{"id":11225,"date":"2025-09-05T14:14:02","date_gmt":"2025-09-05T12:14:02","guid":{"rendered":"https:\/\/normativeorders.net\/?post_type=press&#038;p=11225"},"modified":"2025-09-11T14:16:55","modified_gmt":"2025-09-11T12:16:55","slug":"frankfurter-gesichter-sybille-steinbacher","status":"publish","type":"press","link":"https:\/\/normativeorders.net\/en\/press\/frankfurter-gesichter-sybille-steinbacher\/","title":{"rendered":"Frankfurter Gesichter: Sybille Steinbacher"},"content":{"rendered":"\n<p>Dachau, die Stadt mit dem ber\u00fcchtigten Konzentrationslager, hat den Lebensweg der 1966 in M\u00fcnchen geborenen Sybille Steinbacher entscheidend beeinflusst. Als junge Frau erarbeitete sie mit anderen Geschichtsinteressierten eine Ausstellung mit dem Titel &#8220;Dachau ist somit judenfrei&#8221;. Zudem engagierte sie sich in einem F\u00f6rderverein, der in der bayerischen Stadt eine internationale Jugendbegegnungsst\u00e4tte einrichten wollte. Die in Dachau regierende CSU lehnte das Vorhaben mit dem Argument, eine solche Begegnungsst\u00e4tte schade dem Ruf der Stadt, entschieden ab.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Erfahrungen veranlassten Steinbacher, die damals in M\u00fcnchen Geschichte und Politik studierte, ihre Magisterarbeit \u00fcber Dachau w\u00e4hrend des Nationalsozialismus zu schreiben. Sie erschien 1993 als Buch mit dem Titel &#8220;Dachau &#8211; die Stadt und das Konzentrationslager in der NS-Zeit&#8221; und war eine der ersten Untersuchungen, die das soziale Umfeld eines solchen Lagers in den Blick nahm. Das Werk fiel dem Historiker Norbert Frei, der damals Mitarbeiter am M\u00fcnchner Institut f\u00fcr Zeitgeschichte war, positiv auf. Er lud Steinbacher zur Teilnahme an seinem Forschungsprojekt \u00fcber Auschwitz ein.<\/p>\n\n\n\n<p>Professor Frei wurde nicht nur ihr Doktorvater, sondern auch ihr Mentor, dem sie 1997 als wissenschaftliche Mitarbeiterin nach Bochum und 2005 nach Jena folgte. Ihre 1998 ver\u00f6ffentlichte Dissertation &#8220;Musterstadt Auschwitz&#8221; \u00fcber die nationalsozialistische Germanisierungspolitik in Oberschlesien war die Basis f\u00fcr eine wissenschaftliche Karriere, die sie schlie\u00dflich nach Frankfurt f\u00fchrte, wo sie das Fritz-Bauer-Institut als Direktorin leitet und als Professorin am Historischen Seminar lehrt.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer glaubt, Steinbacher sei ausschlie\u00dflich auf die NS-Zeit fixiert, der hat ihre Habilitationsschrift nicht gelesen. Denn darin besch\u00e4ftigt sich die Historikerin mit dem Thema Sexualit\u00e4t. Der Titel dieses Werkes, das 2011 im Siedler-Verlag erschien, lautet &#8220;Wie der Sex nach Deutschland kam&#8221; und behandelt den Kampf um Sittlichkeit und Anstand in der fr\u00fchen Bundesrepublik, einer Zeit, die \u00e4u\u00dferst pr\u00fcde war.<\/p>\n\n\n\n<p>Frankfurt hat sie zum ersten Mal 2010 als Gastprofessorin am Fritz-Bauer-Institut kennengelernt, allerdings nur ein Semester lang. Danach folgte sie einem Ruf nach Wien an das Institut f\u00fcr Zeitgeschichte, wo sie bis 2017 forschte und lehrte. Ihr kurzes Frankfurter Gastspiel scheint aber bei den politisch Verantwortlichen Eindruck hinterlassen zu haben. Denn 2017 holten der damalige Wissenschaftsminister Boris Rhein (CDU) und die Universit\u00e4tspr\u00e4sidentin Birgitta Wolff die NS-Expertin in die Mainmetropole, wo sie seither die neu geschaffene Holocaust-Professur bekleidet, die mit der Leitung des Fritz-Bauer-Instituts verbunden ist.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Es ist eine Freude, hier zu arbeiten&#8221;, sagt Steinbacher, deren Verdienst es ist, die Verbindung des Instituts mit dem Historischen Seminar der Universit\u00e4t gefestigt und das Forschungsprogramm des Instituts erweitert zu haben. Wie anerkannt dessen Arbeit ist, zeigt das Ergebnis der wissenschaftlichen Evaluierung 2022. In der \u00dcberschrift des Berichts hei\u00dft es: &#8220;Kleines Institut mit gro\u00dfer Leistung&#8221;. Ma\u00dfgeblich mitverantwortlich f\u00fcr diesen Erfolg ist zweifellos die flei\u00dfige und zielstrebige Direktorin. Steinbacher geht in ihrer Arbeit auf und verfolgt bis heute hartn\u00e4ckig ihr damals in Dachau gestecktes Ziel: den Nationalsozialismus immer genauer zu erforschen und die nachfolgenden Generationen \u00fcber dessen barbarische Herrschaft aufzukl\u00e4ren. Diese Arbeit h\u00e4lt sie angesichts des Erstarkens neonazistischer und nationalistischer Kr\u00e4fte f\u00fcr wichtiger denn je.<\/p>\n\n\n\n<p>HANS RIEBSAMEN<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Potr\u00e4t von Prof. Dr. Sybille Steinbacher (Frankfurter Allgemeine Zeitung)<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"template":"","meta":{"inline_featured_image":false,"_links_to":"","_links_to_target":""},"press_cat":[29],"class_list":["post-11225","press","type-press","status-publish","hentry","press_cat-portrait"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/normativeorders.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/press\/11225"}],"collection":[{"href":"https:\/\/normativeorders.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/press"}],"about":[{"href":"https:\/\/normativeorders.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/press"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/normativeorders.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/normativeorders.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11225"}],"wp:term":[{"taxonomy":"press_cat","embeddable":true,"href":"https:\/\/normativeorders.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/press_cat?post=11225"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}