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	<title>Forschungsfeld 2 &#8211; Normative Orders</title>
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	<title>Forschungsfeld 2 &#8211; Normative Orders</title>
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		<title>Biblische Rechtfertigungsnarrative in spätantiker Umwelt– die Rolle der kaiserlichen Frauen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[chamich]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 05 Dec 2024 15:11:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Forschungsfeld 2]]></category>
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					<description><![CDATA[Projektleiter: Prof. Dr. Hartmut Leppin]]></description>
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<h2 class="wp-block-heading">Biblische Rechtfertigungsnarrative in spätantiker Umwelt– die Rolle der kaiserlichen Frauen</h2>



<p><strong>Projektleiter:</strong>&nbsp;Prof. Dr. Hartmut Leppin</p>



<p>Zu den erstaunlichsten Phänomenen der spätantiken Geschichte gehört, wie rasch ein christliches Rechtfertigungsnarrativ dazu beitrug, die schon Jahrhunderte andauernde Herrschaft römischer Kaiser neu zu legitimieren. In diesem Projekt sollte untersucht werden, wie das an der Peripherie des Römischen Reiches entstandene, dann weiterentwickelte christliche Rechtfertigungsnarrativ von Herrschaft mit seinen universalen Ansprüchen auf die römische Herrschaftsordnung traf und sich erstaunlich schnell mit ihr verband, so dass in der politischen Sprache die Unterschiede dem Schein nach verschwanden.<br><br>Im Zentrum standen dabei jene Ansprüche, die an den Kaiser gestellt wurden, der in der spätantiken Gesellschaft sowohl an dem Rechtfertigungsnarrativ des paganen Kaisertums als auch an jenen des Alten Testaments als auch an dem Konzept des Heiligen Mannes gemessen werden konnte (Francis Dvornik, Peter Brown). Dies führte zu einer Änderung des kaiserlichen Verhaltens, aber auch des Machtgefüges, da nunmehr Vertreter des Christentums wie Mönche oder Bischöfe aufgrund ihrer spirituellen Autorität als kompetent galten (Claudia Rapp), das kaiserliche Verhalten zu beurteilen. Nicht hinreichend berücksichtig war bislang das Verhältnis dieser personal gebundenen Autoritäten zur Autorität von Texten, in denen Normen überliefert waren; so wurden in der Spätantike, z.B. bei Ambrosius und Johannes Chrysostomos, Normen oft aus dem Alten Testament gewonnen und zum Teil unmittelbar auf die eigene Zeit übertragen. Da die Entwicklungen im Osten und im Westen des Römischen Reiches unterschiedlich verliefen, ließ sich vergleichend die Entwicklung des christlichen Rechtfertigungsnarrativs unter verschiedenen sozialen Verhältnissen beobachten. Dabei wurde insbesondere die Rolle der kaiserlichen Frauen gewürdigt, in einem engen Austausch mit einem parallelen Projekt im Internationalen Graduiertenkolleg „Politische Kommunikation von der Antike bis zur Gegenwart“.<br><br>Das Leitthema des Projektes wurde unter sehr unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet. Der Projektleiter Hartmut Leppin befasste sich vor allem mit der Frage, inwieweit das spätantike christliche Kaisertum, das er als eine überraschende Erscheinung, als ein Paradox der Europäischen Geschichte bewertete, biblische Rechtfertigungsnarrative aufgriff. Dabei wurde deutlich, dass sowohl christozentrische als auch alttestamentliche, gewissermaßen davidische Interpretationen aus der Bibel abgeleitet wurden, dass daneben aber eine Tendenz bestand, ein hierokratisches Kaisertum zu entwickeln. So zeigten sich mit der beträchtlichen Wirkung der biblischen Rechtfertigungsnarrative auch ihre Grenzen.<br><br>Beide in dem Projekt begonnenen Promotionen wurden zu einem erfolgreichen Abschluss geführt:<br>Jan-Markus Kötter beschäftigte sich mit dem sog. „Akakianischen Schisma“, der ersten grundsätzlichen Kirchenspaltung zwischen den Kirchen von Rom und Konstantinopel in den Jahren 484 bis 519. Hier ging es ihm darum, zu untersuchen, wie die verschiedenen Akteure Argumente biblisch-apostolischer Provenienz zur Durchsetzung ihrer dogmatischen und hierarchischen Ansprüche (mithin: ihrer Idee von einer adäquaten kirchlichen Ordnung) nutzten. Durch die dichte Analyse der Konflikte und ihre breite Einbettung in historische Kontexte konnte ein neuer Blick sowohl auf die Herausbildung der spätantik-kirchlichen Ordnung als auch auf die ständigen Konflikte um die Weiterentwicklung dieser Ordnung gewonnen werden.<br>Michaela Dirschlmayer untersuchte die machtpolitische Stellung der kaiserlichen Frauen im spätantiken christlichen Kaisertum vom 4. bis zum 6. Jahrhundert. Nach kritischer Analyse antiker Texte konnte sie feststellen, dass der Einfluss kaiserlicher Frauen in dieser Zeit vor allem in religionspolitischen Belangen deutlich zu fassen ist. In engem Zusammenhang damit stehen Kirchenstiftungen kaiserlicher Frauen, denn diese können als sichtbarer Ausdruck ihres Einflusses und im Sinne einer Kommunikation zwischen dem kaiserlichen Hof und den Akzeptanzgruppen, die diesen stützten, interpretiert werden. Die Ergebnisse dieser Untersuchung liefern einen bedeutenden Beitrag, den Handlungsspielraum einer kaiserlichen Frau, der rechtlich nicht zu definieren ist, besser fassen zu können. Zudem legen sie nahe, bisherige Thesen der Forschung zu spätantiken/frühbyzantinischen Kaiserinnen neu zu bedenken.<br><br>Zu den wichtigsten Publikationen im Forschungsprojekt zählen: Hartmut Leppin (2011):&nbsp;<em>Justinian – Das christliche Experiment</em>, Stuttgart: Klett-Cotta; Hartmut Leppin (2010):&nbsp;<em>Das Erbe der Antike</em>&nbsp;(C.H. Beck Geschichte Europas), München: Beck; und Jan-Markus Kötter (2013):&nbsp;<em>Zwischen Kaisern und Aposteln. Das Akianische Schisma (484-519) als kirchlicher Ordnungskonflikt in der Spätantike</em>, Stuttgart: Steiner; Michaela Dirschlmayer (2015):&nbsp;<em>Kirchenstiftungen römischer Kaiserinnen vom 4. bis zum 6. Jahrhundert – die Erschließung neuer Handlungsspielräume</em>, (JbAC Ergänzungsband Kleine Reihe 13) Münster: Aschendorff.&nbsp;<br><br>Die wichtigsten Veranstaltungen im Projekt waren ein internationaler Workshop zur „Ausbreitung von Religionen und Neutralisierung von gesellschaftlichen Räumen“ (25.-27.6.2010), ein Vortrag und Seminar von Hans Beck zum Thema „Zwischenstaatliche Beziehungen im klassischen Griechenland. Soziozentrismus und die Grenze normativer Ordnung“ (21.-2.6.2010) sowie „Normative Aspekte in Form und Funktion der griechischen Hagiographie in der Spätantike“, Vortrag und Seminar mit Prof. Claudia Rapp (UCLA, 27.3.-8.4.2009).</p>
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		<title>Menschenwürde in der Frühen Neuzeit</title>
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		<dc:creator><![CDATA[chamich]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 05 Dec 2024 15:11:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Forschungsfeld 2]]></category>
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					<description><![CDATA[Projektleiter: Prof. Dr. Dr. Matthias Lutz-Bachmann und Prof. Dr. Luise Schorn-Schütte]]></description>
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<h2 class="wp-block-heading">Menschenwürde in der Frühen Neuzeit</h2>



<p><strong>Projektleiter</strong>: Prof. Dr. Dr. Matthias Lutz-Bachmann und Prof. Dr. Luise Schorn-Schütte</p>



<p>Beim Teilprojekt „Menschenwürde/Menschenrechte in der Frühen Neuzeit“ bildeten sowohl der Begriff der Menschenwürde als auch der der Menschenrechte zentrale Bezugspunkte normativer Legitimation, auf die aus (rechts-) philosophischer, ethischer, juristischer, (ideen-) geschichtlicher und politischer Perspektive Bezug genommen wurde. Zumeist knüpfen heutige Lesarten an das von Kant in spezifischer Zusammenführung stoischer, christlicher, humanistischer und aufklärerischer Traditionen entwickelte Konzept der Menschenwürde an. Die teilweise in der Forschungslandschaft zu beobachtende Stilisierung der „Moderne“ als Epochenbruch verklärt dabei nicht nur die sich bei Kant konzentrierende Aufklärung, sondern leugnet auch die Geschichtlichkeit, d.h. die räumliche und zeitliche Situiertheit der Herausbildung normativer Konzepte.<br><br>Das in Kooperation von Geschichtswissenschaft und Philosophie betriebene Projekt verfolgte das Ziel, die ideengeschichtlichen Vorläufer, besonders im Umfeld der auf die Kolonialerfahrung des 16. und 17. Jahrhunderts reagierenden spanischen Spätscholastik, zu untersuchen und auf ihren systematischen Beitrag zu Menschenrechts-Debatten hin zu überprüfen.<br><br>Die Schule von Salamanca sticht dadurch hervor, dass sie mit einem universalen weltumspannenden Herrschaftssystem konfrontiert war. Die spanisch-habsburgische Monarchie stieß gleichermaßen an ihren Rändern und im Innern an die Grenzen ihres Herrschaftsanspruchs. Das Verhältnis von nationalen Monarchien und Kirche wurde in Frage gestellt. Die Rechte des Einzelnen innerhalb und außerhalb dieser Gemeinschaften waren gleichfalls bedroht. Die Theoretiker der spanischen Spätscholastik betrachteten diese Fragen in ihrer Verzahnung.<br><br>Über die religiös-konfessionellen Fragmentierungen hinweg treten vergleichbare Argumentationsmuster in den europäischen Ständedebatten auf, die sich auf Rechtfertigungsmuster des Rechts der Not- und Gegenwehr (Naturrecht, römisches Recht, altes Herkommen), aber auch auf das Gewissen als einen politisch-theologisch umstrittenen Begriff beziehen. Die Religion kann nicht gewaltsam aufgezwungen werden, das war im 16./17. Jahrhundert Konfliktpunkt und ein einschlägiges Argument innerhalb aller europäischen Herrschaftssysteme, aber auch gegenüber den Kolonialvölkern. Es stellt das Ferment der neuzeitlichen Konzeption der Menschenrechte dar. Zur wichtigsten Veranstaltung in diesem Projekt zählte: „Human Rights, Human Dignity and Cosmopolitan Ideals“, Gästehaus der Goethe-Universität in Frankfurt am Main vom 6.-7. Mai 2011.</p>
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		<title>Rechtfertigungsnarrative in der Frühen Neuzeit: Debatten um politische Normen in europäischen Ständeversammlungen des 16./17. Jahrhunderts</title>
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		<dc:creator><![CDATA[chamich]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 05 Dec 2024 15:10:51 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Forschungsfeld 2]]></category>
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					<description><![CDATA[Projektleiterin: Prof. Dr. Luise Schorn-Schütte]]></description>
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<h2 class="wp-block-heading">Rechtfertigungsnarrative in der Frühen Neuzeit: Debatten um politische Normen in europäischen Ständeversammlungen des 16./17. Jahrhunderts</h2>



