wie J\u00fcrgen Habermas es einmal ausgedr\u00fcckt hat: Niemand ist wirklich frei, wenn es nicht alle sind. Aber man kann die Einschr\u00e4nkung der Entscheidungsfreiheit nicht wegreden. Deshalb sollte die Pflicht, wenn sie kommt, m\u00f6glichst begrenzt und verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig sein.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ZEIT:<\/strong>&nbsp;Wie k\u00f6nnte das konkret aussehen?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Forst:<\/strong>&nbsp;Ein halbes Pflichtjahr k\u00f6nnte ein vern\u00fcnftiger Mittelweg sein, mit der M\u00f6glichkeit, freiwillig auf ein Jahr zu verl\u00e4ngern. Der Zwang w\u00e4re damit zwar nicht aufgehoben, aber der Eingriff in die Lebensplanung bliebe \u00fcberschaubar. Zugleich g\u00e4be es einen Anreiz, weiterzumachen: Wer die T\u00e4tigkeit als sinnvoll erlebt, entscheidet sich vielleicht freiwillig f\u00fcr ein weiteres halbes Jahr \u2013 oder f\u00fcr mehr, in der Berufswahl. Wichtig ist, dass der Dienst nicht als Opfer verstanden wird, niemand ausgenutzt wird und es Alternativen gibt, wenn eine T\u00e4tigkeit nicht passt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ZEIT:<\/strong>&nbsp;Was ist mit den Frauen, m\u00fcssten die auch mit einbezogen werden?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Forst:<\/strong>&nbsp;Hier sprechen wir ein grunds\u00e4tzliches Problem an. Denn ein egalit\u00e4res Prinzip kann, wenn es isoliert in eine strukturelle Ungleichheiten produzierende Gesellschaft eingelassen wird, solche Asymmetrien noch verst\u00e4rken. Werden also im Sinne der Geschlechtergleichheit Frauen von einem Pflichtdienst nicht ausgenommen, muss man ernsthaft daf\u00fcr sorgen, dass die Geschlechterungerechtigkeit in anderen gesellschaftlichen Kontexten \u00fcberwunden wird. Frauen leisten nach wie vor den gr\u00f6\u00dferen Anteil der Care-Arbeit und sind auf dem Arbeitsmarkt und bei der Bezahlung, sp\u00e4ter der Rente, strukturell benachteiligt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ZEIT:<\/strong>&nbsp;Wie lie\u00dfe sich diese Problematik aufl\u00f6sen?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Forst:<\/strong>&nbsp;Die gleiche Pflicht f\u00fcr M\u00e4nner und Frauen ist in diesem Fall nur legitim, wenn sie flankiert wird durch Regelungen f\u00fcr diejenigen, die bereits Angeh\u00f6rige pflegen oder Kinder betreuen, und durch eine Politik, die die ungleiche Verteilung von Sorgearbeit tats\u00e4chlich angeht. Sonst verl\u00e4ngert der Dienst genau jene Lebensl\u00e4ufe, die ohnehin schon von unbezahlter Arbeit f\u00fcr andere gepr\u00e4gt sind.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ZEIT:<\/strong>&nbsp;Viele bezweifeln schon jetzt, dass der Staat seine bestehenden Aufgaben zuverl\u00e4ssig erf\u00fcllt. K\u00f6nnte er sich damit nicht \u00fcbernehmen?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Forst:<\/strong>&nbsp;Diese Sorge ist berechtigt. Ein sozialer Dienst w\u00e4re organisatorisch und finanziell aufwendig. Wenn die Verwaltung nicht in der Lage ist, den Dienst sinnvoll zu organisieren, w\u00fcrde er Frustration erzeugen \u2013 bei den jungen Menschen ebenso wie bei den Einrichtungen, in denen sie eingesetzt werden. Gleichzeitig sollte man aus der gegenw\u00e4rtigen Schw\u00e4che mancher Institutionen nicht schlie\u00dfen, dass gesellschaftliche Aufgaben grunds\u00e4tzlich nicht mehr gemeinsam organisiert werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ZEIT:<\/strong>&nbsp;Die Frage ist allerdings auch: Wollen wir \u00fcberhaupt noch mehr Staat? Die Skepsis ist ja jetzt schon in vielen politischen Lagern gro\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Forst:<\/strong>&nbsp;Man muss zun\u00e4chst unterscheiden, welche Formen von Staatsskepsis vorliegen. Es gibt eine berechtigte Kritik an Institutionen, die schlecht funktionieren, privilegierte Interessen bedienen oder ihre Entscheidungen nicht ausreichend rechtfertigen. Es gibt aber auch eine rechtsnationale Staatsfeindlichkeit, die nicht nur eine konkrete Institution kritisiert, sondern die Idee eines Gemeinwesens, in dem Menschen mit unterschiedlichen Lebensformen, Herk\u00fcnften und \u00dcberzeugungen gleichberechtigt zusammenleben. Das hat den Charakter antidemokratischer Regression.