{"id":12105,"date":"2025-12-20T13:05:59","date_gmt":"2025-12-20T12:05:59","guid":{"rendered":"https:\/\/normativeorders.net\/?post_type=press&#038;p=12105"},"modified":"2026-01-12T13:09:18","modified_gmt":"2026-01-12T12:09:18","slug":"nachdenken-ueber-den-frieden-naive-traeumereien-zur-geschichte-des-pazifismus","status":"publish","type":"press","link":"https:\/\/normativeorders.net\/en\/press\/nachdenken-ueber-den-frieden-naive-traeumereien-zur-geschichte-des-pazifismus\/","title":{"rendered":"Nachdenken \u00fcber den Frieden. Naive Tr\u00e4umereien? Zur Geschichte des Pazifismus"},"content":{"rendered":"\n<p>Von Hendrik Simon<\/p>\n\n\n\n<p>Der Pazifismus hat derzeit einen schweren Stand &#8211; wieder einmal. In der viel beschworenen &#8220;Zeitenwende&#8221; mag das Reden \u00fcber den &#8220;Frieden&#8221; als geschw\u00e4tziger Eskapismus erscheinen, der davon abh\u00e4lt, der weltweiten Gewalt &#8211; in der Ukraine, in Gaza, im Sudan oder Myanmar &#8211; ins Auge zu blicken. Statt von &#8220;Frieden&#8221; ist denn auch vielmehr von der &#8220;R\u00fcckkehr des Krieges&#8221;, von Kriegsverbrechen und der Notwendigkeit neuer &#8220;Kriegst\u00fcchtigkeit&#8221; die Rede.<\/p>\n\n\n\n<p>Zwar war der Krieg nie verschwunden, auch nicht aus Europa &#8211; man denke an die jugoslawischen Zerfallskriege. Aber der klassische Staatenkrieg erschien vielen als &#8220;historisches Auslaufmodell&#8221;, wie es Politikwissenschaftler Herfried M\u00fcnkler Anfang der Zweitausenderjahre formulierte, wohlbemerkt kurz vor der US-Invasion im Irak 2003. Mit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine ist der Eroberungskrieg wieder nahe an Deutschland heranger\u00fcckt.<\/p>\n\n\n\n<p>Entsprechend werden hierzulande Fragen der Wehrhaftigkeit und Resilienz gestellt. Neben dem neuen Wehrdienstgesetz steht zugleich die Debatte \u00fcber eine m\u00f6gliche Wiedereinf\u00fchrung der Wehrpflicht im Raum, sollten sich nicht ausreichend Freiwillige finden, wovon auszugehen ist. Hinzu kommen Szenarien einer Ausweitung der russischen Aggression, formuliert etwa vom Politikwissenschaftler Carlo Masala oder vom Historiker S\u00f6nke Neitzel. Wird Deutschlands Sicherheit also bald auch im Baltikum verteidigt?<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcber Frieden nachzudenken, mag vor diesem Hintergrund in der Tat naiv erscheinen: bestenfalls als idealistische Tr\u00e4umerei, schlimmstenfalls als Blindheit gegen\u00fcber den akuten Risiken f\u00fcr Deutschlands und Europas Sicherheit. Dieser Reflex ist allerdings nicht nur empirisch fragw\u00fcrdig, sondern auch politisch unklug: Denn gerade weil in der demokratischen Mitte auffallend wenig \u00fcber Frieden gesprochen wird, konnten populistische Kr\u00e4fte im letzten Wahlkampf den Friedensbegriff vereinnahmen &#8211; ohne ihn allerdings mit substanziellen Ideen zu f\u00fcllen. Auch dass Donald Trump den &#8220;Frieden&#8221; f\u00fcr sich als Form des Dealmakings entdeckt hat, unterstreicht die lange bestehende Leerstelle.