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	<title>Forschungsfeld 1 &#8211; Normative Orders</title>
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	<description>Forschungszentrum der Goethe-Universität Frankfurt am Main</description>
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	<title>Forschungsfeld 1 &#8211; Normative Orders</title>
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		<title>Professur des Exzellenzclusters – Internationale Politische Theorie</title>
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		<dc:creator><![CDATA[chamich]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 05 Dec 2024 16:11:05 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Prof. Dr. Darrel Moellendorf]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Prof. Dr. Darrel Moellendorf</p>



<p>Die Clusterprofessur befindet sich an der Schnittstelle von Politikwissenschaft und Philosophie und untersucht insbesondere Phänomene, die nationale Grenzen überschreiten.<br><br>Zentrale Themengebiete der Professur sind: Die Idee und Bedeutung menschlicher Würde in politischen Rechtfertigungen; der moralische Wert und die richtige Zielsetzung nachhaltiger Entwicklung; die Begründung und Rolle sozio-ökonomischer Rechte für die menschliche Entwicklung; die Bestimmung geeigneter Ziele der Post-2015-Agenda für nachhaltige Entwicklung; die Anforderungen an einen gerechten internationalen Handel und gerechte Finanzregime; die Ursachen von Armut und globaler Ungleichheit; die gerechte Verteilung der Pflichten zur Abschwächung des Klimawandels sowie der Lasten der Klimaanpassung; die Bestimmung geeigneter internationaler Klimaschutzregime; die Relevanz von Geo-Engineering für die Klimapolitik; die Rechtfertigung und praktischen Möglichkeiten nachhaltiger Entwicklung durch ein internationales Steuersystem; und schließlich die moralischen Grundlagen grenzüberschreitender Solidarität.<br><br>Die Arbeiten im Bereich normativer Theorien globaler Gerechtigkeit gehen in vielerlei Hinsicht auf empirische Analysen in den Bereichen Politik, Wirtschaft, Recht und Internationale Beziehungen zurück, sofern diese transnationale Probleme behandeln. Ausgehend von diesen Studien werden an der Professur die damit verbundenen Formen der Normativität in der transnationalen Politik untersucht und reflektiert. Viele Fragen bezüglich normativer Ordnungen von Umweltkrisen, lassen ähnliche Modi der Reflexivität erkennen und rücken zusätzlich interdisziplinäre Fragen der Normativität von intergenerationellen Ordnungen in den Fokus.<br><br>Unsere Publikationen und Präsentationen konzentrierten sich auf Themen globaler Gerechtigkeit, globaler Bioethik, Menschenrechte, Theorien des gerechten Kriegs und Umweltrassismus. Die zentralen Ergebnisse wurden in&nbsp; Publikationen und Präsentationen vorgestellt.<br><br>Darrel Moellendorf hat zu der Frage veröffentlicht, wie ein Krieg zu einem gerechten Ende gebracht werden kann, sowie zu der Frage, ob ein Staat die Auswanderung von Bürgern einschränken kann, deren medizinische Ausbildung er finanziert hat. Auch Daniel Callies arbeitete und publizierte zu der Frage, ob es legitim sein kann, die Auswanderung von Bürgern einzuschränken, deren medizinische Ausbildung vom Staat finanziert wurde. Eszter Kolllár hat über Gerechtigkeit, Einwanderung, und Globale Chancengleichheit geschrieben. Und Merten Reglitz veröffentlichte einen Artikel über Kant, globale Armut und Gerechtigkeit. Daniel Hammer hat seine Arbeit über kollektives Handeln und Eigenverantwortung in einer internationalen Präsentation vorgestellt. Und auch Susanne Börner stellte ihre Arbeiten zum Thema Umweltgerechtigkeit in einer internationalen Präsentation vor. Brian Milstein hielt einen Vortrag über Krisentheorie. Alle diese Themen sind für die politische Diskussion relevant und viele der Veröffentlichungen bewerten ausgewählte Aspekte staatlicher Politik.</p>



<p><strong>Die wichtigsten Publikationen dieser Professur des Exzellenzclusters:</strong></p>



<p>Moellendorf, Darrel: “Just Endings”, in: H. Frowe &amp; S. Lazar (eds.),&nbsp;<em>The Oxford Handbook of the Ethics of War,</em>&nbsp;Oxford: Oxford University Press, 2016.</p>



<p>Moellendorf, Darrel: “Two Doctrines of&nbsp;<em>Jus ex Bello</em>”, in:&nbsp;<em>Ethics 125:3:</em>&nbsp;2015, pp. 653-673.</p>



<p>Callies, Daniel: “Brain Drain, Contracts, and Moral Obligation”, in:&nbsp;<em>Moral Philosophy and Politics Vol. 3 No. 1:</em>&nbsp;March 2016, pp. 83–93.</p>



<p>Kollár, Eszter: “Global Equality of Opportunity and Self-determination in the Context of Immigration”, in:&nbsp;<em>Critical Review of International Social and Political Philosophy,&nbsp;</em>2016 (published online).</p>



<p>Reglitz, Merten: “A Kantian Argument against World Poverty”, in: <em>European Journal of Political Theory,</em> 2016, (online: <a href="http://journals.sagepub.com/doi/abs/10.1177/1474885116662566">http://journals.sagepub.com/doi/abs/10.1177/1474885116662566</a>).</p>



<p><br><strong>Die wichtigsten Veranstaltungen dieser Professur des Exzellenzclusters:</strong></p>



<p>Workshop on Chris Armstrong’s Manuscript “Justice and Natural Resources”, January 22 2016.</p>



<p>„International Workshop on the Ethics and Economics of Climate Change”, March 3-4 2016.</p>



<p>Frankfurt-Ottawa Workshop “Normative Perspectives on Labour Immigration”, June 6, 2016.</p>



<p>Arguing for Equality &#8211; ‘Author meets Critics’ workshop and Political Egalitarianism &#8211; Public Lecture by John Baker, December 19-20, 2016.</p>



<p>Lecture Series “Der Wert der Natur” organized in cooperation with ISOE and Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, December 2016-January 2017.</p>
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		<title>Professur des Exzellenzclusters – Praktische Philosophie mit Schwerpunkt Politische Philosophie und Rechtsphilosophie</title>
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		<dc:creator><![CDATA[chamich]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 05 Dec 2024 16:11:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Forschungsfeld 1]]></category>
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					<description><![CDATA[Prof. Dr. Christoph Menke]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<h2 class="wp-block-heading">Professur des Exzellenzclusters – Praktische Philosophie mit Schwerpunkt Politische Philosophie und Rechtsphilosophie</h2>



<p>Prof. Dr. Christoph Menke</p>



<p>Die Forschungstätigkeiten der Professur, die im unmittelbaren Zusammenhang mit dem Forschungsprojekt „Normativität und Subjektivität. 1. Natur – 2. Natur – Geist“&nbsp; standen, beschäftigten sich vor allem mit der Klärung des Verhältnisses von Geist und (erster, vor allem innerer) Natur im Zusammenhang mit der Dialektik des Formbegriffs. Die Prämisse dabei lautet, dass die generelle Dialektik von Form und Stoff oder Materie Aufschluss darüber geben kann, wie die normativen Ordnungen des Geistes auf vorgeistige, natürliche Ordnungen und Kräftezusammenhänge bezogen sind.<br><br>Die Frage nach der Dialektik von Form und Materie ist ein Beitrag zur Klärung des Status normativer Ordnungen, die hier im Verhältnis zum Nicht- und Vornormativen betrachtet werden. Diese Untersuchungen sind interdisziplinär angelegt, weil sie in Auseinandersetzung mit der Rechtstheorie ein Konzept des modernen Rechts (und darin insbesondere der Form subjektiver Rechte) entwickeln.<br><br>In der Frage nach der Logik der Form oder der Formierung verknüpfen sich normativtätstheoretische Forschungen der Professur zur Form (der Norm, des Begriffs) mit ästhetiktheoretischen Fragestellungen. Denn v.a. die moderne Kunst ist eine Praxis der Formierung, die die genannte Dialektik von Form und Stoff entfaltet. Von hier aus lassen sich dann auch analoge Formprozesse in anderen Bereichen beobachten. Das ist vor allem für die Rechtsform, genauer: die selbstreflexive Form des modernen Rechts (dem „Recht der Rechte&#8220;), untersucht worden. Zudem wurden zahlreiche Promotions- und Habilitationsprojekte betreut, die sich mit Themen der Autonomie, der Subjekttheorie und Rechtstheorie beschäftigten.<br><br>Neben den erwähnten Ergebnissen zum kunsttheoretischen Formbegriff (s.o.) hat die Habilitation von Thomas Khurana „Das Leben der Freiheit: Form und Wirklichkeit der Autonomie nach Kant und Hegel“ durch Rekonstruktion eines philosophischen Lebensbegriffs, der von Kant erschlossen und von Hegel systematisch ausgeführt worden ist, ein vertieftes Verständnis praktischer Autonomie gewonnen. Dirk Quadfliegs Habilitation „Vom Geist der Sache. Zur Kritik der Verdinglichung“ hat im Ausgang von Hegel und in Auseinandersetzung mit ethnologischen Theorien gezeigt, wie sich von daher begreifen läßt, dass zu normativen, geistigen Ordnungen wesentlich das Moment ihrer Dinglichkeit und Äußerlichkeit gehört. In den Dissertationen von Judith Mohrmann und Felix Trautmann wurde untersucht, welche Konsequenzen die Dialektik von Norm und Natur, Geist und Leben für die Verfassung politischer Ordnungen hat.<br><br><strong>Die wichtigsten Publikationen dieser Professur des Exzellenzclusters:</strong></p>



<p>Menke, Christoph:&nbsp;<em>Die Kraft der Kunst,</em>&nbsp;Berlin: Suhrkamp Verlag, 2013. (Span. Übers.: Santiago de Chile: Metales Pesados, 2017.)</p>



<p>Khurana, Thomas:&nbsp;<em>Das Leben der Freiheit. Form und Wirklichkeit der Autonomie,</em>Berlin: Suhrkamp, 2017.</p>



<p>Mohrmann, Judith:&nbsp;<em>Affekt und Revolution. Politisches Handeln nach Arendt und Kant,</em>&nbsp;Frankfurt a.M.: Campus Verlag, 2015.</p>



