{"id":12689,"date":"2026-04-20T16:28:23","date_gmt":"2026-04-20T14:28:23","guid":{"rendered":"https:\/\/normativeorders.net\/?post_type=press&#038;p=12689"},"modified":"2026-04-21T16:28:56","modified_gmt":"2026-04-21T14:28:56","slug":"wider-die-ohnmacht-roemerberggespraeche-das-prinzip-trump","status":"publish","type":"press","link":"https:\/\/normativeorders.net\/en\/press\/wider-die-ohnmacht-roemerberggespraeche-das-prinzip-trump\/","title":{"rendered":"Wider die Ohnmacht. R\u00f6merberggespr\u00e4che: Das Prinzip Trump"},"content":{"rendered":"\n<p>Der Impuls ist allzu bekannt: Gerne w\u00fcrde man den Politikstil von Donald Trump, dessen Tempo der Zurschaustellung r\u00fccksichtsloser Selbstherrlichkeit von Tag zu Tag zuzunehmen scheint, als Absurdit\u00e4t abtun &#8211; um so mit einem Lachen, wie die Psychoanalyse lehrt, Distanz zum \u00dcberw\u00e4ltigenden bis Unertr\u00e4glichen zu schaffen. Doch das Lachen bleibt, ob der Realit\u00e4t der Verrohung, die aktuell um sich greift, im Hals stecken.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Frankfurter R\u00f6merberggespr\u00e4che widerstanden am Samstag im Schauspiel Frankfurt dem Abwehrmechanismus und widmeten sich den unbequemen Fragen nach den Gr\u00fcnden des Erfolgs eines Politikstils, der immer unverhohlener Tabubr\u00fcche begeht und die Werte- und Rechtsordnung des Westens infrage stellt. Die Frage nach der Anziehungskraft ist deshalb so zwingend, da die Politik Trumps vordergr\u00fcndig von irrationalen Elementen durchsetzt scheint. Auf der Beschreibungsebene der nicht abrei\u00dfenden Tabubr\u00fcche zu verbleiben, berge die Gefahr, dem Irrationalen ohnm\u00e4chtig gegen\u00fcberzustehen. Das Perfide am Prinzip Trump sei, dass es Begr\u00fcndungslogiken au\u00dfer Kraft setze, die um das Prinzip der Transgression um jeden Preis ersetzt w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n<p>Insofern versuchte die Veranstaltung einer Ohnmacht entgegenzuwirken, als Gr\u00fcnde ausgearbeitet wurden, wie der von Destruktivit\u00e4t durchdrungene Politikstil verfangen kann. Im Vordergrund der Erkl\u00e4rungsans\u00e4tze standen Positionen, welche die medialen und die sozialpsychologischen Bedingungen der Verbreitungs-, Verst\u00e4rkungs- und Wirkungsmechanismen der autorit\u00e4ren Politik ins Licht r\u00fcckten.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Amerikanist Johannes V\u00f6lz, der an der Goethe-Universit\u00e4t Frankfurt zur \u00c4sthetik des Populismus forscht, brachte die Dynamik der autorit\u00e4ren Verrohung auf den Begriff der &#8220;enthemmten Informalisierung&#8221;, die ein Prozess mit zwei Gesichtern sei. In der Zunahme der Informalisierung, also einem Abbau von Verhaltenscodes und sozialen Regeln, g\u00e4be es ein Moment der Egalisierung. Durch die Ungezwungenheit scheint eine Kommunikation unter Gleichen erm\u00f6glicht. Doch in dem Egalit\u00e4tsversprechen der Ungezwungenheit sei eine enthemmte Z\u00fcgellosigkeit angelegt, die sich gegen ein bedrohlich empfundenes Au\u00dfen richte &#8211; wodurch aus einer \u00c4sthetik der Demokratie selbst ein demokratiefeindlicher Prozess entwachse.