{"id":11843,"date":"2025-11-22T13:43:30","date_gmt":"2025-11-22T12:43:30","guid":{"rendered":"https:\/\/normativeorders.net\/?post_type=press&#038;p=11843"},"modified":"2025-11-24T13:46:57","modified_gmt":"2025-11-24T12:46:57","slug":"einige-universitaeten-bereiten-sich-auf-afd-regierung-vor","status":"publish","type":"press","link":"https:\/\/normativeorders.net\/en\/press\/einige-universitaeten-bereiten-sich-auf-afd-regierung-vor\/","title":{"rendered":"Einige Universit\u00e4ten bereiten sich auf AfD-Regierung vor"},"content":{"rendered":"\n<p>Die Wissenschaftsfreiheit ist nicht nur in den USA gef\u00e4hrdet. Die Standards m\u00fcssen in einer internationalen Anstrengung verteidigt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Von Christopher Daase und Nicole Deitelhoff<\/p>\n\n\n\n<p>Es war abzusehen, dass die Trump-Administration auch die Wissenschaft ins Visier nehmen w\u00fcrde. Schon 2021 hatte der heutige Vizepr\u00e4sident J. D. Vance erkl\u00e4rt, die Universit\u00e4ten seien &#8220;der Feind&#8221;. Man m\u00fcsse sie &#8220;aggressiv bek\u00e4mpfen&#8221;, um die Vorherrschaft liberalen Denkens zu brechen. Wie schnell nach der R\u00fcckkehr Donald Trumps ins Wei\u00dfe Haus sich eine wissenschaftsfeindliche Stimmung im Land ausbreiten, wie massiv politischer Druck auf die Universit\u00e4ten ausge\u00fcbt und wie drastisch die Wissenschaftsfreiheit beschnitten werden w\u00fcrde, hat viele \u00fcberrascht, am meisten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an den Universit\u00e4ten selbst.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Wissenschaft ist jedoch nur eine der Arenen des antiliberalen Rollbacks, und obgleich die Vereinigten Staaten das Epizentrum dieser Entwicklung sind, handelt es sich um einen gr\u00f6\u00dferen Trend, bei dem die Quellen politischer Ordnung und epistemischer Autorit\u00e4t innerhalb der westlichen Welt angefochten werden. Das liberale Narrativ, das auf den Prinzipien individueller Freiheit, gesellschaftlichen Fortschritts und wissenschaftlicher Rationalit\u00e4t basiert, wird grunds\u00e4tzlich infrage gestellt, w\u00e4hrend alternative Erz\u00e4hlungen an Bedeutung gewinnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Egal ob wir sie nationalistisch, nativistisch oder populistisch-autorit\u00e4r nennen: Sie zielen darauf ab, demokratische Institutionen zu schw\u00e4chen, liberale B\u00fcrgerrechte einzuschr\u00e4nken und internationale Zusammenarbeit zu begrenzen. Diese Entwicklung erfasst alle Bereiche politischer Ordnung, einschlie\u00dflich Wissenschaft und Forschung. Der Kampf um akademische Freiheit und die Autonomie der Wissenschaft ist deshalb auch ein Kampf um die Demokratie.<\/p>\n\n\n\n<p>Die aktuelle Welle der Anfechtung liberaler Ordnungen l\u00e4sst sich bis in die sp\u00e4ten Neunzigerjahre zur\u00fcckverfolgen, als die Euphorie \u00fcber das Ende des Kalten Krieges angesichts unerf\u00fcllter Versprechen liberaler und neoliberaler Politik verpuffte. Auf internationaler Ebene erwiesen sich viele liberale Projekte als regelrechte Katastrophen: Die milit\u00e4rischen Interventionen, die Menschenrechte sch\u00fctzen und Demokratie st\u00e4rken sollten, verursachten h\u00e4ufig mehr Leid und Zerst\u00f6rung als die urspr\u00fcnglichen Konflikte. In anderen F\u00e4llen sahen internationale Organisationen &#8211; allen voran die Vereinten Nationen &#8211; tatenlos zu, wie sich Massaker und V\u00f6lkermorde ereigneten. Auch die wirtschaftspolitischen Versprechen der Globalisierung erf\u00fcllten sich f\u00fcr viele Staaten nicht. W\u00e4hrend die Volkswirtschaften westlicher Staaten von direkten internationalen Eingriffen weitgehend verschont blieben, ersch\u00fctterte die neoliberale Entfesselung internationaler Finanz- und Wirtschaftsstr\u00f6me soziale Sicherungssysteme und Arbeitskulturen in vielen Staaten insbesondere des Globalen S\u00fcdens.