<p>Quadflieg, Dirk:&nbsp;<em>Vom Geist der Sache. Zur Kritik der Verdinglichung,</em>&nbsp;Frankfurt a.M./New York: Campus Verlag, 2017 (i.E.)</p>



<p>Sheplyakova, Tatjana: „Das Recht der Klage aus demokratietheoretischer Perspektive&#8220;, in:&nbsp;<em>Deutsche Zeitschrift für Philosophie, 64 (2016)</em>&nbsp;1, pp. 45–67.</p>



<p>Trautmann, Felix:&nbsp;<em>Das Imaginäre der Demokratie. Politische Befreiung und das Rätsel der freiwilligen Knechtschaft,</em>&nbsp;Paderborn: Konstanz University Press, 2017 (i.E.).<br></p>



<p><strong>Die wichtigsten Veranstaltungen dieser Professur des Exzellenzclusters:</strong></p>



<p>„The Force of Aesthetics: Power, Imagination, Affects: An International Conference”, New School for Social Research, New York, USA, April 28-29, 2014.</p>



<p>“Other Natures. Norm and Nature II.“, Workshop, Université de Montréal, Département de Philosophie, April 30-May 1, 2014.</p>



<p>„Die Rezeptivität des Urteilens. Norm und Natur III.“ Workshop, Goethe-Universität Frankfurt, May 23-25, 2014.</p>



<p>„Prozeduralisierung des Rechts.“ International Workshop, Goethe-Universität Frankfurt, organized by Tatjana Sheplyakova in the context of her project funded by the DFG, additionally funded by the Goethe University and in cooperation with the Cluster of Excellence “The Formation of Normative Orders”, May 3, 2015.</p>



<p>„Die Kunst der Zweiten Natur.“ Workshop, Goethe University. July 1-2, 2016.</p>
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		<title>Professur des Exzellenzclusters – Makroökonomie und Entwicklung</title>
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		<dc:creator><![CDATA[chamich]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 05 Dec 2024 16:11:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Forschungsfeld 1]]></category>
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					<description><![CDATA[Prof. Dr. Nicola Fuchs-Schündeln]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Prof. Dr. Nicola Fuchs-Schündeln</p>



<p>Der wissenschaftliche Schwerpunkt der Professur „Makroökonomie und Entwicklung“ liegt insbesondere auf der Untersuchung der Formbarkeit und Herausbildung ökonomischer und politischer Präferenzen, sowie auf der Analyse des weltweiten Arbeitsangebotsverhaltens von Haushalten.<br><br>Präferenzen werden in den Wirtschaftswissenschaften im Allgemeinen als exogen angenommen. Die Clusterprofessur untersucht dagegen, ob und wie das Leben unter gewissen ökonomischen oder politischen Systemen die individuellen Präferenzen beeinflusst. Die Formbarkeit individueller Präferenzen kann dabei als ein wichtiger Faktor in der Herausbildung normativer Ordnungen gesehen werden. Zudem widmet sich die Professur der Analyse des Arbeitsangebotsverhaltens weltweit, und zieht aus den Ergebnissen Schlussfolgerungen für Wohlfahrtsunterschiede zwischen armen und reichen Ländern. Diese wiederum beeinflussen die Entstehung normativer Ordnungen, während das Arbeitsverhalten selbst zumindest teilweise (insbesondere für Frauen) auch durch normative Ordnungen beeinflusst wird.<br><br>An der Professur wurden zwei großen Forschungsthemen untersucht. Einerseits die Herausbildung ökonomischer und politischer Präferenzen; andererseits das Arbeitsangebotsverhalten von Haushalten. Im ersteren Bereich wurde am Beispiel der Unterstützung für Demokratie die Frage erforscht, ob die Unterstützung für ein politisches System wächst, je länger Individuen unter diesem System leben. Der zweite Bereich zum Arbeitsangebot von Haushalten wird durch verschiedene Forschungsprojekte der Professur abgedeckt. Die große Fragestellung besteht darin, internationale Unterschiede im Arbeitsangebotsverhalten von Haushalten zu dokumentieren, sowie deren Entstehung und deren Auswirkungen für Wohlfahrtsmessungen zu analysieren.<br><br>Im ersten Bereich konnte gezeigt werden, dass in der Tat die individuelle Unterstützung der Demokratie mit der Zeit wächst, die jemand in einem demokratischen Regime verbracht hat, unabhängig von der Qualität des Regimes und anderen Faktoren. Politische Präferenzen sind somit endogen und werden beeinflusst von der individuellen Erfahrung mit dem Regime.<br><br>Im zweiten Bereich konnte in einer groß angelegten Studie gezeigt werden, dass in Ländern niedrigen Einkommens die durchschnittlichen Arbeitsstunden substantiell höher sind als in Ländern mit durchschnittlich hohen Einkommen, was bedeutet, dass die Arbeitsproduktivitäts- und Wohlfahrtsunterschiede höher sind als durch einen Vergleich der Kaufkraft pro Kopf nahegelegt wird.&nbsp; Zudem finden wir, dass das Arbeitsangebotsverhalten von verheirateten Frauen in Europa und den USA maßgeblich vom Steuersystem beeinflusst wird.<br><br>Die wichtigsten Publikationen dieser Professur des Exzellenzclusters:</p>



<p>Fuchs-Schündeln, Nicola &amp; Alexander Blick: “Quantifying the Disincentive Effects of Joint Taxation on Married Women’s Labor Supply”, in:&nbsp;<em>American Economic Review Papers &amp; Proceedings,</em>&nbsp;forthcoming, May 2017.<br>Fuchs-Schündeln, Nicola &amp; Tarek Hassan: “Natural Experiments in Macroeconomics”, in: Taylor, John B. and Harald Uhlig (eds.):&nbsp;<em>Handbook of Macroeconomics,</em>&nbsp;Elsevier, Vol. 2a, 2016, pp. 923-1012.<br>Fuchs-Schündeln, Nicola &amp; Paolo Masella: “Long-Lasting Effects of Socialist Education”, in:&nbsp;<em>Review of Economics and Statistics,</em>&nbsp;98(3), 2016, pp. 428-441.<br>Fuchs-Schündeln, Nicola &amp; Matthias Schündeln: “On the Endogeneity of Political Preferences: Evidence from Individual Experience with Democracy”, in:&nbsp;<em>Science,</em>347(6226), 2015, pp. 1145-1148.<br>Fuchs-Schündeln, Nicola &amp; Kevin Bartz: “The Role of Borders, Languages, and Currencies as Obstacles to Labor Market Integration”, in:&nbsp;<em>European Economic Review,</em>&nbsp;56(6), 2012, pp. 1148-1163.</p>
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		<item>
		<title>Nachhaltige Entwicklung, Global Governance und Gerechtigkeit</title>
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		<dc:creator><![CDATA[chamich]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 05 Dec 2024 16:10:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Forschungsfeld 1]]></category>
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					<description><![CDATA[Projektleitung: Prof. Dr. Darrel Moellendorf]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<h2 class="wp-block-heading">Nachhaltige Entwicklung, Global Governance und Gerechtigkeit</h2>



<p><strong>Projektleitung: </strong>Prof. Dr. Darrel Moellendorf</p>



<p>Bittere Armut, massive soziale Ungleichheiten und der Klimawandel stellen einige der dringlichsten Probleme der Menschheit dar. Milliarden von Menschen leben in großer Armut und sind gleichermaßen von den Krisen des globalen Finanzsystems wie von den Auswirkungen des Klimawandels bedroht. Einer der wichtigsten moralischen Gründe, sich mit dem Klimawandel auseinanderzusetzen, ist seine unmittelbare Bedeutung für Menschen in wirtschaftlicher Not.<br>Ausgangspunkt des Forschungsprojekts war die Annahme, dass die Eindämmung von sowie die Anpassung an Auswirkungen des Klimawandels und die Armutsbekämpfung nicht als separate politische Ziele betrachtet werden können. Die extremen Entbehrungen und die besondere Betroffenheit der in Armut lebenden Menschen lassen sich nicht mit einer internationalen Ordnung vereinen, der das Konzept der Menschenwürde zugrunde liegt, wie es in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte verstanden wird. Anhaltende Armut, wachsende soziale Ungleichheit und der ansteigende CO2-Ausstoß sind Anzeichen für grobe Fehlentwicklungen im gegenwärtigen System globalen Regierens.<br>Innerhalb von Forschungsfeld 1 wird die Forschung zu Politik und Institutionen nicht einseitig als Prozess verstanden, in welchem Macht, Herrschaft und Gewalt bzw. langfristig wirkende Strukturen und andere Faktoren, als „externe” Größen wirkend begriffen werden, sondern als Prozess, in dem Normen und normative Orientierungen eine zentrale Rolle spielen. Zahlreiche Fragen, die das Problem des Klimawandels mit sich bringt, boten dabei Anlass, um auch grundlegende moralische Fragen über die mögliche Entstehung einer gerechten internationalen normativen Ordnung zu stellen. Der Begriff „Recht auf Nachhaltige Entwicklung“ kann eine wichtige Rolle in der Argumentation von armen Ländern spielen, wonach die internationale Klimaschutzpolitik nicht ihre legitimen Entwicklungsziele zurücksetzen darf. Es gibt auch eine Art von intergenerationaler normativer Ordnung, die in diesem Kontext besonders dringlich hervortritt. Die Vorstellung, dass Menschen, die jetzt am Leben sind, die moralische Verpflichtung gegenüber künftigen Generationen haben, den Klimawandel zu bekämpfen, rechtfertigt eine Klimaschutzpolitik, bedarf aber auch selbst wiederum spezifischer Formen der Begründung.&nbsp;<br>Dieses Forschungsprojekt umfasste sowohl moralphilosophische und politiktheoretische Erörterungen, Analysen internationaler Organisationen und Institutionen, als auch die Untersuchung von geeigneten Handlungsweisen, die einen gesellschaftlichen Wandel bewirken. Die Forschung des PI untersuchte insbesondere den gesellschaftlichen und normativen Zusammenhang von Klimawandel und Armut. Das Dissertationsprojekt des wissenschaftlichen Mitarbeiters Daniel Callies mit dem Titel “Intentionally Manipulating the Climate: The Ethics and Governance of Climate Engineering”, setzte sich insbesondere mit möglichen Argumenten gegen die Klima-Engineering-Forschung auseinander.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die wichtigsten Veranstaltungen und Vorträge in diesem Projekt:</h2>