<p><strong>Projektleiterin</strong>: Prof. Dr. Luise Schorn-Schütte</p>



<p>In dem Forschungsprojekt, das unter der Leitung von Prof. Dr. Luise Schorn-Schütte stand, wurden Archivarbeiten durchgeführt, die einen Vergleich der Debatten um politische Normen in ausgewählten europäischen Regionen (u.a. Hessen-Kassel, Polen und eine französische Region) im 16. und 17. Jahrhundert zulassen. Bei diesen Untersuchungen war eine zentrale Frage, ob es ein vergleichbares politisches Vokabular in den Debatten der Ständeversammlungen gegeben hat, die sich u.a. an den Konflikten um das naturrechtlich begründete Recht der Not- und Gegenwehr entzündeten.<br>Die Untersuchungen zielten darauf, die Verzahnung der Debatten um politische Gruppenrechte mit denjenigen der zeitgenössischen Theoriedebatten um Individualrechte zu analysieren. Mit letzteren befassten sich sowohl spanisch-katholische Spätscholastiker (vor allem die Schule von Salamanca) als auch lutherische und reformierte juristisch-theologische Debatten. Es war deshalb zu klären, ob es jenseits der sich im 16. Jahrhundert ausbildenden konfessionellen Gegensätze eine gemeinsame politische Sprache der Zeitgenossen gegeben hat.&nbsp;<br><br>In der Untersuchung des Wandels des politischen Vokabulars konnte der Wandel politischer Normen greifbar werden. Methodisch rückte die Analyse der Grammatik politischer/politisch-theologischer Sprachen in der Frühneuzeit in den Mittelpunkt; mit deren Hilfe können sowohl die Pluralität normativer Ordnungen als auch deren Konvergenzen untersucht wurden. Als Rechtfertigungsnarrative gelten Begründungsmuster, mit deren Hilfe politische Positionen oder die Gültigkeit von Wertmustern legitimiert werden sollen. Die Untersuchung von Debatten zur Legitimation politischer Herrschaft anhand von Regentenspiegeln und Landtagsprotokollen erwies sich als ein geeigneter Forschungszugang.<br>Der Gegensatz zwischen Partikularität und Universalität, der sich im Gegensatz zwischen universalem Herrschaftsanspruch der Monarchien und den regionalen ständischen Identitäten artikulierte, war Ausgangspunkt für die Formulierung veränderter Rechtfertigungsnarrative, die an traditionale Teilhaberechte anknüpften.<br><br>Das Teilprojekt wurde vom 1.1.2009 bis zum 31.12.2011 bearbeitet; die wissenschaftliche Mitarbeiterin Dr. Therese Schwager bearbeitete den Teil zum Alten Reich (Ständeversammlungen in der Landgrafschaft Hessen-Kassel), Dr. Maciej Ptaczynski, Stipendiat aus Warschau, den Teil zu den polnischen Ständeversammlungen (16./17. Jh.).&nbsp;<br>Beide Mitarbeiter haben dabei eine weitgehend unbekannte Überlieferung aufgearbeitet. Dr. Therese Schwager hat die intensive Debatte um den Konfessionswechsel des Landgrafen Moritz (1607) analysiert; dazu gab es erste Vorarbeiten durch die Projektleiterin. Frau Schwager hat diese Materialien durch weitere Recherchen in anderen Archiven abrunden können. Wesentlich für die Fragestellung im Projekt (Normwandel auf Ständetagen Europas in der Frühen Neuzeit) war die Untersuchung der Konfessionsgegensätze im Territorium (Luthertum gegen Reformiertentum), anhand derer die konfessionsverschiedenen Zugänge zu den dominanten Normen dieser Jahrzehnte analysiert werden sollten: Gewissen als individuelle Kategorie, das Recht auf Gegen- und Notwehr. Der Konfessionswechsel stieß beim ständischen Adel und bei den neuen lutherischen Pfarrern auf erheblichen Widerstand; die mit einigen Adligen und Pfarrern durchgeführten Verhöre wurden protokolliert. Frau Schwager hat alle identifizieren können und dieses Material als Grundlage für ihre Untersuchungen zum Normwandel verwendet. Das Ergebnis ist für die Forschung weiterführend; die Protokolle sind als Anhang für die Publikation aufbereitet und kommentiert worden.&nbsp;<br>Dr. Maciej Ptaczynski hat die lateinisch/polnische Überlieferung aus den Sitzungen des Sejm (polnischer Reichstag) unter der Fragestellung des Projektes aufgearbeitet und damit für die noch junge polnische Ständeforschung Neuland betreten. Der interessante Befund ist, dass es trotz der auch in Polen wichtigen Konfessionsfrage des 16./17. Jahrhunderts kaum Debatten um die Normfragen gab, die mit theologiepolitischen Argumenten geführt worden wären. Vielmehr stand in Polen die Argumentation mit Hilfe der regionalen Tradition (patria-Begriff) und unter Verweis auf das römische Recht im Vordergrund. Im Zentrum stand stets die Frage nach dem Verhältnis von ständischem Adel und Wahlkönigtum, das mit Hilfe eines Vertragswerkes institutionalisiert werden musste. In diesem Zusammenhang tauchten die Begriffe Gewissen, Notwehr, Gegenwehr auch in der polnischen Debatte auf, die Argumentationsstrukturen aber waren anders angelegt als dies für das hessische Territorium der Fall gewesen war.&nbsp;<br><br>Der durch Prof. Dr. Luise Schorn-Schütte formulierte Vergleich der Ergebnisse beider Regionalstudien konnte herausstellen, dass die frühneuzeitlichen Normdebatten stets von regionalen und römischrechtlichen Traditionen geprägt waren, dass aber im Alten Reich die konfessionellen Spannungen neue Argumente hinzugefügt haben, die in der polnischen Debatte nicht aufgetreten sind. Den Gründen wird in der Publikation ausführlich nachgegangen.<br><br>Auf der im Herbst 2009 in Greifswald (Krupp Forschungskolleg) durchgeführten Arbeitstagung waren die Kernfragen nach der Struktur der Normen und deren Vergleichbarkeit innerhalb von Europa bereits ausführlich erörtert worden. Dabei wurde deutlich, dass die in der Forschung lange Zeit als dominant anerkannte Charakterisierung dieser Ordnungsmuster als Republikanismus nicht länger aufrechterhalten werden kann.&nbsp;<br><br>Innerhalb der Clusterfelder wurde eine enge Kooperation mit den Forschungen von Prof. Andreas Fahrmeir (Geschichte), Prof. Matthias Lutz-Bachmann (Philosophie) und Prof. Rainer Forst (Philosophie) praktiziert.<br><br>Zu den wichtigsten Publikationen im Forschungsprojekt zählen: Schorn-Schütte, Luise (2013): Was ist Wandel normativer Ordnungen im Europa des 16. und 17. Jahrhunderts?, in: Fahrmeir, Andreas/Imhausen, Annette (Hg.),<em>&nbsp;Die Vielfalt normativer Ordnungen. Konflikte und Dynamik in historischer und ethnologischer Perspektive</em>, (Reihe: Normative Orders Bd. 8), Frankfurt am Main: Campus, 109-126; Schorn-Schütte, Luise (2012): „Die Rolle von Rechtfertigungsnarrativen in politisch-theologischen Debatten des 16. und 17. Jahrhunderts“, in: Frankfurter Kunstverein und Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ (Hg.),&nbsp;<em>Demonstrationen. Vom Werden normativer Ordnungen</em>&nbsp;(Katalog zur gleichnamigen Ausstellung im Frankfurter Kunstverein, 20.1.-25.3.2012), Nürnberg, 339-345; Ptaszynski, Maciej (2012): „Orthodoxie aus der Provinz und Buchgelehrsamkeit. Theologisches Selbstverständnis der evangelischen Kirche in Pommern (16./17. Jahrhundert)“ , in: Schorn-Schütte, Luise (Hg.):&nbsp;<em>Gelehrte Geistlichkeit &#8211; geistliche Gelehrte: Beiträge zur Geschichte des Bürgertums in der Frühneuzeit</em>, Berlin, 53-74 und Schorn-Schütte, Luise (2009): „Vorstellungen von Herrschaft im 16. Jahrhundert. Grundzüge europäischer politischer Kommunikation“, in: Helmut Neuhaus (Hg.),&nbsp;<em>Die Frühe Neuzeit als Epoche</em>(=Beihefte zur HZ, Bd. 49), München 2009, 347-376.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Die Wissenschaftskultur der Aufklärung und die Rechtfertigung normativer Ordnungen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[chamich]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 05 Dec 2024 15:10:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Forschungsfeld 2]]></category>
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					<description><![CDATA[Projektleiter: Prof. Dr. Moritz Epple]]></description>
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<h2 class="wp-block-heading">Die Wissenschaftskultur der Aufklärung und die Rechtfertigung normativer Ordnungen</h2>