<\/p>\n\n\n\n<p>Welches Bed\u00fcrfnis wird durch die Versuchung der Enthemmung gestillt, und warum kann das Angebot sich so gut verbreiten? Mit einem sozialpsychologischen Ansatz stellte Vera King, Frankfurter Soziologin und Direktorin des Sigmund-Freud-Instituts, heraus, wie sehr Phantasmen der Grandiosit\u00e4t die Grundlage autorit\u00e4ren, irrationalen Handelns seien. Sie seien illusion\u00e4re Gef\u00fchlslagen der \u00dcberlegenheit, welche die Funktion haben, Defizitgef\u00fchle und \u00fcberfordernde wie unangenehme Realit\u00e4ten abzuwehren. Die Verf\u00fchrungskraft einer solchen &#8220;phantasmatischen Politik&#8221; liege darin, dass sie autorit\u00e4r sei, sie sich aber \u00fcber Euphorisierung und nicht Zwang verbreite. Das k\u00f6nne die realit\u00e4tsverleugnende Omnipotenzphantasie ausl\u00f6sen.<\/p>\n\n\n\n<p>Natascha Strobl erg\u00e4nzte dieses Theoriemodell mit einem Blick auf geschlechtsspezifische Identit\u00e4tsangebote, denen das Phantasma von Nat\u00fcrlichkeit, St\u00e4rke und Reinheit zugrunde liege. Lehrreich war bei Strobl vor allem der Blick auf die medialen Verbreitungsformate: In der &#8220;Manosphere&#8221; sind es Influencer und Youtuber, die \u00fcber informelle Themen wie Dating, Gaming oder Kulturvideos (&#8220;Die zehn sch\u00f6nsten Kirchen&#8221;) ihre identit\u00e4re Ideologie bei Jugendlichen s\u00e4en, in der &#8220;Womanosphere&#8221; ist es der &#8220;Tradwife&#8221;-Trend. Dass der digitale Medienwandel entscheidend bei der Verbreitung von autorit\u00e4ren Versuchungen ist, arbeitete der K\u00f6lner Medienwissenschaftler Martin Andree heraus. Er f\u00fchrte vor, wie US-Plattformen in ihrer Monopolstellung alle &#8211; auch europ\u00e4ischen &#8211; Medien absorbieren und trotz der selbst\u00e4ndigen Algorithmisierung von Inhalten nicht selbst als Medien gelten, also auch keiner Haftung unterliegen. Mit Blick auf die europ\u00e4ische Debatte machte Andree das Ausma\u00df der Macht von Plattformen deutlich &#8211; wolle man eine \u00d6ffentlichkeit herstellen, die wieder von Dialog und Debatte gepr\u00e4gt sei, f\u00fchre kein Weg an einer rechtlichen Einhegung der Monopole vorbei. Die &#8220;M\u00fchen der Ebene&#8221;, das Nicht-Kulturk\u00e4mpferische k\u00f6nne nur dann einen N\u00e4hrboden haben, wenn der Zerst\u00f6rung der \u00d6ffentlichkeit etwas entgegengesetzt wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Frankfurter R\u00f6merberggespr\u00e4che widerstanden am Samstag im Schauspiel Frankfurt dem Abwehrmechanismus und widmeten sich den unbequemen Fragen nach den Gr\u00fcnden des Erfolgs eines Politikstils, der immer unverhohlener Tabubr\u00fcche begeht und die Werte- und Rechtsordnung des Westens infrage stellt. (Frankfurter Allgemeine Zeitung)<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"template":"","meta":{"inline_featured_image":false,"_links_to":"","_links_to_target":""},"press_cat":[32],"class_list":["post-12689","press","type-press","status-publish","hentry","press_cat-bericht"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/normativeorders.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/press\/12689"}],"collection":[{"href":"https:\/\/normativeorders.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/press"}],"about":[{"href":"https:\/\/normativeorders.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/press"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/normativeorders.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/normativeorders.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12689"}],"wp:term":[{"taxonomy":"press_cat","embeddable":true,"href":"https:\/\/normativeorders.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/press_cat?post=12689"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}