<p>Vortrag:&nbsp;<em>Progress, Destruction, and the Anthropocene</em>&nbsp;(von Darrel Moellendorf), Universität-Duisburg-Essen, Mai 2017.</p>



<p>Vortrag:&nbsp;<em>Progress, Destruction, and the Anthropocene</em>&nbsp;(von Darrel Moellendorf), Liberty Fund/Social Philosophy and Policy conference, Redondo Beach, Juni 2017.</p>



<p>Workshop: Author-Meets-Critic-Section on his&nbsp;<em>The Moral Challenge of Dangerous Climate Change</em>&nbsp;(von Darrel Moellendorf), ECPR Prague, September 2016.</p>



<p>Präsentation: „Climate Engineering and Playing God” (von Daniel Callies),&nbsp;<em>Warwick Graduate Conference on Political and Legal Theory</em>, University of Warwick, England, Februar 2016.</p>



<p>Präsentation: „Institutional Legitimacy and Solar Radiation Management” (von Daniel Callies),&nbsp;&nbsp;<em>Science, Technology, and Public Policy Fellows Workshop</em>, Harvard University, November 2016.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die wichtigsten Publikationen in diesem Projekt:</h2>



<p>Moellendorf, Darrel: „Taking UNFCCC Norms Seriously”, in: D. Roser und J. Heyward (Hg.):&nbsp;<em>Climate Change and Non-Ideal Theory</em>, Oxford University Press, 2016, S. 104–124.</p>



<p>Moellendorf, Darrel: „Can Dangerous Climate Change Be Avoided”, <em>Global Justice Theory Practice Rhetoric 8</em>, 2016, [online]  <a href="http://publikationen.stub.uni-frankfurt.de/index.php/gjn">http://publikationen.stub.uni-frankfurt.de/index.php/gjn</a> [05.10.2017].</p>



<p>Moellendorf, Darrel:&nbsp; „Global Distributive Justice: The Cosmopolitan Point of View,” in: D. Held und P. Maffettone (Hg.):&nbsp;<em>Global Political Theory</em>, London: Polity Press, 2016.</p>



<p>Moellendorf, Darrel und Axel Schaffer: „Equalizing the Intergenerational Burdens of Climate Change–An Alternative to Discounted Utilitarianism”,&nbsp;<em>Midwest Studies in Philosophy</em>&nbsp;XL, 2016, S. 43–62.</p>



<p>Moellendorf, Darrel:&nbsp;&nbsp;<em>„The Moral Challenge of Dangerous Climate Change: Values, Poverty, and Policy”</em>, Cambridge: Cambridge University Press, 2014.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Personen in diesem Projekt:</h2>



<p><strong>Projektleitung / Ansprechpartner</strong></p>



<p>Moellendorf, Darrel, Prof. Dr.</p>



<p><strong>Projektmitarbeiter</strong></p>



<p>Visak, Tatjana</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Normativität der Kritik – Kritik der Normativität</title>
		<link>https://normativeorders.net/normativitaet-der-kritik-kritik-der-normativitaet/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[chamich]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 05 Dec 2024 16:06:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Forschungsfeld 1]]></category>
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					<description><![CDATA[Projektleitung: Prof. Dr. Nikita Dhawan]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<h2 class="wp-block-heading">Normativität der Kritik – Kritik der Normativität</h2>



<p><strong>Projektleitung:</strong> Prof. Dr. Nikita Dhawan</p>



<p>Normen entwickeln sich unter historischen Bedingungen und operationalisieren sich in bestimmten sozialen und politischen Kontexten auf unterschiedliche Weise. Dementsprechend können sie nicht in jedem historischen Kontext, mit denselben Strategien, umgesetzt oder angefochten werden. In Anbetracht der Tatsache, dass es keine sichere Vorgehensweise gibt „Normativer Gewalt“ zu begegnen, wird Subversion zu einem unberechenbaren Effekt. Das macht die Praxis der Kritik besonders herausfordernd.<br><br>Wenn es die primäre Funktion der Kritik ist, Autonomie zu ermöglichen (im Sinne des Kant‘schen Diktums vom „Ausgang aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit“), so stellen postkolonial-queer-feministische TheoretikerInnen, die zwanghaften, wie auch die progressiven Aspekte kritischer Forschung in Frage. Wenn, wie in westlich-philosophischen Traditionen vertreten, Aufklärung und Kritik zusammengehören, wie ist dann das Verhältnis der Postkolonie zu dem Erbe europäischer Aufklärung?<br><br>Das Ziel des Forschungsprojekts war es, eine alternative postkolonial-queer-feministische Genealogie der „Politiken“ von Kritik zu entwickeln, um das Verhältnis zwischen Macht, Handlungsfähigkeit und Widerstand kritisch zu untersuchen. Der Fokus des Projekts lag auf der Untersuchung, welche Formen der Subjektivierung und Emanzipation mit dem Modus des Infragestellens einhergehen und wie diese Praxen im Spannungsverhältnis zwischen Moderne und Postkolonialität zu denken sind.<br><br>Im Rahmen des Gesamtprojekts des Clusters wurden in diesem Projekt insbesondere die Ambivalenzen der Normativität von Kritik als Form der Machtausübung selbst untersucht und dadurch die Normativität der Kritik mit der Kritik der Normativität konfrontiert. Es wurde untersucht, wie normative Ordnungen beständig denaturalisiert, aber auch reproduziert werden und wie in diesen Prozessen handlungsmächtige Subjekte konstituiert werden. Die Möglichkeiten, anders zu denken und zu handeln, die Grenzen des „Politischen“ in Frage zu stellen und Kritik zu üben, wurden einer kritischen Betrachtung unterzogen.<br><br>Das Forschungsprojekt unterteilte sich in vier Teilprojekte. Im PI-Projekt wurde insbesondere der Zusammenhang von „Normativität, Kritik und Aufklärung“ (Nikita Dhawan) untersucht. Dabei stand das ambivalente und paradoxale Verhältnis von Vernunft und Herrschaft im Fokus, bei dem das Freiheitsversprechen der Vernunft selbst in eine neue Form der Herrschaft umzuschlagen droht. Im zweiten Teilprojekt ging es um die Frage, wie politische Subjektivität im Raum zwischen Passivität und Widerstand entsteht (Aylin Zafer). Das dritte Teilprojekt untersuchte, wie in den Begegnungen zwischen heterogenen sozialen Bewegungen Differenz verhandelt und Solidarität geschaffen wird (Johanna Leinius). Im vierten Teilprojekt (Elisabeth Fink) wurde am Beispiel der Bekleidungsindustrie in Bangladesch das Verhältnis von lokalem und transnationalem Arbeitsrechtsaktivismus untersucht.<br><br>Das Forschungsprojekt stellt den dynamischen und relationalen Aspekt der Kritik an jeglicher Art von Machtverhältnissen in den Vordergrund: Um Kritik zu üben und Räume für Transformation zu schaffen, muss sich das widerständige Subjekt zu herrschenden normativen Ordnungen verhalten. Ob Ablehnung oder Aneignung, eine Bezugnahme findet notwendigerweise statt. Diese Prozesse wurden sowohl&nbsp; empirisch als auch theoretisch ergründet, um die Potentiale für dekolonisierende Allianzen zu identifizieren und die Ambivalenzen emanzipatorischen Begehrens und Handelns herauszustellen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><br>Die wichtigsten Veranstaltungen in diesem Projekt:</h2>



<p>Workshop:&nbsp;<em>FRCPS Chandra Talpade Mohanty Reading Group,</em>&nbsp;in Vorbereitung der Gastprofessur für Internationale Gender und Diversity Studies von Chandra Talpade Mohanty am „Cornelia Goethe Centrum für Frauenstudien und die Erforschung der Geschlechterverhältnisse“ (CGC), Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“, Goethe-Universität, Frankfurt am Main, 12. Dezember 2015.<br><br>Internationale Konferenz:&nbsp;<em>Decolonizing Epistemologies, Methodologies and Ethics: Postcolonial-Feminist Interventions,</em>&nbsp;„Frankfurt Research Center for Postcolonial Studies“, Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“, Goethe-Universität, Frankfurt am Main, 2. Juli 2015.<br><br>Internationaler Workshop:&nbsp;<em>Difference that makes no Difference: The Non-Performativity of Intersectionality and Diversity,</em>&nbsp;„Frankfurt Research Center for Postcolonial Studies“ in Kooperation mit dem Frauennetzwerk des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ und der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung, Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“, Goethe-Universität, Frankfurt am Main, 5. Februar 2015.<br><br>Vortrag: Prof. Ratna Kapur,&nbsp;<em>Precarious Desires, Postcolonial Justice and Human Rights,</em>&nbsp;Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“, Goethe-Universität, Frankfurt am Main, 27. Mai 2014.<br><br>Internationale Vorlesungssreihe:&nbsp;<em>How Does Change Happen?,</em>&nbsp;Cornelia Goethe Colloquium in Kooperation mit dem „Frankfurt Research Center for Postcolonial Studies“, Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“, Goethe-Universität Frankfurt am Main, WS 2013/2014.<br><br>Workshop:&nbsp;<em>Angela Davis Reading Group,</em>&nbsp;in Vorbereitung der Gastprofessur für Internationale Gender und Diversity Studies von Angela Davis am „Cornelia Goethe Centrum für Frauenstudien und die Erforschung der Geschlechterverhältnisse“ (CGC), Exzellenzcluster „Die Herausbildung Normativer Ordnungen“, Goethe-Universität Frankfurt am Main, 14. –15. November 2013</p>



<h2 class="wp-block-heading"><br>Die wichtigsten Publikationen in diesem Projekt:</h2>



<p>Dhawan, Nikita/Elisabeth Fink/Johanna Leinius/Rirhandu Mageza-Barthel: Negotiating Normativity.&nbsp;<em>Postcolonial Appropriations, Contestations and Transformations,</em>&nbsp;New York: Springer, 2016.</p>



<p>Dhawan, Nikita (Hg.): „Difference that makes no Difference. The Non-Performativity of Intersectionality and Diversity”,&nbsp;<em>Wagadu. A Journal of Transnational Women&#8217;s and Gender Studies,</em>&nbsp;special Issue, 2016.</p>



<p>Nikita Dhawan:&nbsp;<em>Decolonizing Enlightenment: Transnational Justice, Human Rights and Democracy in a Postcolonial World,</em>&nbsp;Politik und Geschlecht, vol. 24, Opladen und Farmington Hills: Barbara Budrich Verlag, 2014.</p>