<p><strong>Projektleiter:</strong>&nbsp;Prof. Dr. Moritz Epple</p>



<p>Die zentrale Fragestellung des Projektes bestand darin zu ermitteln, inwieweit die enzyklopädische Wissensordnung in der französischen Aufklärung vom Denk- zum Handlungsrahmen der philosophes wurde, und inwieweit der Auftritt der modernen Wissenschaften dadurch einen spezifischen Beitrag zur Entwicklung der sozialen und politischen Moderne geleistet hat. Die Fragestellung wurde vor allem ausgehend von Jean Le Rond d&#8217;Alemberts „Essai sur les Elements de Philosophie“ behandelt. Der Essai wurde von d&#8217;Alembert 1759 nach seiner Aufgabe der Mitherausgeberschaft der Encyclopédie verfasst und später vom Autor durch umfangreiche „Eclaircissements“ ergänzt, und er ist einer der wenigen systematischen Texte des Encyclopédismus. Ziel des Projektes ist die Erarbeitung einer kommentierten Übersetzung und Edition dieses Schlüsselwerkes der Aufklärung.<br><br>Die Gründe der marginalen Rezeption des Essai im deutschsprachigen Raum – es gibt nur eine nahezu vergessene zeitgenössische Übersetzung von Joseph Maria Weissegger (Wien 1787) – stellen eine weitere Forschungsfrage des Projektes dar. Während die Neuübersetzung und Kommentierung des Essai weitgehend abgeschlossen sind, wird die übergeordnete Forschungsfrage nach dem Zusammenhang von epistemischer und politischer Revolution in der französischen Aufklärung auch im Anschlussprojekt behandelt und in verschiedenen Richtungen („Die politische Philosophie der Encyclopédie“ und „Der Zusammenhang von exakten Wissenschaften und der Entwicklung der Norm der Gleichheit“) weiter verfolgt.<br><br>In den Jahren 2008-2012 wurden unter anderen folgende Publikationen veröffentlicht: Comtesse, Dagmar (2012):&nbsp;<em>Wissensordnung als Kritik. Die Ordnung der menschlichen Kenntnisse nach Jean d&#8217;Alembert</em>&nbsp;(Normative Orders Working Paper 01/2012); Comtesse, Dagmar/Epple, Moritz (2013): „Auf dem Weg zu einer Revolution des Geistes? Jean d&#8217;Alembert als Testfall“, in: Andreas Fahrmeir/Annette Imhausen (Hg.),&nbsp;<em>Die Vielfalt normativer Ordnungen. Konflikte und Dynamik in historischer und ethnologischer Perspektive</em>&nbsp;(Reihe: Normative Orders Bd. 8), Frankfurt/M.: Campus, 21-47 und Epple, Moritz (2010): “Links and Their Traces: Cultural Strategies, Resources, and Conjunctures of Experimental and Mathematical Practices”, in: Moritz Epple/Claus Zittel (Hg.), “<em>Science as Cultural Practice. Vol. 1: Cultures and Politics of Research from the Early Modern Period to the Age of Extremes</em>”, Berlin: Akademie Verlag, 221-245.&nbsp;<br><br>In den Jahren 2008-2012 wurden folgende Veranstaltungen durchgeführt: Kooperation mit der Groupe d&#8217;Alembert (französisches Forschungsnetzwerk zur Neuedition der Œuvres complètes von Jean d’Alembert des CNRS): Workshops in Lyon (Juni/ 2009) und Montpellier (Januar/ 2010); Vortrag Moritz Epple auf der PI-Tagung des Clusters 2009: Geometry and Equality. Some Remarks on the Relation between Enlightenment Science, Politics, and Norms, ca. 1757; 1. Nachwuchskonferenz des Clusters (Oktober 2009): Organisation und Leitung des Panels „Sanktionierte Rechtfertigungen: Zensur und Hegemonie“; 1. Nachwuchsworkshop des Clusters (Juli 2010): Organisation und Vorträge der beiden Mitarbeiterinnen (Dagmar Comtesse/ Marianne Schepers) und PI-Vortragsreihe des Clusters, Vortrag Moritz Epple (Juni 2012): Die Moral der Gleichheit.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Partikulare Umsetzung normativer Wirtschaftsordnungen im 19. Jahrhundert</title>
		<link>https://normativeorders.net/partikulare-umsetzung-normativer-wirtschaftsordnungen-im-19-jahrhundert/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[chamich]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 05 Dec 2024 15:10:07 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Forschungsfeld 2]]></category>
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					<description><![CDATA[Projektleiter: Prof. Dr. Andreas Fahrmeir]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<h2 class="wp-block-heading">Partikulare Umsetzung normativer Wirtschaftsordnungen im 19. Jahrhundert</h2>