<\/p>\n\n\n\n<p>Dabei sehen wir derzeit zudem eine starke affektive Polarisierung des Diskurses \u00fcber milit\u00e4rische Konflikte: hier sogenannte &#8220;Kriegstreiber&#8221;, dort vermeintliche &#8220;Lumpenpazifisten&#8221;. Was fehlt, ist eine ernsthafte Debatte \u00fcber Friedensperspektiven in Zeiten des Krieges, die die akuten Gefahren nicht trivialisiert, zugleich aber dem Schwarz-Wei\u00df-Denken entgegenwirkt, das die politischen Debatten verengt. Daf\u00fcr muss die demokratische Mitte sich st\u00e4rker als bisher des Themas &#8220;Frieden&#8221; annehmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ankn\u00fcpfungspunkte daf\u00fcr finden sich in der langen Geschichte des Pazifismus. Er war nie ein einheitliches Projekt, sondern ein Plural aus differenten Str\u00f6mungen, die teils auch kontr\u00e4re Positionen vertreten. W\u00e4hrend der absolute Pazifismus jegliche (Gegen-) Gewalt verurteilt, erlaubt der relative Pazifismus unter bestimmten Umst\u00e4nden Gegengewalt, insbesondere zur Selbstverteidigung. Gemein ist beiden, dass der Friede den angestrebten Normalzustand darstellt.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese grundlegende Vorstellung entsteht nicht erst in der europ\u00e4ischen Moderne. Das Denken \u00fcber Frieden ist vielmehr eine historische Konstante, die sich in verschiedenen Religionen und Kulturen identifizieren l\u00e4sst &#8211; etwa im Buddhismus, im Judentum, im Christentum, im Islam, im Konfuzianismus, im alten China, Griechenland und Rom.<\/p>\n\n\n\n<p>Der moderne Pazifismus als Grundlage organisierter sozialer Bewegungen entsteht im Laufe des neunzehnten Jahrhunderts &#8211; im Angesicht von Krieg: Zwischen 1792 und 1815 forderte die von der Franz\u00f6sischen Revolution ausgel\u00f6ste Gewalt Millionen Opfer. In Europa und in den USA entstehen erste Friedensgesellschaften. Sie sind christlich gepr\u00e4gt, setzen sich f\u00fcr Abr\u00fcstung ein &#8211; sind aber noch keine Massenbewegung.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr den liberalen Pazifismus gerade hierzulande wird Immanuel Kant zentral. Kant hat Sympathien f\u00fcr die Franz\u00f6sische Republik, nicht aber f\u00fcr ihre kriegerische Expansion. Er legt 1795 seine Friedensschrift &#8220;Zum ewigen Frieden&#8221; vor. Seine Friedensstrategie: die Mitsprache der B\u00fcrger bei Entscheidungen \u00fcber Krieg und Frieden; eine umfassende Verrechtlichung der internationalen Beziehungen, die Schaffung eines V\u00f6lkerbundes zwischen den Staaten und das (v\u00f6lker-)rechtliche Verbot des Krieges. Kant vertritt zudem eine liberale Kritik an der Wehrpflicht: Er kritisiert stehende Heere, die &#8220;andere Staaten unaufh\u00f6rlich mit Krieg&#8221; bedrohten, und die Wehrpflicht, die Menschen zu einem Werkzeug degradiere &#8211; eine Vorstellung, die sich nicht mit dem &#8220;Rechte der Menschheit&#8221; vereinigen lasse.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Als der Pazifismus zur Massenbewegung wurde<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Ganz anders&#8221; aber, so Kant, verhalte es sich &#8220;mit der freiwilligen periodisch vorgenommenen \u00dcbung der Staatsb\u00fcrger in Waffen&#8221;, um &#8220;sich und ihr Vaterland dadurch gegen Angriffe von au\u00dfen zu sichern&#8221;. Kurzum: Das Recht auf Selbstverteidigung steht auch f\u00fcr Kants Pazifismus nicht zur Disposition. Aber nur dann, wenn sich die B\u00fcrger aus freien St\u00fccken entscheiden, ihre Republik zu verteidigen. Ein erzwungener Wehrdienst l\u00e4sst sich mit Kants Vorstellung einer Ann\u00e4herung an den Frieden nicht vereinbaren.