<p>Nikita Dhawan und Maria Castro Varela do Mar:&nbsp;<em>Postkoloniale Theorie: Eine kritische Einführung,</em>&nbsp;2. Aufl., Bielefeld: Transcript, 2014.</p>



<p>Elisabeth Fink und Johanna Leinius: „Postkolonial-feministische Theorie“, in: Y. Franke/K. Mozygemba/K. Pöge/B. Ritter/D. Venohr (Hg.):&nbsp;<em>Feminismen heute. Positionen in Theorie und Praxis,</em>&nbsp;Bielefeld: Transcript, 2014, S. 115–128.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><br>Personen in diesem Projekt:&nbsp;</h2>



<p><strong>Projektleitung / Ansprechpartner</strong><br>Dhawan, Nikita, Prof. Dr.<br><br><strong>Projektmitarbeiter</strong><br>Zafer, Aylin</p>



<p></p>
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		<title>Multinormativität</title>
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		<dc:creator><![CDATA[chamich]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 05 Dec 2024 16:05:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Forschungsfeld 1]]></category>
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					<description><![CDATA[Projektleitung: Prof. Dr. Thomas Duve, Prof. Dr. Klaus Günther, Prof. Dr. Dr. Matthias Lutz-Bachmann und Prof. Dr. Armin von Bogdandy]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<h2 class="wp-block-heading">Multinormativität</h2>



<p><strong>Projektleitung: </strong>Prof. Dr. Thomas Duve, Prof. Dr. Klaus Günther, Prof. Dr. Dr. Matthias Lutz-Bachmann und Prof. Dr. Armin von Bogdandy</p>



<p>Normativität begegnet den Menschen in vielen Erscheinungsformen, Normen vielfältiger Art regulieren sein Verhalten und ermöglichen Gesellschaft. Unter den juristischen erscheinen Gesetz, Gebot und Vertrag als möglicherweise primäre Typen (Hasso Hofmann). Die Rechtswissenschaft diskutiert seit je her Fragen der Rechtsquellentypologie und -hierarchie, sie engagiert sich in der Ordnung der Normen juridischen Typs und versucht dabei, Kollisionsregeln zu entwerfen. Doch es gibt auch andere Formen von Normativität: soziale Regeln oder und moralische Gebote scheinen als die wesentlichen Typen, hinzu kommen religiöses Gesetz und technische Normen. Die Bezeichnungen wechseln ihre Bedeutung, sie besitzen teils überschneidende Semantiken. Sie erfüllen unterschiedliche Funktionen, gemeinsam ist ihnen aber der Regelungsanspruch für menschliches Verhalten.</p>



<p>Das Projekt, an dem die PIs Armin v. Bogdandy,&nbsp; Thomas Duve, Klaus Günther und Matthias Lutz-Bachmann beteiligt sind, widmete sich dem Phänomen Multinormativität in systematischer und rechtshistorischer Hinsicht. Treffen in der Anfangsphase verschafften Klarheit über den Begriff der Multinormativität. Er wurde bewusst breit gefasst und nicht von vorne herein auf das Phänomen Recht oder einen gewissen Geltungs- oder Legitimitätsanspruch verengt.</p>



<p>Zur Jahrestagung des Exzellenzclusters im Jahr 2014 hat das Multinormativitätsprojekt ein Panel organisiert, das theoretische und empirische Dimensionen des Feldes verknüpfte (Leitung: Thomas Duve (MPI für europäische Rechtsgeschichte); Vorträge von Marie Claire Foblets (MPI für ethnologische Forschung, Halle), Stefan Kroll (EXC Herausbildung normativer Ordnungen, Frankfurt a. M.), Milos Vec (Universität Wien).)</p>



<p>Im rechtshistorischen Projektteil, der am Max-Planck-Instituts für europäische Rechtsgeschichte angesiedelt ist, ging es um die Beschreibung und Analyse der Koexistenz, Kooperation und Kollision verschiedener Normativitäten in jeweils gegebenen historischen Konstellationen. In methodischer Hinsicht ging es darum, bei der historischen Arbeit analytische Zugänge der Rechtswissenschaft, aber auch solche von Theologie, Philosophie, Soziologie, Politologie, Ethnologie aufzunehmen und nach einer transdisziplinären Begrifflichkeit zu fragen.</p>



<p>In der ersten Arbeitsphase wurde die Fragestellung der Multinormativität intensiv beraten und in der mittelfristigen Forschungsplanung des Instituts als Forschungsschwerpunkt verankert. Die Forschungsschwerpunkte des MPI haben die Funktion, die Arbeiten, die auf Institutsebene in den einzelnen Forschungsfeldern geleistet wird, mit Blick auf das Schwerpunktthema zu begleiten, zu strukturieren und weiterzuentwickeln. Auf diese Weise konnte Wissen zu signifikanten historischen Konstellationen von Multinormativität generiert und auf der Ebene des Exzellenzclusters&nbsp; in die Arbeit des Projektverbundes eingebracht werden. Ein Fokus wurde auf das frühneuzeitliche Lateinamerika gerichtet, mit seinen signifikanten Grenzzonen und Hybridisierungen. In einer zweiten Hinsicht ging es um Fragen der „privaten Gesetzgebung&#8220; und der darauf gerichteten Dimensionen des juridischen Entscheidungssystems. Es handelt sich dabei um Innovationen im Bereich des Normativen, welche die Entwicklung der modernen Wirtschaftsgesellschaft flankieren und&nbsp; in verfassungsgeschichtlicher Hinsicht die Umorientierung von Government auf Governance mitprägen.&nbsp; Insbesondere die Auslandsbeziehungen des Instituts wurden im Sinne des Multinormativitätsprojekts genutzt, um ausländischen Gäste und Stipendiaten in die Forschungen einzubinden.&nbsp; So war „Multinormativität“ 2016 das Leitthema der Summeracademy des MPIeR. Zudem wird in diesem Jahr (2017) der thematische Schwerpunkt der vom Max-Planck-Institut herausgegebenen Zeitschrift Rechtsgeschichte dem Thema Multinormativität gewidmet.</p>



<p>Der Beitrag des <em>Max-Planck-Instituts für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht</em> (MPIL) unter Armin von Bogdandy untersuchte Multinormativität vor allem in systematischer Hinsicht. Dies gilt insbesondere für ein Projekt zur Dogmatik, welches einer Zusammenarbeit mit Forschern der Juristischen und Theologischen Fakultät der Universität Heidelberg entspringt. Dogmatik in Theologie und Recht besteht aus einer begrifflichen Folie, welche innerjuristische bzw. innertheologische Inkohärenzen verarbeitet. Gleichzeitig ist die Dogmatik sensibel für Normativitäten anderer Disziplinen, die an sie herangetragen werden. Ziel dieser Zusammenarbeit ist ein aus interdisziplinärem Lernen gewonnener Dogmatikbegriff für das öffentliche Recht bzw. die (protestantische) Theologie, der pluralistischen, globalisierten bzw. multireligiösen Gesellschaften angemessen ist. Diese Forschung wurde in den Cluster getragen durch ein Panel, das Matthias Goldmann und Dana Schmalz im Rahmen der Nachwuchskonferenz 2013 zu „Dogmatik – Apologie oder Kritik von Normativität?“ durchgeführt hatten. Die Vorträge sind in der Zeitschrift „Staat“ erschienen (2014, Vol. 53, issue 3). Darüber hinaus führt das MPIL ein großes Lateinamerikaprojekt durch. Es hat das Ziel, den Verfassungspluralismus Lateinamerikas durch gemeinsame Prinzipien zu strukturieren und in progressiver Richtung weiterzuentwickeln. Dieses Projekt gab Anlass zu Kooperationen mit PI Thomas Duve, welche sich u.a. in Konferenzbeteiligungen niederschlug.</p>



<p>Die philosophiegeschichtlichen und systematischen Forschungen sowie Lehrveranstaltungen und Workshops des PIs Matthias Lutz-Bachmann bezogen sich auf Grundprobleme normativer Legitimierung bzw. Delegitimierung von politischer Herrschaft sowie auf Fragen der Begründung einer philosophischen Ethik, insbesondere im Blick auf Fragen der Menschenrechte und der Menschenwürde. Dabei wurden maßgebliche Publikationen, zum Teil in Kooperation mit Kollegen aus der Rechtswissenschaft, der Politikwissenschaft, der allgemeinen Geschichtswissenschaft und der Theologien, vorbereitet und zum Teil für die Publikation fertiggestellt. Bei diesen wissenschaftlichen Aktivitäten war die enge Zusammenarbeit mit den vorgenannten Kollegen aus dem Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ von grundlegender Bedeutung. Zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses ist anzumerken, dass fünf Habilitanden im Umfeld der Arbeit des PIs an ihrer Habilitationsschrift gearbeitet haben.</p>



<p>In dem Teilprojekt von Klaus Günther wurden die bereits in der ersten Förderperiode begonnenen Studien zum Rechtspluralismus in der nunmehr erweiterten Perspektive auf Multinormativität fortgeführt und um eine Kritik des normativen Pluralismus erweitert. Im Zentrum stand dabei die Auseinandersetzung mit den Autoren Schiff Berman und Teubner. Schiff Bermans Theorie des „Management of Hybridity“ sowie Teubners Vorschlag einer dezentral durch die einzelnen globalen Teilsysteme jeweils intern hervorgebrachten Kollisionsnorm, die Konflikte mit den Eigenrationalitäten der anderen Systeme lösen soll, wurden einer immanenten Kritik unterzogen. Dabei ging es vor allem darum, zu zeigen, dass beide ihre Vorschläge nur unter der Voraussetzung einer unterstellten, wenigstens hypothetischen und fiktiven, universalistischen Meta-Norm formulieren können. Der Stand dieser Forschung ist in dem Aufsatz über „Normativen Rechtspluralismus“ dokumentiert. Auf zwei internationalen Konferenzen in Belo Horizonte 2015 und Cartagena 2016 wurden Impulse aus der Diskussion dieses Aufsatzes aufgenommen, diese Meta-Norm in die Richtung einer Erkenntnisregel&nbsp;<em>(rule of recognition)</em>&nbsp;des globalen Rechts weiter zu entwickeln. In einem Aufsatz zu Habermas System der Rechte wurden erste Überlegungen dazu formuliert. Parallel dazu wurde vor allem unter dem Eindruck des Multinormativitäts-Panels sowie der anschließenden Diskussion auf der Cluster-Jahreskonferenz 2014 mit einer Untersuchung über die multinormativen Kontexte der Anwendung von Normen begonnen. Eine Norm steht nicht abstrakt und kontextlos für sich allein, sondern stets in&nbsp;<em>multinormativen</em>&nbsp;Kontexten moralischer, rechtlicher, religiöser, politischer, sittlicher Art, ist aber auch verbunden mit epistemischen Normen und mit Regeln der Klugheit. In diesen multinormativen Kontexten stützen und erläutern sich Normen und normative Ordnungen wechselseitig, und zwar jeweils in einer zeitlich, sachlich und sozial konkretisierten Konstellation. Sie bilden ein konkretes, partikulares Netz von historisch situierten, lokal und situativ verfügbaren Verhaltensanforderungen. In konkreten Einzelfällen stellt sich das Problem, dass niemand in der jeweiligen Situation diese multinormativen Verweisungszusammenhänge zu überblicken vermag. Dieses Defizit wird durch Rechtfertigungsnarrative aufgefangen. Sie bündeln und interpretieren multinormative Verweisungszusammenhänge so, dass sie einzelne Normen und normative Ordnungen im Hinblick auf die jeweilige historische Situation einer partikularen Lebenswelt deuten und rechtfertigen. Den Stand dieser Forschung dokumentiert der Aufsatz über Parapraktische Rechtfertigungsnarrative.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die wichtigsten Publikationen in diesem Projekt:</h2>