<p><strong>Projektleiter:</strong>&nbsp;Prof. Dr. Andreas Fahrmeir</p>



<p>Mit der Freihandelsordnung etablierte sich im langen 19. Jahrhundert ein globales Wirtschafts- und Handelssystem mit hohem normativem Anspruch, das durch Technologien des Regierens auf eine umfassende Lebenssteuerung hinwirkte. Freihandel als Ordnungsbehauptung rang alsbald um Legitimation und Rechtfertigung seiner Regelungsansprüche: Widerstände und Paradoxa normativer Geltungsgründe wurden auf globaler wie lokaler Ebene zur Regel. Zugleich verschoben sich die Grenzen zwischen Lokalem, Nationalem und Globalem, Zentrum und Peripherie.<br><br>Angesichts der Vielzahl der Erfahrungen individueller Akteure mit Freihandelsordnungen und ihren Repräsentationen kann daher nur ein multidimensionaler Zugang dieser Interaktion zwischen politischer Organisation, Ideen und wirtschaftlichen Aktivitäten, ihrer gleichzeitigen Ausdifferenzierung und Verflechtung gerecht werden. Das Projekt zielte auf eine Beziehungsgeschichte zwischen globalen und lokalen Räumen guter Gründe und interessierte sich insbesondere für Rechtfertigungsnarrative und ihre wechselseitigen Einflüsse, Kommunikations- und Austauschbeziehungen. Die Forschungsinitiativen, die unter dem Dach dieses Projektes versammelt waren, gingen diesen Wirkungszusammenhängen aus makro- und mikrohistorischer Perspektive nach:<br>Die Ambivalenzen vermeintlich ‚guten Regierens’ und Paradoxa der Freihandelsordnung traten im Fall des britischen Empire deutlich hervor. Als Teil der britischen globalen Zivilisierungsmission und Säulen der kolonialen Herrschaftsarchitektur traten Free Trade und Rule of Law in der multi-ethnischen und multi-religiösen Musterkolonie Indien in ein Spannungsverhältnis zueinander. Dieses stand im Mittelpunkt des ersten Projektes. Geltungsgründe konfligierten, und zwar sowohl in spezifischen Arenen des Rechts wie z.B. vor Gericht als auch in der britischen Öffentlichkeit selbst.<br>Nicht selten rivalisierten ‚ökonomische’ und ‚moralische’ Argumente so miteinander, wie bei der Abschaffung des Sklavenhandels. Die Freihandelsordnungen beruhten auch auf der Privatisierung von Besitzrechten und der Regelung von Arbeitsverhältnissen, die sich auf Vertragsfreiheit und die Vorstellung von Marktbeziehungen zwischen freien und gleichen Individuen gegründet verstanden. Dies jedoch schloss nicht aus, dass sich neue Formen der nun als ‚frei’ deklarierten Zwangsarbeit entwickelten: Inwieweit resultierten demnach Erfolg oder Scheitern der Freihandelsordnung(en) aus Problemen der normativen Ordnung selbst oder aus einer nach ihren eigenen Normen ungerechten oder ineffektiven Umsetzung? Diese Frage war Gegenstand einer zweitätigen Konferenz.<br>Zeitgenössische Politiker, Verwaltungsexperten, private und staatliche (Handels)Gesellschaften, Kaufleute, Intellektuelle und die öffentliche Meinung beschäftigten sich intensiv mit Gewinnen und Verlusten der Freihandelsordnungen und ihrer Herrschaftstechniken, mit Wettbewerb auf internationalen Märkten, Industrialisierung und sozialem Fortschritt. Diese Diskussionen waren zugleich dicht verwoben mit Debatten über die Nation und deren Neubewertung: Die Nation blieb zum einen stetiger Referenzpunkt im Kontext globaler Dynamiken, veränderte sich zum anderen zugleich in eben jenen Modernisierungsprozessen. Für das britische wie auch das französische Kolonialreich des 19. Jahrhunderts galt, dass die koloniale Expansion Einfluss auf die Produktion von historischem Wissen über die Nation nahm und auf das Empire-building und den Prozess der Globalisierung zurückwirkte. Europa lässt sich also nicht aus sich selbst heraus verstehen.<br><br>Um zu zeigen, wie sehr die Analyseebenen des Globalen, Nationalen und Lokalen miteinander verwoben sind, blieb also neben der Makro- gerade die Mikroperspektive unabdingbar. Diese half, alle intermediären Erfahrungsebenen zu erfassen, die die individuelle, alltägliche Begegnung mit dem Freihandel formten: Die Implementierung der liberalisierten Wirtschaftsordnung verdrängte auch die bis dahin auf kollektiven Besitzrechten und auf der Verbindung von ökonomischer Abhängigkeit und Herrschaft beruhenden Wirtschaftspraktiken: Wie dies Gerechtigkeitspraktiken und deren Rechtfertigungsnarrative veränderte, zeigte eine zweite Studie am Beispiel der Bauernbefreiung und Agrarreformen in Nassau in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts aus lokal- bzw. regionalgeschichtlicher Perspektive – ein Ansatz, der wie die anderen Projekte auch auf die Rückbindung zwischen universaler Freihandelsordnung und partikularer Praxis zielte.<br><br>In dem Projekt wurde die Umsetzung der ‚liberalen‘ Wirtschaftsordnungen des 19. Jahrhunderts vor Ort untersucht. Diese zielten auf die Herstellung klar beschreibbarer Eigentumsverhältnisse, die ein neues, bisher vermeintlich durch den gemeinschaftlichen Besitz und die kollektive Verwertung von Nutzungsrechten zurückgehaltenes Potential für wirtschaftliches Wachstum freisetzen sollten und wurden in zwei Kontexten untersucht: In einem kleineren deutschen Staat (Nassau; Heidi Quoika) und in einer außereuropäischen Kolonie (Indien; Dr. Verena Steller). Das Projekt sollte dazu beitragen, die normativen Grundlagen der „Freihandelsordnung“ in doppelter Weise zu kalibrieren. Auf der einen Seite galt es, die Frage zu beantworten, welche Elemente der ‚europäischen‘ normativen Ordnung die Abkehr von über Jahrhunderte bewährten kollektiven Nutzungsrechten erleichterten oder erst ermöglichten, aber auch zu klären, welche Widerstände die rechtlichen und administrativen Veränderungen hervorriefen, die ‚moderne‘ Eigentumsverhältnisse zu schaffen suchten. Auf der anderen Seite galt es, zu klären, ob andere normative Grundlagen die Attraktivität der Freisetzung kommerzieller Energien außerhalb Europas wirklich sehr viel stärker behinderten und somit stärkerer Zwänge bedürften. In beiden Fällen hat sich die Hypothese einer komplexen Gemengelage von Interessen, Zustimmungen und Widerständigkeiten wie erwartet bestätigt.&nbsp;<br><br>Das Dissertationsprojekt von Heidi Quoika hat zur Entdeckung umfangreicher, bislang kaum bearbeiteter Aktenbestände der standesherrlichen Familie Waldbott von Bassenheim geführt, anhand derer sich die ‚Modernisierung‘ der Administration und damit auch der Eigentums- und Besitzverhältnisse aus der intermediären Perspektive einer vorher reichsunmittelbaren, nach 1803 dem Herzogtum Nassau unterworfenen, aber immer noch mit Rechten gegenüber den ehemaligen Untertanen ausgestatteten Familie detailliert verfolgen lässt – wobei in diesem Fall die Entwicklung von einem relativ harmonischen Patriarchalismus über heftige Konflikte im Jahr 1848 zu einer Forderung nach ‚modernisierenden‘ staatlichen Reformen auch von unten verlief.&nbsp;<br><br>Das von Verena Steller durchgeführte Projekt zu Indien hat sich in Richtung eines Habilitationsprojekts entwickelt, das die &#8222;Rule of Law&#8220; allgemein in den Blick rückt, vor allem anhand ‚politischer‘ Prozesse, wobei der bislang wenig beachteten Gruppe der indischen im britischen System ausgebildeten barrister besondere Aufmerksamkeit gilt. Nach dem Abschluss der Finanzierung durch das Cluster wurde das Projekt durch ein Stipendium der Gerda Henkel Stiftung gefördert und nun im Rahmen einer „eigenen Stelle“ der DFG finanziert.<br><br>Zu den wichtigsten Publikationen im Projekt zählen: Andreas Fahrmeir/Verena Steller (2013): „Wirtschaftstheorie, Normsetzung und Herrschaft: Freihandel, „Rule of Law“ und das Recht des Kanonenboots“, in: Andreas Fahrmeir/Annette Imhausen (Hg.),&nbsp;<em>Die Vielfalt normativer Ordnungen. Konflikte und Dynamik in historischer und ethnologischer Perspektive</em>&nbsp;(Reihe: Normative Orders, Band 8.), Frankfurt/Main, Campus, 165-195; Andreas Fahrmeir (2012):&nbsp;<em>Europa zwischen Restauration, Reform und Revolution 1815-1850</em>&nbsp;(Oldenbourg Grundriss der Geschichte, Bd. 41), München: Oldenbourg Wissenschaftsverlag; Andreas Fahrmeir (2011): „Civil rioters? Citizens’ restrained violence in Britain around 1800”, in:&nbsp;<em>European Review of History / Revue européenne d’histoire 18</em>, 359-371 und Verena Steller (2014): “The „Rule of Law“ in British India, or a Rule of Lawyers? Indian Barristers vs the Colonial State“, in:<em>&nbsp;comparativ. Zeitschrift für Globalgeschichte und vergleichende Gesellschaftsforschung</em>&nbsp;(hg. v. Christina Brauner, Antje Flüchter: „The Dimensions of Transcultural Statehood“), 24(5), 78-98.<br><br>Im Rahmen des Projekts wurden u.a. folgende Veranstaltungen durchgeführt: „From Bondage to Freedom. The Abolition of Slavery, Serfdom and Unfree Labour“, Internationale Konferenz, 9.-10.7.2010 und „The Production of Colonial Historiographies“. Workshop 4.-5.10.2010.</p>
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		<title>Normentransfer, Aneignung von Normen und Camouflage normativer Ordnungen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[chamich]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 05 Dec 2024 15:09:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Forschungsfeld 2]]></category>
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					<description><![CDATA[Projektleiter: Prof. Dr. Karl-Heinz Kohl]]></description>
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<h2 class="wp-block-heading">Normentransfer, Aneignung von Normen und Camouflage normativer Ordnungen</h2>



<p><strong>Projektleiter:</strong>&nbsp;Prof. Dr. Karl-Heinz Kohl</p>



<p>Im Verlauf der Arbeiten an diesem Teilprojekt kam es zu zwei thematischen Schwerpunktsetzungen. Die Untersuchungen des Projektleiters konzentrierten sich auf die Frage, welche Rolle die Ethnologie bei der im Zuge des wechselseitigen Kulturtransfers vor sich gehenden Rekonstruktion traditioneller Ordnungen spielte, während die Mitarbeiterin des Teilprojekts, Katja Rieck, die Transformation indischer ökonomischer Gegendiskurse im frühen 20. Jahrhundert im Zusammenhang mit der Entstehung der Unabhängigkeitsbewegung untersuchte. Die beiden Themen hängen insofern eng zusammen, als es sich im einen wie im anderen Fall um eine spezifische Form der „Wiederaneignung“ von Traditionen handelt: Bilder der eigenen Kultur werden ins Positive gewendet und zur Legitimation sowohl von anti-kolonialen Widerstandsbewegungen als auch von postkolonialen Ordnungen herangezogen.&nbsp;<br><br>Der Projektleiter ging dieser Fragestellung am Beispiel der Indigenitätsbewegungen in den ehemaligen britischen Siedlerkolonien nach. Dabei legte er einen Schwerpunkt seiner Untersuchungen auf die seit den späten 1980er Jahren zu beobachtenden transnationalen Kooperationen zwischen nicht-staatlichen Indigenenorganisationen, die auf globaler Ebene zur Formulierung neuer Rechtsnormen führte, deren Durchsetzung wiederum die Akzeptanz der Positionen zur Voraussetzung hatte, die sich im Zuge der jüngsten Diskussionen um Postkolonialismus und Subalternität herausgebildet hatten. Die Ratifizierung dieser neuen Rechtsnormen erfolgte nach einer sich über fast zwei Jahrzehnte hinziehenden Debatte schließlich mit der im September 2007 von den Vereinten Nationen verabschiedeten „Declaration on the Rights of Indigenous Peoples“. Allerdings ist die Umsetzung der Grundsätze der „Declaration“ in nationale Gesetzgebungen bisher nur zögernd vor sich gegangen und auf zahlreiche Widerstände gestoßen. Hier eröffnen sich zahlreiche neue Forschungsfelder. Ihrer Untersuchung wird gegenwärtig in der zweiten Laufzeitphase des Clusters an ausgewählten Beispielen nachgegangen.&nbsp;<br><br>Ausgangspunkt des Forschungsvorhabens der Projektmitarbeiterin bildete die Beobachtung, dass ökonomische Diskurse weltweit als ein, wenn nicht als das zentrale Rechtfertigungsnarrativ moderner Gesellschaften fungieren. Dem stehen wiederum, besonders in postkolonialen Gesellschaften, ökonomische Gegendiskurse entgegen, die das normative Selbstverständnis der westlichen Moderne und der mit ihm assoziierten Praktiken angreifen. Die gesellschaftlichen Bedingungen für die Herausbildung eines solchen Gegenmodells wurden am Beispiel Indiens untersucht, wo die Befreiung von der Kolonialherrschaft durch die Verwirklichung einer soziopolitischen Gesellschaftsordnung erreicht werden sollte, die auf Prinzipien der hinduistischen bzw. der islamischen Ökonomie basierte. Dabei ging es vor allem um folgende Fragen: Weshalb formulierte die gebildete Elite Indiens ihre Kritik an der britischen Kolonialregierung, und am Westen im Allgemeinen in wirtschaftlichen Begriffen? Wie entstanden postkoloniale Vorstellungen von Staat und Gesellschaft, die sich zugleich kritisch mit den Normen einer postaufklärerischen westlichen „Modernität“ auseinandersetzten? Welche Rolle spielten dabei indische (Re)Visionen indigener „Tradition(en)”? Weshalb wurden diese postkolonialen Gegendiskurse zunehmend religiös verankert – sowohl im Hinduismus als auch im Islam? Während der hinduistisch-geprägte ökonomische Gegenentwurf mit der Ermordung Mahatma Gandhis an politischer Relevanz verlor, fand die von Abu A‘la Maududi entwickelte islamische Alternative in den folgenden Jahrzehnten weit über Indien hinaus Zuspruch. Seit dem Fall des Kommunismus erscheint sie als einer der wichtigsten normativen Gegenentwürfe zum Kapitalismus, wird dabei allerdings nur zögerlich in entsprechende Praxen umgesetzt.<br><br>Der Projektleiter hat die Resultate seiner Forschungen in Form von Aufsätzen veröffentlicht. Dazu zählen: Kohl, Karl-Heinz (2009): „Die Ethnologie und die Rekonstruktion traditioneller Ordnungen“, in: Fried, Johannes/Stolleis, Michael (Hg.),&nbsp;<em>Wissenskulturen. Über die Erzeugung und Weitergabe von Wissen</em>, Frankfurt am Main/New York: Campus, 159-180 und Kohl, Karl-Heinz (2010): „The End of Anthropology – an Endless Debate”, in:&nbsp;<em>Paideuma 56</em>, 87-98; Kohl, Karl-Heinz/Carstensen, Christian/Jauernig, Susanne/Kammler, Henry (Hg.) (2011):&nbsp;<em>Transfer und Wiederaneignung von Wissen</em>, Altenstadt: ZKF Publishers. Das Teilprojekt der Mitarbeiterin ist zum Mai 2011 ausgelaufen. Ihre Ergebnisse sind in ihre Dissertation eingegangen und finden sich in den Aufsätzen: Rieck, Katja (2014): „Religionsästhetik, Imagination und die Politisierung des Fortschritts in Indien, 1870-1920”, in: Lucia Traut/ Annette Wilke (Hg.): Religion – Imagination – Ästhetik. Vorstellungs- und Sinneswelten in Religion und Kultur. Critical Studies in Religion/Religionswissenschaft (CSSRW), Göttingen: Vandenhoeck &amp; Ruprecht und Rieck, Katja (2015): „The Colonial Order of Things and its AlterNatives: Contesting Power/Knowledge in Late Colonial India”, in: Sophia Ebert/Johannes Glaeser (Hg.): Ökonomische Utopien, Berlin: Neofelis Verlag, 125-150.</p>
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		<title>Westliche Normen und lokale Medien in Afrika </title>
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		<dc:creator><![CDATA[chamich]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 05 Dec 2024 15:09:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Forschungsfeld 2]]></category>
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					<description><![CDATA[Projektleiter: Prof. Dr. Mamadou Diawara]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<h2 class="wp-block-heading">Westliche Normen und lokale Medien in Afrika </h2>