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ZEIT:<\/strong>&nbsp;Darf man dennoch als Einzelner sagen: Ich habe diesen Staat nicht gew\u00e4hlt. Ich bin zuf\u00e4llig in ihn hineingeboren worden und teile seine Ziele nicht. Warum soll ich ihm dienen?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Forst:<\/strong>&nbsp;Man dient beim sozialen Dienst eigentlich nicht dem Staat, sondern der Gesellschaft, und man ist Teil des demokratischen Kollektivs, das \u00fcber ihn entscheidet. Bei solchen Verweigerungshaltungen muss man genauer hinschauen \u2013 entstehen sie aus Frustrationen, die aus Erfahrungen struktureller Ungerechtigkeit kommen, oder aus libert\u00e4ren, gar rechtsextremen und antidemokratischen Vorstellungen? Dann stellen sie nicht nur Sozialpflichten infrage, sondern vieles mehr.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ZEIT:<\/strong>&nbsp;Was antworten Sie solchen Leuten?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Forst:<\/strong>&nbsp;In einer Demokratie muss es m\u00f6glich sein, den Staat und seine Institutionen scharf zu kritisieren. Daraus folgt aber nicht, dass man sich aus allen gesellschaftlichen Bez\u00fcgen herausdrehen und sagen kann: \u00bbEure Ordnung ist nicht meine Sache, ich geh\u00f6re nicht dazu.\u00ab Niemand ist gestern wie ein Pilz aus der Erde geschossen, ohne jede Sozialisation. Eine politische Gemeinschaft beruht darauf, dass Menschen bestimmte gemeinsame Regeln akzeptieren und ihre Beitr\u00e4ge leisten. Vorausgesetzt, dass die Gemeinschaft sich selbst rechtfertigen kann und auf Gerechtigkeit unter Gleichgestellten abzielt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ZEIT:<\/strong>&nbsp;Die wenigsten Staaten verlangen bislang einen solchen Dienst. Junge Menschen in Deutschland k\u00f6nnten dadurch Nachteile haben: Sie beginnen sp\u00e4ter mit Studium oder Beruf. Ist es legitim, dass sie auch an sich selbst denken?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Forst:<\/strong>&nbsp;Selbstverst\u00e4ndlich. Die Einzelnen d\u00fcrfen und m\u00fcssen fragen, welche Folgen die Pflicht f\u00fcr das eigene Leben hat und ob daraus besondere Belastungen entstehen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ZEIT:<\/strong>&nbsp;Sie w\u00fcrden die Idee eines sozialen Dienstes nicht grunds\u00e4tzlich f\u00fcr jede Gesellschaft empfehlen?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Forst:<\/strong>&nbsp;Nein. Das h\u00e4ngt stark von der gesellschaftlichen Infrastruktur und der Gesamtsituation ab. Freiwilligkeit ist prinzipiell vorzuziehen, doch in einer Situation, in der eine Gesellschaft ein Auseinanderdriften wahrnimmt, kann sie \u00fcber eine allgemeine Verpflichtung nachdenken \u2013 aber auch, wie gesagt, \u00fcber die Gr\u00fcnde f\u00fcr das Auseinanderdriften!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ZEIT:<\/strong>&nbsp;Wir erleben ein solches Auseinanderdriften. Wer muss dann entscheiden, ob es so weit ist?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Forst:<\/strong>&nbsp;Nicht die Philosophie und auch nicht der Staat, als w\u00e4re die Gesellschaft sein Besitz. Die demokratische Gemeinschaft muss selbst zu dem Schluss kommen, dass ein solcher Dienst sinnvoll ist. Und er funktioniert nur, wenn die Menschen erkennen k\u00f6nnen, dass sie nicht einem \u00fcbergriffigen oder nationalistisch verengten Staat dienen, sondern einer gerechteren Gesellschaft. Im Idealfall sollten sie auch die M\u00f6glichkeit haben, den Dienst au\u00dferhalb des eigenen Landes zu leisten und so eine solidarischere Welt mitzugestalten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Philosoph Rainer Forst h\u00e4lt es f\u00fcr vertretbar, junge Menschen zum Dienst an der Gemeinschaft zu verpflichten \u2013 und erkl\u00e4rt, wie das gelingen kann. 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