<p>Duve, Thomas: „Salamanca in Amerika“, in: <em>Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte: Germanistische Abteilung</em> 132, 2015, S. 116–151.<br><br>Duve, Thomas: &#8222;Entanglements in Legal History. Introductory Remarks” und “European Legal History – Concepts, Methods, Challenges”, in: T. Duve (Hg.): <em>Entanglements in Legal History: Conceptual Approaches, Global Perspectives on Legal History,</em> Max Planck Institute for European Legal History Open Access Publication, Frankfurt am Main, 2014, S. 3–25, S. 29–66, [online] <a href="https://www.rg.mpg.de/gplh_volume_1">https://www.rg.mpg.de/gplh_volume_1</a> [05.10.2017].<br><br>Günther, Klaus: „Parapraktische Rechtfertigungsnarrative“, in: Jochen Schuff und Martin Seel (Hg.): <em>Erzählungen und Gegenerzählungen. Terror und Krieg im Kino des 21. Jahrhunderts,</em> Frankfurt am Main/New York: Campus, 2016, S. 101–124.</p>



<p>Günther, Klaus: <em>Normativer Rechtspluralismus – eine Kritik,</em> Normative Orders Working Paper 03/2014, [online] <a href="http://publikationen.ub.uni-frankfurt.de/files/34664/Guenther_Normativer+Rechtspluralismus.pdf">http://publikationen.ub.uni-frankfurt.de/files/34664/Guenther_Normativer+Rechtspluralismus.pdf</a>[05.10.2017].<br><br>Goldmann, Matthias: <em>Internationale öffentliche Gewalt,</em> Berlin/Heidelberg: Springer, 2015.<br><br>Lutz-Bachmann, Matthias: “Does ‚ius cogens‘ exist in International Relations? Philosophical remarks to the Encyclical ‚Pacem in terris‘“, in: H.-G. Justenhoven/M.E. O’Connell: <em>Peace through Law: Can Humanity Overcome War?,</em>New York: Bloomsbury, 2016, S. 65–82.<br><br>von Bogdandy, Armin/ M. Goldmann / I. Venzke: “From Public International to International Public Law: Translating World Public Opinion into International Public Authority”, in: <em>European Journal of International Law</em> 28(1), 2017, S. 115–145.<br><br>von Bogdandy, Armin und Ingo Venzke: <em>In wessen Namen? Internationale Gerichte in Zeiten globalen Regierens,</em> Berlin: Suhrkamp, 2014. Englische Übersetzung: <em>In Whose Name?,</em> Oxford: University Press, 2014.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Personen in diesem Projekt:</h2>



<p><strong>Projektleitung / Ansprechpartner<br></strong><br>Duve, Thomas, Prof. Dr.&nbsp;<br><br>Günther, Klaus, Prof. Dr.<br><br>Lutz-Bachmann, Matthias, Prof. Dr. Dr.&#8216;<br><br>von Bogdandy, Armin, Prof. Dr.<br><br><strong>Projektmitarbeiter<br></strong><br>Tyrichter, Jean Conrad</p>
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		<title>Macht, Herrschaft und Gewalt in Ordnungen der Rechtfertigung</title>
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		<dc:creator><![CDATA[chamich]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 05 Dec 2024 16:03:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Forschungsfeld 1]]></category>
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					<description><![CDATA[Projektleitung: Prof. Dr. Rainer Forst und Prof. Dr. Klaus Günther]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<h2 class="wp-block-heading">Macht, Herrschaft und Gewalt in Ordnungen der Rechtfertigung</h2>



<p><strong>Projektleitung:</strong> Prof. Dr. Rainer Forst und Prof. Dr. Klaus Günther</p>



<p>Wie uns viele Diskussionen während der ersten Förderphase innerhalb und außerhalb unseres Forschungsclusters zeigten, sieht sich ein Verständnis „normativer Ordnung“, das diese als eine Ordnung von „Rechtfertigungen“ versteht, dem Vorwurf des Idealismus ausgesetzt: Haben in solch einer Vorstellung von Ordnung Begriffe wie Macht, Herrschaft, Beherrschung und Gewalt überhaupt einen Platz, oder werden sie nur als Störungen wahrgenommen? In diesem Verbundprojekt ging es darum zu zeigen, dass dem nicht so ist, sondern der Begriff der Rechtfertigungsordnung geeignet ist, die genannten Begriffe der Macht, der Herrschaft und der Beherrschung neu und auf produktive Weise zu verstehen. Daraus ergeben sich auch Konsequenzen für ein Verständnis des Rechts.</p>



<p><strong>(1) Noumenale Macht (Forst)</strong></p>



<p>In diesen Forschungen wurde Macht &#8211; paradox gesprochen &#8211; als intelligibles bzw. noumenales Phänomen begriffen. Wenn wir Macht als das Vermögen von Handelnden verstehen, andere dazu zu motivieren, etwas zu denken bzw. zu tun, das sie sonst nicht gedacht oder getan hätten, dann müssen wir, um die Wirkweise der Macht im Unterschied zu rein physischer Wirkung zu begreifen, diese im „Raum der Rechtfertigungen“ verorten. Denn Macht auszuüben heißt, dass A B Gründe „gibt“, und das bedeutet, dass der wirkliche Machtvorgang sich auf der Ebene der Gründe abspielt. Dabei ist nicht bestimmt, wie dies geschieht &#8211; ob durch Überzeugung, Verführung oder eine Drohung bspw. -, und auch nicht, ob es jeweils gute oder schlechte Gründe sind, die dort wirken; gesagt ist nur, dass Macht zu haben heißt, den Raum der Rechtfertigungen, der für andere bestimmend ist, (in aufsteigender Linie) nutzen, beeinflussen, besetzen oder sogar abschließen zu können &#8211; etwa durch dominante oder hegemoniale Rechtfertigungsnarrative. Herrschaft (um eine Taxonomie von Machtformen anzudeuten) heißt somit, dass sich eine bestimmte Ordnung der Rechtfertigung etabliert hat, die soziale und politische Verhältnisse der Ein- und Unterordnung stabilisiert und auf Akzeptanz beruht; Beherrschung liegt dort vor, wo solche Verhältnisse in ihren Asymmetrien nicht rechtfertigbar sind und nur durch eine Vereinseitigung des Raums der Gründe legitimiert werden. Unterdrückung, (illegitimer) Zwang und Gewalt liegen dort vor, wo die Unterworfenen immer weniger als Subjekte der Rechtfertigung gelten und agieren können, bis hin zur Ersetzung des Rechtfertigungsraums durch bloße physische Faktizität, d.h. pure Gewalt. Macht bildet und erhält sich somit nur im Raum der Rechtfertigungen, und Kämpfe um Macht finden in diesem Raum statt. Eine Herrschaftsordnung, deren Rechtfertigungen in Frage gestellt werden, kann sich evtl. noch durch Lügen, Drohungen oder durch Mittel der Gewalt erhalten, aber ihre Macht schwindet in dem Maße, in dem sie verstärkt auf diese Mittel ohne begleitendes Narrativ angewiesen ist.</p>



<p>Im Rahmen der gemeinsamen Arbeit mit Klaus Günther und unseren Mitarbeitern Malte Ibsen und Johann Szews fanden zahlreiche Besuche internationaler Gastwissenschaftler und Gastwissenschaftlerinnen statt, verbunden mit gemeinsamen Workshops und Vorträgen – unter ihnen die bekanntesten Theoretiker und Theoretikerinnen der Macht wie Amy Allen, Seyla Benhabib, Allen Buchanan, Nancy Fraser, Helen Frowe, Sally Haslanger, Bob Goodin, Carol Gould, Duncan Ivison, Tony Laden, John McCormick, David Owen, Michael Rosen, Philip Pettit, Anne Phillips, Bill Scheuerman, James Tully, Melissa Williams, u.a. Auch wurde unsere Arbeit im Rahmen einer großen Zahl nationaler und internationaler Veranstaltungen vorgestellt.</p>