<\/p>\n\n\n\n<p>Kants Friedensschrift wird in b\u00fcrgerlichen Kreisen des neunzehnten Jahrhunderts viel zitiert. Sie er\u00f6ffnet damit gewisserma\u00dfen den modernen liberalen Pazifismus, der nach einem v\u00f6lkerrechtlichen Kriegsverbot strebt. Noch heute ist Kant in dieser Tradition eine zentrale Referenz f\u00fcr den &#8220;legal pacifism&#8221; beziehungsweise Rechtspazifismus (&#8220;Frieden durch Recht&#8221;).<\/p>\n\n\n\n<p>Zu Massenbewegungen entwickelt sich der Pazifismus Ende des neunzehnten Jahrhunderts. Auch der Begriff &#8220;Pazifismus&#8221; beginnt sich nun allm\u00e4hlich durchzusetzen. Das geschieht vor dem Hintergrund zunehmender Spannungen zwischen den europ\u00e4ischen Gro\u00dfm\u00e4chten. Der Gro\u00dfe Krieg wird denkbar &#8211; und 1914 schlie\u00dflich ausbrechen. Der Pazifismus reagiert auch auf die industrialisierte Fortentwicklung von Waffentechnologien: in den Achtzigerjahren des neunzehnten Jahrhunderts wird etwa das Maschinengewehr eingesetzt, zun\u00e4chst zur Aufstandsbek\u00e4mpfung in Kolonien, sp\u00e4ter in allen Kriegen. Zudem beg\u00fcnstigen die Herausbildung der Massenmedien und h\u00f6here Alphabetisierungsraten ein \u00f6ffentliches Bewusstsein f\u00fcr die Grauen des Krieges &#8211; und damit die Chancen f\u00fcr die Forderung, den Krieg zu \u00e4chten.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Forderung wird vor allem von einer Autorin erhoben, die f\u00fcr den Pazifismus zentrale Bedeutung gewann: Bertha von Suttner. Die \u00f6sterreichische Schriftstellerin ver\u00f6ffentlicht 1889 ihren Roman &#8220;Die Waffen nieder!&#8221;, in dem sie schonungslos die Gr\u00e4uel des Krieges schildert: Die Ich-Erz\u00e4hlerin, Gr\u00e4fin Martha Althaus, erlebt vier Kriege des neunzehnten Jahrhunderts, verliert durch Krieg und Cholera ihren Mann, ihre Geschwister und Eltern &#8211; und wird zur Pazifistin. Das Buch wird ein internationaler Erfolg, mit zahlreichen Auflagen und \u00dcbersetzungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Suttner tritt nicht nur f\u00fcr Abr\u00fcstung, pr\u00e4ventive Friedenspolitik und die Verrechtlichung der internationalen Politik ein. Sie zeigt auch die sozialen Konsequenzen des Krieges &#8211; insbesondere f\u00fcr Familien und Ehefrauen, die im neunzehnten Jahrhundert selbst nicht k\u00e4mpfen, aber die indirekten Lasten der K\u00e4mpfe tragen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ihre militaristischen Zeitgenossen versuchen, Suttner als &#8220;Friedensbertha&#8221; zu diffamieren: Sie werfen ihr Naivit\u00e4t, Unweiblichkeit oder sogar Vaterlandsverrat vor. Dabei geht der Naivit\u00e4tsvorwurf fehl. Denn Suttner stellt den Krieg weit realistischer dar als die Milit\u00e4rs und Politiker ihrer Zeit, die ihn als heroischen Kulturkatalysator verkl\u00e4ren wollen &#8211; und damit die eigentlichen Tr\u00e4umer sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie die Friedenslehre Kants erzielen auch Suttners Schriften gro\u00dfe Wirkung &#8211; und beg\u00fcnstigen wohl auch, dass Alfred Nobel in seinem Testament die Stiftung des Friedensnobelpreises festh\u00e4lt: Suttner arbeitet kurzzeitig als Sekret\u00e4rin f\u00fcr den schwedischen Chemiker, der ihre Texte interessiert liest. 