<p><strong>Projektleiter</strong>: Prof. Dr. Mamadou Diawara</p>



<p>Afrika ist weltweit bekannt für seine vielfältige immaterielle Kultur, seine einzigartige Musik, orale Überlieferungen, künstlerische Performances, Textilkunst, aber auch seine Literatur und sein lokales Wissen über Pflanzen, die Umwelt, oder die Konstruktion von Lehmarchitektur. Mit der zunehmenden Kenntnis über dieses afrikanische Kulturerbe vergrößerte sich auch die Ungewissheit, wie mit diesen kulturellen und künstlerischen Ausdrucksformen in rechtlicher Hinsicht im globalen Kontext umzugehen sei, insbesondere im Hinblick auf kommerzielle Interessen, Technologien der Vervielfältigung, die Anwendung rechtlicher Regelungen und die globale Ausstrahlung durch die Medien.&nbsp;<br><br>Das Projekt hatte zum Ziel, das Aufeinandertreffen westlicher und afrikanischer Normen zu untersuchen. Dabei spielte insbesondere der koloniale Transfer eine große Rolle, der vielschichtige Umdeutungsprozesse lokaler Praktiken und bereits existierender Normen in Gang gebracht hat. Es sollte vor Ort in Afrika untersucht werden, wie genau lokale Akteure in verschiedenen afrikanischen Gesellschaften mit neuen und alten Normen umgehen und sie interpretieren, dabei bereits etablierte Praktiken und Werte transformieren und umformen. Die Forschungen wurden in Mali und Kamerun durchgeführt.&nbsp;<br><br>Konkret widmete sich das Projekt den Veränderungen anhand zweier mit einander verknüpfter Themenbereiche: dem Umgang mit Urheber- und Autorenrechten in Bezug auf Musik und Performance sowie den Veränderungen von Medien, Werbung und Konsumnormen. Dabei stand die Untersuchung des Spannungsverhältnisses der Anliegen verschiedener Akteure und Interessengruppen, von gesellschaftlichen Erwartungen und konkurrierenden Rechtsformen im Vordergrund. Das Projekt verfolgte insbesondere die Entwicklungen der beiden letzten Jahrzehnte unter folgenden Fragestellungen: Wie hat sich die Medienpraxis durch das Hinzukommen der elektronischen Medien in Afrika verändert? Wie verstehen lokale Akteure das in einer bestimmten historischen Situation in Europa entwickelte Konzept des Erfinders und Autors (als neue Kategorien eines kulturellen Akteurs) und den damit verbundenen Schutz ihrer Erfindungen und Werke? Wie gehen Verkäufer, Konsumenten, Patrone, Produzenten oder Medienstationen mit den einhergehenden rechtlichen Maßnahmen um? In wessen Interesse werden Normen durchgesetzt und begründet, und wer sind die Akteure und die involvierten Interessengruppen?<br><br>Die Forschungsergebnisse des Projekts zeigen, dass Urheber- und Autorenrechte in Bezug auf Musik und Performance in Afrika seit den vergangenen beiden Jahrzehnten eine immer größere Rolle spielen. Kulturelle Ausdrucksformen unterliegen in zunehmendem Maße Prozessen der Verrechtlichung. Im Umgang mit der Frage der Regelungen wie mit immateriellem Kulturgut umzugehen sei, zeichnen sich zwei Tendenzen ab. Zum einen eignen sich einzelne lokale Akteure kulturelle Ausdrucksformen ihrer eigenen Gruppe an, formen sie um und erklären das Ergebnis als ihre eigene Schöpfung, die sie unter ihrem Namen als ihr geistiges Eigentum vermarkten. Zum anderen beanspruchen ethnische Gruppen immer öfter bestimmte kulturelle Ausdrucksformen und lokales Wissen als ihr kulturelles Erbe, das nur ihnen allein gehöre, und ihr ureigenes Ahnenerbe sei. Unsere Ergebnisse zeigen, dass die mit der Verrechtlichung, der Kommerzialisierung und Mediatisierung einhergehenden Veränderungen nicht in direkter Weise durch die Einführung westlicher rechtlicher Regelungen oder neuer Technologien wie der Druckerpresse oder der elektronischen Medien bedingt sind, sondern dass die Vorgänge komplexer sind. Bevor der Einfluss der westlichen Neuerungen beurteilt werden kann, müssen zuerst die bereits existierenden lokalen Regelungen des Umgangs mit immateriellen Kulturgütern verstanden werden. Dies zeigt, dass die neuen Regelungen und technischen Neuerungen erst dann im lokalen Kontext Relevanz erhalten und einflussreiche Faktoren für Wandel werden, wenn sie für die Akteure in einer bestimmten historischen Situation Bedeutung erlangen. Die Frage ist deshalb weniger, ob die Normen des geistigen Eigentums zu Afrika passen oder nicht, oder ob die elektronischen Medien einen westlichen Stil aufoktroyieren, sondern vielmehr, was die lokalen Akteure mit den neuen Regelungen anfangen, wie sie diese aneignen, nutzen und umformen (Diawara, Mamadou/Röschenthaler, Ute (2011): „Immaterielles Kulturgut und konkurrierende Normen: Lokale Strategien des Umgangs mit globalen Regelungen zum Kulturgüterschutz“,&nbsp;<em>Sociologus</em>&nbsp;61 (1): 1-17; Röschenthaler, Ute/Diawara, Mamadou (Hg.) (2016):&nbsp;<em>Copyright Africa. How Intellectual Property, Media, and Markets Transform Immaterial Cultural Goods</em>. Canon Pyon: Sean Kingston Publishing.)<br><br>Ähnliche Ergebnisse zeigte die Untersuchung der Veränderung der Rolle von Medien im subsaharischen Afrika (Mali und Kamerun) (Diawara, Mamadou/Röschenthaler, Ute (2013): „Mediationen: Normenwandel und die Macht der Medien im subsaharischen Afrika“, in: Andreas Fahrmeir/Annette Imhausen (Hg.),<em>&nbsp;Die Vielfalt normativer Ordnungen. Konflikte und Dynamik in historischer und ethnologischer Perspektive</em>&nbsp;(Reihe:&nbsp; Normative Orders Bd. 8), Frankfurt/M.: Campus, 129-164.). Medien übersetzen Erfahrung in eine andere neue Form, durch die Menschen ihre Umwelt besser verstehen können. Sie spielen eine wichtige Rolle für die soziale Integration und die Reflektion von Gesellschaften über sich selbst. Vorstellungen von Gesellschaft, Nation oder Kultur basieren alle auf Mediation. Auch hier spielten Kontinuitäten in den vorkolonialen und den neuen elektronischen Medien eine große Rolle, im Hinblick auf die Herausbildung von Normen und der Akzeptanz neuer Medien.<br>Es zeigte sich, dass diese Untersuchung einen umfassenden Begriff von Medien erfordert, der historische und gesellschaftliche Kontexte einbezieht. Bereits aus vorkolonialer Zeit, d.h. vor der Berliner Konferenz im Jahre 1885 ist die Nutzung von Medien in vielfältiger Form überliefert. Die Kolonialzeit, der nationalstaatliche Umgang mit Medien seit der Unabhängigkeit und die zunehmende Verstädterung im 20. Jahrhundert brachten tiefgreifende Veränderungen mit sich. Mit den Demokratisierungsbestrebungen und der Liberalisierung der Märkte in Afrika seit dem Ende der 1980er Jahre entstand eine erneute Dynamik, die sich unter anderem in der Multiplikation elektronischer Medien und neuer Konsumprodukte äußert. Sie geht von den Städten aus mit ihren beschleunigten Bewegungen, der Verdichtung und Heterogenisierung von Menschen und Gütern und bildet ein ideales Umfeld für das Entstehen neuer Medienpraktiken.&nbsp;<br><br>In verschiedenen Regionen Afrikas haben sich im Laufe der Zeit unterschiedliche Instanzen herausgebildet, die die Rolle des Mediums als Vermittler authentifizierter Botschaften und der sozialen Integration übernommen haben. Beispiele sind die Preissänger oder Griots in der Mandewelt im westlichen Afrika und die Männer- und Frauenbünde in den Wald- und Savannenregionen West- und Zentralafrikas. Das menschliche Medium erscheint zunächst als normenbestärkend, bei genauerem Hinsehen, also der Beobachtung über längere Zeit, jedoch wird deutlich, dass Bünde als Medien, ebenso wie die elektronischen Medien auch, immer wieder zur Austragung von Konflikten zwischen Generationen, Männern und Frauen, und anderen Interessengruppen zur Aushandlung von Normen genutzt werden.<br><br>Das Projekt organisierte Konferenzen und Workshops in Bamako (2009) zum Aufeinandertreffen normativer Ordnungen und deren Umsetzung im Bereich der Entwicklung im Rahmen des Programms Point Sud u.a. mit Mitgliedern und Doktoranden des Clusters; zwei internationale Tagungen in Bad Homburg (2010 und 2011) zur Transformation von Kulturgütern im Kontext der Veränderung von Rechtsnormen, Mediatisierung und Kommerzialisierung.&nbsp;<br><br>Die Ergebnisse des Projekts machen die Handlungspraxen lokaler Akteure sichtbar und geben ein differenziertes Bild sozialer und kultureller Veränderungsprozesse. Sie bereichern die oft aus der Theorie generierten Argumente und setzen ihnen dichte Beschreibungen des Umgangs mit Normen entgegen. Die Geschichte des geistigen Eigentums in Afrika in seinen vielfältigen bereits vor der Kolonialzeit bestehenden Formen wie auch der mit dem jeweiligen Verständnis solcher Rechte zusammenhängende Umgang mit den staatlichen und internationalen Regelungen zum Urheber- und Markenrecht ist hierbei noch weitgehend unterbelichtet und bedarf weiterer Forschungen. Die Erkenntnisse können Hinweise darauf geben, wie die weitverbreitete Problematik der Piraterie in Afrika besser verstanden werden kann und wie die Akteure (Künstler, Händler, Unternehmer) selbst mit dieser Problematik umgehen.</p>
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		<title>Neue Diskurse zu Staat und Gesellschaft in der islamischen Welt</title>
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		<dc:creator><![CDATA[chamich]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 05 Dec 2024 15:09:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Forschungsfeld 2]]></category>
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					<description><![CDATA[Doktorandengruppe; Leiterin: Prof. Dr. Susanne Schröter ]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<h2 class="wp-block-heading">Neue Diskurse zu Staat und Gesellschaft in der islamischen Welt</h2>