<p>Der theoretische Ansatz der “noumenalen Macht” (insbesondere der Aufsatz im&nbsp;<em>Journal of Political Philosophy</em>&nbsp;(siehe unten) und begleitende Aufsätze in&nbsp;<em>Normativität und Macht)</em>&nbsp;gaben Anlass zu zahlreichen Diskussionen. Bereits in einem gemeinsam von Rainer Forst und Kritikern verfassten Buch mit dem Titel&nbsp;<em>Justice, Democracy and the Right to Justification</em>&nbsp;(London: Bloomsbury, 2014) wurde dieser Ansatz kritisch von Amy Allen, Kevin Olson und Tony Laden diskutiert. Es folgte ein weiterführender Dialog mit Amy Allen und Mark Haugaard, der auch veröffentlicht wurde (siehe unten). Eine Reihe kritischer Aufsätze von Albena Azmanova, Pablo Gilabert, Mark Haugaard, Clarissa Hayward, Matthias Kettner, Steven Lukes, Max Pensky und Simon Susen wird im&nbsp;<em>Journal of Political Power</em>&nbsp;erscheinen. Drei weitere Bände zu Forsts Arbeiten, die einige kritische Beiträge zum Konzept der noumenalen Macht enthalten, befinden sich derzeit in der Vorbereitung: Amy Allen, Sarah Clark Miller, John McCormick und Melissa Yates werden ihre Aufsätze diesem Thema widmen (in Vorbereitung für Penn State Press); in einem weiteren Band (in Vorbereitung für Manchester UP) werden Patchen Markell, David Owen, Melissa Williams, Daniel Weinstock Beiträge zum Thema Macht veröffentlichen. Und in einem Band in Vorbereitung für Oxford UP werden Mattias Kumm, Arthur Ripstein, Enzo Rossi, Andrea Sangiovanni und Bernhard Schlink Artikel zum Verhältnis von Macht und Rechtfertigung veröffentlichen. Rainer Forst wird zu all diesen Aufsätzen Antworten schreiben. Eine große Zahl weiterer Artikel wie der von Lois McNay in der jüngsten Ausgabe des&nbsp;<em>European Journal of Political Theory,</em>&nbsp;die die Theorie der noumenalen Macht kritisieren, wurden bereits veröffentlicht oder sind derzeit in Vorbereitung.</p>



<p>Wissenschaftlicher Mitarbeiter von Rainer Forst war von 2013 bis 2016 Malte Ibsen (Mphil Oxford University). Während seiner Zeit am Cluster schrieb er seine Dissertation “The Idea of a Critical Theory of Global Justice,” die von Rainer Forst und Axel Honneth betreut wurde. Die Dissertation zielt darauf ab, die theoretischen Ressourcen zur Entwicklung einer kritischen Theorie der globalen Gerechtigkeit freizulegen, die in der Tradition der Frankfurter Schule vorhanden sind – von Max Horkheimers frühen Versuch, eine materialistische Theorie der Gesellschaft auszuarbeiten, bis hin zu Rainer Forsts jüngst entwickelter Theorie transnationaler Gerechtigkeit. Die Dissertation argumentiert, dass wir in der Tradition der Kritischen Theorie sowohl eine spezifische Konzeption finden, was eine&nbsp;<em>Theorie</em>&nbsp;der Gerechtigkeit ist, wie auch eine Konzeption davon, was&nbsp;<em>Gerechtigkeit</em>&nbsp;ist. Dabei spielen die oben skizzierten Begriffe von Herrschaft und Beherrschung innerhalb einer Rechtfertigungsordnung eine zentrale Rolle.</p>



<p><strong>(2) Rechtfertigung als Recht-Fertigung (Günther)</strong></p>



<p>In modernen Rechtssystemen wird oft vom (positiven) Recht als „geronnener Politik“ gesprochen. Möglicherweise muss man bei der Analyse und Beschreibung dieses Phänomens schon früher ansetzen: Recht entsteht aus „geronnenen Gründen.“&nbsp; Was sich im Raum der Gründe durchgesetzt hat, wird mit Hilfe des Rechts stabilisiert und durch zusätzliche Rechtfertigungen mit der Befugnis zur Ausübung von Gewalt verbunden. Recht ist aber auch ein Mittel, um jemanden zu autorisieren, seine Gründe gegen mögliche Gegen-Gründe durchzusetzen. Auf diese Weise wird Macht zur legalen Herrschaft. Diese Vermutung ist vor allem unter Rückgriff auf Joseph Raz‘ Charakterisierung von autoritativen Gründen als ausschließende Gründe („authoritative reasons as exclusionary reasons“) in mehreren Aufsätzen vertieft worden. Wenn eine Rechtsordnung rekonstruktiv auf einen Entschluss von Freien und Gleichen zurückzuführen ist, ihr Zusammenleben mit den Mitteln des modernen Rechts zu regeln (Habermas: eine Assoziation von Rechtsgenossen zu bilden), dann erzeugen sie damit zugleich auch den Typus von ausschließenden Gründen. Diese Gründe müssen jedoch – contra Raz – wiederum in rechtlich geregelten Verfahren kritisiert (und verändert) werden können, wenn sich die Rechtsgemeinschaft von Freien und Gleichen in der ihr einzig adäquaten Form, dem demokratischen Rechtsstaat, reproduzieren können soll.</p>



<p>Gemeinsam ist diesen Forschungen, die diskursive und kommunikative Dimension der Macht herauszustreichen. Dabei ließ sich zeigen, dass der Begriff der ausschließenden Gründe gleichsam dem Urbild der noumenalen Macht, wie Rainer Forst sie beschrieben hat, nachgebildet ist. Ausschließende Gründe fungieren als Gründe, die sich gegen die von den Akteuren subjektiv anerkannten Gründe durchsetzen können. Dies deshalb, weil sie, so Raz, auf eine legitime Autorität zurückgeführt werden, die an die Stelle der subjektiv anerkannten Gründe tritt. Im Unterschied zur noumenalen Macht ist die autoritative Macht der Rechtsgründe durch die legitime Autorität konstruktiv erzeugt. Gleichwohl ruht sie demselben Mechanismus noumenaler Macht auf. In weiteren Aufsätzen zu Rechtfertigungsnarrativen und zum Wandel des Strafrechts wurde gezeigt, dass öffentliche Kritik an der legitimen Autorität von ausschließenden Gründen dadurch umgangen oder neutralisiert werden kann, dass Rechtsgründe in Rechtfertigungsnarrative eingebettet werden. Mit diesen lassen sich Rechtsgründe relativieren, umgehen oder sogar verletzen, ohne die Gründe dafür einer öffentlichen Kritik in rechtlich geregelten Verfahren aussetzen zu müssen.</p>



<p>Das (noch nicht abgeschlossene) Promotionsprojekt des Projektmitarbeiters Johann Szews mit dem Titel: „Zahlungsmoral. Untersuchungen zum Zusammenhang von moralischer und ökonomischer Verschuldung” widmet sich einem aktuellen Aspekt des Verhältnisses von Recht und Macht: dem Schuldverhältnis. Das Promotionsprojekt stellt grundlegende sozialphilosophische und normative Fragen an die gegenwärtige soziale Ordnung der Verschuldung: Welche Formen von Subjektivität implizieren Schulden? Inwiefern kann von einer „sozialen Pathologie“ der Verschuldung gesprochen werden? Die Untersuchung konzentriert sich dabei auf ein Kernproblem: Wie ist die Verbindung von moralischer und ökonomischer Verschuldung zu denken? Diese Forschungsfrage ist durch die Intuition motiviert, dass weder funktionalistische, wirtschaftstheoretische Problemdiagnosen, die etwa die zunehmende ökonomische Instabilität durch hohe Verschuldung betonen, noch gerechtigkeitstheoretische Kritikansätze, die Verteilungsfragen in den Mittelpunkt stellen, ausreichen, um die Form des verschuldeten Lebens angemessen verstehen zu können. Die These des Promotionsprojekts lautet, dass es erst der begriffliche Rahmen einer ethischen Kapitalismuskritik ermöglicht, deren immanente Kritikwürdigkeit jenseits von ökonomischer Dysfunktionalität und ungerechter Verteilung herauszuarbeiten. Ziel der Überlegungen ist es, zu zeigen, dass die Form des verschuldeten Lebens nicht allein ungerechte Effekte (beispielsweise Armut) hervorruft, sondern in sich selbst ethisch kritikwürdige Welt- und Selbstverhältnisse produziert. Aufbauend auf einer Auseinandersetzung mit Friedrich Nietzsche und Max Weber wird dafür argumentiert, dass Formen der Verschuldung durch eine spezifische Zeitlichkeit geprägt sind. Die zentrale These lautet, dass die über eine freiwillige Selbstverschuldung durch Aufnahme von Krediten gesellschaftlich in Aussicht gestellte zukünftige Freiheit, sich unter Bedingungen der Überschuldung und der mit Verschuldung einhergehenden Abhängigkeiten, in ein kontinuierliches subjektives Schuldbewusstsein verkehrt. Das Verhältnis von Freiheit und Abhängigkeit in subjektivierenden Schuldverhältnissen wird dabei aus machttheoretischer Sicht (über Nietzsche und Weber hinausgehend) anschließend an Michel Foucaults relationale Machtkonzeption analysiert. Aus einer Perspektive ethischer Kapitalismuskritik wird die Form des verschuldeten Lebens kritisiert und nach alternativen Subjektivierungsformen gefragt.</p>



<p>Diskutiert wurden die Thesen dieses Teilprojekts in einer Reihe von Veranstaltungen, u.a. regelmäßig im „Rechtstheoretischen Arbeitskreis“ des Clusters, an dem Professoren, Postdocs und Doktoranden teilnehmen und gelegentlich auswärtige Gäste eingeladen werden (z.B. Fred Schauer, Robert Alexy, Richard W. Wright, Larissa Katz, Matthias Mahlmann). Ein wichtiger Impulsgeber für Günthers Aufsatz über „Parapraktische Rechtfertigungsnarrative“ war der von dem PI Martin Seel veranstaltete Workshop „Rechtfertigungsnarrative – Terror und Gewalt im Kino“ (März 2014). In Zusammenarbeit mit der „Forschungsstelle für Strafrechtstheorie und Strafrechtsethik“ (Prof. Andreas von Hirsch) fanden zwei internationale Tagungen statt, über „Vergeltung und Tadel“ (Dezember 2014) und zu „Philosophical Foundations of Interantional Criminal Law“ (April 2017). Auf einer in Kooperation mit der Rechtsfakultät der Rosario Universität veranstalteten internationalen Konferenz zu „Transitional Justice“ (August 2016) in Bogotá (Kolumbien) wurden ebenfalls Günthers Thesen vorgetragen und diskutiert.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die wichtigsten Publikationen in diesem Projekt:</h2>



<p>Forst, Rainer:&nbsp;<em>Normativität und Macht. Zur Analyse sozialer Rechtfertigungsordnungen,</em>&nbsp;Berlin: Suhrkamp, 2015. Englische Übersetzung (von Ciaran Cronin):&nbsp;<em>Normativity and Power,</em>&nbsp;Oxford: University Press, 2017.</p>



<p>Forst, Rainer: „Noumenal Power”, in:&nbsp;<em>The Journal of Political Philosophy</em>&nbsp;23(2), 2015, S. 111–127.</p>