1905 wird sie als erste Frau mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Den Naivit\u00e4tsvorwurf gibt es auch unter Pazifisten<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In den Friedensbewegungen des neunzehnten und zwanzigsten Jahrhunderts herrscht jedoch keineswegs nur Einigkeit. So gelten b\u00fcrgerliche Pazifisten aus Sicht von Sozialistinnen wie Rosa Luxemburg oder Clara Zetkin als nicht entschieden genug. Sie bem\u00e4ngeln, dass liberale Pazifisten die Ausbeutung des Proletariats im Krieg nicht ausreichend thematisieren; manche liberale Friedensideen erscheinen ihnen als blo\u00dfes Lippenbekenntnis, das an den Ursachen des Krieges vorbeigeht. Umgekehrt halten einige liberale Pazifisten die sozialistischen Konzepte mitunter f\u00fcr naiv oder gar gef\u00e4hrliche Utopien. Der Naivit\u00e4tsvorwurf zirkuliert also nicht nur zwischen Pazifisten und Nichtpazifisten, sondern auch zwischen Pazifisten.<\/p>\n\n\n\n<p>Den Ausbruch des Ersten Weltkriegs k\u00f6nnen aber auch sozialistische Pazifisten nicht verhindern. Zu einem transnationalen Generalstreik kommt es 1914 nicht. Doch Zetkin organisiert nach Kriegsausbruch, am 26. und 27. M\u00e4rz 1915, in Bern die erste Internationale Sozialistische Frauenkonferenz. &#8220;Nicht die Verteidigung des Vaterlandes, seine Vergr\u00f6\u00dferung ist der Zweck dieses Krieges! (&#8230;) Die Arbeiter haben durch diesen Krieg nichts zu gewinnen, wohl aber alles zu verlieren, was ihnen lieb und teuer ist&#8221;, formulieren die f\u00fcnfundzwanzig anwesenden Sozialistinnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Hat der Pazifismus 1914 also versagt? Das k\u00f6nnte man annehmen, wenn man seinen Erfolg allein daran misst, Kriege zu verhindern. Misst man ihn hingegen eher an seiner fortlaufenden Wirkung, f\u00e4llt die Antwort trotz zweier Weltkriege anders aus.<\/p>\n\n\n\n<p>In der \u00c4ra der Dekolonialisierung wird eine Form des Pazifismus praktiziert, die auf radikale Gewaltlosigkeit und zivilen Ungehorsam setzt. Mahatma Gandhi greift das Prinzip des &#8220;Satyagraha&#8221; auf und erzielt damit im gewaltfreien Widerstand gegen das britische Empire Erfolge. Seine Methode findet weltweit Nachahmer &#8211; etwa in der US-amerikanischen B\u00fcrgerrechtsbewegung und bei Martin Luther King. Auch in Westdeutschland setzen in den Achtzigerjahren pazifistische Proteste auf zivilen Ungehorsam, etwa gegen den NATO-Doppelbeschluss von 1979. Vor dem Hintergrund der Auseinandersetzung mit dem Zweiten Weltkrieg und dem Holocaust wollen viele Menschen in der Bundesrepublik Lehren aus der Vergangenheit ziehen. Die Bonner Hofgarten-Demonstration 1981 mit \u00fcber 300.000 Menschen oder die Blockade des US-St\u00fctzpunkts in Mutlangen 1983 durch etwa tausend Aktivisten werden zu pr\u00e4genden Momenten dieser neuen Friedensbewegung. Erste Risse bekommt sie sp\u00e4testens in den Neunzigerjahren &#8211; angesichts der NATO-Intervention im Kosovo, eines v\u00f6lkerrechtswidrigen Kriegs, den unter anderem Joschka Fischer und J\u00fcrgen Habermas als &#8220;humanit\u00e4re Intervention&#8221; zu rechtfertigen suchen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann kommt der 24. Februar 2022. Erneut stellt sich die Frage: Ist Pazifismus naiv? Und was l\u00e4sst sich aus seiner Geschichte noch lernen? F\u00fcr Historiker ist das keine einfache Frage, Geschichte wiederholt sich nicht. Dennoch bietet die lange Geschichte des Pazifismus Ankn\u00fcpfungspunkte f\u00fcr die heutigen Debatten. Die grundlegendste Frage lautet dabei angesichts des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine, ob Gewalt mit Gegengewalt beantwortet werden darf. Kant, so