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Entwicklungen versch\u00e4rften sich in den sp\u00e4ten Nullerjahren mit dem Einsetzen einer ganzen Reihe globaler Krisen &#8211; von der Finanzkrise \u00fcber die Corona-Krise bis hin zum russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine, der die europ\u00e4ische Sicherheitsordnung zerst\u00f6rte. Die vielen Gewaltkonflikte in seiner Folge, allen voran der Krieg in Gaza, zeigen, wie tief das Misstrauen der Staaten inzwischen ist und wie wenig sie noch auf internationale Regelwerke und Organisationen vertrauen.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Krisen schw\u00e4chen nicht nur die internationale Ordnung, sondern auch die nationalen Ordnungen. Sie verdeutlichen, wie br\u00fcchig die internationale Solidarit\u00e4t zwischen den Staaten ist, und ersch\u00fcttern das Vertrauen vieler Menschen in die F\u00e4higkeit des Staates, sie vor den schlimmsten Katastrophen zu sch\u00fctzen. Die damit einhergehende existenzielle Verunsicherung beg\u00fcnstigt alternative Ordnungsangebote, die schnelle Abhilfe versprechen und die Ursache der Krisen im Fremden verorten &#8211; von Einwanderern und Fl\u00fcchtlingen bis zu ausl\u00e4ndischen M\u00e4chten und globalen Verschw\u00f6rungen.<\/p>\n\n\n\n<p>In fast allen liberalen Demokratien gewinnen diese Ideen an Boden. Von Ungarn und Italien \u00fcber Frankreich und Deutschland bis hin zu Schweden, dem Vereinigten K\u00f6nigreich, Brasilien, Indien und den USA haben rechtspopulistische Bewegungen und autorit\u00e4re Parteien an Unterst\u00fctzung gewonnen. Sie sind in Parlamente eingezogen und haben in einigen F\u00e4llen sogar Regierungen gebildet. Mit ihrem Aufstieg nehmen die Angriffe auf die Grundlagen der liberalen Demokratie rapide zu, die als Elitenprojekt denunziert wird, das keinem anderen Zweck dient, als das Volk auszubeuten. Populistische Parteien wenden sich gegen Gewaltenteilung und repr\u00e4sentative Regierung, da diese angeblich den wahren Willen des Volkes verzerren. Sie polemisieren gegen Minderheitenrechte, die die Mehrheit diskriminieren w\u00fcrden, und verneinen die Unabh\u00e4ngigkeit sozialer Sph\u00e4ren wie Recht, Kunst und Kultur, die als Horte liberaler Macht gelten.<\/p>\n\n\n\n<p>In diesem Kontext sind Angriffe auf Wissenschaft und Forschung folgerichtig, da auch sie als Herrschaftsinstrumente einer korrupten Elite betrachtet werden, die den moralischen und politischen Verfall eines imagin\u00e4ren, kulturell und ethnisch reinen Abendlandes betreibt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Eingriffe der Trump-Regierung in das Wissenschaftssystem der USA sind massiv. Gleich zu Beginn der zweiten Amtszeit wurden wichtige, vom Kongress eingerichtete Forschungsinstitutionen wie das U.S. Institute for Peace und das Woodrow Wilson Center f\u00fcr &#8220;\u00fcberfl\u00fcssig&#8221; erkl\u00e4rt und faktisch stillgelegt. Forschungseinrichtungen in Medizin, Umwelt- und Klimaschutz wurden geschlossen oder verkleinert. Durch den Entzug von Forschungsmitteln wurden Universit\u00e4ten wie die Columbia oder j\u00fcngst die Cornell University zu politischen und organisatorischen Reformen gezwungen, die der Regierung Zugriff auf Informationen \u00fcber Studierende und Einfluss auf Einstellungsprozesse und Lehrinhalte gew\u00e4hren.<\/p>\n\n\n\n<p>Zuletzt erlie\u00df die Regierung ein Dekret zu einem neuen &#8220;Goldstandard f\u00fcr die Wissenschaft&#8221;, das festlegt, dass alle staatlich gef\u00f6rderten Forschungsprojekte durch einen politischen Beamten daraufhin gepr\u00fcft werden m\u00fcssen, ob sie den politischen Zielen des Pr\u00e4sidenten entsprechen und keine &#8220;antiamerikanischen&#8221; Werte vertreten.