<p>Forst, Rainer: „Transnational Justice and Non-Domination. A Discourse-Theoretical Approach”, in: Barbara Buckinx, Jonathan Trejo-Mathys, Timothy Waligore (Hg.):&nbsp;<em>Domination Across Borders,</em>&nbsp;London/New York: Routledge, 2015, S. 88–110.</p>



<p>Ibsen, Malte: „Global Justice and Two Conceptions of Practice-Dependence”, in:&nbsp;<em>Raisons Politiques&nbsp;</em>&nbsp;(special issue on the theme „Practice-Dependence and Global Justice”), 51(3), 2013, S. 81–96.</p>



<p>Günther, Klaus: „Parapraktische Rechtfertigungsnarrative“, in: Jochen Schuff und Martin Seel (Hg.):&nbsp;<em>Erzählungen und Gegenerzählungen. Terror und Krieg im Kino des 21. Jahrhunderts,</em>&nbsp;Frankfurt am Main/New York: Campus, 2016, S. 101–124.</p>



<p>Günther, Klaus: „Zur Rekonstruktion des Rechts: Das System der Rechte“, in: Peter Koller und Christian Hiebaum (Hg.):&nbsp;<em>Jürgen Habermas: Faktizität und Geltung,</em>&nbsp;Klassiker Auslegen, Bd. 62 (Hg. von Otfried Höffe), Berlin/Boston: Walter de Gruyter, 2016, S. 51–68.</p>



<p>Günther, Klaus: „De nihilo aliquid facit – Zur Kriminologie des effizienten Regelbruchs“, in: Henning Schmidt-Semisch und Henner Hess (Hg.):&nbsp;<em>Die Sinnprovinz der Kriminalität. Zur Dynamik eines sozialen Feldes,</em>&nbsp;Wiesbaden: Springer VS, 2014, S. 121–136.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Personen in diesem Projekt:</h2>



<p><strong>Projektleitung / Ansprechpartner</strong></p>



<p>Forst, Rainer, Prof. Dr.<br><br>Günther, Klaus, Prof. Dr.<br>&nbsp;&nbsp; &nbsp;<br><strong>Projektmitarbeiter<br><br></strong>Ibsen, Malte, M.Phil. in Politics: Political Theory (Oxon)<br><br>Szews, Johann</p>
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		<title>Moralische Akteure auf dem Finanzmarkt. Bedingungen der Entstehung, Aufrechterhaltung und Verbreitung moralischer Normen im Wirtschaftssektor</title>
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		<dc:creator><![CDATA[chamich]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 05 Dec 2024 16:03:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Forschungsfeld 1]]></category>
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					<description><![CDATA[Projektleitung: Prof. Dr. Dr. h. c. mult. Axel Honneth]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<h2 class="wp-block-heading">Moralische Akteure auf dem Finanzmarkt. Bedingungen der Entstehung, Aufrechterhaltung und Verbreitung moralischer Normen im Wirtschaftssektor</h2>



<p><strong>Projektleitung: </strong>Prof. Dr. Dr. h. c. mult. Axel Honneth</p>



<p>Das Projekt „Moralische Akteure auf dem Finanzmarkt“ untersuchte in wirtschaftssoziologischen Analysen die Entstehung, Verbreitung und Wirkmächtigkeit von normativen Prinzipien und Handlungen am Finanzmarkt.<br>Dabei wurden Märkte nicht bloß als funktionale, normfreie Subsysteme betrachtet, die einzig in Übereinstimmung mit den Regeln des Wettbewerbs und der Profitmaximierung funktionieren. Stattdessen erweist sich für die Akteure auch das Marktgeschehen als eine von ethischen Normen strukturierte Handlungsordnung, in der diese sich folglich auch an normativen Gründen orientieren (können).<br>Das Projektthema wurde in zwei Forschungssträngen verfolgt: Einerseits wurde ein normatives Verständnis des Verhältnisses von individuellem moralischem Handeln und Organisationsstrukturen entwickelt. Der zweite Strang der Forschung betraf die Frage, was Ethik am Finanzmarkt bedeuten kann. Diese Frage wurde im Zusammenhang mit der allgemeineren Frage nach den normativen Strukturen von Märkten überhaupt untersucht.</p>



<p>Das Manuskript „Reclaiming the System. Transformational Agency in Organizations“ wurde  von der Projektmitarbeiterin Lisa Herzog als Habilitationsschrift an der Philosophischen Fakultät der Goethe Universität Frankfurt eingereicht. Hierin wurden die spezifischen Herausforderungen für moralische Akteure, die sich durch ihre Rolle in Organisationen ergeben, untersucht, wobei eine innovative Methodik verwendet wurde, die empirisches Material mit normativen Fragestellungen verknüpft. Diskutiert werden u.a. der Umgang mit moralisch relevantem Wissen in komplexen Organisationen, das Verhältnis von moralischen Akteuren zu ihrer beruflichen Rolle und der Verantwortung für die Aufrechterhaltung einer Organisationskultur, in der moralische Fragen gestellt und moralische Probleme angegangen werden können.<br>In Hinblick auf die Untersuchung der Bedeutung von Ethik am Finanzmarkt und Märkten allgemein wurde u.a. ein Überblicksartikel in der englischsprachigen „Stanford Encyclopedia of Philosophy“ verfasst. Ein inzwischen erschienener Sammelband, der von PI und Projektmitarbeiterin gemeinsam herausgegeben wurde versammelt verschiedene Perspektiven auf den normativen Wert von Märkten. Hierzu wurden neben der Auswahl der Texte auch einleitende Erläuterungen verfasst.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die wichtigsten Publikationen in diesem Projekt:</h2>



<p>Herzog, Lisa:&nbsp;<em>Reclaiming the System. Transformational Agency in Organizations</em>(Habilitation), i.E.</p>



<p>Herzog, Lisa (Hg.):&nbsp;<em>Just Financial Markets? Finance in a Just Society</em>, Oxford: Oxford University Press, 2017.</p>



<p>Herzog, Lisa und Axel Honneth (Hg.):&nbsp;<em>Der Wert des Marktes</em>. Berlin: Suhrkamp, 2014.</p>



<p>*Herzog, Lisa: „Eigentumsrechte im Finanzsystem. Rechtfertigungen und Reformimpulse“, in:&nbsp;<em>Deutsche Zeitschrift für Philosophie</em>&nbsp;62(3), 2014, S. 415–442.</p>



<p>*Herzog, Lisa: „Markets”, in: Edward N. Zalta (Hg.):&nbsp;<em>The Stanford Encyclopedia of Philosophy</em>, 2013, [online]&nbsp;<a href="https://web.archive.org/web/20230127213323/http://plato.stanford.edu/archives/sum2013/entries/markets/">http://plato.stanford.edu/archives/sum2013/entries/markets/</a>&nbsp;[05.10.2017].</p>



<h2 class="wp-block-heading">Personen in diesem Projekt:</h2>



<p><strong>Projektleitung / Ansprechpartner</strong><br><br>Honneth, Axel, Prof. Dr. Dr. h. c. mult.</p>



<p><strong>Projektmitarbeiter</strong><br><br>Herzog, Lisa, Dipl.-Vw., M.St. (Oxon), D.Phil. (Oxon)&nbsp;<br><br>Röß, Johannes</p>
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		<item>
		<title>Eigeninteresse vs. Gemeinwohl: Über den Normenwandel innerhalb der Ökonomik</title>
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		<dc:creator><![CDATA[chamich]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 05 Dec 2024 16:02:38 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Forschungsfeld 1]]></category>
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					<description><![CDATA[Projektleitung: Prof. Dr. Rainer Klump]]></description>
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<h2 class="wp-block-heading">Eigeninteresse vs. Gemeinwohl: Über den Normenwandel innerhalb der Ökonomik</h2>



<p><strong>Projektleitung:</strong> Prof. Dr. Rainer Klump</p>



<p>Der vermeintliche Interessenkonflikt zwischen Eigeninteresse und Gemeinwohl zählt zu den am häufigsten diskutierten Themengebieten an der Schnittstelle von Ökologie und Ӧkonomie sowie in den Bereichen der Wirtschafts- und Umweltethik.<br>Als Beispiele im Bereich der Ӧkologie seien genannt: die weltweite Luft- und Umweltverschmutzung, die Überfischung der Ozeane, die Rodung der Regenwӓlder, die Zerstӧrung der Ӧkosysteme von Pflanzen und Tieren, die Übernutzung natürlicher Ressourcen insbesondere in Entwicklungs- und Schwellenlӓndern, der Ausstoß von CO2-Emissionen sowie der massive Verbrauch fossiler Brennstoffe und nicht-erneuerbarer Energietrӓger. Mit diesem vom Menschen hinterlassenen ökologischen Fußabdruck unmittelbar verbunden zu sein scheinen die globale Erderwӓrmung und der Klimawandel.</p>



<p>Beispiele aus dem Bereich der Ӧkonomie umfassen die Privilegiensuche und das Rent-Seeking einiger Interessengruppen, das Phӓnomen des Lobbyismus und der polit-ӧkonomischen Korruption, die diversen Unternehmensskandale der jüngeren Vergangenheit, den Einfluss von Hedgefonds, Private Equity und Investment-Banking, Bӧrsenspekulationen und -manipulationen, Insiderhandel sowie die (vermeintliche) (Profit-)Gier und Habsucht einiger Manager multi-nationaler Konzerne. Verstӓrkt werden derartige unethische Verhaltensweisen durch die Kurzfristorientierung des Shareholder-Value-Kapitalismus. Insbesondere im Bereich der Anreiz- und Vergütungssysteme (Bonuszahlungen u.ӓ.) ist eine fehlende Nachhaltigkeit zu beobachten. Das weitverbreitete und kurzfristige „Denken in Quartalszahlen“ scheint damit dem langfristigen Wohl legitimer Stakeholder-Gruppierungen wie beispielsweise Arbeitnehmern, Kunden, Zulieferbetrieben und der Gesellschaft insgesamt zu widersprechen. Der Mangel an ӧkonomischer, ӧkologischer und sozialer Nachhaltigkeit kann zu einem Zustand der tragedy of the commons (Hardin/Ostrom) führen, einem Zustand, indem die übermӓβige Verfolgung des Eigeninteresses (inklusive Trittbrettfahrertum und Opportunismus) zu kollektiver Selbstschӓdigung führen kann.</p>