<p><strong>Doktorandengruppe, Leiterin</strong>: Prof. Dr. Susanne Schröter&nbsp;</p>



<p>Islamismus und islamischer Fundamentalismus sind Phänomene, die in den postkolonialen Staaten der islamischen Welt und in den muslimischen Diaspora-Gemeinschaften Europas zunehmend an Bedeutung gewinnen. Vor allem in Staaten mit laizistischen oder pluralistischen politischen Traditionen (z. B. Türkei, Südostasien) zieht es Jugendliche massenhaft in die islamistischen Organisationen, erfreut sich ein islamischer Lebensstil großer Popularität, werden islamische Utopien in sozialen Gemeinschaften erprobt. Diese Entwicklung birgt erheblichen sozialen und politischen Sprengstoff. Fundamentalismen oder Re-Islamisierungen bedrohen das fragile Gleichgewicht multikultureller Staaten genauso wie Islamisierungen ethno-nationalistischer Befreiungsbewegungen. Bedenklich ist vor allem die Legitimierung von Gewalt im Namen des Islam, die lokale Konflikte diskursiv aufheizt und Gewaltspiralen in Gang setzt. In dezidiert islamischen Staaten (Staaten des Nahen und Mittleren Ostens) ist eine umgekehrte Entwicklung zu verzeichnen. Der Staatsislam wird nicht explizit abgelehnt, aber alltagspraktisch unterlaufen und subversiv unterhöhlt. Statt neuer Gemeinschaftsbildung ist hier Individualisierung, Fragmentierung und eventuell sogar ein Prozess der Säkularisierung zu verzeichnen.<br><br>Die Doktoranden und Doktorandinnen der Gruppe untersuchten diese Prozesse unter besonderer Berücksichtigung von Akteursperspektiven. Die Forschungsgruppe widmete sich der Aufgabe, in islamistischen Gemeinschaften und Organisationen sowie in anderen relevanten Gruppen innerhalb der islamischen Welt mit Hilfe eines ethnologischen Methodenrepertoires Erkenntnisse über die Ideen und Träume, die Handlungsstrategien und Netzwerke der Akteure und Akteurinnen zu erlangen. Dabei sollten Lebensstile und Alltagspraxen genauso untersucht werden wie politische Rituale und die Bedeutung von Bildern und Symbolen. Ziel der Gruppe war die komparative Erfassung aktueller Entwicklungen in der islamischen Welt, sowohl in Bezug auf die Konzipierung neuer normativer Ordnungen als auch hinsichtlich ihrer Umsetzung in Politik und Gesellschaft.<br><br>Aus der ethnologischen Forschungsarbeit der Doktoranden gingen folgende Publikationen hervor: Brecht-Drouart, Birte (2011):&nbsp;<em>Between Re-Traditionalization and Islamic Resurgence. The Influence of the National Question and the Revival of Tradition on Gender Issues among Maranaos in the Southern Philippines</em>. Frankfurt [Elektronische Ressource]; Hassanzadeh Shahkhali, Alireza (2014):&nbsp;<em>Rituality and Normativity: An Anthropological Study of Public Space, Collective Rituals and Normative Orders in Iran 1848-2011</em>&nbsp;(AUP Dissertation Series), Amsterdam: Amsterdam University Press; Karimi, Somayeh (2013):&nbsp;<em>Ethnicity and Normativity: An Anthropological Study of Normativity in Everyday Life of Gilak People in North of Iran</em>&nbsp;(AUP Dissertation Series), Amsterdam: Amsterdam University Press; Müller, Dominik M. (2014):&nbsp;<em>Islam, Politics and Youth in Malaysia: The Pop-Islamist Reinvention of PAS</em>&nbsp;(Contemporary Southeast Asia Series), London/New York: Routledge&nbsp; und Sharifzadeh, Natalie (2013):&nbsp;<em>200 gesicherte Helden auf Grenzgang: Polizeiaufbau in Afghanistan</em>, Marburg: Tectum Verlag; Großmann, Kristina (2013):&nbsp;<em>Gender, Islam, Aktivismus: Handlungsräume muslimischer Aktivistinnen nach dem Tsunami in Aceh</em>, Berlin: Regiospectra Verlag; Seto, Ario (2017):&nbsp;<em>Netizenship, Activism and Online Community Transformation in Indonesia</em>, Palgrave Macmillan;&nbsp; Suratno,&nbsp;<em>Transformation of Jihad: De-Radicalization and Dis-Engagement of extremist Muslims in contemporary Indonesia</em>&nbsp;(Dissertation abgeschlossen).&nbsp;<br><br>Die einzelnen Forschungsarbeiten lieferten ethnographisch reichhaltige Dokumentationen der häufig konfliktiv verlaufenden Aushandlung und Veränderung normativer Ordnungen in der gegenwärtigen „islamischen Welt“, insbesondere im Nahen Osten und Südostasien. Zwei dieser Studien basierten auf langfristiger Datenerhebung in islamistischen Bewegungen und Parteien, andere Arbeiten untersuchten die Transformation ethnischer Identitäten und (neo-) traditionalistischer Bewegungen im Zusammenhang islamisch definierter Staatspolitik. Während islamistisch geprägte Positionen zunehmend Diskurshoheit in sehr unterschiedlichen lokalen Kontexten erreichen, sind dezidiert anti-säkulare und anti-pluralistische Auslegungen des Islam in der Mitte vieler Gesellschaften angekommen und untergraben die Rechtfertigungshegemonie konkurrierender Normativitäten. Annahmen einer „post-islamistischen Wende“ halten der Überprüfung nicht stand, stattdessen finden in vielen Bereichen weitgreifende „Islamisierungen“ von Staat, Recht und populärer Kultur statt, auch wenn dem entgegenstehende säkulare Akteure darum bemüht sind, dieser Tendenz durch alternative Rechtfertigungsnarrative zur Rolle von Islam in Staat und Gesellschaft entgegenzuwirken. Kulturelle Transformationen stehen in engem Zusammenhang mit politischer bzw. rechtlicher Islamisierung, obgleich diese Bereiche im gegenwärtigen Forschungstand zumeist als voneinander weitgehend unabhängig gedeutet werden. Auch innerhalb des politischen Islamismus finden zunehmend Fragmentierungen und normative Diversifizierung statt, deren Ausgestaltung durch Akteure auf der Mikro-Ebene mit gängigen akademischen und medialen Darstellungen des „politischen Islam“ oft nur wenig gemeinsam haben.&nbsp;<br><br>Die ethnographischen Ergebnisse der Forschergruppe bieten vielversprechende Ansätze zur Anschlussforschung. Nachdem durch die Verbindung von regionalen und nationalen mit transnationalen und globalen Perspektiven im gegenwärtigen Forschungsstand vorherrschende Erklärungsmodelle empirisch hinterfragt und analytisch problematisiert wurden, kann dies nun als Ausgangsbasis für eine größer angelegte Theoriebildung dienen, die neue Zugänge zum Verständnis gegenwärtig ausgetragener normativer Konflikte um „gerechte Ordnungen“ in der islamischen Welt ermöglicht. Einzelne Teilprojekte sowie die Ergebnisse der komparativen Gruppenarbeit des Projekts bieten hierzu konkrete Ansätze, auf deren Grundlage nun weitere sozialwissenschaftliche Forschungen aufbauen können.</p>