<\/p>\n\n\n\n<p>Interessant ist, dass es bislang keinen kollektiven Widerstand gegen diese Ma\u00dfnahmen gibt. Als die Regierung die Columbia University ins Visier nahm, duckten sich die anderen Universit\u00e4ten weg und hofften, dem Zorn des Pr\u00e4sidenten zu entgehen. Das liegt unter anderem an einem stark \u00f6konomisierten Wissenschaftssystem, in dem der Sinn f\u00fcr gemeinsame wissenschaftliche Werte hinter wirtschaftlichen Interessen und dem Wettbewerb mit anderen Universit\u00e4ten zur\u00fccktritt. So war es f\u00fcr die Trump-Administration ein Leichtes, die Universit\u00e4ten gegeneinander auszuspielen und die Wissenschaftsfreiheit Schritt f\u00fcr Schritt einzuschr\u00e4nken.<\/p>\n\n\n\n<p>Dem gleichen Ziel dient auch der j\u00fcngste Vorschlag f\u00fcr einen &#8220;Compact&#8221;, der ausgew\u00e4hlten Universit\u00e4ten hohe F\u00f6rdersummen und andere Vorteile verspricht, sofern sie strikte Gender-Vorstellungen beachten, die Zahl ausl\u00e4ndischer Studierender begrenzen und jegliche Kritik oder Herabsetzung konservativer Ideen verhindern. W\u00e4hrend die University of Texas bereits ihr Interesse bekundet hat, lehnen andere Universit\u00e4ten wie das MIT und die Brown University aus Sorge um ihre akademische Freiheit ab.<\/p>\n\n\n\n<p>Dennoch gibt es keinen Grund, mitleidig auf die USA zu schauen. \u00c4hnliches geschieht auch in Europa, wo die ungarische Regierung die Central European University aus dem Land gedr\u00e4ngt hat, die akademische Freiheit einschr\u00e4nkt und versucht, ihre politische Kontrolle auszuweiten. Auch andere Regierungen in Europa verlangen zunehmend politische Loyalit\u00e4t von der Wissenschaft und diskutieren mehr oder weniger offen die Streichung von Forschungsgeldern im Fall politisch unliebsamen Verhaltens. Dass das Bundesforschungsministerium 2024 Dossiers \u00fcber israelkritische Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen anlegte und die Streichung ihrer Projektmittel erwog, ist zu Recht skandalisiert worden. Schwieriger zu kritisieren ist die Umschichtung von F\u00f6rdermitteln in die anwendungsorientierte Forschung. Diese \u00fcberfordert vor allem kleine F\u00e4cher und dr\u00e4ngt die Grundlagenforschung zur\u00fcck, die ihren unmittelbaren wirtschaftlichen Nutzen nur schwer nachweisen kann.<\/p>\n\n\n\n<p>In Zeiten sinkender Grundfinanzierung der Universit\u00e4ten gewinnen politisch kontrollierte Forschungsgelder generell an Bedeutung. In Deutschland hat das Forschungsministerium beispielsweise die Aufgabe, politische Schwerpunkte in Wissenschaft und Forschung festzulegen und zus\u00e4tzlich zur traditionellen, unabh\u00e4ngigen \u00f6ffentlichen Forschungsf\u00f6rderung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) zu f\u00f6rdern. Wenn die Mittel des Ministeriums f\u00fcr wissenschaftliche Einrichtungen und einzelne Forschende wichtiger werden, steigt die Gefahr, dass die akademische Freiheit eingeschr\u00e4nkt wird &#8211; sei es durch Selbstzensur oder durch den Druck, sich auf spezifische Forschungsfragen einzulassen. Das Verh\u00e4ltnis zwischen unabh\u00e4ngiger und politischer Forschungsf\u00f6rderung ist daher wahrscheinlich ein guter Gradmesser f\u00fcr akademische Freiheit einerseits und politische Krisenhaftigkeit andererseits.<\/p>\n\n\n\n<p>Obwohl es einen breiten Konsens dar\u00fcber gibt, dass die akademische Freiheit ein Grundelement einer freiheitlichen Gesellschaft ist, gewinnt die Idee st\u00e4rkerer Kontrolle \u00fcber Wissenschaft und Forschung auch in Europa an Boden. Das zeigt sich etwa an der steigenden Zahl parlamentarischer Anfragen der AfD zu spezifischen Forschungsthemen, ganzen Wissenschaftsbereichen und einzelnen Forschungsinstituten. Diese Anfragen spiegeln das tiefe Misstrauen der Partei gegen\u00fcber der Wissenschaft im Allgemeinen und ihre Feindseligkeit gegen\u00fcber bestimmten Forschungszweigen, die mit ihrer Ideologie in Konflikt stehen. Einige Universit\u00e4ten und Forschungseinrichtungen bereiten sich bereits auf eine Zukunft vor, in der eine von der AfD kontrollierte Regierung versuchen k\u00f6nnte, die akademische Freiheit oder den Zugang zu Forschungsgeldern einzuschr\u00e4nken.