wurde oben skizziert, w\u00fcrde diese Frage bejahen, unter der Bedingung, dass B\u00fcrger freiwillig zum Kampf bereit sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch die Kirchen in Deutschland ringen derzeit wieder mit der Frage der Legitimation von Gegengewalt. Die Evangelische Kirche hat in ihrer j\u00fcngsten Denkschrift &#8220;Welt in Unordnung &#8211; gerechter Friede im Blick&#8221; Gegengewalt als ethisch gerechtfertigt bezeichnet und auch Verst\u00e4ndnis f\u00fcr Aufr\u00fcstung gezeigt. Ein &#8220;Pazifismus des kategorischen Gewaltverzichts als universale politische Ethik&#8221;, so die Denkschrift, sei &#8220;nicht zu legitimieren&#8221;.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer daf\u00fcr eintritt, Deutschland wieder verteidigungsf\u00e4hig zu machen, und die Ukraine in ihrer Selbstverteidigung unterst\u00fctzt sehen m\u00f6chte, kann durchaus auch Lehren aus dem Pazifismus aufgreifen. Der liberale Pazifismus in Tradition Kants bietet etwa einen normativen Anker, um f\u00fcr die Verteidigung des (V\u00f6lker-)Rechts gerade unter Bedingungen der &#8220;Zeitenwende&#8221; einzutreten: f\u00fcr eine enge Definition legitimer Selbstverteidigung, f\u00fcr R\u00fcstungskontrolle und f\u00fcr ein wirksames R\u00fcstungsexportkontrollgesetz. So l\u00e4sst sich auch argumentieren, Waffenexporte jedenfalls dort zu stoppen, wo massive Verst\u00f6\u00dfe gegen das Humanit\u00e4re Kriegsv\u00f6lkerrecht stattfinden &#8211; wie im Gazakrieg nach dem 7. Oktober 2023.<\/p>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich ist auch heute kaum zu erwarten, dass ein transnationaler Generalstreik Putins neoimperialen Krieg in der Ukraine beenden wird. Dennoch kann man, angeleitet von pazifistischen Traditionen, genauer hinsehen, wer im Krieg besonders leidet &#8211; und wie man diesen Menschen konkret helfen kann. Im Zentrum steht dabei die angegriffene Zivilbev\u00f6lkerung, sei es in der Ukraine, in Israel, in Gaza, oder im Sudan. Doch der Blick k\u00f6nnte auch darauf gerichtet werden, in welchen gesellschaftspolitischen Zusammenh\u00e4ngen Kriege gef\u00fchrt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Selbst wer Krieg als Realit\u00e4t anerkennt und Deutschland milit\u00e4risch einsatzbereit sehen will, kommt schlie\u00dflich am Frieden als normativem Leitbild nicht vorbei. Und vermutlich w\u00e4re es kl\u00fcger, dieses Ideal nicht den populistischen Stimmungsmachern zu \u00fcberlassen &#8211; sondern selbst wieder mehr vom Frieden zu handeln.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Text basiert auf einem Vortrag, den der Autor k\u00fcrzlich bei den unter dem Thema &#8220;Wozu Pazifismus?&#8221; stehenden 58. R\u00f6merberggespr\u00e4chen gehalten hat.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Pazifismus hat derzeit einen schweren Stand &#8211; wieder einmal. In der viel beschworenen &#8220;Zeitenwende&#8221; mag das Reden \u00fcber den &#8220;Frieden&#8221; als geschw\u00e4tziger Eskapismus erscheinen, der davon abh\u00e4lt, der weltweiten Gewalt &#8211; in der Ukraine, in Gaza, im Sudan oder Myanmar &#8211; ins Auge zu blicken. Statt von &#8220;Frieden&#8221; ist denn auch vielmehr von der &#8220;R\u00fcckkehr des Krieges&#8221;, von Kriegsverbrechen und der Notwendigkeit neuer &#8220;Kriegst\u00fcchtigkeit&#8221; die Rede. 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