<p>Außer der clusterinternen Doktorand/innengruppe arbeiteten 9 weitere Doktorand/innen zum Thema „Staat und Gesellschaft in der islamischen Welt“. In dieser extern finanzierten Gruppe lag der Forschungsschwerpunkt vor allem auf südostasiatischen Ländern.&nbsp; Das größte zusammenhängende Einzelprojekt war ein dreijähriges von der DFG finanziertes Vorhaben zum Thema „Kulturelle und politische Transformationen in Aceh, Indonesien, nach dem Tsunami“, in dem drei Mitarbeiter beschäftigt wurden. Die Provinz Aceh in Nordwestindonesien war immer ein Zentrum des politischen Islam in Indonesien und nach der Unabhängigkeit des postkolonialen Staates sogar für mehrere Jahre Teil eines islamistischen Aufstandsgebietes (Darul Islam Indonesia), in dem sich eine eigene „Islamische Armee Indonesiens“ Gefechte mit der nationalen Armee lieferte. Nach der Niederlage im Jahr 1961 kehrte dennoch kein Frieden ein und eine eigene Guerillaarmee, die „Bewegung Freies Aceh“ kämpfte mehr als dreißig Jahre für die Unabhängigkeit von Indonesien und die Implementierung eines islamischen Staates. Nach dem verheerenden Tsunami im Jahr 2004 erfolgte ein Friedensabkommen zwischen der Unabhängigkeitsbewegung und der indonesischen Regierung, infolge dessen der Provinz zugestanden wurde, das islamische Recht auf allen Ebenen der Gesellschaft einzuführen. Im Projekt wurde diese Transformation unter mehreren Aspekten (Staats- und Nationsbildung, Friedenssicherung, Partizipation von Frauen) untersucht. Andere Projekte der Doktorand/innen befassten sich mit neuen Medien (Seto), Deradikalisierungsprogrammen (Suratno), salafistischen Frauenorganisationen (Marddent), Marginalisierung (Roy), Migration (Delalic) und Entwicklungszusammenarbeit (Barkabessy).<br><br>Innerhalb des Projekts konnten sieben Dissertationen fertiggestellt werden (s.o.). Darüber hinaus gingen aus dem Projekt u.a. folgende Publikationen hervor:&nbsp;<br>Susanne Schröter (2009):&nbsp; „Acehnese culture(s)“, in: Graf, Arndt/Susanne Schröter/Edwin Wieringa, (Hg.):<em>&nbsp;Aceh. Culture, history, politics, Singapur: ISEAS</em>; Kristina Großmann (2013):&nbsp;<em>Gender, Islam, Aktivismus: Handlungsräume muslimischer Aktivistinnen nach dem Tsunami in Aceh</em>, Berlin: Regiospectra Verlag; Kristina Großmann/Gunnar Stange/Roman Patock (2012): Aceh nach Konflikt und Tsunami, in:&nbsp;<em>Aus Politik und Zeitgeschichte</em>, 62. Jahrgang, 11-12/2012, 12. März 2012; Müller, Dominik (2010):&nbsp; “An Internationalist National Islamic Struggle? Narratives of ‘brothers abroad’ in the discursive practices of the Islamic Party of Malaysia (PAS)”,&nbsp;<em>South East Asia Research</em>, 18 (4), 757-791. (Special Issue: Islamic Civil Society in South East Asia: Localization and Transnationalism in the Ummah); Müller, Dominik (2010): “Review: Joseph C. Liow (2009): ‘<em>Piety and Politics: Islamism in Contemporary Malaysia</em>’, New York: Oxford University Press”, South East Asia Research, 18 (3), 616-620.<br><br>Die gemeinsame Arbeit und der Austausch innerhalb der Gruppe wurden durch ein wöchentliches Kolloquium, regelmäßige theoretische und methodische Workshops sowie eine einwöchige Summer School organisiert. Zu den wichtigsten gemeinsamen Veranstaltungen zählen die internationalen Konferenzen: “Formation of Normative Orders in the Islamic World”, 7.-9. Mai 2010, International Conference of Aceh and Indian Ocean Studies zum Thema “New Beginnings – Transformations in Post-Disaster and Post-Conflict Region” vom 25.-26.5.2011 in Banda Aceh, zusammen mit dem International Centre for Aceh and Indian Ocean Studies, und “The spreading of religions and the neutralisation of social space”, 25. &#8211; 26.6.2010 in Bad Homburg (zusammen mit Hartmut Leppin und Thomas Schmidt), die internationalen Workshops “New approaches to gender and Islam. Translocal and local feminist networking in South and Southeast Asia”, vom 29.-30.4.2011 an der Humboldt-Universität Berlin (zusammen Nadja-Christina Schneider, Asien-Afrika-Institut, HU, und Gudrun Krämer, Berlin Graduate School Muslim Cultures and Societies) und “Following the Path of the Prophet. Islamic Piety, Social Movements and Political Organizations”, am Forschungskolleg Humanwissenschaften, Bad-Homburg, 07.07.2012 sowie die Doktoranden-Summer School: “Discourses on State and Society in the Islamic World” in Fignano, Italien, 25-31.07.2011, und wöchentliche Forschungskolloquien: „Neue Diskurse zu Staat und Gesellschaft in der islamischen Welt – State and Society in the Islamic World“ je Semester (2009-2012) mit nationalen und internationalen Gastvorträgen, im Exzellenzcluster, Frankfurt/M.</p>
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		<title>Religiöse und lokale Ordnungen auf Java. Islam, Wieder-Erstarken von Tradition und Alltagsleben auf Java, Indonesien</title>
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		<pubDate>Thu, 05 Dec 2024 15:08:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Forschungsfeld 2]]></category>
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					<description><![CDATA[Projektleiterin: Prof. Dr. Susanne Schröter ]]></description>
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<h2 class="wp-block-heading">Religiöse und lokale Ordnungen auf Java. Islam, Wieder-Erstarken von Tradition und Alltagsleben auf Java, Indonesien</h2>