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Gegensatz zu den USA scheint die Autonomie von Wissenschaft und Forschung in Deutschland zwar vorerst robust zu sein. Dennoch hat die Entwicklung in den USA Auswirkungen auf Wissenschaft und Forschung in Europa. Werden aus politischen Gr\u00fcnden ganze Forschungszweige der medizinischen Forschung eingestellt, die Datenerhebung zu Umweltsch\u00e4den und Klimaver\u00e4nderungen beendet und vorhandene Daten zur \u00f6ffentlichen Gesundheit verf\u00e4lscht oder zerst\u00f6rt, hat das nicht nur f\u00fcr die Wissenschaft, sondern auch f\u00fcr die Gesellschaft schwerwiegende Folgen. Das gilt auch f\u00fcr andere Bereiche wie die angestrebte Neuinterpretation der nationalen und internationalen Geschichte in den USA durch gezielte Eingriffe in Lehrpl\u00e4ne, Kulturf\u00f6rderung und Museumsarbeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Wissenschaft und Forschung k\u00f6nnen die Angriffe auf die liberale Ordnung weder aufhalten noch umkehren. Sie k\u00f6nnen jedoch dazu beitragen, die akademische Freiheit zu bewahren und somit einen wichtigen Pfeiler der Demokratie zu st\u00fctzen. Dazu m\u00fcssen sie zun\u00e4chst Fehlentwicklungen in der Wissenschaft selbst entgegentreten, die das Vertrauen in die Wissenschaft sinken lassen. Trotz aller Fortschritte bei der Entwicklung von Exzellenzindikatoren wird die Qualit\u00e4t von Wissenschaftlern nach wie vor anhand der Anzahl ihrer Ver\u00f6ffentlichungen, Zitationen und Drittmittelsummen gemessen. Dies hat zu einer starken Zunahme zweifelhafter Publikationsorgane, irrelevanter Artikel und von Skandalen um gef\u00e4lschte Daten gef\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein weiteres Problem ist die \u00f6ffentliche Vermarktung von Wissenschaft. Die Allgegenwart der immergleichen Wissenschaftler in den Medien mag selbst ein Symptom der Krise sein, insofern man sich Sicherheit durch Expertise verspricht. Das Problem dabei ist, dass Wissenschaftler durch die stetige Kommentierung politischer Debatten zunehmend selbst als politische Akteure wahrgenommen werden. Zwar kann Wissenschaft bei der Einordnung politischer Sachverhalte helfen, sie braucht jedoch auch Distanz, die ihr die krisenorientierte Medien- und Politiklandschaft kaum mehr gew\u00e4hrt.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch bei der Jagd nach F\u00f6rdermitteln ist Distanz gefragt. Regierungen m\u00fcssen in der Lage sein, politisch gewollte Themen und Forschungsbereiche zu priorisieren und entsprechend finanziell zu f\u00f6rdern. Je gr\u00f6\u00dfer jedoch der Problemdruck einer Krise ist &#8211; wie derzeit im Bereich der Sicherheit und Verteidigung oder zuvor in der Extremismuspr\u00e4vention und in der Batterieforschung -, desto eher sind Regierungen geneigt, die Bewertungsstandards f\u00fcr Forschungszusch\u00fcsse zu lockern und teils erhebliche Summen auch ohne verl\u00e4sslichen wissenschaftlichen Bewertungsprozess zu gew\u00e4hren. Das ist ein Rezept f\u00fcr schlechte Wissenschaft und schlechte Politik. Bislang wird das allerdings nur von denen kritisiert, die in diesem Prozess leer ausgehen. Wichtig w\u00e4re es, wenn die Wissenschaftsgemeinschaft diese Praxis insgesamt ablehnen und angemessene Begutachtung einfordern w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p>Genau wie Demokratie kann auch akademische Freiheit nicht mehr nur im eigenen Land verteidigt werden, sondern muss zu einer internationalen Anstrengung werden. Denn die Angriffe auf die Wissenschaft werden zunehmend transnational koordiniert. Es reicht nicht aus, akademische Standards in einem Land zu verteidigen, w\u00e4hrend die Politisierung der Wissenschaft in einem anderen Land voranschreitet. Akademische Standards sind keine nationalen, sondern internationale, ja universelle Standards, die nur gemeinsam aufrechterhalten werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Beispiel ist das Peer-Review-Verfahren, das sich gerade international durchzusetzen begann, nun aber in den USA unter politischen Vorbehalt gestellt wird. Damit halten politische Erw\u00e4gungen offiziell Einzug in die Beurteilung wissenschaftlicher Qualit\u00e4t. Bei Ver\u00f6ffentlichungen in amerikanischen Fachzeitschriften muss inzwischen damit gerechnet werden, dass Redaktionen &#8220;R\u00fccksicht&#8221; auf die politische Agenda des US-Pr\u00e4sidenten nehmen oder sogar einfordern. Um dieser G\u00e4ngelung und dem Problem der Selbstzensur entgegenzutreten, br\u00e4uchte es mehr nichtamerikanische A-Journals, also ein professionelleres akademisches Publikationswesen. Europa sollte nicht nur bei Fragen der digitalen Infrastruktur, sondern auch beim wissenschaftlichen Publizieren souver\u00e4n werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Das schlie\u00dft Zusammenarbeit nicht aus &#8211; im Gegenteil. In der gegenw\u00e4rtigen Situation kann die transatlantische Wissenschaftskooperation dazu beitragen, dass Daten gesch\u00fctzt und Wissensbest\u00e4nde gesichert werden, die f\u00fcr wissenschaftlichen Fortschritt und Innovation unabdingbar sind. Gastforschungsprogramme k\u00f6nnen Raum f\u00fcr unabh\u00e4ngige Forschung und kritisches Denken schaffen, wenn Forschungsfelder beschnitten und Ans\u00e4tze tabuisiert werden. All das wird aber nicht hinreichen, wenn es nicht gelingt, Menschen wieder f\u00fcr die Freiheit von Wissenschaft und Forschung zu gewinnen. Daf\u00fcr braucht es nicht nur Daten, sondern vor allem K\u00f6pfe. Gerade in Zeiten, in denen Austausch und Begegnung zur\u00fcckgefahren werden, m\u00fcssen diese wieder gest\u00e4rkt werden: Austauschprogramme f\u00fcr Studierende sollten jetzt intensiviert werden. Junge Menschen in die Welt des kritischen Denkens, der freien Wissenschaft und der unabh\u00e4ngigen Forschung zu sozialisieren, ist vermutlich der beste Weg, um die Integrit\u00e4t des internationalen Wissenschaftssystems und damit auch die liberale Demokratie zu st\u00e4rken.<\/p>\n\n\n\n<p>Christopher Daase ist Direktoriumsmitglied des Peace Research Institute Frankfurt (des fr\u00fcheren Leibniz-Instituts f\u00fcr Friedens- und Konfliktforschung) und Professor f\u00fcr Internationale Beziehungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nicole Deitelhoff ist Leiterin des PRIF, Professorin f\u00fcr Internationale Beziehungen und Theorien globaler Ordnung an der Goethe-Universit\u00e4t Frankfurt am Main und Ko-Sprecherin des Forschungszentrums &#8220;Normative Ordnungen&#8221;.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Wissenschaftsfreiheit ist nicht nur in den USA gef\u00e4hrdet. Die Standards m\u00fcssen in einer internationalen Anstrengung verteidigt werden. Gastbeitrag von Christopher Daase und Nicole Deitelhoff (Frankfurter Allgemeine Zeitung)<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"template":"","meta":{"inline_featured_image":false,"_links_to":"","_links_to_target":""},"press_cat":[386],"class_list":["post-11843","press","type-press","status-publish","hentry","press_cat-gastbeitrag"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/normativeorders.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/press\/11843"}],"collection":[{"href":"https:\/\/normativeorders.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/press"}],"about":[{"href":"https:\/\/normativeorders.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/press"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/normativeorders.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/normativeorders.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11843"}],"wp:term":[{"taxonomy":"press_cat","embeddable":true,"href":"https:\/\/normativeorders.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/press_cat?post=11843"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}