<p>Das Projekt ‚Eigeninteresse vs. Gemeinwohl: Über den Normenwandel innerhalb der Ökonomik’ untersuchte den potenziellen Trade-off bzw. die Kompatibilität von Eigeninteresse und Gemeinwohl. Die beiden Normen zeichnen sich durch ihre zentrale Bedeutung für die ökonomische Theoriebildung und für die Entwicklung und Durchsetzung neuer wirtschaftspolitischer Regulierungs- und Steuerungskonzepte aus.</p>



<p>Besonderes Augenmerk wurde auf die Herausarbeitung von Rechtfertigungsnarrativen für die beiden Normen und die auf ihnen aufbauenden Theorie- und Politikkonzepte gelegt. Da solche Narrative typischerweise außerhalb der ökonomischen Theoriebildung im engeren Sinne entstehen, bot der interdisziplinäre Rahmen des Clusters ideale Bedingungen, um ihre Genese in enger Zusammenarbeit mit den Nachbardisziplinen zu untersuchen. <br>Das Aufeinandertreffen unterschiedlicher und unterschiedlich begründeter normativer Vorstellungen, die so entstehenden Zielkonflikte und ihre möglichen Lösungen wurden konzeptionell sowie an zwei Fallbeispielen untersucht, der Genese und der Umsetzung der Äquator-Prinzipien, einer freiwilligen CSR-Initiative im Bankenbereich, sowie der Diskussion um die Vor- und Nachteile einer paternalistisch ausgerichteten Wirtschaftspolitik.</p>



<p>Die in der ökonomischen Theorie für den Fall des „Laissez-faire“ immer wieder betonte Identität von Eigeninteresse und Gemeinwohl ist Ergebnis eines besonderen Rechtfertigungsnarrativs, das sich erst seit der frühen Neuzeit entwickelt hat und bis heute mit Zielkonflikten konfrontiert ist, die sowohl in ökonomischen als auch ethisch-philosophischen Diskursen thematisiert werden. Nur bei Vorliegen geeigneter Regulierungs-, Monitoring- und Sanktionsmechanismen, die sich wiederum von paternalistisch inspirierten Interventionen unterscheiden müssen, sind ökonomische und ethische Normen auch tatsächlich kompatibel.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die wichtigsten Veranstaltungen in diesem Projekt:</h2>



<p>Tagung:&nbsp;<em>Behavioral Business Ethics: Verhaltensökonomische und ordnungsethische Perspektiven</em>, erste „Frankfurter Tagung zur Wirtschaftsethik“, Goethe-Universität, Frankfurt am Main, 1.-2.Oktober 2013 (in Kooperation mit der Arbeitsstelle Wirtschaftsethik, Gerhard Minnameier).</p>



<p>Tagung:&nbsp;<em>10 Years Equator Principles (2003–2013): Fragment of a Normative Sustainability Order or Business as Usual?</em>, Goethe-Universität, Frankfurt am Main, 14.–15. März 2013.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die wichtigsten Publikationen in diesem Projekt:</h2>



<p>*Martens, W./Linden, B.v.d./Wörsdörfer, M.: „Deliberative Democracy and the Equator Principles Framework: How to Assess the Democratic Qualities of a Multi-Stakeholder Initiative from a Habermasian Perspective?”, in:&nbsp;<em>Journal of Business Ethics</em>&nbsp;141, 2017, S. 1–19.</p>



<p>*Klump, Rainer und Manuel Wörsdörfer: „Paternalist Economic Policies. Foundations, Implications and Critical Evaluations”, in:&nbsp;<em>Ordo Yearbook of Economic and Social Order</em>&nbsp;66, 2015, S. 27–60.</p>



<p>*Wörsdörfer, Manuel: „Equator Principles: Bridging the Gap between Economics and Ethics?”, in:&nbsp;<em>Business and Society Review</em>&nbsp;120(2), 2015, S. 205–243.</p>



<p>*Wörsdörfer, Manuel: „Inside the ‚Homo Oeconomicus Brain&#8216;: Towards a Reform of the Economics Curriculum?”, in:&nbsp;<em>Journal of Business Ethics Education</em>&nbsp;11, 2014, S. 5–40.</p>



<p>*Wörsdörfer, Manuel: „‚Free, Prior, and Informed Consent’ and Inclusion: Nussbaum, Ostrom, Sen and the Equator Principles Framework”, in:&nbsp;<em>Transnational Legal Theory</em>&nbsp;5(3), 2014, S. 464–488.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Personen in diesem Projekt:</h2>



<p><strong>Projektleitung / Ansprechpartner</strong></p>



<p>Klump, Rainer, Prof. Dr.</p>



<p><strong>Projektmitarbeiter</strong></p>



<p>Wörsdörfer, Manuel, PD Dr.</p>
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		<title>Normativität und Subjektivität: 1. Natur – 2. Natur – Geist</title>
		<link>https://normativeorders.net/normativitaet-und-subjektivitaet-1-natur-2-natur-geist/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[chamich]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 05 Dec 2024 16:02:02 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Forschungsfeld 1]]></category>
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					<description><![CDATA[Projektleitung: Prof. Dr. Christoph Menke]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<h2 class="wp-block-heading">Normativität und Subjektivität: 1. Natur – 2. Natur – Geist</h2>



<p><strong>Projektleitung:</strong> Prof. Dr. Christoph Menke</p>



<p>Das Projekt geht von der Annahme aus, dass Normativität Subjektivität ebenso voraussetzt wie hervorbringt. Subjektivität wird darin als das Ensemble der Fähigkeiten zur Orientierung an normativen Gesichtspunkten verstanden. Das Projekt fragt daher nach den Formen der Subjektivität, die mit (bestimmten) Strukturen der Normativität verbunden sind. Dabei geht es um eine doppelte Perspektive: Es wird untersucht, wie sich normative Ordnungen durch die Ausbildung von Subjektstrukturen <em>verwirklichen</em> und dadurch zugleich allererst hervorgebracht werden. Die Untersuchung des Zusammenhangs von Normativität und Subjektivität zielt daher auf eine Prozessualisierung des Begriffs der Normativität: Normativität gibt es nur durch Prozesse der Subjektivierung. Das Ziel des Projekts ist ein genealogischer Begriff der Normativität. </p>



<p>Die Verbindung zum Forschungsprojekt des Clusters ist dabei eine doppelte. Erstens stellt das Projekt die Frage nach der <em>Herausbildung</em> normativer Ordnungen ins Zentrum. Die Frage lautet, wie Normativität, in ihrer Seinsweise und ihrer Struktur, verstanden werden muss, wenn sie durch Subjektivierungsprozesse gebildet worden ist. Zweitens unternimmt das Projekt die Untersuchung von Subjektivierungsformen, die normative Ordnungen hervorbringen, in einer <em>interdisziplinären</em> Perspektive.</p>



<p>Die Projektforschung hatte zwei Schwerpunkte. Der erste Schwerpunkt war die Untersuchung der <em>Bildung</em> von Subjektivität und ihrer Konsequenzen für den Begriff der Normativität; dabei stand der Begriff der Freiheit, als Befreiung, im Zentrum. Der zweite Schwerpunkt lag in der Untersuchung der Normativitätsstruktur des <em>modernen Rechts</em>; die Frage richtete sich dabei auf die spezifische Weise rechtlicher Subjektivierung in der Form „subjektiver Rechte“.</p>



<p>Die Untersuchungen zum ersten Schwerpunkt haben gezeigt, dass die Genese von Subjektivität als der Prozess der Transformation eines bloß natürlichen in ein normatives oder geistiges Wesen zu verstehen ist. Der Begriff der Subjektivität ist daher durch das (prozessuale und prozessierende) Verhältnis von Natur und Geist bestimmt. Dieses Verhältnis bestimmt den Begriff der Freiheit, die darin prozessual, als Prozess der Befreiung verstanden wird. In seiner Dissertation zum jungen Hegel hat Oliver Brokel im Rahmen des Projektes gezeigt, dass die Freiheit des Subjekts deshalb in einer unauflöslichen Spannung zu den normativen Ordnungen steht, die sie hervorbringt. Die Untersuchungen zum zweiten Schwerpunkt haben zu einer Theorie der Form subjektiver Rechte geführt, die für die moderne Ordnung des Rechts eine schlechthin grundlegende Rolle spielt. Dabei steht die These im Zentrum, dass sich in der Form der Rechte eine Selbstreflexion des Rechts vollzieht, die die Differenz von Norm und Natur in die Verfassung der Norm selbst einträgt. Die weitere Analyse gilt der Frage, wie und mit welchen gesellschaftlichen und politischen Konsequenzen das moderne Recht seine Selbstreflexion als „Ermächtigung“ (Weber) des Subjekts organisiert. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen sind in der Monographie<em> Kritik der Rechte</em>(Berlin: Suhrkamp 2015) publiziert.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die wichtigsten Publikationen in diesem Projekt:</h2>



<p>Menke, Christoph:&nbsp;<em>Kritik der Rechte</em>, Berlin: Suhrkamp, 2015.</p>



<p>Menke, Christoph: „Hegels Theorie der Befreiung. Gesetz, Freiheit, Geschichte, Gesellschaft“, in: A. Honneth und G. Hindrichs (Hg.):&nbsp;<em>Freiheit. Internationaler Hegelkongress 2011</em>, Frankfurt am Main: Klostermann, 2013, S. 301–320. Wiederabgedruckt in: Christian Schmidt (Hg.): Können wir der Geschichte entkommen? Geschichtsphilosophie am Beginn des 21. Jahrhunderts, Frankfurt am Main/New York: Campus 2013, S. 60–81. Englische Übersetzung: „Hegel’s Theory of Liberation: Law, Freedom, History, Society“, in:&nbsp;<em>Symposium. Canadian Journal of Continental Philosophy</em>&nbsp;17(1), 2013, S. 10-30.</p>



<p>Khurana, Thomas: „Paradoxes of Autonomy: On the Dialectics of Freedom and Normativity&#8220;, in:&nbsp;<em>Symposium. Canadian Journal of Continental Philosophy</em>&nbsp;17(1), 2013, S. 50–74.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Personen in diesem Projekt:</h2>



<p><strong>Projektleitung / Ansprechpartner<br><br></strong>Menke, Christoph, Prof. Dr.</p>



<p><strong>Projektmitarbeiter</strong><br><br>Brokel, Oliver<br></p>
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