<p><strong>Projektleiterin:</strong>&nbsp;Prof. Dr. Susanne Schröter&nbsp;</p>



<p>Das Forschungsprojekt fokussierte auf so genannte traditionelle Muslime im indonesischen Sultanat Yogyakarta und ihren Versuchen lokale Traditionen gegen einen zunehmend an Popularität gewinnenden kulturellen und politischen Islamismus in Stellung zu bringen. Indonesien ist das Land mit der numerisch stärksten muslimischen Bevölkerung, deren politische Führung es aber seit der Unabhängigkeit trotz erheblicher Schwierigkeiten immer wieder verstanden hat sich gegen Forderungen nach Implementierung eines islamischen Staates durchzusetzen und den postkolonialen Staat als multikulturell und multireligiös zu behaupten. Wie in anderen muslimischen Ländern wurde dieses Ziel durch eine autoritäre zentralistische Elite und über 32 Jahre lang durch einen autokratischen Herrscher ermöglicht. Seit dem Sturz des Diktators Suharto im Jahr 1998 und der anschließenden Demokratisierung und Dezentralisierung ist das Land wiederholt Schauplatz religiös aufgeladener Gewalttätigkeiten zwischen Christen und Muslimen geworden. So konstituierten sich salafistische und jihadistische Organisationen und führten Angriffe gegen Christen und auf ausländische Einrichtungen durch. Der verheerendste Anschlag war der auf zwei Diskotheken auf der Insel Bali, bei der im Jahr 2002 meist australische Touristen starben. Obwohl der staatliche Sicherheitsapparat nach einer harschen Kritik des Auslands gegen islamistische Terroristen vorging, blieben islamistische Milizen unbehelligt und es kommt immer wieder zu gewalttätigen Übergriffen auf religiöse Minderheiten oder auf traditionelle Muslime, die sich der allgemeinen Purifizierung und Fundamentalisierung des Islam verweigern.<br><br>So genannte traditionelle Muslime sehen sich daher genötigt ihren eigenen Standpunkt explizit zu formulieren und mit öffentlichkeitswirksamen Aktivitäten zu untermauern. Mittlerweile kann man von einer Revitalisierung des traditionellen mystisch orientierten Islam sprechen. Vor allem auf der Insel Java, einem der mystischen Zentren des Inselstaates, lässt sich dies gut beobachten. Das Forschungsprojekt befasste sich mit Aktivitäten, Diskursen und Rahmenbedingungen dieser Revitalisierungsbewegung im javanischen Sultanat Yogyakarta. In Yogyakarta fungiert der lokale Sultan als Hüter eines synkretistischen Islam und hat es bislang verstanden unterschiedliche Teile der Bevölkerung Yogyakartas zu integrieren. Auf ihn beziehen sich die Traditionalisten in ihren Handlungen und deren Rechtfertigung. Da sie ihn als Garanten des traditionellen Islam und als Bollwerk gegen die islamistische Modernisierung verstehen, suchen sie seine Autorität mithilfe spezieller Zeremonien zu untermauern und zu stärken.&nbsp;<br><br>Die Mitarbeiterin Dr. Susanne Rodemeier nahm im Rahmen ihrer ethnologischen Feldforschung Kontakt zu Traditionalisten auf, sprach mit ihnen über ihre politischen und spirituellen Vorstellungen und partizipierte an verschiedenen Zeremonien, wie dem jährlich zu Neujahr stattfindenden Mubeng Beteng, bei dem der Palast um Mitternacht barfuß und stumm in einem etwa einstündigen Marsch umrundet wird. Islamisten hatten das Ritual als Gotteslästerung denunziert und potentielle Teilnehmer bedroht. Dennoch, so konnte Frau Dr. Rodemeier feststellen, war das Ritual lebendiger denn je und wurde von einem Teil der Bevölkerung als willkommener Anlass gefeiert, ihrer Opposition gegen den purifizierten Islamismus Ausdruck zu verleihen.&nbsp;<br><br>Grundsätzlich war unübersehbar, so das Ergebnis der Forschungen, dass eine heftige Kontroverse über die tradierte normative Ordnung im gesamten Sultanat entbrannt war. Das Zentrum dieser Ordnung war der Palast (kraton) von Yogyakarta und das Oberhaupt des Palastes – in Personalunion Raja, Sultan und Gouverneur, also mystisches, religiöses und politisches Oberhaupt. Seine Autorität wurde seit der Demokratisierung von zusehend an Einfluss gewinnenden Islamisten in Frage gestellt. Sie wandten sich gegen jeglichen Mystizismus und damit auch gegen den mystischen Islam in javanischer Ausprägung, der in ihren Augen Häresie darstellte.&nbsp;<br><br>Interessanterweise verwendeten Islamisten und Traditionalisten zur Untermauerung ihrer Argumentation ähnliche Denkfiguren, bezogen sie sich auf die gleichen Ereignisse, die jedoch unterschiedlich gedeutet wurden. Eines davon war ein Ausbruch des Vulkans Merapi im Oktober 2010. Traditionalisten sahen in der Naturkatastrophe den Beleg für die verheerenden Folgen der Vernachlässigung lokaler spiritueller Traditionen, die den Vulkan erzürnt hatten und forderten die Stärkung der mystischen Kräfte des Palastes. Die anderen sahen im gleichen Ereignis einen Hinweis Allahs, die abtrünnigen Gläubigen wieder auf den rechten Weg zurückzuführen. Damit geriet die Person des Sultans in den Mittelpunkt der Auseinandersetzungen. Nur über seine politische Verantwortung als Gouverneur bestand Einigkeit, und es sollte just eine Intervention der Regierung in Jakarta sein, die beide Fraktionen wieder zusammenführte. Aus der Hauptstadt wurde nämlich der Vorschlag unterbreitet auch in Yogyakarta demokratische Gouverneurswahlen durchzuführen. Dieses Ansinnen stieß auf ungeteilte Ablehnung und alle Gruppierungen stellten sich hinter den Sultan und das autokratisch-spirituelle System. Das wurde nicht zuletzt in dem erwähnten Neujahrsritual zum Ausdruck gebracht, zu dem die Bevölkerung unterschiedlicher muslimischer Lager mobilisiert wurde. Das Ritual gewann dadurch seine Kraft als integratives Staatsgründungsritual zurück.<br><br>Zu den Publikationen in diesem Projekt zählen: Rodemeier, Susanne (2009): „Zartes Signal einer Wende: Aktueller arabischer Einfluss auf Java“,&nbsp;<em>Südostasien</em>4: 52-55; Rodemeier, Susanne (2010): „In der Spannung zwischen Partikularität und Universalität. Nachwuchswissenschaftler profitieren von der Interdisziplinarität des Exzellenzclusters: „Die Herausbildung normativer Ordnungen‘“,&nbsp;<a href="https://web.archive.org/web/20201031135017/http://www.normativeorders.net/de/aktuelles/forschung-aktuell/767-in-der-spannung-zwischen-partikularitaet-und-universalitaet"><em>Forschung Aktuell</em></a>; und Rodemeier, Susanne (2014): „Mubeng Beteng: A contested ritual of circumambulation in Yogyakarta”, in: Gottowik, Volker (Hg.):&nbsp;<em>Dynamics of Religion in Southeast Asia: The Magic of Modernity</em>, Amsterdam: Amsterdam University Press, 133-153.</p>
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		<title>Feministische Diskurse in der islamischen Welt</title>
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		<dc:creator><![CDATA[chamich]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 05 Dec 2024 15:08:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Forschungsfeld 2]]></category>
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					<description><![CDATA[Projektleiterin: Prof. Dr. Susanne Schröter]]></description>
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<h2 class="wp-block-heading">Feministische Diskurse in der islamischen Welt</h2>



<p><strong>Projektleiterin:</strong> Prof. Dr. Susanne Schröter</p>



<p>Seit Beginn des 20. Jahrhunderts sind die Geschlechterordnungen weltweit in Bewegung geraten, haben sich national und transnational Bewegungen herausgebildet, die die Gleichheit zwischen Männern und Frauen anstreben, aber auch Gegenbewegungen, die Geschlechterdifferenz als Ausdruck einer natürlichen oder göttlichen Ordnung verteidigen und Frauen primär auf die Rolle von Müttern und Ehefrauen beschränken möchten. Während die Idee der Geschlechtergleichheit mittlerweile von den Vereinten Nationen festgeschrieben wurde und eine Konvention gegen die Eliminierung jeglicher Art von Diskriminierung gegen Frauen von fast allen Staaten unterzeichnet wurde, haben vor allem in islamischen Gesellschaften Stimmen an Einfluss gewonnen, die die Geschlechtergleichheit als unislamisch ablehnen. Mehr noch, sie glauben, der Westen nutze den Gleichheitsdiskurs als Waffe gegen die islamischen Gesellschaften, zerstöre ihre Kultur und rekolonisiere sie gewissermaßen.&nbsp;<br><br>Historisch entwickelten sich im „Orient“ und „Okzident“ Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jh. zeitgleich und teilweise unter Bezugnahme aufeinander Diskussionen über die Emanzipation der Frauen, die Ordnung der Geschlechter und die Modernisierung der Gesellschaften. Dafür stehen Namen wie Huda Sharawi und Qasim Amin in Ägypten oder Mirza Fath Ali Akhundzadeh und Sedighe Doulatabadi im Iran. Im Verlauf des 20. Jh. übernahmen autoritäre Herrscher in etlichen postkolonialen muslimisch geprägten Staaten die Ideen feministischer Denker/innen und entwickelten einen rigiden Staatsfeminismus, der auf die Opposition religiöser Akteure und der von ihnen geprägten ärmeren Bevölkerungsschichten stieß. Seit der Islamischen Revolution im Iran hat diese Opposition an Einfluss gewonnen. Progressive Genderordnungen stehen erneut grundsätzlich zur Diskussion. Dies ist vor allem dem Aufschwung islamistischer Organisationen und Parteien zu verdanken, in denen auch Frauen als Aktivistinnen für die Durchsetzung einer islamischen Genderordnung und die Implementierung islamischen Rechts kämpfen. Parallel zu dieser Entwicklung, die in einigen Ländern zu einer Rücknahme bereits gewährter Rechte für Frauen führte, lässt sich aber auch das Gegenteil, nämlich die schrittweise Durchsetzung von Reformen beobachten, die durch zivilgesellschaftliche Akteurinnen auf den Weg gebracht wurden. Die Verabschiedung eines neuen Personenstandsrechts in Marokko, das heute zu einem der progressivsten in der islamischen Welt gehört, ist ein von den Medien viel beachtetes Beispiel für solche Veränderungen.&nbsp;<br><br>Im Forschungsprojekt wurden Diskurse von feministischen Akteurinnen über Transformationen der Genderordnungen in Marokko, Tunesien, Indonesien, Palästina und Syrien untersucht. Ein besonderes Gewicht lag auf Auseinandersetzungen zwischen so genannten säkularen Feministinnen und religiösen, oft islamistischen Akteur/innen sowie auf den Potentialen des Islamischen Feminismus, der sich als dritter Weg zwischen den antagonistischen Polen versteht. Die Forscherinnen untersuchten aktuelle Prozesse mit Hilfe ethnographischer Methoden. Im Projekt wurde auf Grundlage dieser Daten der Versuch unternommen, eine prototypische Entwicklung modellhaft nachzuzeichnen.<br><br>Zu den wichtigsten Publikationen im Forschungsprojekt zählen: Schröter, Susanne (2013): „Gender and Islam in Southeast Asia. An overview“, in: Schröter, Susanne (Hg.):<em>&nbsp;Gender and Islam in Southeast Asia. Negotiating women’s rights, Islamic piety and sexual orders</em>, Leiden: Brill, 7-54; Schröter, Susanne (2013): Tunesien. „Vom Staatsfeminismus zum revolutionären Islamismus“, in: Schröter, Susanne (Hg.):&nbsp;<em>Geschlechtergerechtigkeit durch Demokratisierung? Transformationen und Restaurationen von Genderverhältnissen in der islamischen Welt</em>, Bielefeld: Transcript, 17-44 (zusammen mit Sonia Zayed) und Schröter, Susanne (2013): „Herausbildungen moderner Geschlechterordnungen in der islamischen Welt“, in: Andreas Fahrmeir/Annette Warner (Hg.):&nbsp;<em>Die Vielfalt normativer Ordnungen. Konflikte und Dynamik in historischer und ethnologischer Perspektive</em>, Frankfurt/M.: Campus, 275-306.&nbsp;<br><br>Im Forschungsprojekt wurden folgende Veranstaltungen durchgeführt: International Conference on „New mobilities and evolving identities. Islam, youth and gender in South and Southeast Asia“, vom 20.-21.4.2012 an der Humboldt Universität, Berlin (zusammen Nadja-Christina Schneider, Asien-Afrika-Institut, HU, und Gudrun Krämer, Berlin Graduate School Muslim Cultures and Societies); Konferenz zu „Islam, Gender, gesellschaftliche Transformationen. Geschlechtergerechtigkeit durch Demokratisierungen?“, vom 2.-3.12.2011 im Forschungskolleg Humanwissenschaften in Bad Homburg und das Panel von Susanne Schröter zu „Sexuality, morality and power. Normative gender orders and their dislocations“ auf der Tagung der Deutschen Gesellschaft für Völkerkunde in Frankfurt, 30.9.-3.10.2009.</p>
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